Tiger Woods PGA Tour 08 im Gamezone-Test

Test Thomas Pfnür

Auch die Playstation 3-Version glänzt mit ihren technischen Finessen und dem gigantischen Umfang.

In Deutschland wird Golf wohl nie ein Sport für die breite Masse werden. Während in manch anderen Ländern praktisch jeder von der Strasse aus, sich auf den Fairway begeben kann, ist das hierzulande durch diverse - vor allem finanzielle - Hürden nicht wirklich so einfach möglich. Anders sieht es in der virtuellen Welt aus. Seit vielen Jahren sind Umsetzungen dieser Sportart vor allem auf dem PC sehr erfolgreich, gerade hier im europäischen Raum. Logisch, dass diverse Entwickler versuchen den Markt zu bedienen - leider aber auch in unterschiedlichster Qualität. Electronic Arts steht hier natürlich in nichts nach und kann sich sogar auf die Fahnen schreiben, dass mit der hauseigenen "Tiger Woods PGA Tour"-Reihe eins der hochwertigeren Produkte in den Regalen steht. Zumindest war dies bis letztes Jahr so. Die "07"-Version für die PS3 kränkelte vor allem daran, dass es für diese Plattform der Einstieg in die Serie war - mit den daraus resultierenden Problemen. Zwar bot der Ableger durchaus ein gehobenes Niveau, an das der Xbox360-Variante kam er jedoch bei weitem nicht heran. Und heuer? Um es vorwegzunehmen: ein Unterschied, auch in der Qualität, ist zwischen den beiden Next-Gen-Versionen nicht mehr auszumachen - wer die Umsetzung für Xbox360 kennt, kennt sie auch für die PS3.

Neues altes 3-Klick-System

Tiger Woods PGA Tour 08 Tiger Woods PGA Tour 08 Analog zur Bedienung auf der Xbox360 kann auch die PS3-Steuerung als besonders leicht bezeichnet werden - wenn, ja wenn man sich entschließt auf das neue, "alte" 3-Klick-System zurückzugreifen. Mit "Tiger Woods PGA Tour 08" hat man endlich die Möglichkeit sich selbst zu entscheiden, ob man lieber die sehr sensible Steuerung über den Stick oder die fast punktgenaue Bedienung über den Button durchführen will. Letzteres ("3-Klick-System") sollte wohl jedem Fan der Serie noch aus vergangenen Zeiten ein Begriff sein. Über die entsprechende Aktionstaste wird der Schwung gestartet, die Stärke gewählt und zu guter letzt der Schlag selbst ausgeführt. Besonders einsteigerfreundlich wird dieses System dann noch dadurch, dass die Möglichkeit besteht, sein Zielgebiet per Steuerkreuz anzugeben. Hierbei wird dann nicht nur der richtige Schläger ausgewählt, sondern ganz nebenbei auf der Schlagleiste noch die nötige Stärke angezeigt. Einzig eventueller Wind bzw. wo man jetzt genau mit dem Ball liegt, also eventuell im schwerer spielbaren Rough, müssen hierbei dann noch in Betracht gezogen werden - und schon steht einem schnellen Par oder vielleicht sogar Birdie nichts mehr im Weg. Außer vielleicht der letztes Jahr besonders hohe Schwierigkeitsgrad auf dem "virtuellen Grün", welcher einem ein ums andere Mal verzweifeln lies. Doch dies hat sich heuer geändert. In "Tiger Woods PGA Tour 08" gibt es in diesem Bereich eine wirklich sinnvolle und vor allem erleichternde Änderung: den "Put Review". Durch die Betätigung der linken Schultertaste schaltet das Spiel in eine Draufsicht um, in welcher der wahrscheinliche Lauf des Balles bei der aktuellen Position und voller Schlagkraft dargestellt wird. Ein äußerst hilfreiches Feature, da man endlich auch bei längeren Putts sieht, wie sich der Ball über die gesamte Laufstrecke verhalten wird.

Tiger Woods PGA Tour 08 Tiger Woods PGA Tour 08 Ebenfalls neu ist das so genannte "Shot Confidence"-Feature. Hierbei handelt es sich um eine Statistik die zu jedem Loch angelegt wird. Mit welchem Schläger erzielte man welche Ergebnisse, wo auf dem Platz kam der Ball zum liegen, wie war der Weg zum Loch und einiges mehr. Dies wird nicht nur angezeigt, sondern hat auch direkten Einfluss auf eure "virtuelle Zuversicht". Anders gesagt. Seid ihr an einem Loch sehr erfolgreich, dann werden die Schläge dort leichter von der Hand gehen, eventuelle Fehler nicht so ins Gewicht fallen. Seid ihr an dem selben Loch aber beständig über Par, dann wird die Ausführung des Schlages deutlich schwieriger. Hört sich schon sehr theoretisch an? Ja natürlich, trotzdem werdet ihr sofort merken, dass diese Erweiterung in der Praxis durchaus spürbare Auswirkungen hat und euch somit immer wieder aufs Neue fordern wird. Natürlich ist die Kontrolle über den Spieler selbst extrem wichtig, aber ebenso wichtig ist das Verhalten des Balles. Wie schon letztes Jahr, gibt es auch heuer bei der Ballphysik keinen Anlass zur Kritik. Immer noch werden euch realistische Flugkurven auf den Bildschirm gezeichnet und immer noch merkt man die spürbaren Einflüsse der Wetterbedingungen bzw. des gewählten Effet.

