15 Jahre Morrowind: Technisch angestaubt, aber zeitlos im Charakter​

Special Benedikt Plass-Fleßenkämper Daniel Wendorf Maik Koch
15 Jahre Morrowind: Technisch angestaubt, aber zeitlos im Charakter​
Quelle: Bethesda

Happy Birthday, Morrowind! Vor 15 Jahren etablierte Bethesda mit dem dritten The Elder Scrolls-Teil seine Rollenspiel-Reihe endgültig und setzte dabei neue Genre-Standards. Grund genug für uns, den runden Geburtstag mit einem Rückblick zu feiern.

15 Jahre The Elder Scrolls 3 Morrowind: Fünfzehn Jahre - das ist für uns Spieler ja schon regelrecht eine halbe Ewigkeit her. Im politischen Weltgeschehen war anno 2002 George W. Bush Präsident der USA und Bundeskanzler Gerhard Schröder zog in seinen zweiten Wahlkampf gegen Edmund Stoiber. Und wen Politik nicht interessiert: US-Rapper Eminem verkaufte in eben diesem Jahr weltweit 30 Millionen Exemplare seines Album The Eminem Show, Schauspieler Tobey Maguire debütierte als Spider-Man und Intel- wie auch AMD-Prozessoren kratzten an der magischen Taktrate von zwei Gigahertz - mit nur einem Prozessorkern. Ein Festplattenspeicher von 80 Gigabyte war unvorstellbar groß, 32 MB RAM auf der Grafikkarte schon Oberklasse und Windows XP der etablierte OS-Standard.Auf solcher Hardware liefen Kracher wie Warcraft 3, Battlefield 1942, Star Wars: Jedi Knight 2 oder Mafia halbwegs flüssig. Doch wer sein PC-System an die Leistungsgrenze treiben wollte, der kam nicht umhin, den dritten Teil der The Elder Scrolls-Reihe zu spielen, der auf den klangvollen Namen Morrowind hörte. Auf den Schulhöfen hatte sich als Chiffre für die Grafikpracht dieses Rollenspiels ein Schlagwort etabliert: Wasser!

Triste Nebel, Quecksilber-Wasser und verödete Landschaften: Morrowind war vor 15 Jahren mehr als ansehnlich. Heute gehört eine große Portion Nostalgie dazu, um die Faszination von einst zu verstehen. Quelle: Bethesda Triste Nebel, Quecksilber-Wasser und verödete Landschaften: Morrowind war vor 15 Jahren mehr als ansehnlich. Heute gehört eine große Portion Nostalgie dazu, um die Faszination von einst zu verstehen. Die optische Präsentation vom feuchten Nass lobten Spielemagazine rund um den Erdball in höchsten Tönen, schließlich klatschten die Designer bei Bethesda nicht einfach eine trüb-blaue Textur in die Spielwelt, wie dies viele andere Studios taten. Vielmehr ließ sich in Morrowind beobachten, wie sich die Wasseroberfläche kräuselte und dem Spieler sogar Blicke bis auf den Gewässergrund erlaubte. Obendrein spiegelte das Wasser die detaillierte Umgebung in Echtzeit. In Echtzeit! Aus heutiger Sicht lockt dieser grafische Taschenspielertrick sicher keinen Spieler mehr hinter seinem 16:9-Monitor hervor und außerdem assoziiert man mit der in Morrowind gebotenen Wasserdarstellung vermutlich eher Quecksilber als H2O. Doch seinerzeit war das aber "State of the Art "und ein Grund, dem nächstbesten Schulkumpel aufs Auge zudrücken, um wie viele Megahertz das eigene System potenter war. Man schaue sich eben nur dieses Wasser an!The Elder Scrolls: Morrowind aber nur auf dieses Eye-Candy-Feature zu reduzieren, würde dem RPG-Klassiker allerdings nicht gerecht werden. In den übergroßen Schatten seiner Nachfolger Oblivion (2006) und insbesondere Skyrim (2011) fristet es heute ein eher undankbares Dasein: Von den Fans der ersten Stunde nahezu vergöttert, zucken die Spieler, die es nicht kennen, entweder mit den Schultern oder freuen sich, dass das MMORPG The Elder Scrolls Online in diesem Juni mit dem Add-on Morrowind endlich eine große Erweiterung spendiert bekommt.

