Venetica im Gamezone-Test

Test Alexander Winkel

Das erste Actiongame von Deck 13 wurde ordentlich auf der Xbox umgesetzt und lockt die Abenteurer unter euch!

Spring doch mal über den eigenen Schatten!

Venetica Venetica Die Spielwelt offenbart "weitläufige" Berg- und Wiesenlandschaft, sandige Urlaubsorte und vor allem ein nahezu frei begehbares Venedig, welches zum Teil an die reale Stadt erinnert, zum größten Teil aber den Fantasiegedanken der Entwickler entstammte und je nach Viertel ziemlich heruntergekommen wirkt. Manche bekannte Bauwerke sorgen dennoch für einen hohen Widererkennungswert der Hafenstadt. Doch tatsächlich wird euch ein Gameplay mit eher schlauartigen Pfaden zumindest außerhalb der Stadtmauern und einem äußerst eingeschränktem Bewegungsrepertoire in den Häuserschluchten, auf den Dächern und zu Wasser in den Kanälen geboten. Scarlett kann dabei weder springen noch entlegene Gebiete der Karte erreichen. Möchte man ein Hindernis überwinden, und sei es nur der kniehohe Zaun eines Vorgartens, müssen teils lange Strechen in Kauf genommen werden, um dieses ach so unüberwindbare Mauerwerk zu umschiffen. Das ist ganz ehrlich gesagt langwierig, mit der Zeit ätzend langweilig und vor allem ziemlich antiquiert.

Venetica Venetica Wie nervig so ein sprungloses Leben sein kann, eröffnet sich dem Spieler vor allem in der Stadt Venedig, in welcher man fast die komplette Zeit der etwa 20 Stunden umfassenden Geschichte umherwandeln wird. Denn obwohl Scarlett schwimmen kann, muss sie dafür die meist ewig weit entfernten Einstiegsstellen aufsuchen. Denn vom Beckenrand wird ja nicht gesprungen. Auch auf Dächern offenbart dieser Bewegungs-Kniff seine Tücken, denn selbst kleinste Höhenunterschiede kann unser Charakter nicht überwinden, ohne eine Leiter zu finden oder lange Umwege zu gehen. Zuweilen deprimiert dieser Umstand im Mittelteil des Abenteuers, weil Scarlett eben häufig hin- und her laufen muss. Abhilfe verschaffen zum Glück in der zweiten Hälfte des Spiels die berühmt berüchtigten Gondoliere, die euch mit ihren Schiffchen quer durch die ganze Stadt schippern und in "sekundenschnelle" von einem Ort zum nächsten bringen - einzig ausgebremst durch den Ladebildschirm. Reduzierte Ladezeiten auf der Xbox 360 ermöglichen einen schnellen Wechsel der Stadtteile und in die Innenräume der Häuser, dennoch gehen auch hier die vielen Pausen mit der Zeit etwas auf die Nerven.

Venetica Venetica Ansonsten gleicht "Venetica" jeglichem anderem Rollenspiel oder Action-Adventure. Hier gibt es einige Gilden, welchen man sich anschließen kann und darauf hin spezielle Quests absolvieren darf, dort finden sich die Tavernen für Klatsch und Tratsch und darüber hinaus müssen diverse Behausungen und versteckte Kellergewölbe ausfindig gemacht werden. Stellenweise wünschte man sich aber, Venedig wäre etwas lebendiger und würde nicht immer dieselben stereotypischen Bewohner an uns vorbei schicken. Insgesamt macht die Stadt dank detailreicher Grafik einen durchaus hübschen und lebendigen Eindruck. Zahlreiche Sonneneffekte, eine berauschende Wasseroberfläche und der belebte Marktplatz können aber nicht über die teils schwachen Texturen hinweg täuschen. Denn beäugt man die Ware auf den Ständen aus der Nähe, könnte man einen Schimmelfleck von der Teigware kaum unterscheiden. Auch wirken die NPC-Charaktere stellenweise regelrecht bieder, vor allem wenn man sich deren absolut hölzernen Animationen beim Laufen und Treppensteigen anschaut. Einerseits eine wirklich herrliche Ambiente, die Deck 13 uns auftischt, andererseits scheitert es an kleinen Dingen im Leben. Auch die Unterhaltungen werden mit der Zeit langweilig, weil der Ottonormalbürger immer dasselbe "Oh! Hallo" von sich gibt und nichts weiteres zu erzählen weiß.