Technisch fast auf Xbox 360-Niveau

Tiger Woods PGA Tour 08 Tiger Woods PGA Tour 08 Was die Xbox 360-Version bereits letztes Jahr ausgezeichnet hat, kann die PS3-Umsetzung auch heuer ohne größere Abstriche vorweisen: eine hohe grafische Qualität. Beginnend mit einem ansprechend präsentierten Menü, welches sich jetzt in einer Art Clubhaus / Ruhmeshalle, an dessen Wände diverse Filme zu den vorhandenen Plätzen bzw. den neuesten Features ablaufen, befindet - und endend mit der klasse Darstellung des bespielbaren Grüns bzw. der sich darauf befindlichen Spieler. Wenn man die einzelnen Kurse, samt Bepflanzung, Bunker, Wasser, kurz geschorenem Fairway und Green sieht, dann kann man nur begeistert sein. Grafisch hat sich also im Vergleich zum Vorjahr, im Gegensatz zur Xbox360-Umsetzung, doch einiges getan, so dass heuer auch auf der PS3 ein hohes technisches Niveau geboten wird. So werden wechselnde Wetterstimmungen, sich im Wind bewegende Gräser / Blätter ebenso geboten, wie voll animierte Zuschauerreihen. Ebenfalls nicht geändert hat sich die Qualität der Animationen. Sowohl die Schlagausführung selbst, als auch die darauf folgenden Frust- oder Jubelszenen sind wirklich sehenswert. Einziger Kritikpunkt bleibt die etwas lasche Präsentation, aber auch diese könnte man aufgrund der etwas "zurückhaltenderen" Sportart entschuldigen. Beim Golf ist einfach eine dezente Art realistischer bzw. weniger mehr. Performanceprobleme sucht man ebenso vergeblich, wie Framerate-Einbrüche oder gar auffallende Ruckler - alles läuft "butterweich", eben genau so, wie man sich das bei einem Next-Gen-Produkt auch vorstellt. Weniger Next-Gen wird das ganze Geschehen dann allerdings, wenn man nicht an einem HD-Fernseher, sondern einen normalem Röhren-TV spielen will. Hier zeigt sich dann der einzige Unterschied zum Xbox 360-Pedanten, nämlich das ständige und auf Dauer wirklich störende Flimmern.

Keine Weiterentwicklung hat auch der Punkt Lokalisierung erfahren. Wie auf den Parallelumsetzungen ist auch auf der PS3 Englisch Pflicht. Analog zu den anderen Umsetzungen von EA Sports, die nicht gerade die deutsche Hauptsportart Fußball betreffen, muss man sich als User damit abfinden, innerhalb des Spiels kein einziges deutsches Wort zu sehen bzw. zu hören. Wenn man bedenkt, dass dies sogar zu "Mega Drive"-Zeiten - lang ist es her - anders war, kommt man schon arg ins Grübeln.

GamerNet und Game Face auch auf der PS3

Tiger Woods PGA Tour 08 Tiger Woods PGA Tour 08 Gibt es doch schon kaum Unterschiede im spielerischen bzw. technischen Bereich zwischen Xbox360- und PS3-Umsetzung, so trifft dies beim Umfang bzw. den Modi noch mehr zu, d. h. beiden Versionen sind hier absolut identisch. Wie gehabt, werdet ihr auch auf der Umsetzung für Sonys Next-Gen-Konsole wohl sämtliche Spielvarianten finden, die das Golferherz begehrt. Wer Realistisches sucht, kann dies beim schnellen Spiel "Play Now", dem etwas ausgefeilteren Modi "Traditional Game" - mit Varianten, wie Stroke Play, Match Play und Best Ball - oder auch dem "Practice" bzw. Trainingsmodus auf der Driving Range / dem Green finden. Wer hingegen mehr die spaßige Richtung bevorzugt, kann zu den Varianten "Arcade Modes" mit "Battle Golf" bzw. "One Ball" oder zu den klassischen "Mini Games" a la "Capture the flag" greifen. Es wird also wirklich viel geboten, neues werdet ihr darunter aber vergeblich suchen.

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