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The Witcher 3 angespielt: Bitte einsteigen, der Hypetrain fährt ab

Sandro Odak
... und Gamezone fährt mit. The Witcher 3: Wild Hunt wird seit Wochen, Monaten von Videospielpresse und Fans gleichermaßen abgefeiert. Wir haben das Riesen-RPG nun angespielt und untersucht, ob der Titel dem Hype gerecht wird.
Quelle: CD Project Red

Flashback ins Tutorial: Wie war das doch damals gleich nochmal, als die Wilde Jagd noch nicht ins Land einbrach? Geralt von Riva trainierte damals mit Meister Vesemir und anderen Hexern, um die vorlaute Ciri zu einer richtigen Hexerin zu machen. Doch dann bricht die Wilde Jagd über die Truppe herein. Schnitt, Tutorial fertig und grundlegende Kampfmoves gelernt.

Zurück in die Jetzt-Zeit. Geralt wacht an einen Baum gelehnt aus seinem Traum auf, neben ihm lodert ein kleines Feuer. Zusammen mit einem Weggefährten ist er auf der Suche nach Yennefer, seiner Geliebten. Eine grausige Vorahnung sagt ihm, dass die die Zauberin erst kürzlich durch die Steppen ritt und dabei ein Fort besuchte. Doch wie es eben so kommt, wenn man Hexer ist und sich mit kleinen übernatürlichen Aufträgen über Wasser halten muss, lassen sich die zwei Protagonisten Zeit. Auf der Suche nach Spuren, retten sie einen Kaufmann vor einem tödlichen Greifen – genau dem, den man vielen Trailern bereits kennt. An vielen Stellen sind solche Quests völlig optional. Wenn man NPCs nicht aus der Patsche helfen will, kann man einfach weitergehen. Doch gerade dieser Kaufmann ist tatsächlich eine Hilfe. Er hat von Yennefer gehört und verweist uns ins nächste Dorf. Gut, dass die Gastwirtin seine Cousine ist. Bei ihr haben wir also gleich ein Stein im Brett, weil wir den Typ gerettet haben.

Hexer – kein erstrebenswerter Beruf

7 Bilder Frauen, Alkohol, Glücksspiel: Witcher 3 ist ein RPG mit erwachsenen Themen. Frauen, Alkohol, Glücksspiel: Witcher 3 ist ein RPG mit erwachsenen Themen. [Quelle: CD Projekt Red]
Obwohl Geralt über die Grenzen des Landes bekannt ist und Hexer gefürchtete Wesen sind – ihre Magie ist dem einfachen Volk suspekt. In der Taverne wird uns das zum ersten Mal in Witcher 3 bewusst: Die Bauern wollen nicht an einem Tisch mit uns sitzen, verweigern jede Aussage. Aber was sollen sie auch machen? Eigentlich sind sie die Opfer. Mitten in einem Krieg, nachdem ihr ehemaliger König starb und das Land Teil eines fremden Reiches wurde. Nun stehen sie da, zwischen den Fronten und zu allem Überfluss sind auch die Geisterarmeen der Wilden Jagd da draußen – klar, dass man das Übernatürliche dann komisch findet.

Die Hilfe von Hexern braucht komischerweise trotzdem jeder. Bevor wir Yennefers Spur nachgehen, sprechen wir also mit den Bewohnern. Da wurde zum Beispiel die Schmiede abgebrannt, weil der Schmied mit den fremden Besatzern arbeitet. Die Hexer-Skills erlauben es, dass Geralt die Spuren des Täters findet und den Schuldigen zur Strecke bringt. Ein paar moralische Dilemmas lassen die Entwickler natürlich nicht aus: Will man den Mann ausliefern, der dafür gehenkt wird? Nimmt man eine Bestechung an? Oder lässt man alles auf sich beruhen? CD Projekt RED wühlt selbst in kleinen Nebenquests im Morast der Moral – das macht die Witcher-Spiele schon seit jeher so erwachsen.


7 Bilder Monster von klein bis riesig warten in der weitläufigen Welt. Monster von klein bis riesig warten in der weitläufigen Welt. [Quelle: CD Projekt Red]
Die Welt drumherum mag zwar fantastisch klingen, aber schön ist es in dieser Fantasiewelt keinesfalls. Wenn andere Spiele von Geistern erzählen, klingt das wie verklärte Kindergeschichten über den Tod. Witcher 3 rammt aber einen rostigen Nagel in eine offene Wunde und puhlt darin rum. Als wir eine Geistererscheinung am Brunnen des Dorfes untersuchen, finden wir keine Zaubergeschichte vor, sondern ein ekliges, tragisches Drama. Der Geist einer Frau spukt hier noch herum, weil sie in einer der Hütten nebenan wohl vergewaltigt und dann getötet wurde. Ein Familienerbstück hält sie noch hier, hindert sie daran, "auf die andere Seite" zu gehen. Also untersucht Geralt die Umgebung und fügt alles wie in einem Puzzle zu einer Ermittlung zusammen. Harter Tobak, vor allem weil immer mehr Hinweise auf einen Täter hindeuten. Will man dem nachgehen? Entscheide selbst, sagt einem das Spiel und stellt einen zur Wahl, weitere Nebenquests in dieser reichhaltigen Welt zu verrichten oder dem Hauptstrang weiter zu folgen. In der finalen Version könnte es einem vermutlich schwer fallen – weil alles auf einen riesigen Epos hindeutet.