Bethesda - oder: Die Achterbahnfahrt eines Spiele-Studios

Um die Faszination von Morrowind zu verstehen, drehen wir das Rad daher fünfzehn Jahre zurück. Bethesda war schon damals keine unbekannte Spielefirma. Mit diversen Veröffentlichungen zum Terminator-Franchise tauchten die Entwickler aus dem US-Bundesstaat Maryland immer mal wieder auf dem Radar der Fachmagazine, der Spielerschaft sowie des Jugendschutzes auf und konnten daneben mit zwei Rollenspielen große Verkaufserfolge erzielen. The Elder Scrolls: Arena (1994) war oberflächlich betrachtet ein neues Ultima: Underworld, schließlich war die frei stufenlos rotier- und skalierbare 3D-Grafik mit Ego-Perspektive nicht neu und der spielerische Aufbau von anderen Titeln dreist abgekupfert. Doch Arena schlug mit einer riesigen, prozedural generierten Welt und wenigen Story-Fesseln einen anderen Weg als dessen Konkurrenz ein und belohnte Entdeckernaturen mit wertvoller Ausrüstung und spannenden Questreihen abseits der Story - und das kam bei vielen Rollenspiel-Fans gut an.Der Erfolg überrumpelte das chronisch knapp bei Kasse stehende Spielestudio Bethesda förmlich, denn mehr als ein paar tausend Exemplare erwarteten die Entwickler nicht zu verkaufen.

Euer Abenteuer startet im malerischen Hafen von Seyda Neen, vom drohenden Weltenuntergang ahnt ihr da noch nichts. Dafür erfreut ihr euch an vielen Details wie dem Schlickschreiter hinten rechts im Bild. Quelle: Bethesda Euer Abenteuer startet im malerischen Hafen von Seyda Neen, vom drohenden Weltenuntergang ahnt ihr da noch nichts. Dafür erfreut ihr euch an vielen Details wie dem Schlickschreiter hinten rechts im Bild. Dass die Absatzzahlen recht bald in sechsstellige Regionen vordrangen, verlangte natürlich nach einem Nachfolger, der 1996 unter dem Namen Daggerfall erschien. Dabei behielt Bethesda das spielerische Fundament bei, pumpte den Umfang aber massiv auf. Eine endlos große (und leider auch sehr öde) Spielwelt aus dem Generator, über 15.000 Siedlungen, mehr als 750.000 NPCs, eine unendliche Anzahl an zufallsgenerierten Quests und mehr als 500 Bücher mit Hintergrundgeschichten zur Spielwelt überforderten nicht nur die Spieler. Daggerfall wurde angesichts der zahlreichen Bugs und Glitches zu Buggerfall verballhornt, denn die Veröffentlichung zog eine Flut an Patches nach sich. Der zweite Serienteil war trotzdem mindestens so erfolgreich wie das Debüt, wohingegen sich Bethesda mit zwei nachfolgenden Spielen im The Elder Scrolls-Universum fast verhoben hätte: Battlespire (1997) und Redguard (1998) setzten auf stringente Action und vernachlässigten die freie Erkundung, weshalb sie bei Kritikern durchfielen und von der Fan-Basis mit Nichtachtung gestraft wurden.Die Folgen waren absehbar: Das Studio geriet erneut in finanzielle Schwierigkeiten und musste große Teile der Belegschaft entlassen. Nur der Aufkauf durch die Zenimax-Gruppe rettete das Unternehmen vor der endgültigen Liquidierung und ermöglichte es, mit einer Rumpfmannschaft von gerade einmal sechs über die gesamte Entwicklungszeit angestellten Personen, das ambitionierte Morrowind zu entwickeln.

