Vorschau zu The Sinking City: Sherlock Holmes im Lovecraft-Setting
Special 35,99 €
Auf der Bigben Week 2019 in Paris durften wir uns neben jeder Menge Renn- und Sportsimulationen auch einige etwas storylastigere Titel anschauen. Prominentestes Beispiel: The Sinking City, das neuste Werk aus dem Hause Frogwares. Unsere ersten Eindrücke zum Action-Adventure mit starken Lovecraft-Einflüssen schildern wir in dieser Vorschau.
"ph'nglui mglw'nafh Cthulhu R'lyeh wgah'nagl fhtagn" - wenn ihr diesen Satz problemlos über die Lippen bekommen habt: Glückwunsch, unter Umständen habt ihr die Welt gerade dem Untergang geweiht. Auf der positiven Seite: Ihr seid offensichtlich auch ideal auf den Release von The Sinking City (jetzt kaufen 2,56 € / 35,99 € ) vorbereitet!
Bei dem Titel handelt es sich um ein Action-Adventure mit diversen Rätsel- und Detektiv-Elementen. Das ist kein Wunder, kommt er doch vom ukrainischen Studio Frogwares - also dem Entwickler, der bereits für zahlreiche Sherlock-Holmes-Spiele verantwortlich zeichnete. Die Macher kennen sich also nicht nur mit Puzzlern, sondern auch mit der Versoftung literarischer Klassiker aus. Dieses Mal geht es allerdings nicht in die fiktive Welt von Arthur Conan Doyle, sondern ins finstere Universum des amerikanischen Horror-Autors H.P. Lovecraft. Der ist besonders bekannt für seinen Cthulhu-Mythos rund um ein riesiges dämonenhaftes Wesen, das auf dem Grunde des Ozeans schlummert und nur darauf wartet, die Welt ins Verderben zu stürzen. Es ist als keine Überraschung, dass auch in The Sinking City Wasser eine zentrale Rolle einnimmt.
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Ein bisschen Rätseln, ein bisschen Gruseln
Quelle: Frogwares / Bigben Interactive
The Sinking City in der Vorschau (12).
Im Fokus der Geschichte, die im Amerika der 20er-Jahre angesiedelt ist, steht dabei das fiktive Städtchen Oakmont in Massachusetts, das nun schon seit längerer Zeit Schauplatz für seltsame Vorfälle aller Art ist. Besonders mysteriös: Der Ort an der Ostküste wird von einer obskuren Überflutung heimgesucht. Ganze Teile der Stadt sind mittlerweile unter Wassermassen verschwunden, jeden Tag holt sich der Ozean mehr von seinem ursprünglichen Herrschaftsgebiet zurück. Zu allem Überfluss scheint etwas in den finsteren Tiefen des Wassers die Bevölkerung langsam aber stetig in den Wahnsinn zu treiben. Und dann gäbe es da auch noch diese düsteren Gestalten, die der örtlichen Bevölkerung ordentlich zusetzen. Entsprechend herrscht auf den Straßen Oakmonts nun das blanke Chaos. Ganze Stadtteile sind abgeriegelt.
Mitten in dieser unwirklichen, unmenschlichen Welt taucht dann schließlich unsere Hauptfigur, der Privatdetektiv Charles W. Reed auf. Der hat es sich zum Ziel gesetzt, den seltsamen Vorgängen in Oakmont auf den Grund zu gehen und die Stadt von der Herrschaft des Irrsinns zu befreien. Wie ihr allerdings schon nach wenigen Minuten feststellen müsst, ist das ein ebenso gewagtes wie durchaus ambitioniertes Unterfangen.
Quelle: Frogwares / Bigben Interactive
The Sinking City in der Vorschau (1)
Oakmont als Open World
Im Gegensatz zu früheren Frogwares-Titeln könnt ihr The Sinking City nämlich wesentlich flexibler angehen. Das Adventure setzt euch eine komplett offene Spielwelt vor, durch die ihr euch frei und in eurem Tempo bewegen dürft. Die Entwickler lassen euch über den gesamten Storyverlauf hinweg viel Freiraum, den ihr dafür nutzen könnt, die Stadt zu erkunden (wahlweise zu Fuß, per Motorboot oder sogar im Taucheranzug), mit Bürgern zu sprechen oder einfach nur die Atmosphäre aufzusaugen.
Quelle: Frogwares / Bigben Interactive
The Sinking City in der Vorschau (9).
