The Survivalists: Das affige Survival-Spiel scheitert leider kläglich

Test Alexander Bernhardt Lukas Schmid
The Survivalists: Das affige Survival-Spiel scheitert leider kläglich
Quelle: Team 17

Das Entwicklerstudio Team 17 entführt uns mit The Survivalists auf eine menschenleere Inselgruppe, auf der wir uns trotz Nahrungsknappheit und gegen wilde Tiere behaupten müssen. Survival-typisch bauen wir eine Basis auf und craften, was das Zeug hält. Die Besonderheit: Wir können Affen trainieren, sodass sie uns bei verschiedensten Aufgaben zur Hand gehen. Beim fehlenden Spielspaß können die Primaten aber nicht helfen.

Mensch, was war The Escapists für ein tolles Spiel! Ein spannendes Setting, gepaart mit einer tollen Retro-Optik, da hat es jede Menge Spaß gemacht, aus dem Knast auszubrechen! Der zweite Teil konnte da vor allem wegen vieler Bugs zum Start nicht ganz mithalten. Jetzt ist mit The Survivalists ein weiteres Spiel aus dem Escapists-Universum erschienen. Diesmal wollen wir aber nicht aus dem Knast, sondern von einer einsamen Insel entkommen. Leider wird das Survival-Spiel aber von haarsträubenden Steuerungsschwierigkeiten geplagt.

Cast Away ohne Volleyball

Fast schon klischeehaft für ein Survivalspiel, kentert unser Schiff am Anfang des Spiels, woraufhin wir an eine scheinbar verlassene Insel gespült werden. Schnell stellt sich heraus, dass dieser Ort aber nicht nur von wilden Tieren, sondern außerdem von noch wilderen Ork-ähnlichen Geschöpfen bewohnt wird. Um nicht direkt abzukratzen, bauen wir uns eine sichere Basis, craften allerlei nützlichen Schnickschnack und gehen immer wieder auf Entdeckungstour, um neue Materialien zu finden. Das ist natürlich eine Menge Arbeit, weshalb wir bei den Entdeckungsreisen auf einige hilfsbereite Affen treffen. Diese nützlichen Primaten können uns bei so ziemlich jeder Aufgabe helfen, solange sie das richtige Werkzeug in der Hand haben, sei es Bäume fällen, Erz abbauen, kochen oder kämpfen. Unsere Artverwandten haben so einiges auf dem Kasten. Leider ist die Umsetzung dieser spannenden Gameplaymechanik aber so katastrophal, dass das System mehr frustriert denn nützt.

Was für ein Affentheater

The Survivalists: Escapists-Macher scheitern beim affigen Survival-Spiel kläglich (2) Quelle: PC Games The Survivalists: Escapists-Macher scheitern beim affigen Survival-Spiel kläglich (2) Die Probleme mit der Mechanik rund um die Affen beginnt schon bei der Auswahl des gewünschten Helferleins: Mit einem Knopfdruck können wir nämlich alle in der Nähe befindlichen Affen zu uns rufen, die sich dann im Kreis um uns herum aufstellen. Damit ein Affe einen Auftrag ausführen kann, müssen wir ihm die Aufgabe erst vorführen. Wir schmeißen ihm eine Banane zu und schon beobachtet der gewünschte Primat unsere Handlungen, um sie dann nachzuahmen. Dummerweise ist es nicht immer nur der gewünschte Primat, der lernt sondern gerne schließen sich auch mal ein oder zwei Affen mehr an. Denn wenn wir auf einen Affen klicken, werden meistens mehrere auf einmal ausgewählt. Eine gute Rollenverteilung ist daher unheimlich schwer umzusetzen.

