Star Wars KotOR: Wirklich noch immer gut oder einfach nur verklärt? Wir finden es raus!
Special
Mit Knights of the Old Republic schuf Bioware 2003 einen Meilenstein des Rollenspiel-Genres. Doch wie ist es, den Titel 2024 das erste Mal zu spielen? Wir wagen den Versuch!
Achtung, dicke Spoiler-Warnung! Dieser Artikel behandelt konkrete Handlungsdetails aus Knights of the Old Republic.
Wow! Der der Abspann von Knights of the Old Republic (kurz: KotOR (jetzt kaufen 19,90 € )) läuft und ich fühle mich, als hätte ich gerade einen extralangen Star-Wars-Film in der Tradition der Originaltrilogie gesehen, in dem ich die Hauptrolle gespielt habe. Ich bin wirklich ergriffen. Ergriffen von dem, was ich in den letzten rund 40 Stunden mit meinem Jedi-Hüter Letares und seinen Gefährten und Gefährtinnen so alles erlebt habe.
Ja, ich habe Biowares hochgelobtes Rollenspiel mit 21 Jahren Verspätung tatsächlich durchgespielt und kann endlich nachvollziehen, warum es einen legendären Ruf genießt. Ich bekomme richtig Lust, KotOR noch einmal von vorn zu beginnen - dann allerdings mit einer Karriere als dunkler Jedi! Aber zuerst muss dieser Artikel geschrieben werden. Also los!
SWTOR statt KotOR
Bioware und ich, das ist eine Beziehung mit vielen Lücken. Seien es die ersten beiden Baldur's-Gate-Spiele, die Dragon-Age-Trilogie, Jade Empire oder eben KotOR von 2003 - all diese Hits habe ich aufgrund des Zeitmangels, unter dem wir Freiberufler ja ständig leiden, nur kurz angespielt oder ganz ausgelassen. Bioware bietet mir also noch viel Stoff für die "Mein erstes Mal"-Artikelreihe!
Quelle: Bioware / Medienagentur plassma
Neben Mass Effect 1 und 2, die ich beide durchgespielt habe und absolut genial finde, habe ich ironischerweise das Bioware-MMORPG Star Wars: The Old Republic (kurz: SWTOR) seit seinem Release im Jahr 2011 über mehrere Jahre hinweg sehr intensiv konsumiert.
Mir gefiel das frische Star-Wars-Setting, das zur Zeit der Alten Republik angesiedelt ist und etwa 3700 Jahre vor den Ereignissen in Star Wars: Episode 4 - Eine neue Hoffnung spielt. Und - hier schließt sich der Kreis - etwa 300 Jahre nach KotOR. Der Konflikt zwischen der Alten Republik und den Sith ist mir also durchaus vertraut, auch wenn ich mich an viele Details der SWTOR-Story nur noch vage erinnern kann.
Jedenfalls ist es höchste Zeit, KotOR endlich nachzuholen! Ein Rollenspiel, das bei seinem Erscheinen weltweit Höchstwertungen und zahlreiche Auszeichnungen als Spiel des Jahres einheimste. KotOR erschien damals zuerst für die noch junge Xbox-Konsole von Microsoft, die PC-Umsetzung wurde von Publisher LucasArts erst einige Monate später veröffentlicht. Seit 2013 ist eine optimierte iOS-Version erhältlich, 2021 folgte eine lieblose Umsetzung für die Nintendo Switch.
Das Original-Erlebnis, aber in 4K
Für meinen Retro-Trip habe ich mich für die Originalversion entschieden, die für rund zehn Euro im Microsoft Store erhältlich ist und für die Xbox One X optimiert wurde. Soll heißen: Der Klassiker erstrahlt auf einer Xbox One X oder Xbox Series X/S dank des Upgrades in 4K-Auflösung. Alles wirkt nun deutlich schärfer und "cleaner" - ich denke, diesen optischen Vorteil kann ich mir durchaus gönnen.
Allerdings muss man auf das 16:9-Bildformat verzichten und sich mit dicken schwarzen Balken links und rechts abfinden. Aber hey, 4:3 war damals eben Standard. Wer lieber die PC-Umsetzung von KotOR spielen möchte, die über ein paar Umwege auch Widescreen-Modi unterstützt, kann sich diese bei Steam oder GOG besorgen.
KotOR-Kenner können die folgenden Zeilen im Prinzip überspringen und zum Abschnitt "Erste Schritte auf der Endar Spire" springen. Wer sich aber - wie ich vor diesem Artikel - noch nie mit KotOR beschäftigt hat und wissen möchte, um was für ein Rollenspiel es sich hier überhaupt handelt, bekommt im nächsten Abschnitt einen Überblick.
KotOR-Basics
Grob kann man KotOR als Blaupause für das 2007 erschienene Science-Fiction-Epos Mass Effect bezeichnen. Viele Spielmechaniken und Aspekte, für die Mass Effect später gefeiert wurde, hat Bioware in KotOR zum ersten Mal in dieser Form umgesetzt:
Die Erkundung der Spielwelt in 3D-Grafik, ein ausgeklügeltes Dialogsystem mit Gut-/Böse-Entscheidungen, das Bereisen von Planeten mit dem eigenen Raumschiff, Teammitglieder, die einem im Kampf zur Seite stehen und mit denen sich im Verlauf der Geschichte sogar Romanzen entwickeln können und so weiter, und so fort.
