Lest alles zum fantastischen Rollenspiel-Meilenstein in unserem ausführlichen PS3-Test.
Eine ganze Welt erwartet euch
The Elder Scrolls 4: Oblivion
Sobald das ca. 45-minütige Tutorial des Spiels in den Kerkern der Residenz abgeschlossen ist, öffnet ihr endlich die geheime Türe des Fluchtwegs am Rande der Stadt. Was dann folgt, dürfte den meisten Spielern ein lautes "Wow!" entlocken: Der erste Blick auf die gigantische und bis zum Horizont frei begehbare Spielwelt ist schlichtweg umwerfend, denn gleichzeitig wird einem in genau diesem Moment der gewaltige Spielumfang erst richtig bewusst. Man wird sofort von der spielerischen Freiheit verleitet einen kleinen Ausflug zum nahe gelegenen Hügel zu machen und sich damit einen noch schöneren Blick über die fantastisch inszenierte Fantasywelt zu verschaffen. Doch bereits dort warten wieder ein paar kampierende Banditen, die euch in einen knackigen Kampf verwickeln. Ein paar Meter und begeisterte "Wows" weiter findet sich eine unscheinbare Türe zwischen ein paar Felsen. Wer hineingeht, wird urplötzlich in einem der 200 handgearbeiteten Dungeons verschüttet und darf sich als nächstes Ziel erst einmal den Weg an die Oberfläche bahnen. Klar, dass sich in dieser Höhle ein paar anspruchsvolle Feinde und verlockende Schätze finden lassen. Wer zum ersten Mal in eine Stadt oder ein Dorf kommt, wird sicherlich von den unzähligen NPCs begeistert sein, denn jeder davon hat seine eigene kleine Geschichte zu erzählen, geht selbstständig seinem Tagesablauf nach und ist auf euch entweder gut oder schlecht zu sprechen. Die persönliche Einstellung der NPCs euch gegenüber kann in einem kleinen Minispiel verbessert oder verschlechtert werden, je nachdem wie ihr auf euer Gegenüber eingeht. Bei den zahlreichen Händlern hat dies natürlich auch einen praktischen Nutzen, da ihr bei guten Freunden natürlich auch wesentlich bessere An- und Verkaufspreise bekommt.
Von Anfang an genau wissen, wo's lang geht
The Elder Scrolls 4: Oblivion
Ein großes und von vielen Spielern kritisiertes Problem des Vorgängers war das unübersichtliche Questlog und die dadurch häufig aufkommende Planlosigkeit, da man nur selten wirklich genau wusste, wo es mit den einzelnen Aufträgen nun weitergeht. Dieses Problem, unter dem auch die Einsteigerfreundlichkeit zu leiden hatte, gehört nun endlich der Vergangenheit an: "Oblivion" sagt euch immer ganz genau wo ihr mit welchem Quest weitermachen müsst, zeichnet selbstständig Markierungen in die detaillierte Weltkarte ein und aktualisiert jeden noch so kleinen Fortschritt im vorbildlich organisierten Questlog. Und solltet ihr kurzzeitig von der momentanen Aufgabe genug haben, genügt ein Knopfdruck und schon habt ihr die Ziele und Wegmarkierungen eines anderen Quests vor Augen. Auch der kleine Kompass am unteren Bildschirm gibt euch jederzeit genau Auskunft über das nächste Ziel - verlaufen kann man sich in "Oblivion" nun beim besten Willen nicht mehr.
The Elder Scrolls 4: Oblivion
Der Clou kommt aber noch: Jeder bekannte Ort und die neun großen Städte des Landes können auf der Weltkarte ganz einfach per Mausklick angesprungen werden, wodurch lange Reisen zu Fuß eigentlich komplett entfallen. Zwar hat man später auch die Möglichkeit auf einem Pferd durch die Provinz zu reiten, aufgrund des praktischen Quick-Travel-Systems wird man davon aber nur sehr selten Gebrauch machen - es sei denn, man ist auf der Suche nach ein paar Nebenquests. Da sich auch die einzelnen Fortschritte einer Aufgabe ganz automatisch auf der Weltkarte aktualisieren und man sogar innerhalb größerer Städte von einem Viertel ins nächste springen kann, sind kleinere Aufgaben blitzschnell abgearbeitet. Zwar erntete der Vorgänger "Morrowind" für die teilweise sehr langwierigen Reisen durch die etwas zu groß geratene Spielwelt auch berechtigte Kritik, in "Oblivion" wird einem das Erkunden der Umgebung aber fast schon wieder zu einfach gemacht.