Oakmont mag zwar nämlich streckenweise recht trist und karg wirken. Besonders durch den steten Nebel und die endlosen Regenfälle hat die Stadt beinahe ein deprimierend-depressives Flair. Die klar durch den Lovecraft-Roman "Schatten über Innsmouth" inspirierte Umgebung brilliert aber zeitgleich mit einem interessanten, ganz eigenen Leveldesign, das tote Haie, Korallen und anderen Meereswuchs mit dem typischen Film-Noire-Setting vermischt, das man so aus Filmen über die Zeit der amerikanischen Prohibition kennt. Obendrauf packen die Entwickler jede Menge obskure Gestalten - etwa Mensch-Affen- oder Mensch-Fisch-Hybriden - sowie zahlreiche weitere Anspielungen auf die literarische Vorlage. So entsteht eine einzigartige Stimmung, die Lovecraft-Fans Freude und Außenstehenden Schrecken und Ekel bereiten dürfte.
Der rote Faden, der euch durch diese Welt führt, ist selbstverständlich euer Hauptfall - die Frage, warum Oakmont gerade im Wasser und damit im Chaos versinkt. Von diesem Auftrag hängt auch der Gesamtfortschritt eures Spiels ab. Nebenher könnt ihr mit Charles Reed aber auch noch eine Reihe an Nebenmissionen annehmen, von denen wir uns unserer Demo einmal eine etwas näher angesehen haben. Im Namen von Robert Throgmorton, einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Stadt, wurden wir etwa darauf angesetzt, den Dieb eines kostbaren Spiegels zu finden und das gute Stück wiederzubeschaffen.
Quelle: Frogwares / Bigben Interactive
The Sinking City in der Vorschau (3).
Ermittlungen in Eigenregie
Auch bei diesen Aufträgen zeigt sich, dass Frogwares euch ein wenig an der langen Leine laufen lässt. Selbst während aktiven Fällen erscheinen auf der Karte keine Missionsmarker und euer HUD blendet nicht ständig Tipps ein, was ihr denn jetzt als nächstes zu tun habt. Im Vergleich zu anderen Open-World-Titeln wirkt der Bildschirm in The Sinking City so beinahe schon nackt und leer. Das Spiel nimmt euch zu keinem Zeitpunkt an die Hand. Ihr müsst alles in Eigenregie angehen. Konkret bedeutet das etwa: Eure einzelnen Indizien durchgehen und in eurem Notizbuch selbstständig Verbindungen ziehen, nötige Gesprächspartner und Beweise eigens aufspüren und notfalls von euch aus Punkte auf die Map setzen, die zur Lösung des Falles beitragen könnten.
Quelle: Frogwares / Bigben Interactive
The Sinking City in der Vorschau (14).
So viel Eigeninitiative ist der durchschnittliche Spieler schon fast nicht mehr gewöhnt. Entsprechend kann The Sinking City zu Beginn durchaus schon mal etwas abschreckend oder gar überwältigend sein. Mit der Zeit findet ihr euch aber immer besser zurecht und fühlt euch bald wie ein echter Meisterdetektiv. Das liegt auch daran, dass euch die Entwickler noch ein kleines Hilfsmittel namens "Mind's Eye" zur Verfügung stellen. Dabei handelt es sich um eine Art Superkraft, mit dessen Zutun Charles Reed beispielsweise sogenannte Omen sehen kann. Das sind Schattenfiguren, die euch den Weg zu einem Hinweis leiten.
Von Phantomen und Monstern
Quelle: Frogwares / Bigben Interactive
The Sinking City in der Vorschau (10).
So kamen wir ins unserem Spiegel-Fall etwa auf die Spur des Diebes, die uns in die örtliche Irrenanstalt und dort in eine leere Zelle führte. Der Verdächtige war ausgeflogen. Aber keine Sorge: In solchen Momenten nutzt ihr einfach Reeds zweite nützliche Fähigkeit, die "Retrocognition" - eine Funktion, die man so beispielsweise auch schon aus The Vanishing of Ethan Carter kennt. Mit deren Hilfe kann eure Spielfigur einen Blick in die Vergangenheit werfen und so herausfinden, was an einem Ort vorgefallen ist. Dafür muss er lediglich die vergangenen Handlungen in die richtige Reihenfolge bringen. Wir erfuhren auf diese Weise zum Beispiel, dass unser nächster Anlaufpunkt eine Spiegelfabrik im Hafen sein sollte.
