Der einmalige Stil des französischen Künstlers B. Sokal verlieh schon dem ersten Teil des Syberia-Adventures seinen ganz einmaligen Spieleindruck. Das hat sich mit Syberia II nicht geändert, ganz im Gegenteil war der Künstler mehr in den Entstehungsprozess eingebunden als noch im vorangegangenen Teil.
Syberia versinkt im Schnee
Geschichtlich setzt Syberia II dort fort wo der erste Teil aufgehört hat. Unsere Hauptdarstellerin Kate Walker hat den altersschwachen Automatenbauer Hans Vorarlberg gefunden und begleitet ihn nun auf seiner letzten Reise auf der Suche nach dem sagenumwobenen Syberia, dem Land wo es noch Mammuts geben soll. Mir persönlich erschloss sich nur der Grund, weswegen Kate ihre Karriere riskiert und sich mit Hans auf eine Odyssey begibt, irgendwie nicht so ganz. Allerdings hat man während des Spiels kaum Zeit sich darüber Gedanken zu machen, da man mit Hans und seinem mechanischem Begleiter Oscar vollauf Beschäftigt ist. Selbstredend ist das gesamte Spiel wieder im bekannten Look gehalten und besonders die Inszenierung der einzelnen Charaktere verdient ein besonderes Lob, die mitunter sogar Herzenswärme oder Hass auszustrahlen scheinen. Auch die Synchronsprecher hören sich mehr als gut an und verleihen den manchmal etwas steril wirkenden Szenen leben. Besonders der kleinen Malka nimmt man ihre herzerreißende Geschichte von der verstorbenen Mutter gerne ab und fast kommt man sich schlecht vor sie auch noch um Hilfe in eigener Sache bitten zu müssen. Umso angenehmer der kleine weiße Eisbär, der uns schon bald auf unserer Reise begleitet und ganz ohne Worte auskommt. Trotzdem erlaube ich mir ein Wort der Kritik an der Geschichte, die, aufgebaut auf dem Kindheitstraum von Hans, irgendwie in dem vielen Schnee zu versinken scheint. Dieser Eindruck kommt vielleicht auch davon, dass man sich das gesamte Spiel in eisigen Gefilden bewegt und auch schon ziemlich bald absehbar ist, was das Ziel des Spiels sein wird. Denn eigentlich wird darum überhaupt kein Geheimnis gemacht, prangt es doch auch auf dem Titelbild der Verkaufsverpackung und des Handbuchs. Da gefiel mir die Geschichte aus dem ersten Teil besser, einfach weil man viel mehr verschiedene Orte aufgesucht und wirklich den Eindruck hatte die Welt zu bereisen. In Syberia II vermeint man eher sich immer im Kreis zu bewegen. Ansonsten jedoch ist die Geschichte wieder einmal sehr schön erzählt und erlaubt von den Rätseln her auch kleinere Abweichungen. Diese beschränken sich aber auf die Reihenfolge in der bestimmte Vorbedingungen erfüllt sein müssen bevor man den nächsten Rätselschritt auslöst.
Grafisch benutzt man offensichtlich wieder die bekannte Technik, mit fertig vorgerenderten Hintergründen in welche die Akteure hineingeschnitten werden. Mitunter scrollen die Hintergründe auch seitlich um ein größeres Bild zu zeigen. Für Bewegung im Bild sorgen die animierten Tiere, die von Vögeln am Himmel über Eichhörnchen in den Bäumen bis hin zu unserem Eisbären reichen, aber auch die fließenden Gewässer sind animiert und sogar in den stehenden Pfützen spiegelt sich die Umwelt und es bilden sich Wellen wenn wir hindurchschreiten.
Mit ebensoviel Liebe zum Detail wurde die Soundkulisse erstellt, die uns neben den bekannten Hintergrundgeräuschen vor allem viele unterschiedliche und spezifische Maschinengeräusche bietet. Egal ob es das benötigte Notstromaggregat ist oder die aufziehbare Lokomotive mit der wir reisen, immer passen die präsentierten Geräusche haargenau zu den gezeigten Animationen. Wobei sie auch herrlich authentisch klingen. Den ebenso gut gelungenen deutschen Synchronstimmen kann man eigentlich nur anlasten, dass sie manchmal ruhig etwas schneller sprechen könnten. Da man aber jeden einzelnen Satz per Maustaste überspringen kann, sollte auch der Spielfluss der ungeduldigeren Spieler nicht gebremst werden.
Die Steuerung der PC-Version hat man so belassen wie sie schon im Vorgänger gut funktionierte. Wir bugsieren also einen Kursor über das jeweilige Bild der sich bei entsprechenden Interaktionsmöglichkeiten in ein Symbol verwandelt welches uns anzeigt was möglich ist. Leuchtet der Kursor hell auf, kann an dieser Stelle die Örtlichkeit verlassen werden. Auf die Tastatur kann komplett verzichtet werden.
