EA Sports WRC gespielt: Die neue Königsklasse des virtuellen Motorsports

Special David Benke Lukas Schmid
EA Sports WRC gespielt: Die neue Königsklasse des virtuellen Motorsports
Quelle: Codemasters / EA Sports

Es ist wieder Zeit, im Dreck zu wühlen: Codemasters und Electronic Arts haben ihre neue Rennsimulation EA Sports WRC angekündigt, das offiziell lizenzierte Spiel zur Rallye-Weltmeisterschaft. Wir konnten reinspielen und mit den Entwicklern sprechen. Unsere ersten Eindrücke lest ihr in der Vorschau.

Rallye ist eine wirklich einzigartige Erfahrung. Das kann ich mittlerweile aus eigener Erfahrung sagen, nachdem ich im Februar selbst bei einer Etappe in Schweden zu Gast war. Kaum ein anderer Motorsport stellt derart harte Anforderungen an Mensch und Maschine: Man rast mit 150 Sachen durch gnadenloses Terrain, immer nur eine falsche Handbewegung vom Totalschaden entfernt. Das ist Nervenkitzel pur, selbst wenn man nur vom Streckenrand aus zuschaut. Das ist laut, schnell, dreckig. Ich würde fast so weit gehen und sagen: Rallye, das ist die wahre Königsklasse! Nicht dieses Schickimicki-Im-Kreis-Rumfahren der Formel 1.

Diese Faszination in ein Videospiel zu verpacken, ist entsprechend eine fast ebenso große Herausforderung. Eine Herausforderung, der sich die letzten Jahre Publisher Nacon und Entwickler KT Racing gestellt haben - mit schwankendem Erfolg. 2023 geht die Lizenz an der World Rally Championship (WRC) jetzt an Codemasters über. Und die haben Großes damit vor. "Wir wollen Rallye in seiner reinsten Form präsentieren", versprach man uns vollmundig in einer Vorab-Präsentation. Ob das mit EA Sports WRC wirklich geklappt hat? Wir erzählen es euch!

WRC vs. Dirt 2.0

Man ist natürlich dazu verleitet, EA Sports WRC mit Dirt Rally 2.0 zu vergleichen - der letzten großen Rallye-Simulation aus dem Hause Codemasters.

Tatsächlich sind die Unterschiede zwischen den beiden Spielen aber überraschend groß. Auf der Content-Seite wäre da die offizielle Lizenz, durch die alle Locations, Teams und Autos der WM im Spiel vertreten sind.

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Aber auch beim technischen Grundgerüst hat sich was getan. Codemasters wechselt für WRC von der hauseigenen Ego Engine zur Unreal Engine 4.

Das bringt vor allem zwei Vorteile mit sich: Die Strecken sind jetzt deutlich länger, teilweise sogar bis zu 36 Km, und sie sind nochmal etwas hübscher anzuschauen. Es gibt mehr Umgebungsdetails und größere Panoramen.

Das ergänzt sich gut mit der ansonsten gelungenen Präsentation, etwa den dynamischen Wetterbedingungen und Tageszeiten. Wenn ihr in einer stockfinsteren Regennacht losfahrt und euch an der Ziellinie dann ein heiterer Sonnenaufgang begrüßt, macht das ordentlich was her.

Auch der Sound ist top. Die Motorengeräusche stammen alle von echten Rallye-Boliden. Die Ko-Piloten wurden, zumindest im englischen Original, komplett neu vertont.

Eine Rallye-Evolution

Der Clou an der Sache: Die Macher konnten ihre Physik-Engine komplett in Unreal importieren. Das Gameplay baut also auf dem guten Grundgerüst von Dirt Rally 2.0 auf - was sich dann auch beim Anspielen bemerkbar macht.

Wir durften eine erste Demo-Version mit einer Reihe verschiedener Stages, Locations und Autos ausprobieren: Wir heizten etwa mit einem Subaru Impreza durch ein verschneites Norwegen, polterten in einem Mini Cooper über kenianische Schotterpisten oder quälten einen VW Polo die steilen Asphaltserpentinen Monte Carlos hinauf.

Ja, das ist eine noch recht begrenzte Auswahl. Für einen ersten Eindruck reichte es aber auf jeden Fall. Und der fiel dann auch durchaus positiv auf.

Ein Ford-Rallyeauto fährt über eine staubige Piste. Quelle: Codemasters / EA Sports EA Sports WRC hat ein gelungenes Fahrgefühl: Die Steuerung ist direkt, das Feedback der Wagen realistisch. Während sich der Mini noch relativ leicht bändigen lässt, wird es spätestens mit dem Impreza deutlich unangenehmer.

Da braucht es schon ordentlich Beherrschung, die fast 300 Pferdchen auf der Strecke zu halten. Allradler und Hecktriebler verhalten sich spürbar unterschiedlich.

Auch der Untergrund hat Auswirkungen auf das Handling. Auf Schnee rutscht man deutlich mehr als auf Asphalt. Auf Schotter hat man mit der steten Abnutzung der Strecke zu kämpfen: Habt ihr als einer der ersten Starter noch eine jungfräuliche Piste vor euch, müsst ihr euch im hinteren Fahrerfeld mit dem aufgewirbelten Dreck und den Spurrinnen eurer Kontrahenten herumschlagen.

Gnadenlos, aber voller Support

Was ebenfalls gefällt: EA Sports WRC vermittelt ein gutes Geschwindigkeitsgefühl, fängt aber auch das stets präsente Risiko echter Rallyes gut ein.

Wer nicht aufpasst, fängt sich einen Reifenschaden ein und muss für den Rest der Strecke gegenlenken - oder schlimmer: Er muss nach einem Totalschaden komplett das Handtuch werfen. Anders als F1 verzichtet die Rallye-Simulation nämlich weiter auf eine Rückspul-Funktion. Das sorgt für durchgehende Anspannung.

Vor allem, wenn man die Racing-Action dann auch noch, so wie wir, in einem 4000 Euro teuren Racing-Stuhl von Fanatec ausprobieren darf. Da entfaltet EA Sports WRC nochmal eine ganz andere Wirkung.

Bildergalerie

Das fühlt sich noch präziser an, noch adrenalingeladener. Man merkt die Power, die so ein Rallye-Auto unter der Haube hat, und wie viel Konzentration es braucht, die tatsächlich unter Kontrolle zu behalten. Immersiver geht es nicht! Neben Fanatec sollen auch Lenkräder von Logitech und Thrustmaster unterstützt werden. PS5-Besitzer können sich über die Nutzung von haptischem Feedback und adaptiven Triggern des Dualsense freuen. VR-Support wurde auch schon angekündigt.

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