Krieg ist grundsätzlich eine unangenehme und nicht besonders erfreuliche Sache, aber der in Vietnam ist die absolute Hölle!
Battlestrike, Terrorist Takedown oder Code of Honor, City Interactive ist für seine simplen Action-Spiele zum niedrigen Preis bekannt. The Hell in Vietnam scheint sich da perfekt in die Aufzählung der Fließband-Shooter des polnischen Publishers einzureihen. Als Tester setzt man sich aber stets hoffnungsvoll vor einen neuen Titel. Vielleicht haben sie es ja diesmal besser gemacht...vielleicht.
Der Vietcong lernt es doch nie
The Hell in Vietnam
Nach Code of Honor: Die Fremdenlegion verschlägt es euch diesmal als amerikanischen Soldat in den Vietnamkrieg. Auf der Tagesordnung steht das Abballern des Vietcong. Dabei helfen euch zahlreiche Waffen wie das M-16, die AK-47, ein Raketenwerfer oder Granaten. Neben der normalen vietnamesischen Infanterie stellen sich euch auch mal gepanzerte Fahrzeuge oder gar Helikopter in den Weg. Aufgrund der plumpen KI sind die Feinde aber allesamt mehr oder weniger Kanonenfutter. Meist springt der Opponent urplötzlich aus dem Busch, steht nur da und entleert das Magazin in eure Richtung. Leicht auszutricksen sind die Schergen dabei schon, doch zielgenauer als jeder Scharfschütze der besten Eliteeinheiten der Welt. Einen Röntgenblick haben die Kollegen auch noch, denn schließlich sehen sie euch selbst durch das dichteste Gestrüpp. Ärgerlich dabei ist, dass euer Energiebalken relativ schnell aufgebraucht ist. Zwar finden sich im Dschungel viele blinkende Health Packs, doch wenn ihr nicht mal seht woher die Schüsse kommen, kann das Abenteuer Vietnam sehr frustig werden. Zum Glück kann jederzeit gespeichert werden.
Das Missionsdesign sieht die Feindessäuberung kleinerer Dörfer, das Sprengen von Geschützen oder das Legen eines Hinterhaltes vor. Dabei begleiten euch meistens einige sehr hilflose Kameraden. Im Endeffekt spielen sich die Missionen fast identisch. In Moorhuhn-Manier auf die hervorspringende Feinde schießen, sich die dämlichen Kommentare eurer Kameraden anhören und durch die sehr linearen und eng begrenzten Level stapfen. Manchmal wird das Geschehen durch unspektakuläre Skriptereignisse oder eine Fahrt in einem Schnellboot, auf dem ihr eine Geschütz bedienen könnt, aufgelockert. Besonders viel Spaß macht das aber ebenfalls nicht.
The Hell in Vietnam
Für 20€ bietet euch The Hell in Vietnam ein ziemlich monotones und teils (scheinbar) unfreiwillig komisches Intermezzo in Vietnam, oder ist es doch nicht beabsichtigt, dass die Tagebucheinträge in den Ladepausen sich so merkwürdig witzig lesen? Wenn man es genau nimmt, unterscheidet sich The Hell in Vietnam rein gar nicht von anderen Ego Shootern aus dem Hause City Interactive. Die Qualität ist weiterhin mangelhaft und Besserung ist kaum in Sicht. Zudem ist das Spiel wieder sehr kurz geraten. Nach wenigen Stunden war der Titel durchgespielt. Wahrscheinlich zur Freude jedes Testers. Einen Multiplayer-Modus bietet The Hell in Vietnam auch nicht. Man kann sich aber denken, wie schlecht dieser ausfallen würde. Selbst die Steuerung will nicht so recht überzeugen. Zwar hält sie sich and die üblichen Standards, wirkt aber trotzdem sehr schwammig und vermittelt wenig Feedback.
Wer hat Angst vor böser Technik
The Hell in Vietnam
Das monotone Gameplay wird von der veralteten und äußerst unspektakulären Grafik perfekt unterstützt. Wie immer wird die in die Jahre gekommene Chrome-Engine verwendet und die zaubert uns überwiegend matschige grün/braun Töne auf den Monitor. Besonders Wasser sieht absolut hässlich aus, irgendwie wie eine Art unbewegliche Eisfläche, in der sich eine stark verpixelte Umgebung spiegelt. Auch an der Flora kann man jeden einzelnen Pixel aufzählen. Einen Vorteil hat die altbackene Technik natürlich: Zum einen sehen Konkurrenzspiele gleich um einiges besser aus und zum anderen benötigt ihr für The Hell in Vietnam kein DX10 Rechen-Monster. Eine Physik-Engine gibt es scheinbar ebenfalls nicht. Allein die merkwürdigen Flugbahnen von Granaten sind Beweis genug. Teils amüsante Clippingfehler und abgehackte Animationen runden den zweifelhaften Eindruck ab.
The Hell in Vietnam
Eines muss man allerdings zugeben: In Sachen Sprachausgabe hat sich etwas getan. Früher hörte sich die Synchronisation schlimmer an, als ein Casting bei DSDS. Diesmal hat man tatsächlich "echte" Sprecher ins Tonstudio geholt. Toll hört sich das Ganze zwar immer noch nicht an aber 10 Spiele später könnte vielleicht was draus werden. Aber für Bauchredner (Charaktere bewegen beim Sprechen niemals ihren Mund) kann man das geleistete mit leicht blutenden Ohren durchgehen lassen. Der Soundtrack lässt im übrigen jede Action B-Movie-Komposition aus den 80er Jahren gut dastehen. Wattestäbchen, eine Erfindung des Himmels.