Spielerische Freiheit als Markenzeichen

Als Morrowind im Mai 2002 in den USA erschien, brachte es The Elder Scrolls nicht nur in die Erfolgsspur zurück - es veränderte das gesamte Genre bis heute nachhaltig. Doch zu Spielbeginn ist die Qualität des Rollenspiels nicht zu bemerken. Den gängigen Genre-Konventionen entsprechend und doch durchaus etwas anders als gewohnt geht das Abenteuer los. Ihr startet als vom Kaiser begnadigter Ex-Gefangener, der auf einem Schiff zur Insel Vvardenfell gelangt. Nach der Namenseingabe und noch bevor die Charaktererstellung komplettiert ist, holt euch eine Wache ab und geleitet euch auf das Deck des Schiffes. Hier blieb dem Spieler anno 2002 zur Veröffentlichung von Morrowind dann erst mal die Spucke weg - ihr wisst schon, das Wasser und so. Danach gilt es, die Einreiseformalitäten zu erledigen. So in die Story eingebunden, erstellt ihr euren Charakter und entscheidet dabei unter anderem, wie ihr ausseht und welchem Volk ihr angehören möchtet: Kräftiger Nord mit Zaubertalent, ein mit allen Waffen vertrauter Kaiserlicher oder doch ein Dunkelelf mit Hang zum Taschendiebstahl? Wer es exotisch mag, liebäugelt vielleicht eher mit einer Argonier-Echse oder schlüpft in die Rolle eines katzenartigen Khajiit. Es bleibt euch überlassen, welche der insgesamt zehn verfügbaren Rassen ihr wählt.

Es sind aber nicht nur diese technischen Schauwerte, es ist vielmehr die Liebe zum Detail, die Morrowinds Welt auszeichnet. Denn schweift euer Blick von der Wasseroberfläche ab, erspäht ihr etwa einen riesigen Schlickschreiter, der im Wasser Nahrung sucht und euch als Schnellreisetaxi dient. Landeinwärts säumen riesige Pilze den Horizont, der Hafen Seyda Neen lädt zu ersten Erkundungen ein. So fantastisch und abwechslungsreich wie zum Spielstart, entpuppt sich ganz Vvardenfell: Sumpfige Gelände gehen in dichte Wälder, karge Steppen, mächtige Festungsanlagen und unwirtliche Gebirge über. Mit traditionellem Fachwerk, modernen Steinhäusern oder den käferartigen Chitin-Behausungen bieten die zahlreichen Siedlungen einen Querschnitt fantastischer Architektur, die sich wie natürlich gewachsen in die Landschaften einfügt. Daggerfall mag noch so groß gewesen sein, Morrowinds 9,3-Quadratkilometer-Insel ist handwerklich betrachtet die bessere, weil abwechslungsreichere Spielwelt.

Jede Stadt hat ihren unverkennbaren Architekturstil. Die Lehmhütten Balmoras sind ein Zugeständnis an die Dschungellandschaft. Caldoras Baustil (rechts) erinnert an den des europäischen Mittelalters. Quelle: Bethesda Jede Stadt hat ihren unverkennbaren Architekturstil. Die Lehmhütten Balmoras sind ein Zugeständnis an die Dschungellandschaft. Caldoras Baustil (rechts) erinnert an den des europäischen Mittelalters. Dies gilt auch gegenüber den Nachfolgern Oblivion und Skyrim, die durchaus hübsch anzuschauen sind, keine Frage. Doch an den saftgrünen Hügellandschaften samt der gleichartigen Städtearchitektur Cyrodiils und dem Eis-Fels-Gemenge Himmelrands mit Holzhütten-Siedlungen hat man sich recht bald sattgesehen. Skyrim etwa kaschiert die Ideenlosigkeit im Dragonborn-DLC mit einem Ausflug auf die Ascheinsel Solstheim - die ihr bereits in der Morrowind-Erweiterung Bloodmoon (2003) besuchen könnt.Die erste Aufgabe in Morrowind, einem Kommandanten im fernen Balmora Bericht zu erstatten, könnt ihr annehmen oder aber ignorieren. Das Rollenspiel gibt euch die Freiheit, das zu tun, wonach euch gerade der Sinn steht. Ihr wollt einfach die Landschaft bestaunen? Na, gerne doch. Die Karriere in einer der 20 (untereinander rivalisierenden) Gilden bedeutet euch mehr, als die Welt zu retten? Dann verdingt euch für eine Fraktion.

