Super Metroid: Retro-Special zum Super-Nintendo-Klassiker - Ein Meilenstein!

Special Johannes Gehrling
Super Metroid: Retro-Special zum Super-Nintendo-Klassiker - Ein Meilenstein!
Quelle: Nintendo

Während Metroid Prime 4 noch für unbestimmte Zeit auf sich warten lässt, gibt es auf der Switch bereits ein älteres Meisterwerk der Serie, welches allen Online-Abonnenten sofort zur Verfügung steht: Super Metroid. Wir machen uns auf zu einer Reise in die 1990er-Jahre, um die Faszination an dem düsteren Spiel zu ergründen.

Es war im zu diesem Zeitpunkt im noch jungen Jahr 2019 eine schockierende Neuigkeit für viele Metroid-Fans: Das bereits im Vorjahr für die Switch angekündigte und sich seit einiger Zeit in Entwicklung befindliche Metroid Prime 4 wurde auf zunächst unbestimmte Zeit verschoben. Die Arbeiten am neuen Samus-Abenteuer liefen nicht wie geplant, also warf man alles über Bord und beauftragte die texanischen Retro Studios mit dem Projekt. Die haben schon die ersten drei Prime-Games hervorgebracht und fingen daraufhin mit der Entwicklung komplett von vorne an. Neuigkeiten zu Metroid Prime 4 erfahren wir hoffentlich 2020, beispielsweise zur E3, auf der Switch allerdings gibt es schon länger ein anderes grandioses Spiel der Reihe als Teil des Angebots für Switch-Online-Abonnenten: Super Metroid! Das 1994 erschienene Super-Nintendo-Spiel wird nicht ohne guten Grund bis heute vielfach als eines der besten Videospiele aller Zeiten genannt. Aber warum ist das eigentlich so?

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Die Entwicklung

Doch zunächst einmal zu den Grundlagen. Super Metroid erschien 1994 für das Super Nintendo Entertainment System, kurz SNES, Nintendos zweite große Heimkonsole. Entwickelt wurde das Action-Adventure von rund 15 Mitarbeitern bei Nintendo R&D1 unter der Leitung von Producer Makoto Kano mit Unterstützung durch den externen Entwickler Intelligent Systems. Nach heutigen Maßstäben ein sehr kleines Team also. Als Director agierte Yoshio Sakamoto, die musikalische Komposition stammt von Kenji Yamamoto. Das Publishing übernahm Nintendo selbst. Seinerzeit waren zeitliche Verzögerungen beim Release von Spielen in verschiedenen Regionen noch üblich und diese teilweise groß, man denke nur an Pokémon, das beispielsweise in der ersten Generation hierzulande erst rund drei Jahre später als in Japan erschien. Nicht so bei Super Metroid: Im März 1994 wurde es in Japan veröffentlicht, einen Monat später schon in Nordamerika und im Juli desselben Jahres schließlich in der PAL-Region und somit auch in Deutschland.

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Die Geschichte

Wie alle (Haupt-)Spiele der Reihe dreht sich auch der Super-Nintendo-Ableger um die Protagonistin im futuristischen Kampfanzug: die Weltraum-Kopfgeldjägerin Samus Aran. Nachdem sie den letzten Metroid zu Forschungszwecken zur Weltraumkolonie Ceres gebracht hat, ereilt Samus ein Notruf. Sie kehrt zur Raumstation zurück, wo sie alle Wissenschaftler tot vorfindet. Außerdem wurde der Baby-Metroid vom Anführer der Weltraumpiraten, Ridley, entführt! Samus entflieht der Kolonie und verfolgt Ridley bis zum Planeten Zebes. Sie erkundet den Planeten und muss feststellen, dass die Weltraumpiraten ihre Basis wiederaufgebaut haben. Nachdem sie alle Bossgegner inklusive Kraid und Ridley besiegt hat, erreicht Samus Tourian.

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Dort trifft sie auf den nun zu enormer Größe angewachsenen Baby-Metroid. Der bringt Samus fast um, erkennt sie aber im letzten Moment wieder und flieht zunächst. Danach trifft Samus auf Mother Brain, die biomechanische Kreatur, die den Planeten Zebes kontrolliert. Der Endboss ist kurz davor, Samus zu töten, als der Baby-Metroid zurückkommt, Mother Brain die Energie absaugt und diese auf Samus überträgt. Mother Brain erwacht jedoch wieder zu Bewusstsein und bringt den Baby-Metroid um. Das führt allerdings dazu, dass Samus vom sterbenden Baby-Metroid den Hyper-Beam erhält und damit schließlich Mother Brain mühelos ins Jenseits befördert. Samus entflieht am Ende dem Planeten Zebes vor dessen völliger Selbstzerstörung.