Offene Spielwelt, keine Grenzen

7 Bilder Am schwarzen Brett holt sich Geralt Aufträge ab. Am schwarzen Brett holt sich Geralt Aufträge ab. [Quelle: CD Projekt Red]
Einen Blick auf die finale Version haben wir natürlich nicht werfen können. Ob der Hype um The Witcher 3 berechtigt ist, können wir also noch nicht abschließend klären. Wir verstehen aber, woher er kommt. In dieser Vorschau haben die Entwickler nur einen kleinen Teil der riesigen Spielkarte für uns geöffnet. Darin können wir uns frei bewegen. Wenn die Distanzen weit sind, schwingt sich Geralt auf ein Pferd (das sich noch etwas hakelig steuert) oder kann durch eine Schnellreisefunktion bekannte Wege abkürzen. In der fertigen Version aber fallen selbst diese unsichtbaren Mauern weg, die uns in der Preview limitieren. Nach dem Tutorial soll jeder machen können, was er will. Liegen Yennefers Spuren im Osten, euch gefällt aber der Westen viel besser? Gut, dann reitet halt in den Westen. Genießt die Aussicht, bekämpft wilde Monster, erfüllt ein paar Nebenquests, die hier und da aufpoppen. Irgendwo sind unbescholtene Bürger bestimmt immer in Gefahr. The Witcher 3 verspricht riesig zu werden und diese Größe auch durch Inhalt zu füllen. Nach der mehrstündigen Vorschau, berichtet fast jeder Teilnehmer von anderen Quests. Der eine hat dies getan, der andere das. Erstaunlich!

Absolut erstaunlich, zugleich aber auch etwas frustrierend, ist der riesige Talentbaum. Je nachdem, welche Tricks Geralt lernt, welche Tränke er sich mixt und was er anhat, verändern sich seine Kampfwerte. Und das sind weit mehr, als nur zwei, drei Zahlenwerte! Eine ganze Bildschirmseite mit Daten und Informationen gibt es, jedes kleinstes Detail wird darin erwähnt. Rollenspielfans werden das lieben! Die Zeit, die verstreicht, bis wir nur einen der Punkte freischalten können, ist aber enorm. Nach drei Stunden vergeben wir zum ersten Mal einen Fähigkeitenpunkt. Und schalten einen Bonus von mehr als 50 frei, von denen viele sogar mehrere Stufen haben. Wenn The Witcher 3 in der Geschwindigkeit weitergeht – dann wird es ein langes, sehr langes Spiel.

Kinnladen-Optik

7 Bilder Hexer-Skills kommen manchmal nicht ungelegen: Wir Sherlock Holmes ermittelt Geralt in Mysterien. Hexer-Skills kommen manchmal nicht ungelegen: Wir Sherlock Holmes ermittelt Geralt in Mysterien. [Quelle: CD Projekt]
Was den Hype angeht, verdankt The Witcher 3 viel davon seiner überragenden Grafik. Schon die erste Szene am Feuer ist fast poetisch. Zwei echte Kerle, die bei Sonnenaufgang mitten in der Wildnis aufwachen. Das Licht fällt durch die Baumwipfel und schimmert wunderschön. Als sie später durch die hohen Wiesen reiten, krümmt sich das Gras. Und solche Kinnladen-Momente liefert das Spiel am laufenden Band. Gerade noch denkt man darüber nach, wie schön der Sonnenaufgang war, dann betrachtet man die Lichtsäulen zwischen den Bäumen. Wenn sie langsam tiefer wandern, wird der Himmel rötlich und geht zu einem epochalen Sonnenuntergang über. Und selbst die Nacht, in ihrer dunklen Abgeschiedenheit, hat etwas Schönes. Die Welt drumherum wirkt nun anders. Ehe man sich versieht, hat man einen ganzen Tag damit verbracht, nur dem Licht zuzugucken.

In München konnten wir zuletzt Xbox One und PC gleichzeitig testen. Und eine klare Überlegenheit des PCs wollen wir nicht leugnen. Die Farben sind satter, die Auflösung höher, die Grafikassets detaillierter. Wo die Xbox One bereits schwammige Texturen an Holzwänden und Untergründen zeigt, überrascht die PC-Version mit HD-Bildern erster Güte. Verstecken braucht sich die Konsolenfassung aber nicht. Sie steht auf einer Stufe mit den jeweiligen Plattform-Königen. Und eins sollte man bedenken: Ryse und The Order: 1886 haben in sich geschlossene, winzige Spielwelten, während The Witcher 3 weitläufig ist.

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  • Sandro Odak"Tschu, tschu, der Hypetrain fährt mit uns weiter"
  • Wenn sich alle einig sind, will ich irgendwie dagegen sein. Alle hassen die Wii U? Ich finde sie gut! Alle lieben Battlefield 2142? Ich hasse es. Bei The Witcher 3: Wild Hunt muss ich dem allgemeinen Jubel jedoch beipflichten. Das ist das größte, weitläufigste, offenste Rollenspiel, das ich seit langem gesehen habe. Zuletzt hat mich The Elder Scrolls: Morrowind so sehr fasziniert. Und obwohl The Witcher 3 so groß ist, lebt es an allen Ecken und Enden. Da sind fliegende Kaufleute, die Hilfe brauchen, Monster, Rätsel, Geister. Überall auf der Suche nach Yennefer warten Herausforderungen. Ich habe nicht geglaubt, dass das so gut funktioniert. Aber das tut es. Tschu, tschu, der Hypetrain fährt weiter. Und wir sind an Bord. The Witcher 3 ist der Hammer!
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