Auch wenn der zweite Witcher nicht ganz perfekt ausfiel, hat er sich trotzdem den Gamezone Gold-Award redlich verdient.
Herrliche Aussichten!
Quelle: CD Projekt / NeoGAF
The Witcher 2: Assassins of Kings
Heutzutage wird ein Spiel oft und gerne auf den rein optischen Eindruck reduziert, ohne die Inhalte näher zu beleuchten. Oder aber es wird das spielerische Angebot gelobt, an selbigem hält man sich fest und gebotene Kost fürs Auge wird vernachlässigt. Ein Hand-in-Hand der Komponenten Inhalt UND Optik scheint selten geworden, ist aber Gott sei Dank nicht unmöglich, wie der Hexer Teil Zwei beweist - und zwar verdammt gut beweist! The Witcher 2 hat sich in Sachen grafischer Präsentation absolut nichts vorzuwerfen. Wir lehnen uns sogar soweit aus dem Fenster und sagen, dass es zurzeit kaum ein Rollenspiel gibt, welches dem magischen Herren das Wasser reichen könnte! Sehr schöne Lichteffekte, ohne lästige, aufgesetzte Lens-Flare Effekte (schließlich trägt Gerald keine Brille), gepaart mit schönen, sauberen Texturen verwöhnen sprichwörtlich das Zocker-Auge. Auf wechselnde Wetterbedingungen, welche sogar Einfluss auf im Kampf ausgeführte Zaubersprüche haben, sowie Tag-und Nacht-Wechsel müsst ihr ebenfalls nicht verzichten. Aber was ist das? Nein das wird doch nicht ... leider ja, ein Wölkchen trübt den wunderschönen grafischen Hexer-Himmel! Und natürlich kommt was kommen muss, wo es Licht gibt, fällt bekanntlich auch Schatten! The Witcher 2 liefert neben dem optischen Genuss leider auch die eine oder andere aufpoppenden Texturen und einer sehr wankelmütigen Framerate. Ebenfalls konnten die Entwickler nicht verheimlichen, dass so manches NPC-Modell recht oft hintereinander Verwendung fand - Stichwort "copy & paste". Da fragen wir uns doch glatt: Muss das heute noch sein? Eigentlich nein, aber sei's drum, es ist wie es ist.
The Witcher 2: Assassins of Kings
Mit Auffälligkeit glänzt gleichfalls die Mini-Map - negativ, versteht sich! Sie verspricht nicht wirklich Hilfe - viel zu ungenau, fuzzelig und unnötig. Wer nun denkt, "pah, dann schalt' ich halt auf die große Karte um", der kann sich gleich den Dämpfer verpassen lassen, denn die Vergrößerung liefert keine Verbesserung und ist genauso unübersichtlich wie der kleine Kartenausschnitt. Aber, lassen wir die Kirche mal hübsch im Dorf und halten fest: Diese eher kleinen Schönheitsfehler sind gemessen einem Spielumfang von gut 50 Stunden und mehr (ohne DLC) zu verschmerzen.
