Vollgas - Full Throttle Remastered: Die rundum erneuerte HD-Neuauflage des Adventure-Klassikers im Test
Test
Tim Schafer und die Adventure-Restaurierungsspezialisten von Double Fine schicken Biker Ben und seine Gang generalüberholt auf die Straße zurück - mit verbesserter Grafik, 4k-Support und viel Bonusmaterial.
Über 20 Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung von Full Throttle (dt. Vollgas) durch Lucas Arts kehrt das Biker-Adventure in einer grafisch überholten Fassung zurück, erstmals auch auf Playstation 4 und Playstation Vita. Verantwortlich für diese Remastered-Version sind die Entwickler von Double Fine, die zuvor schon den Klassikern Day of the Tentacle und Grim Fandango einen Neuanstrich verpasst haben. Bevor wir euch mehr über das Spiel erzählen eine kurze Warnung: Dieser Test beinhaltet ein paar kleinere Story-Spoiler. Angesichts der Tatsache, dass der Titel mehr als zwei Jahrzehnte auf dem Buckel hat, kann man aber nicht wirklich sagen, dass wir hier vorab zuviel verraten würden.
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Vollgas im Test: On the road again
In Vollgas spielt ihr den Biker Ben, der in einer düsteren Zukunftsvision die Motorrad-Gang Polecats anführt. Er und seine Kumpels werden in den Mord an Edward Corley verwickelt, den letzten Hersteller echter Motorräder. Corleys finsterer Partner Adrian Ripburger (im englischen Original von Star-Wars-Ikone Mark Hamill gesprochen) hängt das Verbrechen Ben und den Polecats an, um die Kontrolle über Corley Motors zu erlangen, um fortan Minivans zu produzieren. Nun liegt es an Ben, zusammen mit der rechtmäßigen Erbin von Corley, das Verbrechen aufzuklären und die Zukunft seines Clubs zu sichern.
Quelle: Computec
Die Actionsequenzen, bei denen ihr euch mit anderen Bikern prügeln müsst,um Ausrüstung oder Waffen zu bekommen, gehören nicht zu den besten Elementen im Spiel.
Full Throttle, dessen Urfassung im Jahr 1995 erschien, verwendet im Vergleich zu früheren klassischen Lucas-Arts-Adventure-Spielen wie Monkey Island eine deutlich vereinfachte Steuerung. Aktionsverben und das Inventar, die zuvor immer einen beträchtlichen Teil des Bildschirms im unteren Bereich einnahmen, wichen einem Kontextmenü mit deutlichen weniger Interaktionselementen (Kopf, Hand, Fuß).
Quelle: Computec
Und hier die pixelige Originalversion des Spiels. Spielbar, aber nicht annähernd so schön.
Über das Augensymbol am Kopf schaut ihr etwas an, und mit dem Mund sprecht ihr mit anderen Charakteren (oder versucht an Gegenständen zu lecken, was viele lustige Kommentare des Helden hervorruft). Das Handsymbol erlaubt euch etwas anzufassen oder zu benutzen und mit Stiefel könnt auf etwas eintreten, was gut zu Ben Biker-Persönlichkeit passt. Wie bei Point&Click-Adventures üblich, steuert ihr bei der PC-Version Ben durch Klicks auf die linke Maustaste. Bewegt ihr die Maus über einen benutzbaren Gegenstand, verändert sich der Cursor um euch anzuzeigen, dass ihr das Kontextmenü aufrufen könnt. Anders als im Original könnt ihr euch durch Drücken der Shift-Taste alle Gegenstände, mit denen ihr interagieren könnt, anzeigen lassen. Mit der recht Maustaste öffnet ihr euer Inventar, um einen gesammelten Gegenstand zu benutzen. Die Konsolensteuerung ist ebenso simpel und selbsterklärend, wartet jedoch mit einem netten Feature auf. Wahlweise könnt ihr über die Tasten L1 und R1 (auf dem Playstation-Controller) direkt den Cursor in eines der Inventar-Items verwandeln, um dieses an einer bestimmten Stelle zur direkt zu verwenden. Sehr praktisch.
