Tamarin: Tierisches Familiendrama mit mangelhafter Umsetzung
Test 7,53 €
Hilfe, die Ameisen kommen! Im Action-Abenteuer Tamarin spielen wir einen kleinen Affen der Tamaringattung, der auf der Suche nach seiner von Riesenameisen entführten Familie ist. Wir haben das Spiel, das für PC und PS4 erschienen ist, für euch unter die Lupe genommen und verraten euch, warum ihr einen großen Bogen um das Affentheater machen solltet.
Eigentlich klingt es nach einem dramatischen Film: Das kleine Tamarin-Äffchen lebt friedlich mit seiner Familie in einer Hütte - bis die Riesenameisen kommen und alles platt machen, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Die Affenfamilie wird festgenommen und eingesperrt. Nur ein einsamer Tamarin-Affe konnte den Klauen der Ameisen entkommen und setzt nun alles daran, seine Familie aus den Greifern der Insekten zu befreien. Ob ihm das gelingt? Wir haben uns in der Rolle des Äffchens begeben und geschaut, ob sich die Investition in das Action-Abenteuer von Chameleon Games, wo zahlreiche ehemalige Rare-Entwickler beschäftigt sind, wirklich lohnt.
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Rettung der Familie steht im Vordergrund
Quelle: PC Games
Die Familie des Tamarins wird am Anfang von den Riesenameisen verscheucht und nachher gefangen genommen. Nur ein Tamarin-Affe bleibt übrig, der alles dran setzt, um seine Familie zu retten.
Viele Abenteuerspiele, wie beispielsweise Ary and the Secret of Seasons, haben als Grundlage eine detaillierte Hintergrundgeschichte. Tamarin (jetzt kaufen 7,53 € ) schlägt einen etwas anderen Weg ein und arbeitet eher mit ausdrucksstarken Bildern, statt einer tiefgehenden Story. Wir sehen, wie eine kleine Armee aus großen, bewaffneten Ameisen die Heimat der Tamarinfamilie in Schutt und Asche legt und vor lauter Angst fliehen drei der vier Familienmitglieder unseres Protagonisten. Doch leider bleibt die Flucht ohne Erfolg und das Trio wird von den Ameisen in Gewahrsam genommen und in unterschiedlichen Industrieanlagen, die gleichzeitig als Gefängnis dienen, untergebracht. Aber was ist mit dem vierten Affen? Der konnte sich vor den Ameisen verstecken und sitzt nun trauernd vor seinem zerstörten Haus, bevor er den Entschluss fasst, eine Familienbefreiungsaktion zu starten. Dank der musikalisch passenden und melancholischen Untermalung muss man an dieser Stelle schon ein paar Tränchen wegzwinkern (nein, mir ist nur was ins Auge gekommen!). Viel mehr finden wir über unseren namenlosen Protagonisten (oder ist es eine Protagonistin?) allerdings nicht heraus. Das ist aber auch nicht zwingend nötig, da sich die Geschichte des Spiels einzig um die Suche nach der Familie dreht.
Der Igel, der Dealer
Wir stoßen bei der Suche nach unserer Familie schon bald auf einen Igel, der sich in einem Laubhaufen vor den Ameisen versteckt hat. Unser neuer stacheliger Freund drückt uns lustigerweise bereits beim ersten Treffen eine Waffe in die Hand, da er sich selbst nicht traut, es mit den Insekten aufzunehmen. Das soll doch lieber der Tamarin-Affe machen. Der Igel hilft uns aber nicht nur mit Waffen. Im Spiel gibt es mehrere Sammelobjekte, an denen das stachelige Wesen interessiert ist. Im Gegenzug aktiviert er Sprungbretter und Schalter für uns, die dann neue Orte erreichbar machen. Also sammeln wir fleißig Insektenmarken und Beeren. Das ist übrigens keinesfalls optional, sondern zwingend nötig, da uns sonst Wege verschlossen bleiben, ohne die wir nicht an unser Ziel, die Rettung unserer Familie, gelangen. Nebenbei sammeln wir noch ein paar Glühwürmchen ein, die in einer bestimmten Anzahl ebenfalls geschlossene Tore für uns öffnen können.
Komm' mir nicht zu nahe, ich habe eine Waffe!
Quelle: PC Games
Der Tamarin kann mit Waffen auf Riesenameisen schießen. Die Steuerung macht den Spielern dabei meist einen Strich durch die Rechnung.
Mit dem Controller gesteuert, eine Maus- und Tastatur-Steuerung wird selbst auf dem PC nicht unterstützt, begeben wir uns in der Third-Person-Perspektive auf der Suche nach unserer Familie und stoßen dabei nicht nur auf feindselige Riesenameisen. Wir kämpfen auch gegen Libellen und Käfer. Das Kampfsystem ist in zwei unterschiedliche Modi aufgeteilt. Einerseits der Fernangriff mit Waffen und andererseits die Nahkampfangriffe. Wann wir welchen Modus nutzen, schreibt uns das Spiel vor. In offenen Bereichen erwarten uns vorwiegend Libellen und Käfer, denen es im Nahkampf an den Kragen geht. Eher geschlossene Areale wie Untergrundkomplexe und Industrieanlagen werden von Ameisen belagert, denen wir mit Waffengewalt im Fernkampf den Garaus machen.