Das Gameplay

Soweit zur Geschichte. Allein die ist für ein Nintendo-Spiel schon vergleichsweise tiefgehend, stellt man zum Beispiel die Handlung fast aller Mario-Spiele dem gegenüber. Beim eigentlichen Gameplay gibt sich Super Metroid nach heutigen Maßstäben wohl recht puristisch, aber dafür umso perfektionistischer. Die wenigen im Gameplay verwendeten Elemente funktionieren einfach super. Ihr erkundet eine zweidimensionale Spielwelt, im Grunde ein ausschweifendes Höhlensystem mit unzähligen Verzweigungen, Querverbindun­gen und Geheimnissen. Auf eurem Weg streckt ihr nicht nur zahlreiche Gegner und einige Bosse nieder, sondern verbessert auch ständig eure Fähigkeiten oder erhaltet ganz neue Features beziehungsweise Waffen.
Super Metroid: Retro-Special zum Super-Nintendo-Klassiker - Ein Meilenstein! (3) Quelle: Nintendo Super Metroid: Retro-Special zum Super-Nintendo-Klassiker - Ein Meilenstein! (3) Durch diesen Fortschritt werden nach und nach immer größere Teile der 2D-Spielwelt zugänglich, die euch oftmals beim ersten Durchstreifen noch verschlossen bleiben. Backtracking ist daher fester Bestandteil des Spielprinzips von Super Metroid. Dank einer großen Karte im Pausenmenü und einer jederzeit sichtbaren Mini-Map im rechten oberen Bildschirmeck behaltet ihr bei eurer Erkundungstour immer den Überblick. Das mag aus heutiger Sicht banal klingen, vor rund 25 Jahren aber war vor allem die Karte neuartig und ein großer Fortschritt. Zusammen mit Castlevania begründete Super Metroid damit Mitte der 1990er-Jahre das Metroidvania-Subgenre, eine spezielle Art von Action-Adventure, und ist dadurch bis zum heutigen Tag Vorbild für viele Spiele, oftmals Indie-Titel.

Die Spielwelt

Nach der Anfangsszene in der Weltraum-Kolonie findet das restliche Spiel auf dem Planeten Zebes statt, wo sich die bösartigen Weltraumpiraten breitgemacht haben. Nach und nach durchstreift ihr so zunächst die Oberwelt Crateria, die als einzige teilweise auf der Oberfläche des Planeten liegt. Es folgt die von Pflanzen dominierte Welt Brinstar. Im weiteren Verlauf begebt ihr euch zweimal in die Feuer- und Lava-Welt Norfair, außerdem in die mystische Wasserwelt Maridia und in das von Geistern heimgesuchte, verlassene Raumschiff. Am Ende zieht es euch in die von Biomechanik geprägte Welt Tourian, wo ihr auf Mother Brain trefft, den finalen Endboss des Spiels. Die ganze Spielwelt zeichnet sich durch Abwechslungsreichtum und viele Elemente aus, die neugierig machen und zum Erkunden einladen.

Die Gegner

Zu den einnehmenden Eigenschaften der Spielwelt tragen auch die rund 20 verschiedenen Gegnertypen bei, auf die ihr im Spielverlauf trefft. Darunter zum Beispiel die titelgebenden Metroids, merkwürdige kaktusartige Widersacher in Brinstar namens Cacatac, kleine alienartige Wesen mit dem Namen Sidehopper in verschiedenen Teilen der Spielwelt und natürlich die käferartigen Weltraumpiraten in verschieden Variationen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Kräften. Besonders beeindruckend sind die Bosskämpfe inszeniert. In Brinstar trefft ihr auf Kraid, im verlassenen Raumschiff auf Phantoon, in Maridia auf Draygon und in Norfair auf Ridley. Besonders angesichts der nach heutigen Maßstäben technisch starken Einschränkungen des Super Nintendo beeindruckt es, wie episch die Gefechte gegen die Obermotze auch heute noch wirken. Das gilt ganz besonders für den allerletzten Bosskampf des Spiels gegen Mother Brain. Die Inszenierung ist nach wie vor einfach atemberaubend.

Das Fortschrittsystem

Motivation zum Erkunden und Weiterspielen wiederum bietet das Spiel ganz prominent durch die bereits kurz erwähnten zahlreichen Verbesserungen, Waffen und anderen Collectables, die es oftmals als Belohnung gibt oder die es zu suchen und finden gilt. So startet ihr zunächst noch als Samus mit Minimalausstattung in das Abenteuer und seid in dieser Form eures Selbst extrem anfällig für Angriffe sowie unwirtliche Umgebungen, könnt nur geringen Schaden verursachen und wenige Tore öffnen. Das ändert sich zusehends, je mehr Sammelgegenstände ihr einheimst und am Ende des Spiels seid ihr dann um ein Vielfaches stärker als nur wenige Spielstunden zuvor. Das motiviert ungemein und gibt dem Spielverlauf einen jederzeit ersichtlichen und verständlichen roten Faden.

