Wer sich an der Wii-Optik nicht stört, bekommt opulente japanische RPG-Kost von erfahrenen Profis geliefert.
Vom Höhenflug zur Talfahrt
Quelle: Mistwalker
The Last Story
So herrlich dynamisch das Kampfsystem und vor allem die Bossfights auch sind, der grundsätzliche Spielablauf hat auch seine Tücken und Schwachstellen. Das allgemeine Fußvolk zum Beispiel ist oft strunz dämlich und kapiert bisweilen nicht einmal, aus welcher Ecke man angreift. Die Kamera wiederum ist derart ungelenkig und oft absolut ungünstig positioniert, so dass beständig über den fehlenden zweiten Stick geflucht wird. Die B-Taste als Ersatz, um den Blick hinter Zael zu bringen reicht einfach nicht aus. Das hektische Treiben bringt es mit sich, dass nicht selten die Orientierung verloren geht und man einerseits bereits besuchte Orte wieder abgrast, andererseits den Kampf nicht im Überblick hat. Doch eben dies ist bezogen auf die bisweilen abverlangte Taktik besonders wichtig. Wie soll man zaubernde Magier und Anführer überrumpeln, wenn man vor lauter Lichteffekten und dem Getümmel die Hand vor Augen nicht mehr sieht. Leider hat sich Mistwalker hier nicht gerade mit Ruhm bekleckert.
Quelle: Mistwalker
The Last Story
Optisch macht The Last Story, in Anbetracht der vorhandenen Hardwarebasis, aber eine unglaublich gute Figur. Wie auch schon bei Lost Odyssey setzten die Entwickler auf ein düsteres Szenario und lassen den doch so üblichen Kitsch japanischer Rollenspiele mit Kulleraugen, quietsche bunten Farben und schillernden Welten missen. Hier herrschen erdfarbene Töne, dunkle Verliese und ein geradezu düsteres Ambiente. Dennoch umschmeichelt den Spieler eine Eleganz, die sich durch zahlreiche Details, liebevoll inszenierte Szenarien und einer autarken Spielewelt zusammensetzt. Ganz so imposant wie der letzte große Wii-Rollenspiel Hit Xenoblade Chronicles ist der Titel aber leider dann doch nicht. Es fehlt nicht nur an farblicher Abwechslung, auch anderweitige technische Details wirken wie fehlendes Salz in einer ansonsten schmackhaften Suppe. Die hölzerne Mimik wirkt z. B. oft unpassend. Zael bekommt einen mächtigen Fußtritt, zeigt aber weiterhin ein ungezwungenes und liebevolles Lächeln auf dem Gesicht. Ebenso fatal wirken einige Dialoge und Sequenzen. Ein Mitstreiter wird auf einem vor vielen Jahren gestrandeten und von Motten zerfressenen Schiff von Monstern vergiftet und Zael ist tatsächlich im Glauben, dass ganz natürlich und geradezu selbstverständlich ein passendes Gegengift um die Ecke auffindbar ist. Dummerweise enttäuschen die Entwickler nicht und es findet sich entsprechende Mixtur in einer Kiste.
The Last Story
Solche Situationen wirken mitunter antik und gehören einfach nicht in ein modernes Rollenspiel dieser Kategorie, welches von unglaublichen Größen entworfen wurde. Auch die brillante Grafik, die mit Effekten nicht geizt und oft auch wirklich hübsche Szenarien offenbart hat so seine Nachteile. Einerseits sorgen häufige Ladepausen für Unmut, ganz zu schweigen davon, dass der Spielfluss eh schon viel zu häufig durch die Handlung unterbrochen wird, anderseits läuft das Geschehen hin und wieder mit halber Geschwindigkeit. Dies nicht nur im Kampf, wenn sich mal zu viele Feinde zeitgleich auf den Bildschirm wagen, dies kann uns auch dann passieren, wenn wir nur die Stadt erkunden oder das aufwändig erbaute Schloss auskundschaften. Es läuft nicht ganz Rund und das bekommt man einfach viel zu oft zu spüren.