Lesestunde auf Vvardenfell: Bücher liefern reichlich Hintergrundgeschichten zur Spielwelt. Während die Schmöker die Immersion anreichern, sind die textlastigen Dialoge mitunter eine Qual. Quelle: Bethesda Lesestunde auf Vvardenfell: Bücher liefern reichlich Hintergrundgeschichten zur Spielwelt. Während die Schmöker die Immersion anreichern, sind die textlastigen Dialoge mitunter eine Qual. Ihr seid lieber Vagabund als treuer Bürger? Klaut, was nicht niet- und nagelfest ist, lebt aber mit den Konsequenzen. Sprich: Gefängnis, Mord und Totschlag - denn in Morrowind ahnden die NPCs Verbrechen, wenn sie davon Wind bekommen. Entsprechend eurem Spielstil trainiert ihr sämtliche Skills individuell. Erfahrungspunkte im eigentlichen Sinn gibt es keine. Es reicht also nicht, eine Bestie nach der anderen zu erlegen und dem nächsten Levelaufstieg entgegenzufiebern. Rennt ihr viel, steigert dies eure Athletik; das Hantieren mit stumpfen Einhandwaffen gewährt euch Boni auf diese Waffengattung, während Bogenschützen mit der Zeit zu Meistern im Umgang mit Pfeilen werden. Diebe üben sich im Schleichen und Schlösser knacken, Magier im Umgang mit arkanen Künsten. Die primären und sekundären Fertigkeiten lassen sich beliebig miteinander kombinieren, wenngleich nur eine gewisse Anzahl an Kombinationen sich perfekt ergänzen.Habt ihr von wilden Abenteuern genug, erschließt ihr euch die wendungsreiche Geschichte Vvardenfells in Gesprächen mit NPCs oder über die Lektüre der vielen Bücher.

Als Schmelztiegel aller Rassen Tamriels ist die Insel nämlich reich an Konflikten und brüchigen Allianzen. Eigenständige Kulturen - inklusive ihrer Konfessionen und Gebräuche - treffen auf verkrustete Machtstrukturen, und hinter biederen Fassaden spielen sich persönliche Tragödien ab, die selbst den härtesten Barbaren nicht kaltlassen.Banaler Alltag in einer fesselnden Fantasy-WeltEs sind nicht immer hochtrabende Epen, die ihr beim Schmökern der Bücher entdeckt. Oft stolpert ihr über Gebrauchslyrik oder schnöde Rezepte. Auch bläst nicht jeder NPC seine Alltagsprobleme zu weltumspannenden Konflikten auf. Gerade das macht Morrowind so spannend. Ignoriert ihr die mäßig inszenierte 08/15-Story, innerhalb derer ihr vom Nobody zum Weltenretter aufsteigt, schreibt ihr eure ganz eigene Geschichte fort. Ihr könnt Edelmann (oder -frau) sein, euch um das Training eurer 27 Skills kümmern oder als Weltenbummler in den Tag hineinleben. In der Erweiterung Bloodmoon verdingt ihr euch gar als Bauplaner und helft den Anwohnern, eine kleine Siedlung aus dem eisigen Boden zu stampfen. Fantasy-Alltag im wortwörtlichen Sinne. Die Immersion in Morrowind erlebt man mit jedem Schritt, jedem Gespräch, jeder Lektüre intensiver - die Spielwelt wandelt sich von der Kulisse eines Schauspiels zur digitalen Umgebung eines zweiten Lebens. Eine der Stärken im Übrigen, welche die Nachfolger beibehielten, und die ganz im Geiste der Entwickler war. Schon in der Anleitung zu Arena schrieben sie sinngemäß übersetzt: "Worum geht es in der Story? Das zu beantworten, ist nicht unsere Aufgabe. Folge vielmehr deinem eigenen Geist und erschaffe dir deine Geschichte mit deinem ganz eigenen Weg. Wir wünschen, dass du deine Story wahr werden lässt."Habt ihr Oblivion oder Skyrim exzessiv gespielt oder seid mindestens mit deren Spielwelt vertraut, bietet Morrowind allerlei Aha-Momente. Gruppierungen wie die kaiserliche Leibgarde der Klingen tummeln sich auf Vvardenfell und wetteifern um machtpolitischen Einfluss (was in Oblivion zu einem Desaster führt), selbst unwichtige NPCs geben ihren Senf zu aktuellen Entwicklungen. Viele davon werden in Oblivion und Skyrim erneut aufgegriffen, auch wenn dann weitere Dekaden beziehungsweise Jahrhunderte vergangen sind.