Die Nahkampfangriffe teilen sich dabei in zwei verschiedene Attacken auf. Einerseits kann der Tamarin gegen sich auf dem Boden befindliche Käfer rollen und ihnen damit schaden. Die fliegenden Libellen hingegen werden mit einem Jump-Kick aus dem Weg geschafft. Wer also große Auswahlmöglichkeiten bei den Angriffen erwartet, wird hier leider enttäuscht.
Das Schießen mit der Waffe ist ebenfalls nicht besonders spannend und zudem schlecht umgesetzt. Da die Ameisen dem Affen nicht zu nahe kommen sollten, weil bei einer Berührung sofort Lebenspunkte abgezogen werden, wäre ein gutes Waffenhandling hier eigentlich sehr wichtig. Tamarins Zielerfassung hat jedoch einige Tücken. So visiert eure Waffe Feinde, die auf einer höheren Plattform stehen, beispielsweise vollkommen automatisch an. Bei Ameisen auf unserer Höhe hingegen hilft sie uns nur marginal beim Zielen. Auch rutscht das Fadenkreuz beim Steuern nach unten oder oben immer etwas nach und während des Schießens springt es unkontrolliert durch die Gegend. Ob das wirklich so gewollt ist, hat sich uns leider nicht erschlossen. Nervig ist es auf jeden Fall, da dadurch unnötig Munition verbraucht wird. Diese ist nämlich begrenzt. Neue Bleikugeln finden wir meist in der Nähe von Feinden oder sammeln einfach die Munition der toten Ameisen ein.
Quelle: PC Games
Nahkampfangriffe sind unterteilt in Rollen und Sprungangriffe. Das Rollen wird gegen Käfer und der Sprungangriff gegen Libellen eingesetzt.
Wenn möglich, bitte wenden!
Quelle: PC Games
Die Vögel sollten vor den Ameisen gerettet werden. Sammelt man drei von ihnen und bringt sie in ein Vogelhaus, bekommt man als Belohnung ein Glühwürmchen.
Etwas besser als das Kampfsystem ist die Umgebung gelungen. Wir können uns nahezu frei auf der Karte bewegen, die zudem ausreichend groß ist und einiges an Abwechslung bietet.
Die große Map hat aber auch ihre Nachteile. Denn leider wird sie uns weder im Menü noch als Mini-Map angezeigt. So ist es schwierig, sich zu orientieren und zurecht zu finden. Beispielsweise gibt uns unser freundlicher Igel den Hinweis, dass in der Nähe des Sees eine versteckte Höhle sei. Ohne Karte oder Questmarker einen See abzusuchen, bei dem man sich noch nicht mal hundertprozentig sicher ist, dass es der Richtige ist, ist wenig spaßig und frustriert eher.
Auch nicht viel angenehmer ist die Tatsache, dass das Spiel lediglich feste Speicherpunkte zu bieten hat. Das ist an einigen Stellen ziemlich blöd, da die Speicherpunkte viel zu weit auseinander liegen und man bei einem Tod mehrere heikle Stellen nochmal durchspielen muss.
Weder Franziska Van Almsick noch Spider-Man
Quelle: PC Games
Der Affe ist im Wasser leider nicht sonderlich agil. Er kann eine kurze Zeit schwimmen, aber aus dem Wasser kommt man so gut wie nie.
Mindestens genauso frustrierend ist das Verhalten des Primaten im Wasser. Denn er hält es nicht sonderlich lange im kühlen Nass aus. Das wäre eigentlich kein Problem, wenn es nicht hin und wieder unmöglich wäre, aus dem Wasser zu kommen. Oft ist das rettende Ufer zu hoch angelegt und unser Affe hat zu wenig Sprungkraft in den kurzen Beinen. Und lange sollten wir uns lieber nicht in den Fluten aufhalten, wenn wir an unseren Lebenspunkten hängen.
Schwierigkeiten machen auch die Kletterpartien. Weit entfernte Orte können wir nur an vorgegebenen Stellen mit einer Tastenkombi erreichen. Diese Stellen muss man aber erstmal finden. Generell macht der Affe keinen guten Eindruck beim Klettern. Er gelangt nicht immer auf eigentlich gut erreichbare Orte und es ist kaum ersichtlich, wann er runterfällt und wann nicht.
Teils vorhandene Vertonung wirft Fragen auf
Größte Verwirrung löst die teils vorhandene Vertonung im Spiel auf. Nur am Anfang gibt es eine kurze vertonte Passage. Diese ist jedoch relativ unbedeutend für die weitere Handlung und lässt die Spieler mit der Frage zurück, warum die Entwickler überhaupt auf die Idee gekommen sind, für ca. dreißig Sekunden Vertonungen einzubauen, wenn das im restlichen Game auch nicht gemacht wird.
Die musikalische Untermalung unserer Abenteuer ist in den meisten Bereichen recht gut gelungen. Einzig die Synthesizer-Musik, die beim Auftauchen der Riesenameisen abgespielt wird, ist komplett unpassend, da sie nicht mit der natürlichen Kulisse harmoniert, in der Tamarin größtenteils spielt.
Wie bei vielen anderen Spielen auch sieht die Grafik von Tamarin nicht ganz so gut aus, wie es einem der Trailer glauben machen will. Trotzdem erleben wir immer wieder kurze Momente, in denen wir unsere Rettungsaktion vergessen und die Natur genießen. Auch wenn sie dabei nicht an Highlights wie The Legend of Zelda: Breath of the Wild heranreicht. Doch diese Genussmomente sind leider zu kurz und zu selten, um uns über das verschenkte Potential des Spiels hinwegtrösten zu können.
