Syberia Remastered im Test: Altbackenes Abenteuer voller Klischees mit frischem Anstrich

Test Vivien Ziermann
Syberia Remastered im Test: Altbackenes Abenteuer voller Klischees mit frischem Anstrich
Quelle: PC Games

In Syberia Remastered trifft Nostalgie auf Frust. In unserem Test prüfen wir, ob das Remaster überzeugen kann oder im neuen Syberia doch nicht alles glänzt.

Ursprünglich 2002 erschienen, legte das Adventure Syberia des französischen Studios Microids den Grundstein für die gleichnamige Spieleserie. Obwohl die Entwicklung klassischer Point-and-Click-Adventures, insbesondere der zweidimensionalen, Anfang der 2000er bereits ihre Hochzeiten überschritten hatte und damit ein wirtschaftliches Risiko darstellte, schaffte es Syberia durch seine Erzählstrategie, tiefgründige Charaktere und eine faszinierende Spielwelt, sowohl Spieler als auch Kritiker zu begeistern und sogar mehrere Auszeichnungen zu gewinnen.

Nach dem Erfolg des ersten Teils entstand aus dem Adventure eine ganze Spielereihe, die inzwischen insgesamt vier Hauptteile umfasst. Allerdings konnten die Fortsetzungen bei weitem nicht mit der Qualität und Begeisterung des ersten Syberias mithalten und rückten die Reihe immer mehr und mehr in ein schlechteres Licht.

Um die Syberia-Serie wieder zu alter Stärke zu bringen, haben die Entwickler nun ihren erfolgreichen ersten Teil neu aufgesetzt und mit aufgehübschter Grafik, modernisierter Steuerung und neu gestalteten Rätseln auf moderne Plattformen gebracht. In unserem Test verraten wir, ob die Neuauflage das gewünschte Wohlwollen der Spieler zurückgewinnen kann.

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Auf in ein bekanntes Abenteuer

Die Geschichte des Adventures bleibt für die Neuauflage unberührt. Als Spieler übernehmen wir die Rolle von Kate Walker, einer jungen Anwältin, die im Auftrag ihrer Kanzlei in das französische Dorf Valadilène reist, um den Verkauf der dort ansässigen Automatenfabrik juristisch zu regeln. Vor Ort müssen wir allerdings feststellen, dass die Eigentümerin der Fabrik kurz vor unserer Ankunft verstorben ist und sie entgegen unseren bisherigen Informationen einen Erben hat.

Ihr tot geglaubter Bruder Hans ist allem Anschein nach doch noch am Leben und muss dem Verkauf der Fabrik zustimmen. Um Hans ausfindig zu machen, suchen wir in der inzwischen stillgelegten Fabrik nach Hinweisen auf seinen Aufenthaltsort und begegnen einem Automaten namens Oskar, der als Zugführer erschaffen wurde. Gemeinsam mit ihm und dem in der Fabrik konstruierten Zug begeben wir uns auf die abenteuerliche Reise, Hans Voralberg zu finden und seine Unterschrift einzuholen.

Kate Walker steht vor Automat Oskar und unterhält sich mit ihm. Quelle: PC Games Als wir zum ersten Mal auf Automat Oskar treffen, hat er noch keine Beine. Wir sind nun dafür verantwortlich, ihn fertigzustellen.

Klischeebehaftete Charaktere

Wenn auch nach dem Release 2002 die Charaktere und deren Tiefgründigkeit von vielen Vertretern der Fachpresse äußerst lobend erwähnt wurden, so sind diese im besten Fall einfach schlecht gealtert und aus heutiger Sicht bis zum Rand mit Klischees gefüllt. Beim Spielen verging keine Minute, in der wir nicht über das nächste Klischee gestolpert sind.

Man könnte meinen, Kate Walker als berufstätige Anwältin würde nur zu gut in ein modernes Zeitgeschehen passen. Doch scheint sie im Spiel lediglich als junge Frau wahrgenommen zu werden, der keine schweren Aufgaben zuzutrauen sind. Von ihrem Chef wird sie nicht ernst genommen und ständig unterbrochen, der Hotelbesitzer ist erstaunt, eine junge Frau allein zu sehen, ihr Partner scheint ausschließlich an ihrem Aussehen interessiert zu sein und ihre beste Freundin ist die wohl oberflächlichste Person des ganzen Spiels. Dass Kate gerade mit großen beruflichen Problemen konfrontiert wird, interessiert sie nicht im Geringsten. Der Aufenthalt in Europa, ein Ausverkauf bei Bloomingdale's und die neue blaue Reizwäsche sind wichtiger.

Noch schlimmer ist aber die offensichtliche Interpretation geistiger Beeinträchtigung. Neben Hans Voralberg, der nach einem Unfall als Kind bleibende Schäden davongetragen haben soll, lernen wir auch gleich zu Beginn einen Jungen namens Momo kennen, der nach Aussage des Hotelbesitzers an einer geistigen Beeinträchtigung leidet. Dieser wird in bester Mittelaltermanier als "Dorftrottel" bezeichnet und lautstark mit drohenden Gesten davongejagt. Zudem gleicht seine Vertonung der eines Höhlenmenschen. Statt formulierten Sätzen kommen von Momo lediglich Wortfetzen wie "Du zeichnen Bild" oder "nicht Fabrik, Zuhause".

Die drei Rektoren der Universität, alle mit Brille und Schnauzer gucken in die Kamera. Quelle: PC Games Die Rektoren der Universität Barockstadt haben nicht viel übrig für Störungen und noch weniger Respekt vor Frauen - außerdem gibt's auch noch so einige Leichen im Keller. Die Entwicklung der verschiedenen Charaktere ist ebenso klischeebehaftet wie die Charaktere selbst. So fängt die oberflächliche Freundin während Kates Abwesenheit wenig überraschend, eine Affäre mit dem ebenso oberflächlichen Partner an, der durch die unerwartet lange Dienstreise leider bei seinen eigenen Geschäftsterminen auf die Begleitung seines Vorzeige-Fräuleins verzichten muss.

Einziger Lichtblick hierbei ist ironischerweise Automat Oskar, der als Maschine deutlich mehr Herz und Verstand zeigt als die meisten der menschlichen Protagonisten. Und uns durch seine skurrile und etwas befremdliche Art humorvolle Momente bereitet und ans Herz wächst. Schade, dass er untrennbar mit dem Zug verwachsen ist. Auf der nächsten Seite findet ihr Details zu den überarbeiteten Rätseln und der angepassten Steuerung. Ob diese Elemente wohl gelungen sind?

  1. Seite 1 Story und Charaktere
  2. Seite 2 Rätsel und Steuerung
  3. Seite 3 Grafik & Sound, Fazit & Wertung
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