Alles mehr oder weniger im Griff

Venetica Venetica Hat man sich mit entsprechenden Quests, derer es auch zahlreiche abseits der eigentlichen Haupthandlung gibt und welche alle fein säuberlich im Logbuch mit allen nötigen Informationen niedergeschrieben werden, eingedeckt, geht es ans Eingemachte. Gilt es nun nicht gerade Personen in Venedig ausfindig zu machen, was ebenfalls dank Banditen und irgendwelchen feindlichen Organisationen recht gefährlich werden kann, begibt sich Scarlett meist in die Katakomben und in das Kanalisationssystem der Großstadt. Dank einer detaillierten Karte findet man sich durchaus in den Labyrinthen zurecht und auch der Zielort wird mehr oder weniger optimal mit einem grünen Punkt markiert. Einzig allein die Minimap auf dem Spielbildschirm rechts oben ist nahezu unbrauchbar, da man dort kaum etwas ablesen kann.

Venetica Venetica In den Tiefen lauern nicht nur bis an die Zähne bewaffnete Feinde, sondern auch gefährliches Getier und manch fiese Falle. Mit Schwert, Lanze oder eben der Mondklinge wehrt sich Scarlett, bei Bedarf kann auch ein Feind direkt anvisiert werden. Dies ist vor allem bei längeren Auseinandersetzungen äußerst ratsam, damit die Protagonistin stets den Angriffen des Gegenübers optimal ausweichen kann. Insgesamt geht die Steuerung, hat man die Kamera und die Tasten nach etwa 1-2 Stunden Spielzeit endlich mal im Griff, recht gut von der Hand. "Venetica" scheint wie geschaffen für den normalen Konsolen-Controller! Einzig allein das System der Zauber- und Kampffertigkeiten weißt eine mangelhafte Umsetzung auf. Die gute Scarlett erlernt zahlreiche Fertigkeiten im Verlauf des Abenteuers (wobei nur eine Handvoll ihren kontinuierlichen Einsatz finden), doch dem Konsolero bleiben mit dem Steuerkreuz und somit vier Richtungen sowie die B-Taste nicht viele Aktionsplätze, welche im Eifer des Gefechts zum Teil auch recht umständlich nur zu erreichen sind. Ihr seid daher situationsabhängig ständig am hantieren und umkonfigurieren, da abseits des Kampfrepertoires auch z. B. der Spaten seine Anwendung findet, Heilmittel für den schnellen Einsatz parat liegen wollen und ganz spezielle Totenfähigkeiten wie der Rabe zum Auffinden des Zielortes oder geheimer Verstecke gerne genutzt werden.

Venetica Venetica Ebenfalls unglücklich läuft der Kampf in sehr engen Räumen und vor allem dann ab, wenn sich mehr als nur ein Gegner auf euch stürzt. Ausweichen ist nur noch bedingt möglich, häufig bleibt man auch an irgend welchen "Ecken und Kanten" hängen und stürzt sich dank solch programmiertechnischer Probleme gerne ins Verderben. Wer einmal von einem Team stark bewaffneter Gegner oder auch äußerst gefährlicher Krabbenviecher eingekesselt wurde, kann kaum mehr vor dem Attacken-Stakkato flüchten. Einziger Ausweg - und hier kommen die speziellen Fähigkeiten gerne zum Einsatz - ist der Wechsel in die Totenwelt. Die Feinde lassen von euch ab und ihr könnt euch nochmals sammeln, bevor ein weiterer Angriff gewagt wird. Ableben kann übrigens eine fatale Auswirkung haben, denn es gibt keine "Autosave"-Funktion. Ihr seid selber für das Speichern des Spielstandes verantwortlich, könnt dies aber immerhin jederzeit durchführen! Doch seid gewarnt, Unachtsamkeit führt auf der Xbox 360 nicht selten zu einem schmerzhaften Verlust des Spielfortschritts.

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