Tribunal und Bloodmoon: Zwei würdige Erweiterungen

Raubrittertum wird nicht gutgeheißen. NPCs reagieren mitunter aggressiv, sobald sie euch beim Stehlen sehen. Jede Tat in Morrowind zieht Konsequenzen nach sich. Quelle: Bethesda Raubrittertum wird nicht gutgeheißen. NPCs reagieren mitunter aggressiv, sobald sie euch beim Stehlen sehen. Jede Tat in Morrowind zieht Konsequenzen nach sich. Die Story des Hauptspiels enttäuschte, weil deren Verlauf nur gängige Rollenspiel-Klischees bediente. Ein vom Kaiser aus Jux begnadigter Gefangener mit der abgelegenen Insel als Zieldestination? Logo, dahinter stecken weitaus mächtigere Kräfte. Als wiedergeborener Held des Nerevarine-Kultes werdet ihr darauf vorbereitet, Tamriel vor der Gefahr zu bewahren, die vom wahnsinnigen Gott Dagoth Ur ausgeht. Die Erweiterung Tribunal (2002) hetzt euch die Dunkle Bruderschaft auf den Hals, die euch nach dem Leben trachtet - aus vollkommen nebulösen Gründen. Diese lüften sich erst nach einem Besuch in der finsteren Gramfeste. Inmitten eines Ränkespiels zweier Herrscher stutzt man euch dabei wieder auf das Normalmaß eines Helden zurecht. Ein Jahr später, im zweiten Add-on Bloodmoon, bekämpft ihr auf der Ascheinsel Solstheim Werwölfe oder schließt euch ihnen an, wobei sich so oder so ein weiterer Gott mit euch messen möchte. Beide Geschichten sind interessanter erzählt als die Heldenreise von Morrowind und bieten neue Materialien, Rüstungen, Waffen und eine Vielzahl neuer Feinde, die den Umfang gehörig aufbohren. Am technischen Unterbau der Gamebryo-Engine aber änderten die Erweiterungen allerdings nichts.

Herausgeputzt zum großen Jubiläum

Die Technik war schon zur Veröffentlichung eine Medaille mit zwei Seiten. Die wunderbaren Wassereffekte erwähnten wir schon, in die gleiche Güteklasse fallen die die tollen Tag-Nacht-Wechsel und dynamischen Witterungsänderungen. Allerdings torpedieren polygonarme Charaktermodelle, matschige Texturen, hölzerne bis nahezu abgehackt wirkende Animationen und die harten Brüche beim Übergang vom Land zum Wasser die zunächst großartige Optik, deren geringe Darstellungsentfernung (Draw Distance) in der Spielwelt ein Zugeständnis an die meisten PC-Systeme des Release-Zeitraums war.Glücklicherweise sind Eingriffe in die Gamebryo-Engine leicht vorzunehmen und das Internet ist voll mit kleinen und großen Mods, die mit wenigen Klicks moderne Auflösungen und zeitgemäße Bildschirm-Formate unterstützen, die Texturen austauschen, die Beleuchtung aufwerten oder eben die Draw Distance um ein Vielfaches erhöhen. Die optischen Spielereien ändern an anderen Anachronismen des Gameplays leider nichts: NPC-Dialoge sind weiterhin endlos lange Textwüsten, da die Vollvertonung erst in Oblivion debütierte. Quests verfolgt ihr nur mit vagen Hinweisen auf den Zielort, eine Markierung auf der einblendbaren Minimap fehlt.

