Glanzvoller Auftritt der Altstars in einem Universum weit, weit weg. Garniert mit mancher Überraschung und viel Fanboy-Service.
Zugegeben, für den ersten Star Wars-Film war auch ich noch zu jung, um ihn im Kino sehen zu dürfen, aber den zweiten, den habe ich bereits selbst auf der großen Leinwand erlebt. Damals, als die einzige nennenswerte Konkurrenz noch aus Star Trek bestand, war Star Wars etwas ganz Besonderes. Es war wie eine neue Art Science Fiction, die nicht belehrend den Zeigefinder erhob und irgendeine bedeutungsschwangere Botschaft vermitteln wollte. Es war einfach ein Märchen in modernem Gewand, und das ist es bis heute geblieben.
Quelle: Lucasfilm / Disney
Auch wenn ich wahrlich kein Fanboy bin, ich sammle keine Plastikfiguren und kaufe keine Schokolade mit dem Konterfei von Darth Vader, habe ich mich doch auf Star Wars: Das Erwachen der Macht gefreut. Ich war unglaublich neugierig auf die Altstars, freute mich aber auch auf den jungen Zuwachs und wollte sehen, wie man die zwei so weit voneinander entfernten Generationen zusammenführt. Und natürlich wollte ich einfach gut unterhalten werden, was sowieso der einzige Grund ist weshalb ich ins Kino gehe. Bei mir dürfen Filme auch gerne etwas abgefahren sein, Hauptsache ist sie holen mich für zwei Stunden aus dem Alltag heraus.
Von diesem Standpunkt aus gesehen ist der neue Star Wars-Film hervorragend gelungen. Ohne Längen erzählt er uns ein modernes Märchen im SciFi-Gewand, bei dem mich als alter Knopf besonders die gelungenen Auftritte der Altstars begeisterten. Was Arnold Schwarzenegger irgendwie nicht mehr so ganz gelingen will, das bringt ein Harrison Ford hier zustande. Mit gut eingestreutem Wortwitz, manchmal garniert mit der Nonchalance des Alters, im richtigen Moment aber ernsthaft bei der Sache, füllt er seine Rolle perfekt aus. Und auch wenn ihrer Rolle nach meinem Geschmack etwas zu wenig Gewicht verliehen wurde, konnte mich doch auch Carrie Fisher als Prinzessin Leia überzeugen. Über Mark Hamill allerdings verliere ich kein Wort, denn ein jedes würde einem Spoiler gleichkommen und ich möchte keinem Kinobesucher die Überraschung verderben.
Quelle: Lucasfilm / Disney
Umso mehr kann man über die jungen Schauspieler erzählen, in erster Linie Daisy Ridley, welche die junge Rey spielt. Sie ist das Energiepaket der ganzen Mannschaft. Wenn andere noch reden, handelt sie schon. Geradlinig und klar vertritt sie ihre Position und zieht dabei alle anderen mit. Zum Beispiel den Ex-Stormtrooper Finn, der sein Herz zwar auch ganz offensichtlich an der richtigen Stelle trägt, sich aber erst mal finden muss. Das allerdings macht er auf recht sympathische Art und Weise, weswegen man sich als Zuschauer klammheimlich wünscht, dass es zwischen den zwei funken sollte. Wo der Cast allerdings etwas schwächelt, das ist auf der dunklen Seite der Macht. Auch hier muss man höllisch aufpassen nicht zu spoilern, so viele Gelegenheiten gibt einem die Story dazu, doch traue ich mich sagen, dass die Bösen im neuesten Star Wars: Das Erwachen der Macht einfach nicht böse genug sind. Ich hab wahrlich keine Folterszenen oder dergleichen erwartet, aber wer so abgrundtief schlecht sein will, der fällt doch nicht permanent auf die gleichen Tricks der Rebellen herein, oder?Wobei wir hier vielleicht auf die größte Schwäche des Films zu sprechen kommen. Denn so gut er auch inszeniert ist, und das ist er, und so gute Arbeit die Schauspieler auch leisten, so wirkt die Story doch verdammt konstruiert. Dabei bin ich mir nicht einmal sicher, ob man das dem Streifen negativ anlasten kann, oder ob das vielleicht sogar einer seiner Stärken ist. Denn genau in den Szenen, die ganz offensichtlich geschaffen wurden um die Wünsche der Fans zu erfüllen, da klatschte und freute sich das Publikum am meisten. Damit meine ich auch gar nicht die Auftritte der Stars, sondern die Szenen, die geschaffen wurden um die Verbindung zu den Vorgängern herzustellen. Das geschieht auch nicht besonders plump, J. J. Abrams hat hier schon sein Händchen bewiesen, aber in der Summe wirkt das Ganze doch wie ein gigantischer Fanboy-Service, womit sich der Film selbst einschränkt. Ich vermisste schlicht etwas das Gigantische an dem Konflikt zwischen den Parteien, das Epische an dem ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. All das wurde von den vielen Ereignissen überdeckt die man in einer Filmkritik nicht erwähnen kann, will man nicht spoilern.
Quelle: Lucasfilm / Disney
Dabei ist mir schon klar, dass man das Erwachen der Macht im Hinblick auf die noch kommenden Teile entwarf. Daraus macht man auch kein Geheimnis und spart sich die größte Überraschung für den Schluss auf. Aber ich meine, einer der Grundpfeiler hinter der Philosophie von Star Wars ist der ewige Kampf der Beherrschten über die Beherrscher, beseelt von dem Wunsch ewigen Friedens zwischen den Völkern und Rassen, und genau das kommt irgendwie nicht so richtig durch. Derweil wäre es doch so einfach gewesen die grundlegende Frage zu stellen, weshalb dieser Kampf kein Ende finden kann. Wenn auf der einen Seite eine Macht steht die politische Mechaniken nutzt um mit Gewalt zu herrschen, auf der anderen Seite aber eine selbsternannte Elite, die sich jedweder Kontrolle entzieht, auch der des Volkes, dann ist der Kampf die einzige Option die übrig bleibt und das Volk wird weiter leiden.
Trotzdem ist Star Wars: Das Erwachen der Macht wieder ein herrliches Stück Kinogeschichte. Auch wenn J. J Abrams den sicheren Weg wählte und so viele Wünsche der Fans wie nur möglich unterbrachte, ohne große Experimente zu wagen, war dies zu diesem Zeitpunkt vielleicht der beste Weg um die Serie wieder auf Spur zu bringen. Zudem wissen wir noch nicht, was uns in zwei Jahren erwartet, wenn der nächste Film in die Kinos kommen wird. Darum sage ich ganz klar, Star Wars: Das Erwachen der Macht muss man als Filmfan gesehen haben.
