Nach dem finanziellen Aus des Publishers THQ wanderte die vom japanischen Entwicklerstudio programmierte WWE-Serie vor über einem Jahr zu 2K Games. Obgleich man der Wrestling-Simulation bereits im letzten Ableger eine deutliche Altersschwäche attestieren musste, hatten sowohl Redakteure als auch Spieler die Hoffnung, bei 2K Games irgendwann auch dem Wrestling fröhnen zu können, wie es schon seit Jahren für den Basketball-Bereich der Fall ist. Doch anstatt sich endlich einmal Zeit für eine deutliche Überarbeitung zu nehmen, bekommen wir auch bei 2K die In-Ring-Szenerie im Jahresryhtmus "neu" aufgetischt. Muss die Serie nun endgültig dem alles entscheidenden Three-Count nachgeben?
Wie André The Giant im 100-Meter-Sprint
Quelle: 2K Games
WWE 2k15 (8)
Wrestling-Virtuosen finden sich auch in WWE 2K15 sofort zurecht. Die Bedienung hat sich auch in den letzten Jahren nicht gravierend verändert. Wurf- und Greifangriffe liegen noch immer am selben Ort auf dem Controller. Und doch ließ sich Yuke's nicht lumpen, ein Feature einzubauen, welches in das klassische Raster der "Verschlimmbesserungen" fällt. Zu Beginn eines jeden Matches werden wir von der Spielmechanik in das neue "Kettenwrestling" gezwungen. Wrestling-Fans werden das anfängliche Abtasten und klassische Ringen aus der Einleitung eines jeden groß aufgezogenen Zweikampfes kennen. Da wird jeder Griff durchprobiert, gekontert, neu angesetzt. Man verschafft sich Respekt, beim Zuschauer ebenso wie beim Kontrahenten. Nicht falsch verstehen: Wir monieren an dieser Stelle nicht, dass es dieses Element überhaupt ins Spiel geschafft hat, sondern die undynamische und völlig unsinnige Umsetzung dessen. Im Prinzip von Schere-Stein-Papier wählen wir über die Facebuttons einen von drei zur Auswahl stehen Ringergriffen. Wer die Oberhand hat, gewinnt den Griff-Abtausch. Ist ein neuer Griff angesetzt haben wir meist nur Sekunden uns entweder zu befreien oder ein Manöver einzustecken. Dafür müssen wir so lange am, rechten Analogstick drehen bis der Controller in einer bestimmten Zone starke Vibrationen von sich gibt. Finden wir diese Position möglichst schnell und halten am Vibrationspunkt, stehen die Chance auf eine Befreiung nicht schlecht. Was bislang doch recht unterhaltsam klingt, macht in Wirklichkeit weder Spaß noch wird das Geschehen dadurch dynamischer gestaltet. Am Ende werden wir also in beinahe jedem Match in das Mini-Game gezwungen und spielen statt Schere-Stein-Papier eine nervtötende Runde Lethargie-Inspirationslosigkeit-Nervtötung – Sieg garantiert!
Im Allgemeinen liegt das Spieltempo deutlich hinter den Vorgängern, was seitens Yuke's aber auch ein bewusst vorgenommener Schritt ist und nicht durch eine fehlgeschlagene Feature-Implementierung zu begründen ist.
Weniger = Mehr?
Quelle: 2K Games
WWE 2k15 (7)
Hinsichtlich des Umfangs setzt sich unser Kopfschütteln fort. Nicht nur, dass das Roster mit über 70 Wrestlern und Diven auch auf PS4 und XBOX ONE mit weniger Charakteren daherkommt als die letztjährige Version, so wurde auch der immer als Aushängeschild betrachtete Editor-Modus um Punkte wie den Finisher- und Story-Editor beschnitten. Am grafischen Mehraufwand kann es nicht gelegen haben, denn auch auf der Current Gen feiert der Titel wieder ein Clipping- und Physikfehler-Fest allererster Güte. Auch die Charaktermodelle sind derart überzeichnet und aufgepumpt, dass das Adjektiv "realistisch" in diesem Kontext eine schiere Übertreibung wäre. Auch der Story-Modus ist mit seinen beiden Storylines plus NXT-Karriere (Current-Gen-exklusiv) nichts was man nicht schon mal gesehen oder in größerem Umfang hätte spielen können. Auch die Präsentation der Geschichte wird mit einem Mix aus grausig "animierten" Fotos, Texten und Ingame-Clips präsentiert und wirkt sehr unrund. Das restliche Gerüst blieb zum Glück unangetastet, sodass zumindest der Exhibition-Modus und der WWE-Welt-Modus den gewohnten uneingeschränkten Spielspaß liefern.