Review zu Full Throttle Remastered: Keine großen Kopfnüsse
Passend zum vereinfachten Interface sind auch die Rätsel relativ einfach gehalten und weit weniger zahlreich als in früheren Lucas-Arts-Adventures vertreten. Vollgas ist in mehrere, verhältnismäßig kurze Abschnitte mit wenigen Locations unterteilt und erinnert so fast schon an das Episodenformat aktueller Telltale-Titel. Die Rätsel sind zwar nicht unbedingt allzu schwer, erfordern aber durchaus etwas Grips. In der Regel kommt man aber recht schnell darauf, wie man an einer Stelle weiterkommt. Denn, wie schon gesagt, gibt es pro Abschnitt nur wenige Interaktionsmöglichkeiten und ihr habt im äußersten Fall auch nur eine Handvoll Gegenstände in eurem Inventar, die ihr verwenden könnt und nur wenige Interaktionsmöglichkeiten, die einen Sinn ergeben.
Quelle: Computec
Spannend: Wie Held Ben sich wohl aus dieser Situation befreien kann?
Ein Beispiel: kurz nach Beginn des Spiels soll ihr drei Gegenstände finden, um euer Motorrad zu reparieren. Wer - wie es bei Adventures Standard ist - stets alles einsackt, was nicht niet- und nagelfest ist und mit allen NPCs sämtliche Gesprächsoptionen durchackert, der weiß sehr schnell was wo zu finden ist. Und noch wichtiger, wie die Lösung aussieht. Um an eine neue Lenkergabel für eurer Bike zu kommen, müsst ihr beispielsweise zuerst die Mauer eines Schrottplatzes überwinden, um dann denn Wachhund mit einem Steak, das ihr an einer anderen Location kaum übersehen könnt, wegzulocken. Wir verraten euch nicht, wie ihr über die Mauer kommt und wie ihr den Köter schließlich loswerdet, aber das ist dann auch nicht mehr allzu schwer, wenn man sich ein wenig umschaut. Verglichten mit anderen Lucas-Arts-Adventures wie Day of the Tentacle oder Monkey Island, ist Vollgas also ein echtes Leichtgewicht, was Rätseldichte und Komplexität angeht.
Vollgas im Test: Mehr Action als Adventure?
Je länger das Spiel dauert, desto weniger Rätsel müsst ihr lösen. Stattdessen erwarten euch etwa in der Mitte des gerade mal fünf Stunden umfassenden Abenteuers ein paar Action-Sequenzen, die eher in die Kategorie "nervig" fallen. Um weiter voranzukommen, müsst ihr euch auf einer kurvenreichen Strecke mit Mitgliedern anderer Biker-Gangs kloppen, um an immer bessere Waffen und notwendige Ausrüstung für euer Bike zu kommen. Hat man erst mal den Dreh raus, ist es mit dem eingesammelten Equipment nur noch eine Frage des Timings, bis man alle Gegnertypen besiegt hat und in der Story vorankommt. In der uns vorliegenden Fassung waren diese Motorradasdabschnitte nicht nur sehr ruckelig, die Bike-Steuerung war auch sehr träge. DZu allem Überfluss kam es ausgerechnet in diese Fahrpassagen, wo Speichern nicht möglich ist, zu ein paar Abstürzen. Allerdings nur in der aufgehübschten Fassung. In der "alten" sehr pixeligen Fassung, zu der man jederzeit auf Knopfdruck wechseln kann, ruckelte die Darstellung ebenfalls stark, aber es gab zumindest keine Abstürze. Auch wenn es sich bei Vollgas nicht um das beste und umfangreichste Adventure von Lucas Arts handelt, ist es doch eines der stimmungsvollsten. Zur tollen Atmosphäre trägt unter anderem ein toller Soundtrack mit sieben Rocksongs der Band The Gone Jackals bei. Darüber hinaus sind die Dialoge und einzelnen Abschnitte des Spiels durchweg gelungen und sorgen für den einen oder anderen Schmunzler. Ein echtes Highlight ist die Sprachausgabe. Ein Lob, das ausnahmsweise mal nicht nur für die englische Originalfassung sondern auch die deutsche Übersetzung gilt. Wer nach dem Abspann, der gefühlt viel zu bald über den Bildschirm flimmert, noch tiefer in die Welt von Vollgas eintauchen möchte, darf sich über zahlreiche Bonusinhalte freuen. Zu den besonderen Features dieser Remastered-Fassung des Spiels gehört übrigens sowohl auf Playstation 4 als auch auf PC ein 4k-Modus.
Vollgas im Test: Fazit und Wertung
Meinung
Quelle: Computec
Rettung in letzter Sekunde? Gegen Ende des Spiels erwarten euch ein paar nervige Trial&Error-Passagen.