Story und Setting sind von Bioware quasi als Prequel zu den Filmen konzipiert. In der Rolle eines wahlweise männlichen oder weiblichen Jedi, der seine Machtfähigkeiten allerdings erst später entdeckt und sich an seine Vergangenheit nicht erinnern kann, wird man Teil einer Geschichte, die 4000 Jahre vor den Ereignissen der Filme spielt - den Klonkriegen und dem Aufstieg des Galaktischen Imperiums.
Quelle: Bioware / Medienagentur plassma
Im Mittelpunkt steht der Konflikt zwischen den Jedi der Galaktischen Republik auf der einen und den machthungrigen Sith auf der anderen Seite, wobei der finstere Sith-Lord Malak und sein ehemaliger Meister Lord Revan wichtige Schlüsselfiguren sind.
Im Spielverlauf bereist man in weitgehend frei wählbarer Reihenfolge insgesamt sieben Planeten sowie zwei große Raumschiffe beziehungsweise -stationen.
Schauplätze wie Tatooine, Dantooine oder Korriban bieten Star-Wars-Fans allerlei Wiedererkennungswert, ebenso wie die in der Spielwelt vorkommenden Spezies und Kreaturen. Ob Menschen, Twi'leks, Wookies oder Droiden aller Art, ob Rancors, Krayt-Drachen, Rakghule oder Sith-Trooper - hier fühlt man sich sofort zu Hause.
Apropos Reisen: Die Planeten steuert ihr mit eurem Raumschiff, der Ebon Hawk, an. An Bord könnt ihr euch frei bewegen und mit euren Mitstreitern plaudern, denn in KotOR seid ihr nie allein unterwegs.
Bis zu neun NPCs schließen sich euch im Spielverlauf an, jeder mit eigenen Fähigkeiten, eigener Hintergrundgeschichte und eigenen Nebenquests. Wenn ihr die Ebon Hawk verlasst, müsst ihr euch für zwei Begleiter entscheiden, die euch dann auch im Kampf zur Seite stehen.
Das Kampfsystem erinnert an frühere Bioware-Titel wie Baldur's Gate (1998). Die rundenbasierten Scharmützel finden jedoch wie der Rest des Spiels in 3D statt. Die Kamera ist frei drehbar und trotz der taktischen Komponente wirken die Kämpfe sehr dynamisch. Im Hintergrund arbeitet das d20-System von Wizards of the Coast, auf dem auch das Tabletop-Rollenspiel Dungeons & Dragons basiert.
Sobald es zum Kampf kommt, pausiert das Spiel und überlässt euch die Wahl, wie ihr den oder die Gegner angreifen wollt - mit Lichtschwert, Blaster, Granaten oder Machtfähigkeiten. Ihr könnt euch ganz auf euren Helden konzentrieren und nur ihn steuern, während die NPCs Angriffe automatisch ihre ausführen. Oder ihr wechselt gezielt zwischen euren Teammitgliedern und wählt eure Aktionen aus.
Das Charaktersystem erscheint auf den ersten Blick eher unterkomplex, da man nur zwischen den drei Klassen Gauner, Soldat und Späher wählen kann. Doch das täuscht.
Quelle: Bioware / Medienagentur plassma
Es gibt sechs verschiedene Attribute wie Stärke, Verfassung oder Weisheit, acht Fähigkeiten wie "Computerkenntnisse", "Überreden" oder "Tarnung" sowie allerlei passive und aktive Kampftalente, mit denen man sein Alter Ego je nach Vorliebe zum Lichtschwert-Crack, Fernkampf-Blaster-Experten oder Macht-Magier entwickeln kann. Die Möglichkeiten sind äußerst vielfältig.
Man kann seine Charaktere bis zum Level-Cap von 20 (Basisklasse plus spätere Jedi-Klasse zusammengenommen) hochstufen, was auch für die NPC-Begleiter gilt, die automatisch parallel zum eigenen Helden mitleveln. Erfahrungspunkte gibt es für erfolgreich absolvierte Kämpfe, das Abschließen der zahlreichen Haupt- und Nebenmissionen sowie für den Einsatz bestimmter Fähigkeiten.
Last but not least ist das Entscheidungssystem das Herzstück von KotOR. Es lässt einem stets die Wahl, in welche Richtung man seinen Charakter entwickeln möchte, was sich auch auf seine Machtfähigkeiten auswirkt.
Man kann sich durch seine Handlungen und Dialog-Auswahlen für die helle oder die dunkle Seite der Macht entscheiden - oder für irgendetwas dazwischen. Das Verhalten des Spielers hat immer konkrete Auswirkungen auf die Story und sogar auf das Ende des Spiels. Auch hier lässt Mass Effect grüßen.
Erste Schritte auf der Endar Spire
Das Abenteuer ruft! KotOR lädt und ich bekomme ein gut einminütiges Video zu sehen, das ein wie ein zusammengeschnittener Werbeclip für das Rollenspiel wirkt, vorgerendert ist und daher deutlich pixeliger aussieht als die Spielgrafik.
Bildergalerie
Das gilt auch für alle folgenden Rendersequenzen im Spiel, die zudem in einem kleinen Fenster ablaufen. Ich habe einen gewissen Respekt vor diesem Klassiker und möchte es beim ersten Mal möglichst stressfrei angehen. Also stelle ich im Hauptmenü unter "Gameplay" den Schwierigkeitsgrad auf "leicht". Außerdem aktiviere ich für die Mitglieder meiner Gruppe den "automatischen Levelaufstieg".