Primitive Primaten

Es ist auch nervig, dass man den Primaten dieselben Aufgaben immer wieder erneut vorführen muss, wenn sie mal kurz etwas anderes machten. Offenbar sind die Affen dümmer als Hunde, denen man mit genügend Konditionierung "Sitz" und "Platz" bebringen kann und sie verstehen, was man von ihnen will. Wieso kann man einem Affen nicht nach einer gewissen Zeit einfach "Koch" und "Kämpfe" sagen? Cool jedoch ist, dass sich unsere Begleiter in den Aufgabebereichen verbessern, in denen sie arbeiten. Einen Affen zu spezialisieren, würde also Sinn ergeben. Da wir aber das Aussehen unserer haarigen Freunden nicht ändern können, ist es bei spätestens zehn Primaten kaum noch möglich, den Überblick zu behalten. Eine Menüoption für kosmetische Anpassungen bei den Fellknäueln existiert zwar, zum Testzeitpunkt allerdings funktionierte sie schlicht und ergreifend noch nicht. Und ganz nebenbei: Wieso können Affen leveln, aber unser eigener Charakter kann das nicht?

Inventar? Welches Inventar?

The Survivalists: Escapists-Macher scheitern beim affigen Survival-Spiel kläglich (6) Quelle: PC Games The Survivalists: Escapists-Macher scheitern beim affigen Survival-Spiel kläglich (6) Aber auch ohne unsere Artverwandten kann das Spiel einen ganz schön ärgern. Beispielsweise verfügt unser Charakter über kein Inventarmenü. Die Mincecraft-typische Schnellzugriff-Funktion am unteren Bildschirmrand ist unsere einzige Möglichkeit, auf Gegenstände zuzugreifen. Bei nur zehn freien Slots ist jedoch kaum Platz da, um wirklich viel aufzusammeln. Mit Blick auf die Gegenstände, die wir fast immer dabei haben sollten (Waffe, Holzaxt, Spitzhacke, Hammer, Essen), ist unser verfügbarer Platz zudem schon zur Hälfte ausgeschöpft. Einen Rucksack können wir übrigens nicht craften, dafür können wir aber einen Affen beauftragen, eine Truhe für uns umherzuschleppen. Sobald wir angegriffen werden, lässt der Primat die Kiste aber fallen. Wenn wir das zu spät bemerken und weiterlaufen - und das kommt vor -, müssen wir uns erst einmal wieder auf die Suche nach unserem Hab und Gut begeben. Ihr merkt schon, das ist alles unheimlich umständlich gelöst worden.

Die Affen selbst können übrigens nur einen einzigen Gegenstand in der Hand halten. Schnell geht der Aufgabenwechsel etwa vom Kochen zum Holzhacken also nicht vonstatten, da wir unserem haarigen Verbündeten stets erst das richtige Werkzeug geben müssen. Außerdem können Äxte, Schwerter usw. mit der Zeit kaputtgehen. In einem Survival-Spiel, bei dem wir uns nur um uns selbst kümmern müssen, ist das ja eine ganz nette Mechanik, aber mit über zehn Affen im Schlepptau ist sie einfach nur nervig.

Nicht viel angenehmer ist das Aufsammeln von Materialien. Wenn wir nämlich beispielsweise eine Palme fällen, teilt sich der Baum in unterschiedliche Gegenstände wie Palmenblätter, Holz und Kokosnüsse auf. Da liegen dann also durchschnittlich fünf bis zehn einzelne Materialien, die wir umständlich mit einem Tastendruck pro Gegenstand aufheben müssen. Fällen wir also mal fünf Bäume hintereinander, dann müssen wir um die 30 Mal die entsprechende Taste spammen. Besonders ärgerlich wird es, wenn einer der Affen im Weg steht. Da kann es schnell passieren, dass man mit dem Affen Gegenstände tauscht, anstatt die auf dem Boden befindlichen Materialien aufzusammeln, da dieser Befehl mit derselben Taste ausgeführt wird. Das merkt man aber nicht immer sofort und irgendwann fragt man sich, wo denn Axt, Spitzhacke und Co. geblieben ist. Dann muss man jeden Affen durchsuchen, um herauszufinden, wer unsere Gegenstände stibitzt hat.

