Knights Of The Old Republic im Test: Kult-Rollenspiel in liebloser Switch-Umsetzung
Test
Nach zig Star-Wars-Portierungen hat sich Aspyr ein echtes Schwergewicht vorgeknöpft: Knights of the Old Republic entfaltet auch auf der Switch seine Stärken, kann sein hohes Alter aber nicht verbergen. Auch die lustlose Umsetzung enttäuscht, vor allem das Interface schadet der Atmosphäre. Im Test klären wir, warum das Star-Wars-RPG trotzdem eine Bereicherung für die Switch ist.
Aspyr lässt nicht locker: Seit ein paar Jahren hat sich das US-Studio regelrecht auf Portierungen von alten Star-Wars-Titeln eingeschossen. Egal ob Jedi Knight, Republic Commando oder Racer: Dank Aspyr laufen die Spiele wieder auf modernen Konsolen und Mobile-Geräten, wenn auch mit schwankendem Erfolg. Denn wo manche Umsetzungen noch okay ausfielen, gingen andere gründlich daneben. Doch eines hatten alle gemein: Die Portierungen waren nur auf das Nötigste bedacht, vom Prädikat "Remaster" weit entfernt. Und genau das trifft auch auf die späte Switch-Fassung von Knights of the Old Republic zu. Aspyr bringt Biowares Kultspiel ohne Abstriche auf die Nintendo-Konsole, das Ergebnis ist ordentlich spielbar und technisch viel runder als zum Beispiel das brutal ruckelnde Republic Commando. Doch wer auf eine schöne Neuauflage mit viel Fanservice und cleveren Verbesserungen gehofft hat, wird enttäuscht.
Die Legende von Darth Revan
Inhaltlich bekommt ihr exakt das gleiche Rollenspiel, das schon 2003 sein Debüt feierte und bis heute Kultstatus genießt: Bioware hat ein gemächliches, aber klasse geschriebenes Star-Wars-Abenteuer geschaffen, das sich 4.000 vor der Skywalker-Saga entfaltet. Ein Krieg ist zwischen der Alten Republik und den Sith entbrannt, Darth Revan und Darth Malak kommandieren die Armeen der Dunklen Seite mit grausamer Härte. Ohne Erinnerungen oder Vorwissen werdet ihr in diesen galaktischen Konflikt hineingeworfen. Während eure Macht-Fähigkeiten langsam erwachen, müsst ihr herausfinden, wer ihr wirklich seid, eure Ausbildung zum Jedi beginnen, knifflige Entscheidungen treffen - und so letztendlich den Ausgang des Krieges bestimmen.
Wie in Biowares späteren Werken (Mass Effect, Jade Empire) befehligt ihr ein dreiköpfiges Team, das ihr euch aus interessanten Charakteren zusammenstellt. An eurer Seite kämpfen mehrere Jedi, ein Wookie, eine Twi'lek-Gaunerin, Droiden, Soldaten und Söldner. Alle Figuren lernt ihr im Laufe der Geschichte besser kennen, in vielen Gesprächen nehmt ihr Einfluss auf ihr Verhalten und ihre Sichtweisen. Während ihr verschiedene Planeten bereist, um dort die Teile einer mysteriösen Sternenkarte zu suchen, trefft ihr außerdem massenhaft Nebencharaktere, die euch in interessante Quests verstricken: Ihr nehmt an Turnieren teil, löst Mordfälle, treibt Kopfgelder ein, betätigt euch als Anwalt oder spaziert im Taucheranzug am Meeresgrund entlang. Vieles davon wirkt heutzutage etwas angestaubt und trocken, auch weil immer wieder längere Laufwege anfallen, auf denen kaum etwas passiert. Dafür entschädigen aber die vielen Quests, die auch heute noch gut unterhalten und oft mehrere Lösungswege bieten. Besonders cool: Abhängig von euren Entscheidungen sammelt ihr Punkte für die helle oder dunkle Seite, dadurch ändern sich einige Handlungsdetails und Gespräche, außerdem habt ihr so Zugriff auf unterschiedliche Machttalente. Da lohnt sich ein zweiter Spieldurchgang!
Quelle: Aspyr Media
Auch nach 18 Jahren punktet KotOR mit einer guten Story und interessanten Quests. (Herstellerbild)
Rollenspiel für alle
Das taktische Kampfsystem fällt simpel aus: Euer dreiköpfiges Team geht automatisch zum Angriff über und teilt in Echtzeit mit Laserschwertern, Vibroklingen oder Blastern aus. Das ist in den meisten Situationen schon völlig ausreichend. Wird's doch mal kniffliger, könnt ihr auch gezielt Spezialangriffe oder Machttalente anwenden. Auch der Einsatz von Granaten, Schilden und Heilspritzen erfolgt über eine kleine Aktionsleiste, in der ihr bis zu vier Kommandos aneinanderreihen dürft. Damit das bei drei Helden nicht in Stress ausartet, lässt sich das Spielgeschehen jederzeit pausieren.
Auch das Charaktersystem ist einsteigerfreundlich: Ihr müsst zu Beginn nur aus drei Grundklassen und ein paar Basiseigenschaften wählen. Später stattet ihr eure Helden mit allerlei Waffen und Rüstungen aus und schaltet Fertigkeiten frei, mit denen ihr dann beispielsweise Gesprächspartner überreden, Schlösser knacken, Roboter reparieren oder eure Kampftalente weiterentwickeln könnt. Nach ein paar Stunden werdet ihr außerdem zum Jedi ausgebildet, dann könnt ihr euch aus mehreren Lichtschwerttypen und Macht-Zaubereien bedienen und eure Figur so ein wenig euren Vorlieben anpassen, ohne dass ihr lange über irgendwelchen Zahlenwerten grübeln müsstet. Da blicken auch Rollenspiel-Muffel durch.
