Lumberjack Simulator: Baumstumpfsinnig durch die Botanik
Test
Ein Holzfäller-Spiel bittet den Offroad-Hit Spintires: Mudrunner zur Schlammschlacht: Wir testen, ob der Lumberjack Simulator das Zeug hat, am Thron des amtierenden Waldmeisters zu sägen.
Bäume töten, SUV fahren, querfeldein, Wald und Wiese pflügen, ohne Tempolimit und ohne Angst, dass plötzlich Greta Thunberg irgendwo aus einer Hecke hüpft und "How dare you?" knurrt: Der kürzlich in den Early Access gestartete Lumberjack Simulator scheint der perfekte Titel für Antiaktivistenaktivisten zu sein, die sich mehr vor einem 17-jährigen Mädel fürchten als vor den Folgen des Klimawandels. Fans des Offroad-Hits Spintires: Mudrunner horchen hingegen auf, wenn sie vom verformbaren Terrain des kanadischen Holzfäller-Spiels erfahren. Es soll matschige Strecken und das Verhalten der Fahrzeuge physikalisch so korrekt simulieren, dass alleine der Weg von A nach B zum Abenteuer gerät.
Konkurrent Spintires zelebriert die Essenz des Geländefahrens: Die Nerven sind zum Zerreißen gespannt, ständig besteht Gefahr, dass wir im Morast verenden, im Fluss absaufen, von Minibrücken purzeln oder schlicht umkippen. Wenn Holzhackepeter oder -hackepetras beim Lumberjack Simulator ein Dreckstück verlassen wollen, aktivieren sie das Sperrdifferenzial und sind schwuppdiwupp raus aus dem Schlamassel. Steckenbleiben ist fast unmöglich, die fahrerische Herausforderung tendiert gegen Null. Folgerichtig bleibt Mudrunner die Dreck-Queen, zumindest vorerst, denn natürlich wollen die Lumberjack-Simulator-Entwickler ihr Baby während der Early-Access-Phase aufpäppeln.
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Neulich bei Ninja Warrior
Momentan steht viel ereignislose Herumfahrerei auf dem Programm. Der Forstwirt grindet, um neue Fahrzeuge kaufen zu können. Ein anderes Spielziel? Schäden? Fehlanzeige! Aber okay, vielleicht verfügt der Lumberjack Simulator ja über eine andere Kernkompetenz, immerhin soll es - der intelligente Leser hat wegen des Spieletitels unter Umständen schon eine leichte Vorahnung - hauptsächlich ums Holzfällen gehen.
Quelle: PC Games
Der laienhafte Gebrauch des Holzvollernters führt bisweilen zu eindrucksvollen Ergebnissen.
Baum kappen, Äste entfernen, Stämme verladen, durch die Botanik hobeln und das Holz vor der Hütte zum Verkauf feilbieten: Anfangs denkt der arglose Städter vielleicht, der Beruf des Forstwirts sei ein Kinderspiel. Bis sein tonnenschweres Harvester-Fahrzeug (neudeutsch: Holzvollernter) sich für einen Ninja Warrior hält und einen Baum erklimmt. Eintrag ins Notizbuch für Doofe: Wir knipsen Birke & Co. vorher ab und starten erst danach den am Stamm fixierten Fällkopf, der auch die Äste entfernt. Andersrum bringen die Vorschubräder des Schneidwerks das Fahrzeug nämlich quasi auf die Palme. Upsi!
Der gute Ton
Die größte Herausforderung im Lumberjack Simulator ist, die Stämme per Kran zu verladen. Anfangs fühlt sich das erbaulich an wie bei diesen zwielichtigen Greifautomaten, die sich zum Beispiel auf Jahrmärkten herumtreiben. In solchen Phasen entsteht der Drang, die Entwickler zu einer Holzlasterfahrt zu zwingen, bei der Stevie Wonder am Steuer sitzt. Nach einiger Übung macht das Baumstamm-Tetris aber Spaß. Lobenswert sind auch die authentischen Fahrzeuge, die gute Soundkulisse und interessanten Tutorials.
Die spielbaren Gebrauchsanleitungen offenbaren allerdings ein weiteres Manko: Wer mit den Tutorials durch ist, hat fast alles gesehen. Das Spiel präsentiert sich ähnlich umfangreich wie ein Topmodel, das man in einen Teich schubsen möchte, um es mit Brotkrumen zu bewerfen. Mehrspielermodus? Nö! Außerdem gibt's nur zwei Karten und gerade mal sechs Fahrzeuge. Für die liegen in der Werkstatt fünf Anbauteile herum und wirken dabei so verlassen, sie würden wahrscheinlich gern "Ich carshippe jetzt!" wimmern.
Quelle: PC Games
Mit der Kettensäge lassen sich nur kleine Bäume wie dieser fällen. Links parkt unser Auto.
Arm dran, weil Arm ab
Alte Menschen wie der Autor dieser Zeilen fühlen sich angesichts der Optik in ihre Jugend versetzt. Wir hatten ja früher nichts, nicht mal Grafik bei Adventures und später in Ego-Shootern keine Körper. Wer im Lumberjack Simulator nach unten sieht, findet ebenfalls weder Arme noch Bauch noch Beine. Fehlende Finger wären okay gewesen, doch so steuert das Alter Ego die Fahrzeuge wohl mit Jedi-Kräften. Auch Gegenstände wie die Kettensäge schweben per Telekinese vor dem Holzmichel oder der Holzmichaela herum. Kameraführung und Steuerung entpuppen sich noch als Desaster. Im Cockpit kann sich der Holzfäller nicht umschauen, und selbst die schwenkbare Außenkamera liefert beim Maschineneisatz an den Bäumen nicht genug Übersicht. Gas geben und bremsen mit den beiden Gamepad-Triggern funktioniert. Manchmal. Falls nicht, muss man mit dem linken Stick vor- und rückwärts fahren. Was für keine gute Idee! Schalten wir bei Einbruch der Dämmerung das Licht an, kontert das Spiel mit einem Absturz. Immer.
Wer zu Fuß unterwegs ist und normal nach oben und unten schauen kann, wirft "Hosianna!" krähend Konfetti, weil was reibungslos klappt. Die Software invertiert nämlich hin und wieder die y-Achse. Während des Spielens. Auch das haben wir uns schon immer mal nicht gewünscht. In einer Sache punktet der Lumberjack Simulator gegenüber Mudrunner: Er ist viel zugänglicher. Vielleicht schnitzen die Entwickler die interessanten Ansätze ja noch in Form. Wir wünschen für die Early-Access-Phase gut Holz!