Fragen über Fragen

The Survivalists: Escapists-Macher scheitern beim affigen Survival-Spiel kläglich (4) Quelle: PC Games The Survivalists: Escapists-Macher scheitern beim affigen Survival-Spiel kläglich (4) Und hier hört der Ärger noch nicht auf. Entwickler Team 17 hat noch einige andere fragwürdige Gameplayentscheidungen getroffen, die mal mehr, mal weniger schwerwiegend sind. Nicht nur einmal haben wir uns gefragt: Wieso? Wieso ist unser Menü am unteren Bildschirmrand nicht wie in anderen Genre-Vertretern nummeriert? So ist der Schnellzugriff über die Zahlen an der Tastatur kaum nützlich, weil wir entweder raten oder zählen müssen, auf welchem Slot welches Item liegt. Wieso müssen wir noch einmal extra eine Taste drücken, um nach dem Schlafen aus dem Bett zu steigen, obwohl wir nichts anderes im Bett tun können? Wieso können wir Affen nicht beauftragen, unsere Basis vor Orks zu beschützen, während wir weg sind? Es kommt vor, dass man auf einer anderen als der Heimatinsel unterwegs ist, sobald die Nacht hereinbricht. Wird die Basis dann überfallen, werden unsere wehrlosen Affen widerstandslos niedergeschlagen.

Wenn wir schon dabei sind: Wieso verteidigen sich unsere Affen erst, wenn wir ihnen zeigen, wie man kämpft? Zur Erinnerung: Sind sie gerade aktiv mit einer anderen Aufgabe beschäftigt, wechseln sie nicht automatisch in den Kampf-Modus. Bis wir beim Angriff eines Gegners die Primaten ausgewählt und ihnen gesagt haben, sie sollen uns nachmachen, haben wir schon mindestens einen Treffer kassiert. Und wieso laufen die Affen immer wieder ins offene Meer, wenn sie nichts zu tun haben? So müssen wir die haarigen Nervensägen dann immer wieder neu aufsammeln. Es ist wirklich kaum zu glauben, dass die (Mit-)Entwickler von so tollen Spielen wie Overcooked 2, The Escapists 2 oder den Worms-Spielen ein so undurchdachtes und unfertiges Game auf den Markt bringen.

Trotz all dieser ungeplanten Schwierigkeiten ist The Survivalists (jetzt kaufen 24,95 € )üübrigens sehr einfach. Die Kämpfe sind mit genügend Affen im Schlepptau ein Klacks und die Survival-Elemente sind extrem überschaubar. Wir müssen uns einzig um unseren Hunger kümmern, nicht einmal trinken müssen wir.

Stuhlprobleme

Unfertig wirkt The Survivalists nicht nur aufgrund der gerade angesprochenen Gameplayprobleme, sondern auch wegen den spärlichen Inhalten. Auch wenn die vielen verschiedenen Craftingbäume nach einer Menge Möglichkeiten aussehen, sind diese doch recht schnell ausgeschöpft. Viele der herstellbaren Gegenstände sind sich außerdem sehr ähnlich, so kann man einen Stuhl zum Beispiel mit drei verschiedenen Materialien herstellen. Übrigens hat es keinerlei spielerischen Nutzen, sich hinzusetzen, was die Frage aufwirft, wieso man gewisse Objekte überhaupt herstellen soll. Nach wenigen Stunden hat man aber ohnehin alle herstellbaren Gegenstände freigeschaltet, nicht einmal das bloße Sammeln motiviert also lange.

The Survivalists: Escapists-Macher scheitern beim affigen Survival-Spiel kläglich (5) Quelle: PC Games The Survivalists: Escapists-Macher scheitern beim affigen Survival-Spiel kläglich (5) Ein weiteres genretypische Element ist das Erkunden der Welt, was im Vergleich mit dem Crafting deutlich mehr motiviert. Im Laufe des Spiels bauen wir uns ein Floß, um andere Inseln neben unserer eigenen zu erkunden. Dank der schicken Retro-Optik und dem angenehmen Soundtrack kommt sogar ein bisschen Spielspaß auf. Da die Welt prozedural generiert wird, ist der Wiederspielwert hier auch relativ hoch. Entdeckungsreisen machen vor allem aufgrund der unterschiedlichen Vegetationszonen Spaß. Heißere Gebiete geben uns Feuerschaden und Sümpfe können uns vergiften. Außerdem finden wir hin und wieder kleine Höhlen oder Dungeons voller Schätze, die von Fledermäusen, Orks und lebendigen Skeletten beschützt werden. Diese Dungeons beschränken sich meistens jedoch auf ein paar wenige Räume, die innerhalb von Minuten erkundet werden können. Die Schätze sind meistens auch nur ganz nett, aber selten etwas Besonderes. Eine willkommene Abwechslung sind die Dungeons aber trotzdem.

