Fazit & Wertung

Test Michael Stadler

Mit der Uncharted-Serie erschufen die Entwickler des ausschließlich für Sony entwickelnden Studios Naughty Dog eine neue Referenz in Sachen Action Adventure. Flapsige Sprüche, coole Charaktere, abenteuerliche Szenerien und eine etwas rabiate Mischung aus Klettereinlagen und hemmungslosen Schusswechseln sind hier Programm. Doch Naughty Dog kann anscheinend auch anders! Mit "Last of Us" wagt sich das Studio in bisher unbekannte Gefilde vor und versucht dabei, die Geschichte eines vom Leben gezeichneten Mannes und einer 14-jährigen Waisen in einer von der grassierenden Pandemie gebeutelten Welt zu inszenieren. "Last of Us" ist Naughty Dogs "Last Hurray" für die PS3 und sorgt für einen Urknall.

Erst konnte ich nicht mit dir, jetzt kann ich nicht ohne dich

Die Beziehung zwischen Joel und Ellie ist komplex und einfach zugleich. Joel, vom Schicksal gebeutelt, vom Leben gezeichnet und vom Grauen des Alltags abgestumpft trifft mit Ellie auf ein junges Mädchen, das den Normalzustand der Welt wohl nur aus Erzählungen kennt und versucht mit ihrer großen Klappe der allgegenwärtigen Angst in ihr selbst mutig Ausdruck zu verleihen. Während Ellie anfangs für Joel noch mehr Klotz am Bein als zu schützende Hoffnungsbringerin ist und Joel für Ellie nicht mehr als ein mies gelaunter Schmuggler, dem sie per Fremdbestimmung urplötzlich folgen soll, sind beide im Laufe der Geschichte immer mehr bereit auf einander zuzugehen und gemeinsam die Reise zu überstehen. Dass das Verhältnis der beiden mit der Zeit einer typischen Vater-Tochter-Beziehung ähnelt ist dabei nur die Spitze des emotionalen Eisbergs "Last of Us", welcher verdammt tief in den Ozean reicht. Die Nebencharaktere, wie beispielsweise Tess oder Joels alter Freund Bill, werden in ihren Rollen, wenn auch nicht lang, sehr schön gezeichnet und hinterlassen im Grunde keine Fragen im Kopf des Spielers.

The Last of Us (5) Quelle: PC Games The Last of Us (5) Im Spielgeschehen geben Joel und Ellie somit ein sympathisches und vor allem authentisches Duo ab. Dabei ist es egal ob die Rätsel noch so profan sein mögen und nicht über "Schieb mal die Kiste da hin, damit wir da hoch kommen" hinaus kommen. Vielmehr gibt die Art, wie die beiden miteinander kommunizieren, den entscheidenden Ausschlag darüber, warum wir solch simpler Tätigkeit nicht überdrüssig werden. Es ist vielmehr erstaunlich wie feinfühlig und subtil der Spieler immer wieder darauf hingewiesen wird, dass der Wegbegleiter nicht wie üblich ein voll ausgebildeter, selbstständig denkender und agierender Profi, sondern ein heranwachsendes fürsorgebedürftiges Mädchen ist.

Technisch höchst ansteckend

The Last of Us (13) Quelle: Sony The Last of Us (13) Wem es bisher noch nicht aufgefallen ist, dem sei hier noch einmal erwähnt, dass "Last of Us" in vielerlei Hinsicht ein echter Technik-Volltreffer ist. Atemberaubende Landschaften, inszeniert mit stimmungsvollen Licht- und Schatten-Effekten bieten den Schauplatz für die Handlungen vieler detailverliebt ausgestalteter Charaktere. Dabei bieten sich über das gesamte Spiel keinerlei repetitive Momente oder abgenutzte Schauplätze respektive Situationen. Ebenso ist die Vertonung nicht oft und hoch genug zu loben. Obgleich die englische Synchronisation in Sachen Timing bei genauerem hinsehen leicht die Nase vorn hat, haben die deutschen Pendants jede Menge Können und Hingabe in die Waagschale geworfen. Doch auch wenn einmal nicht die Zeit für große Worte ist, kommen die Boxen nicht zur Ruhe. Wenn ein Clicker seine krächzenden Grunzer mit dem Jammern von Runnern über eine wabernde Hintergrundmusik legt, geben die Nackenhaare jedes Mal aufs neue Standing Ovations. Im Portfolio des Sountracks sind aber auch, je nach Situation, die unterschiedlichsten Tempi und Instrumente enthalten und lassen wenig Luft nach oben.

Meinung

Wertung zu The Last of Us (PS3)

Wertung:

9.1 /10
Pro & Contra
Beziehung zwischen Joel und EllieCharakterausarbeitungSpannendes StorytellingNatürliches CharakterdesignTolle AnimationenSpannende AuseinandersetzungenHervorragender SoundAbwechslungsreiches GameplaySpannung bis zum SchlussEchtzeit-SystemButterweicher SpielflussUmwerfende Level-ArchitekturFingerzeig auf eingefleischte Gaming-Standards
Etwaige KI-FehlerLeichter KonfrontationszwangSeltene KameraproblemeTexturschwächen
  1. Seite 1 Die Hoffnung heißt Ellie
  2. Seite 2 Fazit & Wertung
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