Der Besuch auf der Ascheinsel Solstheim ist - wie auch in Skyrim - mit Gefahren für Leib und Leben verbunden. Schnell rotten sich die eigentlich strunzdoofen Gegner zusammen und beharken euch im Rudel. Quelle: Bethesda Der Besuch auf der Ascheinsel Solstheim ist - wie auch in Skyrim - mit Gefahren für Leib und Leben verbunden. Schnell rotten sich die eigentlich strunzdoofen Gegner zusammen und beharken euch im Rudel. Eine Lanze brechen möchten wir indes für den Soundtrack aus der Feder von Jeremy Soule. Sein wunderbares und zeitloses Elder-Scrolls-Theme bedarf keiner Überarbeitung und findet, dezent verändert, auch in Oblivion und Skyrim Verwendung.Warum aber ist Morrowind für das Genre eigentlich so bedeutend? Vor allem, weil es erstmals zeigte, wie sich eine schwache Story durch die Glaubwürdigkeit der Spielwelt wettmachen lässt, die dank ihrer intensiven Dichte zum eigentlichen Star des Spiels gerät. Fähige Autoren heutiger Rollenspiele kombinieren beide Stärken zu einem unwiderstehlichen Mix. The Witcher 3: Wild Hunt, Dragon Age: Inquisition und das erst wenige Wochen alte The Legend Zelda: Breath of the Wild für Nintendo Switch sind vorläufige Endpunkte des Trends, Rollenspiele immer umfangreicher und komplexer zu gestalten, euch mit einer offenen Welt zu konfrontieren, statt am roten Faden schleunigst zum Abspann zu führen. Das komplexe Fertigkeitensystem in Morrowind zollte Pen-&-Paper-Rollenspielen Tribut und verbannte das Sammeln von Erfahrungspunkten auf den Haufen antiquierter Gameplay-Elemente der Videospiele. Das heiß erwartete Mittelalter-Epos Kingdom Come: Deliverance treibt die Abkehr von alten Gewohnheiten auf die Spitze, möchte auf fast alle UI-Einblendungen verzichten, Charakterentwicklungen und die Spielwelt noch stärker anhand eurer Handlungen verändern.

Die Community hält das Spiel im kollektiven Gedächtnis

Wie sehr Morrowind den Spielern bis heute am Herzen liegt, das zeigt sich an der Arbeit zahlreicher Modder, die über eineinhalb Jahrzehnte dank des mitgelieferten TES-Construction-Sets beinahe alles im Spiel änderten. Doch nicht jedes Vorhaben wurde schon abgeschlossen. Im umfangreichen Project Tamriel Rebuilt etwa hält die Ambition eingefleischter Fans, die komplette Provinz Morrowind nachzubauen und mit NPCs zu bevölkern, schon seit über zwölf Jahren an. Schon fertig gestellte Inhalte bietet das Mod-Team auf der Website www.tamriel-rebuilt.org zum Download an.

Aus heutiger Sicht sind die Kämpfe in Morrowind ungelenk und frustrierend. Wer nicht fleißig genug trainiert, unterliegt sogar schwachen Gegnern gnadenlos. Quelle: Bethesda Aus heutiger Sicht sind die Kämpfe in Morrowind ungelenk und frustrierend. Wer nicht fleißig genug trainiert, unterliegt sogar schwachen Gegnern gnadenlos. Zahlreiche und schon fertige Mods zu Morrowind finden sich auf einschlägigen Seiten, wie etwa www.elderscrollsportal.de, www.moddb.com oder www.nexusmods.com. Die Mods bieten neue Items, Zaubersprüche, Questreihen, Bebauungen oder Kampagnen, die den Wiederspielwert erhöhen - alles für lau, versteht sich. Eine Sammlung der besten Mods ist Morrowind Overhaul, die ihr auf nexusmods.com herunterladen könnt. Mit wenigen Klicks wird damit aus der Vanilla-Version des Rollenspiels der bis dato schönste und umfangreichste Ausflug nach Vvardenfell. Die eineinhalb Jahrzehnte Morrowind könnt ihr mit einer doppelten Zeitreise gebührend feiern, selbst wenn ihr das Spiel noch nicht euer Eigen nennt.

Das Original lässt sich - inklusive der Erweiterungen Tribunal und Bloodmoon - auf Steam und GOG.com für kleines Geld erstehen und ist im Handumdrehen installiert.Ein HD-Remake plant Bethesda, anders als im Fall von Skyrim geschehen, aus diversen Gründen nicht. Dennoch: Im Sommer 2017 veröffentlicht Bethesda mit Morrowind eine große Erweiterung für The Elder Scrolls Online, in welcher neben einer zeitlich früher angesiedelten Version der Insel Vvardenfell endlich auch die Festlandregionen Morrowinds von euch erkundet werden können. Ein schönes Geschenk, das uns auf die hoffentlich nächsten 15 Jahre in der fantastischen Spielwelt einstimmt.

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