Dungeons and no Dragons

The Survivalists: Escapists-Macher scheitern beim affigen Survival-Spiel kläglich (3) Quelle: PC Games The Survivalists: Escapists-Macher scheitern beim affigen Survival-Spiel kläglich (3) Neben den kleinen Dungeons gibt es außerdem fünf große unterirdische Labyrinthe, die Teil der Handlung des Abenteuers sind. Neben einer Menge Gegnern und ein paar Schätzen beinhalten diese auch jeweils einen besonderen Gegenstand, der uns bei unserer Flucht von der verlassenen Inselgruppe helfen soll. Wenn alle fünf Gegenstände gesammelt wurden, hat man das Spiel sozusagen durchgespielt. Um aber überhaupt in diese Labyrinthe zu gelangen, müssen erst fünf Schlüssel bei einem mysteriösen Händler gekauft werden. Für 5000 Münzen, was im Kontext des Abenteuers eine richtig, richtig große Summe ist, erhalten wir einen der fünf Schlüssel. Spätestens nach dem zweiten Labyrinth spielen wir nur noch, um Geld zu sammeln, weil wir alle anderen Dinge im Spiel schon gesehen und erlebt haben.

The Survivalists: Escapists-Macher scheitern beim affigen Survival-Spiel kläglich (7) Quelle: PC Games The Survivalists: Escapists-Macher scheitern beim affigen Survival-Spiel kläglich (7) The Survivalists kann man auch mit bis zu drei Freunden online spielen. Dann verschlägt es uns mit maximal fünf unserer Affen in die Welt des Hosts, wo wir dann gemeinsam überleben müssen. Spielerisch fügt der Koop-Modus dem Gameplay keine neuen Facetten hinzu, aber gemeinsam mit ein paar Freunden ist das Erkunden natürlich gleich viel unterhaltsamer. Die unzähligen Probleme bleiben aber logischerweise trotzdem erhalten.

All die angesprochenen Probleme wären bei einem Spiel mit Early-Access-Status verzeihbar, das ist bei The Survivalists aber nicht der Fall. Es wurden aber schon einige Inhalte und Updates angekündigt, die das Spiel in den kommenden Monaten besser machen sollen - mal sehen, ob das reicht, um die gröbsten Fehler auszubügeln. Es gibt auf jeden Fall viel, viel bessere Genre-Konkurrenten auf dem Markt.

Wer jetzt immer noch nicht von The Survivalists abgeschreckt ist, kann die kostenlose Demo auf Steam ausprobieren. The Survivalists ist außerdem für Nintendo Switch, Playstation 4 und Xbox One und via Apple Arcade erhältlich.

Meinung

Wertung zu The Survivalists (PC)

Wertung:

4.0 /10

Wertung zu The Survivalists (PS4)

Wertung:

4.0 /10

Wertung zu The Survivalists (NSW)

Wertung:

4.0 /10

Wertung zu The Survivalists (XBO)

Wertung:

4.0 /10
Pro & Contra
Wunderschöne Retro-OptikNetter SoundtrackProzedural generierte Spielwelt lädt zum Erkunden einKoop-Modus funktioniert einfach und schnellAffen trainieren ist eine tolle Idee ...
... die aber mehr nervt als hilftAffen merken sich Gelerntes nichtInventar kaum existentSteuerung zum HaareraufenFragwürdige GameplaymechanikenIn keinster Weise herausforderndSehr wenig InhaltZum "Durchspielen" viel Grind nötig
Fazit

Selbst als Early Access-Spiel wäre The Survivalists nur sehr bedingt zu empfehlen.

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