Quelle: PC Games
Je nach Entscheidung tendiert ihr eher zur hellen oder dunklen Seite der Macht.
KotOR (jetzt kaufen 19,90 € ) war schon damals nicht perfekt und das merkt man heute erst Recht: Die Wegfindung eurer Gruppenmitglieder ist immer noch so durchwachsen wie vor 18 Jahren, hin und wieder bleiben die Freunde auch mal hängen und müssen dann erst zu euch latschen, bevor ihr ein Gebiet verlassen dürft. Die Kamerasteuerung erlaubt keinen Zoom. Minispiele wie die stupiden Raumkämpfe, Pod-Rennen oder das Kartenspiel Pazaak machen heute kaum noch Spaß und lassen sich nicht überspringen. Außerdem fehlt der Switch-Version eine praktische Quicksave-Funktion wie in der Smartphone-Fassung.
Solide Umsetzung des Klassikers
Auch bei der Grafik muss man schon (mindestens) ein Auge zudrücken. Was damals noch richtig toll inszeniert war, reißt heute nämlich keinen Grashalm mehr aus. Immerhin: Manche Außengebiete wie die Steppen von Dantooine oder die schwimmende Stadt auf Manaan sind in Würde gealtert und auch heute noch recht stimmungsvoll. Die meisten Innenräume fallen dafür grau, trist und langweilig aus. Auch die meisten Charaktermodelle wirken etwas klobig und steif animiert, bei manchen fallen auch arg matschige Texturen auf. Zumindest in den hübsch animierten Lichtschwertkämpfen lässt sich aber noch erahnen, dass KotOR mal zu den grafisch besten Rollenspielen seiner Zeit zählte. Technisch fällt die Switch-Version außerdem schöner aus als das verwaschene Xbox-Original, gerade die Umgebungstexturen erinnern eher an die bessere PC-Fassung. Die Optik profitiert auch deutlich von sauberer Kantenglättung und dem Breitbildformat der Switch. Genau so haben wir das Spiel allerdings auch schon auf dem Smartphone erlebt - darum vermuten wir, dass Aspyr einfach die Mobile-Version portiert hat, die bereits 2013 für iOS-Geräte erschienen ist.
Beim Sound bleibt alles beim Alten, auch die komplett deutsche Sprachausgabe ist an Bord. Falls ihr die (bessere) englische Sprachausgabe bevorzugt, müsst ihr dazu die Systemsprache in den Konsoleneinstellungen ändern.
Quelle: Aspyr Media
Ein paar Außenlevel sehen immer noch überraschend stimmungsvoll aus. (Herstellerbild)
Brille? Braucht ihr nicht.
Wo die Smartphone-Fassungen noch mit einem schlanken, durchdachten Interface überzeugten, lässt uns die Switch-Umsetzung ratlos zurück: Aspyr hat - warum auch immer - die alte Benutzeroberfläche der Xbox-Version nachgebaut und es dabei ein bisschen zu gut gemeint. Mit seinen überdimensionierten Info-Boxen und riesigen Schriftgrößen legt sich das HUD über große Teile der Spielgrafik. Dabei wäre das überhaupt nicht nötig, schließlich packt die Switch-Fassung problemlos 1080p, während die matschige Xbox-Fassung noch am alten Röhrenfernseher lesbar sein musste. Am Schlimmsten ist aber die gigantische Einblendung, sobald ein Kampf beginnt: Ein gewaltiger schwarzer Kasten samt roter Schrift erstreckt sich dann über den Screen, der schlimmstenfalls sogar die Sicht auf Gegner verdeckt. Spätestens auf einem großen TV-Bildschirm wirkt das fast schon lächerlich.
Quelle: PC Games
Oben zu sehen: In Kämpfen wird ein riesiger Hinweis in einem schwarzen Kasten eingeblendet.
Auch in den Menüs dürft ihr die Lesebrille ruhig stecken lassen: Egal ob Inventar, Questlog oder Talentauswahl, alles wurde in riesige Kästen mit dicker Schrift verpackt, die links und rechts aber viel ungenutzten Platz lassen. Den Grund dafür muss man nicht lange suchen: Die Menüs waren ursprünglich auf 4:3-Bildschirme ausgelegt und wurden kaum überarbeitet. Und wer noch Zweifel daran hat, dass Aspyr einfach nur das alte Interface hochskaliert hat, braucht nur mal einen Blick auf die Charakterportraits oder Icons für Rüstungen werfen - die sind nämlich so verwaschen, dass es sich unmöglich um neue Grafiken handeln kann. Stattdessen wurde die alten Bilder einfach durch einen Schärfefilter gejagt - und so sieht das Ergebnis dann leider auch aus.
Quelle: PC Games
Egal ob im TV- oder Handheld-Modus: Die Texte fallen unnötig groß aus.
Bleibt nur zu hoffen, dass Aspyr seine ganze Zeit und Energie in das kürzlich angekündigte Remake von KotOR stecken wird. Schließlich muss das Team in gewaltige Fußstapfen treten. Bis es aber soweit ist, rechnen wir noch mit einer Switch-Version von Knights of the Old Republic 2: The Sith Lords. Das hat Aspyr nämlich schon im Dezember 2020 für Mobile-Geräte portiert. Wie gut die Umsetzung geworden ist, könnt ihr in unserem großen Test nachlesen.
Kaufen oder nicht?
Die Switch-Umsetzung von KotOR mag zwar nur das Nötigste liefern, aber dafür ist sie auch zum Sparpreis zu haben: Für nur 12,50 Euro könnt ihr euch den Bioware-Klassiker aus dem eShop runterladen.