The Elder Scrolls 4: Oblivion
Aber selbst wenn man sich vornimmt ausschließlich dem Hauptquest zu folgen, verführt einen das Spiel immer wieder sehr erfolgreich dazu, auch ein paar Nebenquests anzunehmen. Diese Bezeichnung wird den zahllosen optionalen Abenteuern aber nur wenig gerecht, da man in den meisten Fällen mehr als eine ganze Spielstunde damit beschäftig ist. Beispielsweise gab uns die Gräfin von Bruma den einfach klingenden Auftrag ein verschwundenes Artefakt zu besorgen. Knapp zwei Stunden später hatten wir uns nicht nur durch einen knackigen Dungeon und ein verlassenes Tal gekämpft, sondern auch eine Burgruine samt fallengespickten Verlies durchquert. Das Schöne an "Oblivion" ist allerdings, das diese anfangs unscheinbaren Nebenquests sehr abwechslungsreich, mitunter sehr lang und gleichzeitig immer wieder aufs Neue spannend sind. Auch die verschiedenen Gilden tragen einen großen Teil zur Abwechslung bei, da man alleine schon mit dem Erfüllen der damit verbundenen Aufträge mehrere Spieltage verbringen kann. Die Magiergilde schickt euch als Aufnahmeprüfung beispielsweise quer durch ganz Cyrodiil, nur um Empfehlungsschreiben der jeweiligen Gildenmeister zu besorgen. Doch die wollen für eine Empfehlung wiederum ein paar private Problemchen gelöst haben, was euch abermals spannende Abenteuer beschert.
The Elder Scrolls 4: Oblivion
Solltet ihr es tatsächlich schaffen und auf so gut wie alle Nebenquests verzichten, müsstet ihr nach ca. 20 Stunden das große Finale der Story erreicht haben. Wer jedoch auf alle optionalen Aufgaben verzichtet oder sich ausschließlich mit der Schnellreise-Funktion durchs Land klickt, verpasst eine Menge des fast 200-stündigen Mammut-Rollenspiels. Darunter natürlich auch die äußerst lukrativen und einzigartigen Belohnungen in Form von Gold und magischen Gegenständen, welche es bei keinem normalen Händler zu kaufen gibt. Je nach gewählter Klasse sollte man seinen Charakter ohnehin durch die unzähligen Nebenquests entsprechend aufbauen, da man es dann hinter den Toren von Oblivion um einiges leichter hat.
Ist das alles? Aber noch lange nicht!
The Elder Scrolls 4: Oblivion
Die spielerische Freiheit von "Oblivion" scheint fast grenzenlos: Hinter fast jeder Türe wartet eine neue Mission, zahllose Oblivion-Portale wollen geschlossen werden und Geheimnisse gibt es eigentlich überall zu entdecken. Auch bleibt man ständig motiviert die Fertigkeiten anderer Klassen auszuprobieren, denn auch ein Krieger freut sich über den Licht-Zauberspruch, da er sich damit das Herumschleppen von Fackeln erspart und im Kampf eine zweite Hand frei hat. Auch der Serienvater "The Elder Scrolls: Arena" wird 14 Jahre nach seiner Veröffentlichung in "Oblivion" geehrt: In der kaiserlichen Hauptstadt wartet ein riesiges Kolosseum auf euch, in dem ihr entweder als Zuschauer euer Geld durch Wetten mehren könnt oder aber selbst in den Ring steigen dürft. Wer hier besonders fleißig ist, steigt natürlich im Rang auf und darf sich schließlich auf ein hartes Match gegen den großen Champion der Arena freuen - und der hat natürlich auch wieder einen Quest für euch auf Lager.
The Elder Scrolls 4: Oblivion
Die Heimwerker unter euch können natürlich auch magische Waffen mit den in Oblivions Höllenwelt erbeuteten Siegelsteinen herstellen oder sich in der Kunst der Alchemie durch das Herstellen von Zaubertränken versuchen. Besonders gute Magier, denen die Auswahl an Zaubersprüchen im nächsten Laden nicht üppig genug ist, dürfen im Spielverlauf auch noch völlig neue Hexereien kreieren und damit für jeden Gegner das passende Gegenmittel finden. Leseratten werden wie schon beim Vorgänger mit einer Fülle verschiedener Bücher versorgt, welche beim Studieren mitunter sogar die eine oder andere Fertigkeit verbessern. Wer unbedingt will, darf sich schließlich in der Stadt seiner Wahl auch noch ein Häuschen kaufen und es nach Belieben einrichten. Die Möglichkeit des Heiratens hat man sich hier im Gegensatz zu "Fable" gespart, aber mal ganz ehrlich: Wer will bei all diesen spielerischen Möglichkeiten auch noch freiwillig die Strapazen einer Ehe auf sich nehmen?
PS3 vs. Xbox 360
The Elder Scrolls 4: Oblivion
Die PS3-Version von Oblivion enthält bereits das AddOn "Knights of the Nine", welches für den PC optional angeboten wurde. Zudem wurde an der Engine gefeilt, was sich in einer geringfügig höheren Sichtweite, etwas schärferen Texturen in der Entfernung sowie etwas schöner ausgefallenen Lichteffekten manifestiert. Von diversen PopUps aber ist auch die PS3-Version nicht verschont geblieben, auch wenn sich diese in spielbaren Grenzen halten, sind sie an bestimmten Stellen doch deutlich sichtbar. Generell aber muss man anmerken, dass "Oblivion" auf der PS3 etwas natürlichere Farben bietet und nicht mehr so poppig bunt wie noch die Xbox 360 Version wirkt. Die Ladezeiten halten sich in angenehmen Grenzen, dürften in der Praxis sogar geringfügig kürzer sein als auf der Xbox 360, was man sich aber mit gigantischen Spielständen erkauft. Jedes mal Speichern werden knapp 2 Gigabyte auf der Festplatte verbraten.
