Tropico geht nun schon in die fünfte Runde und die Gefahr bestand durchaus, dass der Titel so langsam an Reiz verliert. Doch dem ist nicht so, ganz im Gegenteil mauserte sich Tropico 5 zum besten Teil der Serie, der uns zwar nichts revolutionär Neues bietet, aber sehr viele Detailverbesserungen, die uns das Leben als Diktator noch abwechslungsreicher, interessanter, aber auch herausfordernder gestalten.
Wer auf Aufbaustrategiespiele steht, der hat natürlich auch schon ein Tropico gespielt. Ich kenne sogar Gamer, die das Genre sonst eher meiden, aber dem Charme eines El Presidente trotzdem erlegen sind. Denn schon vom ersten Teil an begeisterte Tropico damit, dass ein im Grunde verdammt ernstes Thema von der humorigen Seite aus angegangen wird, was einem ja auch im echten Leben manch schwierige Situation gut meistern lässt. Genau das können wir auch von Tropico 5 wieder erwarten, ein Aufbaustrategiespiel rund um den Inseldespoten El Presidente, der sich um die Geschicke seiner Bevölkerung kümmern muss, obwohl er doch eigentlich nur sein Bestes im Sinn hat, also sein Schweizer Bankkonto.
Quelle: PC Games
Tropico 5 (23)
Als Spieler der vorhergehenden Teile fühlt man sich sofort wieder heimisch. Das tropische Setting, die kubanischen Rhythmen und Penultimos Stimme im Ohr versetzen einen augenblicklich in die richtige Herrschaftsstimmung. Einsteigern steht natürlich wieder ein Tutorial zur Verfügung, welches schnell die Grundlagen vermittelt, ohne aber zu sehr in die Tiefe zu gehen oder einen zu lange vom wahren Abenteuer abzuhalten. Das ist auch gut so, denn die aus 15 Missionen bestehende Kampagne ist hervorragend aufgebaut und stellt uns Stück für Stück vor größere Herausforderungen, wir lernen also während des Regierens alles Wichtige von ganz alleine. Und da gibt es auch für alte Hasen durchaus viel Neues, auf das man sich einstellen muss.
Als da wäre die Forschung. Erstmals in Tropico muss El Presidente Forschungsaufträge vergeben um bestimmte Gebäude erst zu ermöglichen oder die Leistung anderer zu erhöhen. Mindestens dafür notwendig ist eine Bibliothek, ohne sie gibt es auch keine Forschung. Ganz am Anfang steht zum Beispiel die Planke, welche Sägewerke ermöglicht, oder die Sichel, um die Produktivität der Agrarbetriebe zu verbessern. Dabei können wir auch mehrere Forschungsaufträge vergeben, die dann Stück für Stück abgearbeitet werden und über deren Erfolg uns Penultimo in seiner gewohnt witzigen Weise informiert. Auf diese Weise erfahren wir wahrlich interessantes zur Geschichte, zum Beispiel wie oft man einen Wissenschaftler mit einer Planke schlagen muss, bis ihm etwas einfällt, und auf diese Weise also die Plancksche-Konstante das Licht er Welt erblickte.
Quelle: PC Games
Tropico 5 (19)
Ein ebenfalls sehr wichtiges und neues Gameplay-Element ist die Unabhängigkeit, welche es erst einmal zu erringen gilt, indem man für genug Rückhalt in der Bevölkerung sorgt, auf das man eine Revolution ausrufen kann. Vorher nämlich ist man von der Krone abhängig, und die ist wahrlich unersättlich. Damit einhergehen auch die Zeitalter, ebenfalls ein komplett neues Element in Tropico. Mit dem Eintritt in ein neues Zeitalter eröffnen sich dem Presidente eine ganze Reihe neuer Gebäude und Möglichkeiten und auch das Erscheinungsbild ändert sich. Aus Feldwegen werden Teerstraßen und Gebäude erscheinen in modernerem Look. Zu den neuen Möglichkeiten, die sich einem damit eröffnen, gehört auch die Verfassung. Sie erlaubt es grundlegende Regeln festzulegen, die tiefgreifende Auswirkungen auf die Bevölkerung und das Wirtschaftssystem haben.