Beachtet allerdings, dass euer Protagonist auch Tribut für seine übernatürlichen Fähigkeiten zollen muss. Da Charles Reed als Weltkriegsveteran einige traumatische Ereignisse hinter sich gebracht hat, ist die geschundene Seele anfällig für Alpträume und Visionen. Wird seine Psyche in Oakmont zu hart auf die Probe gestellt, tauchen Phantome aus dem Dunkeln auf, die euch an den Kragen wollen. Diesen müsst ihr dann mit diversen Schusswaffen, Fallen sowie einem Spaten (nachweislich die Lieblingswaffe in den Gräben des ersten Weltkriegs) zu Leibe rücken. Behaltet also immer die zwei essenziellen Anzeigen des Spiels im Auge: die beiden Leisten für eure körperlich und geistige Gesundheit.
Quelle: Frogwares / Bigben Interactive
The Sinking City in der Vorschau (11).
Das gilt auch für die diversen Auseinandersetzungen mit Monstern, die auf den Straßen und in den Häusern von Oakmont auf euch warten. Die sehen nicht nur schrecklich aus (etwa wie eine Art Spinne aus einem Bündel menschlicher Arme), sondern können auch richtig tödlich sein. Nehmt im Zweifelsfall also auch gerne mal die Beine in die Hand, statt in die Offensive zu gehen. Besonders, da Munition und andere Ressourcen in The Sinking City ziemlich rar gesät sind. Kugeln oder Medipacks findet ihr nur ganz selten. Mehr Glück habt ihr dafür mit Materialien wie Alkohol oder Schwarzpulver, aus denen sich dann Nachschub basteln lässt.
RPG-Elemente und Entscheidungsfreiheit
Zusätzlich zu diesen Crafting-Optionen gibt es dann auch noch weitere RPG-Elemente wie eine Art Fähigkeitenbaum. Für gefundene Hinweise oder getötete Gegner erhaltet ihr in The Sinking City nämlich Erfahrungspunkte, die ihr dann wiederum in Skills drei unterschiedlicher Kategorien investiert. Steckt ihr eure XP in den Bereich "Combat", könnt ihr dort schnelleres Nachladen oder Fallenstellen freischalten. "Vigor" hält Vorteile wie ein vergrößertes Magazin oder erhöhte Lebensenergie für euch bereit. Und unter "Mind" habt ihr die Möglichkeit, eure geistige Gesundheit zu erhöhen.
Mit den richtigen Upgrades war es für uns dann auch kein Problem mehr, den Spiegeldieb ausfindig zu machen. Nachdem wir im Stadtarchiv dessen Adresse recherchiert und ihn in einem verlassenen Gebäude konfrontiert hatten, wurden wir dann abschließend vor die Wahl gestellt, wie wir mit dem Gauner umgehen wollten. Durch diese Entscheidungsfreiheit sowie das ohnehin sehr offene Untersuchungssystem kann jeder Fall in The Sinking City auf verschiedene Weisen gelöst werden. Und der Titel erfreut sich eines hohen Wiederspielwerts.
Quelle: Frogwares / Bigben Interactive
The Sinking City in der Vorschau (4).
Komplett einwandfrei läuft der Ausflug nach Oakmont aber natürlich auch nicht. Die Third-Person-Kamera machte uns gerade in engen Räumen etwas zu schaffen. Zudem störten wir uns an nachladenden Texturen oder Pop-ins sowie den etwas statischen Gesichtern der Spielfiguren. Nicht storyrelevante Charakter, mit denen ihr oftmals auch nicht reden könnt, sehen schon mal etwas generisch aus.
Zu guter Letzt war auch die Fortbewegung innerhalb der Stadt teils etwas leidig. Aufgrund der Überschwemmung müsst ihr ständig zwischen Land und Wasser hin- und herwechseln. Manche Gebiete, die "Infected Areas", sind zudem nicht ohne Bedenken betretbar. So kann es, trotz verfügbarer Schnellreise-Funktion, schon mal etwa Zeit und Nerven kosten, von A nach B zu kommen.
Ungeachtet dieser kleineren Makel haben wir für den Release allerdings doch ein insgesamt gutes Gefühl. Dieser erfolgt am 27. Juni für PC, PS4 und Xbox One.
Vorläufiges Fazit
Meinung
Bildergalerie
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