Auch wenn der zweite Witcher nicht ganz perfekt ausfiel, hat er sich trotzdem den Gamezone Gold-Award redlich verdient.
Schweißtreibende Angelegenheiten
Quelle: CD Projekt / NeoGAF
The Witcher 2: Assassins of Kings
Gegenüber Teil Eins wurden die Kämpfe gesamt schneller und auch deutlich Action-lastiger gestaltet, was teilweise schlicht in einer wilden Maus-Klickerei ausartet. Wer in der Lage ist besonders akkurat mit seiner Maus zu arbeiten, dem winken schöne und vor allem flüssige Kampf-Animationen, die auch optisch einiges hermachen. Wer sein Heil allerdings in der taktlosen Vorgehensweise sucht, wird sehr schnell Bekanntschaft mit dem ungeliebten "Game Over" machen. Dann heißt es zurück zum letzten Spielstand und einen neuen Versuch wagen. Lasst euch gesagt sein: Egal auf welcher Schwierigkeitsstufe ihr auch spielt, mit wildem Klicken kommt ihr absolut nicht weiter. Einzig die Kombination eurer mächtigen Schwerter, gepaart mit sehr gut getimten Magie-Angriffen sowie der richtigen Ausweichtechnik führen zum Sieg - alles andere ist Pillepalle und verschwendete Zeit. Vor allem bei den übermächtigen Boss-Gegnern sind strategische als auch taktische Kombinationen wichtig, denn die Obermotze haben es wahrlich in sich.
The Witcher 2: Assassins of Kings
Um auch dem Mainstream-Gedanken ein Stück weit gerecht zu werden, haben uns die Entwickler noch mit einigen mehr oder weniger sinnigen Quick-Time Events beglückt, welche unter anderem auch bei den Boss-Gegnern Anwendung finden. Auf diese hätten wir aber gelinde gesagt sehr gerne verzichtet! Auch wenn solche Reaktionstests mittlerweile arg in Mode gekommen sind, sie wirken in vielen Situationen schlicht nur aufgesetzt und sind eher für Frust gut, als dass sie dem Spiel etwas Besonderes verleihen. Auch vorhandene Minispielchen in The Witcher 2 versuchen mit diesen Reaktionstests zu brillieren. Vor allem die Kneipenschlägereien, welche immerhin etwas Abwechslung zur sonst eher durchdachten Kämpferei bieten, bedienen sich der Quick-Time Vorgehensweise - und zumindest in diesem Segment segnen wir diese Option ansatzweise ab. Zu den Schlägereien gesellt sich auch das aus Teil Eins bekannte Würfelspiel. Und für wen das immer noch nicht ausreichende Alternativunterhaltung darstellt, der darf sich zwischendrin auch gerne noch im Armdrücken, Messerwerfen und ähnlichen Aktionen versuchen.
Alles Rollenspiel, oder was?
The Witcher 2: Assassins of Kings
Wie einige von euch sicherlich schon gemerkt haben, klingt die bisherige Beschreibung von The Witcher 2 eher nach einem Action-Adventure statt einem waschechten Rollenspiel. Na ja, und so ganz unrecht habt ihr mit dieser Einschätzung auch nicht! Auf der einen Seite versucht The Witcher 2 ganz klar und auch nachvollziehbar einen gewissen Mainstream-Charakter zu präsentieren, da man auf diese Weise möglichst viele Gamer ansprechen und somit auch neue Spieler bzw. Fans gewinnen möchte. Auf der anderen Seite jedoch sollte das klassische Rollenspiel-Element, welche schon in Teil Eins - sagen wir - gediegen im Vergleich zu Konkurrenzspielen war, nicht ganz verloren gehen. Eine, wenn man so will, Zwickmühle für das Entwicklerteam, das sich, wie in der letzter Zeit leider nicht unüblich, für einen Kompromisse in Sachen RPG-Element entschieden hat. Somit darf das Spiel nach Möglichkeit nicht zu tiefgründig sein und das Charakter Aufbau-System sollte dementsprechend angepasst, sprich einfacher gestaltet sein, so dass sich kein Spieler abgeschreckt fühlt. Aber genau das ist leider die wirklich große Krux an der Witcher 2-Geschichte. Zwar erhält man wie gewohnt Erfahrungspunkte und steigt auch in Level-Stufen auf, für welche wiederum Skill-Punkte zu bekommen sind. Doch leider, leider lässt der Fähigkeitsbaum nicht allzu viele Variationen zu. Es wird ein minimalistisches Standardprogramm geboten, ohne das eine wirklich individuelle Charakterentwicklung zugelassen wird. Schade eigentlich, denn sogar der Vorgänger hatte, wie schon erwähnt, in Sachen RPG-Möglichkeiten und Charakteraufbau deutlich mehr zu bieten.
The Witcher 2: Assassins of Kings
Ebenso stoßen Entdeckernaturen unter euch schnell an vorhandene Level-Grenzen, welche sich in Form von nicht zu öffnenden Türen oder aber als offensichtlich getarnte Hindernisse präsentieren. Das Ganze tut dem Spiel Gott sei Dank aber keinen Abbruch, denn durch zahlreiche Quests seid ihr stetig aufgefordert neue Gebiete zu erkunden. Aus diesem Grund verzeihen wir einladende aber nicht aufgehende Türen und Konsorten. Grundlegend solltet ihr nur beim jeweiligen Gebiete erkunden darauf achten, dass ihr alle gefundenen Aufträge - immer gültig für eine Sektion, auch auflöst, denn wenn der zugehörige, überspannende Akt beendet wurde, gibt es keinen Weg zurück.
Die Sache mit dem Download-Content
The Witcher 2: Assassins of Kings
Gesamt gliedert sich The Witcher 2 in drei großangelegte Akte, wobei wir feststellen mussten, dass der dritte Akt auch den kürzesten darstellt und zu allem Überfluss auch ein wenig unfertig wirkt. Dem Vorgänger gleich ist The Witchter 2 auch auf mehrfaches Durchspielen ausgelegt, denn je nachdem welche Aufträge ihr erhalten und erledigt, werdet ihr ein anderes Ende zu Gesicht bekommen. Seitens der Entwickler wurden bereits weitere Quests in Form von kostenlosem Download-Content in Aussicht gestellt. Der erste DLC ist auch schon kurz nach dem Release erschienen und trägt den Namen "Probleme mit dem Troll". Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass dieser nur deshalb kostenlos veröffentlicht wurde, weil er es einfach nicht mehr ins fertige Spiel geschafft hat oder schlicht weggelassen werden musste, damit The Witcher 2 released werden konnte. Nun, ein Fünkchen Wahrheit könnte da schon dran sein, denn im Lösungsbuch, welches der Premium-Edition beiliegt, wurde - aha, schau einmal guck - der Troll-Quest bereits mit aufgeführt. Aber wie dem auch sei, der grundsätzliche Gedanke vor allem vorzugsweise kostenlosen Zusatzinhalten anzubieten, sollte Schule machen, denn damit kann der Anbieter ein gutes Spiel, und das ist The Witcher 2 sicherlich, über seinen normalen Umfang hinaus am Leben halten.