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14 Energietanks und vier Reservertanks gilt es zu entdecken, zudem maximal 230 Raketen in 5er-Packs sowie 50 Super-Raketen und 50 Super-Bomben ebenfalls jeweils mit 5er-Erweiterungen. Außerdem die Fähigkeiten Grappling Beam zum Festhalten an bestimmten Stellen sowie das X-Ray Scope, mit dem ihr eure Umgebung durchleuchten könnt. Mit Charge, Ice, Wave, Spazer, Plasma und Hyper sammelt ihr bis zu sechs Beam-Features für eure Primärwaffe, mit Varia und Gravity Suit verbessert ihr euren Kampfanzug gleich zwei Mal, um gegen Hitze zu bestehen und euch unter Wasser wie an Land bewegen zu können. Auch eure Schuhe upgradet ihr mit Hi-Jump Boots, Space Jump sowie Speed Booster in Sprungkraft, Geschwindigkeit und Co. Und zu guter Letzt erhaltet ihr mit dem Morphing Ball, Spring Ball, Bomben und Screw Attack weitere mächtige und nützliche Fähigkeiten. Ganz schön viel Zeugs, was?

Die Stärken

Super Metroid wird oft für Gameplay, Grafik, Atmosphäre und Musik gelobt. Letztere trägt entscheidend dadurch zum Spielspaß bei, dass sie sehr düster, minimalistisch, beklemmend und vereinnahmend ist, was die alienartige Atmosphäre bestärkt, die Super Metroid inhärent ist. Kein Wunder, die Alien-Filme waren und sind ein großes Vorbild für die Metroid-Reihe. Dem Komponisten sind laut eigener Aussage viele der Melodien spontan auf dem Arbeitsweg in den Sinn gekommen, als er sie einfach vor sich her summte. Alle Gebiete der Spielwelt verfügen über eigene, stimmige Musikstücke.
Super Metroid: Retro-Special zum Super-Nintendo-Klassiker - Ein Meilenstein! (2) Quelle: Nintendo Super Metroid: Retro-Special zum Super-Nintendo-Klassiker - Ein Meilenstein! (2) Auch grafisch war Super Metroid 1994 beeindruckend, glücklicherweise ist der 16-Bit-Stil gut gealtert und auch heute noch hübsch anzuschauen. 1,42 Millionen Einheiten des SNES-Spiels wurden insgesamt verkauft. Nicht sonderlich viel nach heutigen Maßstäben, aber einerseits ist Metroid schon immer eine vergleichsweise eher kleinere Nintendo-Serie gewesen. Andererseits war der gesamte Spielemarkt damals einfach noch nicht annähernd so groß wie heute. Es gab einfach gar nicht so viele Spieler. Es gab ja überhaupt nicht mal annähernd so viele Menschen wie heute! Besonders gut verkaufte sich das Game in den USA, in Japan weniger.

Die Serie

Super Metroid, der dritte Teil der Reihe nach Metroid für das NES (1986) sowie Metroid 2: Return of Samus für den Game Boy (1991), ist aktuell auf mehreren Wegen erhältlich und spielbar. 2007 erfolgte der Release für die Virtual Console der Wii (der Wii-eShop wurde aber zwischenzeitlich eingestellt), 2013 für die VC der Wii U, 2016 dann ebenso auf dem 3DS. Auch auf dem 2017 erschienenen Mini-SNES ist Super Metroid vorinstalliert, seit September 2019 ist das Game außerdem wie bereits erwähnt auf der Switch für Nintendo-Switch-Online-Abonnenten spielbar.

Nach Super Metroid legte die Serie eine längere Pause von rund acht Jahren ein, bis schließlich 2002 Metroid Fusion für den Game Boy Advance und Metroid Prime für den Gamecube erschienen. Seitdem folgten Zero Mission, Prime 2: Echoes, Prime Pinball, Prime Hunters, Prime 3: Corruption, Prime: Trilogy, Other M, Prime Federation Force, Samus Returns und irgendwann in den nächsten Jahren eben Prime 4. Die Serie ist also so lebendig wie nie zuvor. Gut so. Wenn die zukünftigen Metroid-Spiele auch nur annähernd so genial wie Super Metroid sind, stehen uns einige Meisterwerke erst noch bevor.

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