Das Gameplay
Doch ab von den vielen Veränderungen im Detail interessiert uns natürlich am meisten das Gameplay. Diesbezüglich hat Haemimont Games wirklich ganz schön aufs Gaspedal gedrückt. Denn eine gemütliche Aufbausimulation ist Tropico 5 wahrlich nicht mehr. Zum einen setzt einen der Titel durch einen permanent tickenden Timer unter Zeitdruck. Dieser zeigt an, wie lange das aktuelle Mandat noch gilt, wie viele Jahre, mitunter sogar nur noch Monate, man als Regent der Insel dienen darf. Durch das erfolgreiche erfüllen der Missionsziele, und davon gibt es sehr viele, verlängert man das Mandat. Zugegeben, in der Praxis sind die Missionen alle so aufgebaut, dass man die vorgegebenen Ziele vor Ablauf des Mandats erreichen kann, gemütlich aber ist etwas anderes. Denn die enorme Anzahl verschiedener Ziele, mit denen man regelrecht überhäuft wird, zwingen einen mitunter ganze Stadtteile komplett umzubauen, um sie erreichen zu können.
Quelle: Kalypso
Tropico 5 (7)
Dabei muss man natürlich erwähnen, dass der Wirtschaftsaspekt ein recht wohlwollender ist und durchaus kleinere Fehler verzeiht. Insofern man nicht die absolut falschen Dinge produziert, hat man eigentlich immer genug Geld in der Staatskasse um auf aktuelle Geschehnisse reagieren zu können. Trotzdem empfand ich die Missionen der Kampagne manchmal doch als etwas stressig, man fühlte sich immer in der Situation auf die ständig hereinprasselnden Forderungen reagieren zu müssen, ohne Raum zur Umsetzung eigener Ideen zu haben. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, je besser man in dem Spiel wird, desto stärker wird der Gegenwind. Dieser permanente Druck, das Gefühl auf einem recht wackeligem Stuhl zu sitzen, zieht sich durch alle Missionen. Dem kann man natürlich entgegenhalten, dass es dafür schließlich den Sandkasten-Modus gibt, was durchaus stimmt. Zudem muss ich den Missionen auch zugestehen, dass sie allesamt recht ausgewogen und durchdacht wirken und wenn man eine erfolgreich beendete, ist man durchaus motiviert gleich die nächste in Angriff zu nehmen. Auffällig dabei, dass sie vom Zeitaufwand recht unterschiedlich ausfielen. Während man die einen locker in unter zwei Stunden absolvieren kann, kann man in andere das vielfache an Zeit investieren.
Bezüglich des Wirtschaftssystems gibt es noch die Handelsrouten zu erwähnen. Eine entsprechende Anzahl Schiffe vorausgesetzt, kann man damit nämlich regeln, dass Güter an bestimmte Handelspartner exportiert werden, womit wir natürlich höhere Preise erzielen können. Gleichzeitig wirken sich diese auch auf die Beziehungen zu den verschiedenen Parteien im Spiel aus. Generell spielen diese eine größere Rolle in Tropico 5. Wir müssen uns mit Nachbarinseln wirtschaftlich messen, brauchen die Unterstützung der Piraten für Aufstände oder müssen sogar Invasionen abwehren.