Quelle: CD Projekt / NeoGAF
The Witcher 2: Assassins of Kings
So ganz schlucken wollen wir aber wieder einmal nicht, dass - wie schon beim Vorgänger auch - leider in Sachen deutscher Synchronisation Gevatter Sparkurs die Regie übernommen hat. Gleichwohl die Sprecher immerhin tonal unterschiedlich sind, klingen sie gesamt dennoch sehr gelangweilt - die Texte ergehen wie abgelesen, ohne jedwede Betonung bzw. Motivation. Es ist einfach ausdruckslos und killt die Stimmung, welche rein schon optisch aufkommt, aber eben durch die monotone Sprechweise der akustischen Akteure zunichte gemacht wird. Daher raten wir auf jeden Fall zur englischen Tonspur, bei der die Sprecher nicht nur Abwechslung bieten, sondern auch verschiedene Dialekte als auch Emotion und Leidenschaft mit in die Text-Waagschale werfen. Dass das gesamte Repertoire, sagen wir, überaus britisch klingt, sehen wir eher als Tüpfelchen auf dem "i" und nicht als störenden Effekt. Wer Probleme mit dem Englischen haben sollte, der kann sich natürlich trotzdem deutsche Texte einblenden lassen, auch wenn die Übersetzung nicht immer ganz korrekt ausgefallen ist. Am Ende kommt dennoch das rüber, was gesagt wird und ihr seid de Facto im Bilde, was gerade passiert, ansteht, erledigt werden muss, usw.. Am Ende ist es auch egal, welche Sprache ihr euch zu Gemüte führt! Wichtiger hingegen erscheint uns, dass ihr ein wenig resistent hinsichtlich Beleidigungen bzw. Schimpfwörter allgemein sein solltet, denn diese sind finden garantiert sehr häufig den Weg in euren Gehörgang. Oder anders ausgedrückt: Würde in den USA noch das Verbot gelten, da das böse F-Wort gepiept werden muss, seid euch sicher, an so mancher Stelle im Spiel würdet ihr, sofern die Sprachspur Englisch ist, einen Tinnitus erleiden.
Quelle: CD Projekt / NeoGAF
The Witcher 2: Assassins of Kings
Tja, last not least stellen wir kurz noch die Frage, was ein Geralt von Riva für ein armer Hanswurst doch wäre, wenn er nicht hinreichend Spielraum im Bezug auf die holde Weiblichkeit spendiert bekommen hätte? Wie schon im Vorgänger, spielt das Kopulieren auch in Teil Zwei wieder eine bisweilen amüsante Rolle, welche zudem mit recht ansehnlichen Filmchen dargeboten wird. Um dem Ganzen wohl die vermeintlich sexistische Schärfe zu nehmen, klingt die weniger gesprochen denn gehauchte bzw. gestöhnte Synchronisation eher wie aus einen alten Oswald Kolle Aufklärungsschinken.
Oh du schöne Technikwelt
The Witcher 2: Assassins of Kings
Ebenso durchwachsen wie die Soundkulisse, zumindest bezogen auf die deutsche Anpassung, erweist sich auch die angewandte Technik des Spiels. Die Steuerung, das können wir sagen, funktioniert im Großen und Ganzen recht ordentlich. Zwar ist die Kamera hin und wieder recht eigenwillig unterwegs und zeigt des Öfteren nicht wirklich das wichtige Geschehen, aber wenn ihr mal daran gewöhnt seid, wie die optische Darbietung zickt, bedient ihr euch schlicht der Nachjustierung und gut ist. Wer weniger mit Maus und Tastatur unterwegs sein möchte, vielleicht weil er es gewohnt ist mit einem Gamepad zu spielen, dem kann als Empfehlung das Xbox 360 Joypad genannt werden, welches ohne Probleme arbeitet und anstandslos vom Spiel erkannt wird. Einziges Manko: Zum Testzeitpunkt ließ sich die Buttonkonfiguration weder bei Maus & Tastatur noch beim Gamepad individuell abändern. Ebenso konnten wir die Y-Achse nicht invertieren. Ein entsprechender Patch soll allerdings bald nachgereicht werden, welcher die Invertierung möglich machen wird. Wer schon jetzt die Y-Achse invertieren und nicht auf den Patch warten möchte, kommt um eine Konfiguration der ini.-Dateien nicht herum. Das stellt auch keinen illegalen Vorgang dar, sollte allerdings nur von Spielern gemacht werden, die, wie man so schön sagt, "wissen was sie tun". Ein wenig unverständlich erscheint uns auch, dass The Witcher 2 in Sachen Bildsignal nicht auf einen 16:10 Monitor angepasst werden kann, sondern nur das 16:9-Format aufgewiesen wird. Ergo müssen alle unter euch die einen Computermonitor im 16:10 Format zum Zocken benutzen mit unschönen Balken am oberen und unteren Bildschirmrand Vorlieb nehmen.
