Stellar Blade im Test: Pornös professionelles Plagiat - Update zur PC-Version
Test
Es zählen doch die inneren Werte: Wir haben Stellar Blades wackelnde Kaufargumente beiseitegeschoben und klären im Test, ob da auch ein gutes Spiel dahintersteckt - oder ob uns hier doch eher "NieR: Automata zu Hause" erwartet.
Kurz vor dem Release des heiß erwarteten PS5-Exklusivspiels Stellar Blade führten die Kollegen von IGN Japan ein Interview mit Hyung-Tae Kim, dem Director von Stellar Blade, und Yoko Taro, dem Schöpfer der NieR-Reihe. Die beiden sind offenbar große Fans voneinander - flankiert von jeder Menge Beweihräucherung zeigt sich aber schnell, wer hier der Sensei und wer der Schüler ist.
Kim schwärmt von NieR: Automata - was wir absolut nachvollziehen können - und sagt dann folgendes: "NieR: Automata hat eine starke und einzigartige Note. Je mehr wir darüber reden, desto mehr fühle ich mich, als könnte Stellar Blade (jetzt kaufen 65,96 € / 62,99 € ) nicht mithalten."
Lesetipp: In Stellar Blade alle Dosen finden - Video-Guide
Nachdem wir Kims erstes großes Konsolenspiel nun durchgespielt haben, können wir ihm nur Recht geben: Stellar Blade bedient sich ausgiebig bei anderen Spielen, vor allem bei NieR, sodass wir gar nicht anders konnten, als ständig Vergleiche anzustellen. Und in diesen Vergleichen zieht Stellar Blade zuverlässig den Kürzeren. Aber wie ihr in diesem Test erfahren werdet: Das bedeutet noch lange nicht, dass Stellar Blade ein schlechtes Spiel ist!
Sag niemals NieR
Bei Stellar Blade schlüpfen wir in das hautenge Kostüm der Schwertkämpferin Eve. Die ist nicht nur wie ihr Vorbild 2B mit einem ungemein auffälligen Hinterteil versehen, sondern sie hat auch eine sehr ähnliche Mission zu erfüllen. In Stellar Blades postapokalyptischem Szenario wurde die Menschheit von einer neuen Spezies von der Spitze der Nahrungskette gestoßen, den Alien-artigen Naytibas.
Eve und ihr Landungstrupp aus aufgebrezelten Kämpferinnen werden auf die Erde geschickt, um den Ältesten dieser Naytibas auszuschalten. Das Intro endet allerdings im Desaster und der gesamte Trupp, inklusive Eves sprichwörtlicher Busenfreundin Tachy, fällt kurz nach der Ankunft den Naytibas zum Opfer. Eve wird vom nicht minder attraktiven Adam aus den Flammen gerettet und die beiden setzen ihre Mission fort.
Die meiste Zeit haben wir Adam in Form einer schwebenden Drohe an unserer Seite, die wir später auch als Schusswaffe einsetzen können - ganz wie die Pods in NieR: Automata also, und das ist noch lange nicht die markanteste Ähnlichkeit.
Im Test fühlten wir uns so schnell in Yoko Taros Meisterwerk zurückversetzt, dass wir den späteren Verlauf der Story, inklusive der großen Plot-Twists, von vornherein als selbstverständlich ansahen und die paar Enthüllungen ohne großen Impact an uns vorbeizogen. Um es kurz und knapp zu sagen: Wenn ihr die beiden NieRs gespielt habt, dann habt ihr fast alles, was euch Stellar Blade erzählen will, schon gehört.
Das mit dem "gehört" dürft ihr wörtlich nehmen, denn selbst weite Teile des Soundtracks könnten so auch 1:1 aus einem Yoko-Taro-Spiel stammen. Zumindest, wenn die Musik noch etwas mehr Seele besäße und feiner auf die Situationen abgestimmt wäre.
Handwerklich gibt sich Stellar Blade dabei keine Blöße und ob man das nun dreist oder wertschätzend findet, ist sicher auch eine Geschmacksfrage. Wir würden aber lügen, wenn wir sagten, wir hätten beim Spielen nicht öfters mal mit den Augen gerollt.
Nicht nur dem Soundtrack, sondern auch dem ganzen Rest der vertrauten Präsentation und Story fehlt es an dem Charme und dem Worldbuilding, die die Vorbilder so besonders machen.
Stellar Blade überrascht uns nicht, es gibt unseren Gegnern und Verbündeten keine nennenswerten Persönlichkeiten, es macht uns weder tieftraurig, noch bringt es uns oft zum Lachen - außer, wenn wir mal wieder ein neues, wunderbar übertriebenes Outfit für Eve freischalten. Rein technisch betrachtet übertrumpft Stellar Blade mit seiner Detaildichte die eher altbackenen NieRs, und trotzdem ist Automata dank seines großartigen Designs das künstlerisch wertvollere Spiel.