Quelle: Kalypso
Tropico 5 (4)
Ebenfalls komplett neu in Tropico 5 ist die Familie des Presidente, man regiert die Insel nämlich nicht mehr alleine. Im Laufe der Kampagne baut man einen richtigen Clan auf, deren Mitglieder über verschiedenste Fähigkeiten verfügen, so dass wir sie für geheimdienstliche, politische oder wirtschaftliche Zwecke einsetzen können. Dies geschieht auf dieselbe Art und Weise wie wir auch Manager einsetzen. Jedem Gebäude nämlich, vom Transportunternehmen bis hin zur Bank, lässt sich ein Manager zuweisen. Je nach seiner Erfahrung und seiner Fähigkeit beeinflusst er die Produktivität bzw. Effizienz des jeweiligen Gebäudes. Klar, dass jemand mit einem grünen Daumen besonders gut in einem Agrarbetrieb und ein Diplomat am besten in der Botschaft aufgehoben ist. Während die eigenen Familienmitglieder quasi von alleine nachwachsen, mitunter auch mit etwas finanzieller Hilfe des Presidente, müssen wir reguläre Manager selbst ausbilden, oder für teures Geld aus dem Ausland importieren. Dies ist in der Praxis aber eigentlich nur zum Beginn der Missionen nötig, wenn überhaupt.
Bleibt mir noch der Fog of War zu erwähnen, der aber recht halbherzig umgesetzt wurde und im späteren Verlauf des Spiels sogar komplett an Bedeutung verliert, da man mit der Erfindung des Kompass sowieso freien Blick auf alles erhält. Vorher aber ist man noch gezwungen das Gelände zu erkunden, indem man eine Truppe Soldaten aus dem Palast losschickt. Das aber ist lediglich eine Fleißaufgabe, denn die Positionen der Bergwerke zum Beispiel sieht man auch durch den Nebel hindurch und man schickt die Kundschafter nur los, um zu erfahren, was es dort abzubauen gibt.
Die Technik
Quelle: Kalypso
Tropico 5 (5)
Technisch glänzt Tropico 5 in erster Line mit seiner neuen Engine, die das Inselparadies deutlich schöner erstrahlen lässt als noch im Vorgänger. Bei hohen Einstellungen lädt die Frontale wirklich zum Verweilen ein, während man die Schatten über den Boden ziehen sieht und die Bewohner bei ihren Tätigkeiten beobachtet. Sound-technisch bekommen wir den gewohnt hochqualitativen Soundtrack geboten sowie eine hervorragend gute deutsche Lokalisierung. Um uns trotzdem nicht mit zu viel gesprochenem Text zu nerven, was bei längerem Spiel durchaus passieren könnte, werden von den Statusmeldungen immer nur der erste Absatz gesprochen. Sollte man die Meldungen mit der Zeit kennen, lassen sie sich auch mit einem einzigen Klick abbrechen.
An der Steuerung hat sich im Grunde nichts geändert, Haemimont Games hat das bewährte Maus-System beibehalten, welches uns durch die Landschaft scrollen lässt, indem wir einfach an die Kante des Screens stoßen, mit dem Mausrad zoomen wir und mit gedrücktem Mausrad können wir die Ansicht kippen und drehen. Das Baumenü öffnen mir mit simplem Rechtsklick auf den Boden, wobei neuerdings das bunte Raster direkt beim Platzieren eines Gebäudes angezeigt wird, um zu sehen wo der ideale Platz für eine Plantage etc. ist. Speziell bei den Agrarbetrieben gibt es eine praktische Neuentwicklung, die einem das Platzieren der Farmen deutlich erleichtert. Die nötigen Anbauflächen sind nun nämlich in viel mehr kleinere Elemente aufgeteilt und schmiegen sich deutlich variabler an die Umgebung an, was die Positionierung erheblich erleichtert. Auch das Straßenbau-Tool gibt sich einen Tick angenehmer, als noch im Vorgänger, und es ist nun etwas leichter möglich in beengten Bereichen eine Straße zu setzen.
Tropico 5 bietet erstmals auch einen Mehrspieler-Part für bis zu vier Spieler gleichzeitig. Dieser erlaubt es allerdings nicht aktive Partien abzuspeichern. Ebenso sind die Diplomatie-Features deaktiviert. Wir hatten während der Testphase allerdings nicht die Gelegenheit diesen Modus zu testen, weswegen dieser in die Wertung nicht einfloss.
