Der Titel zeigt uns mit welch einfachen Mitteln man Wrestling-Spiele der breiten Masse zugänglich machen kann.
Oldschool vs. Newschool
WWE All Stars
Wer Taker, Orton und DX in die jeweiligen Schranken verwiesen hat, kann sich anschließend dem, in unseren Augen, wahren Highlight des Spiels widmen: Fantasy Warfare. Hier treten Wrestler mit gleichen Attributen, Gimmicks oder sonstigen Übereinstimmungen von damals und heute gegen einander an um den Besten unter sich auszumachen. So stellt sich der "Celtic Warrior" Sheamus dem Ultimate Warrior, Rey Mysterio muss ins Luchadore-Flugduell mit dem bereits verstorbenen Eddie Guerrero, Randy Orton stellt sich im Schlangentanz Jake "The Snake" Roberts und The Miz sieht sich im Kampf der Egoisten Mr. Perfect gegenüber. Für wen ihr in diesen Duellen Partei ergreift obliegt dabei ganz euch. Das besondere an diesem Modus ist, dass zur Einleitung wie auch schon in Legends of Wrestlemania echte Szenen zu einem stimmungsvollen Introfilm zusammengeschnitten wurden. Dazu spricht die sonore und bekannte Stimme aller WWE Einspieler die passenden Worte. Es ist für einen Fan schier unglaublich wie viel Herz, Seele und Faszination über eine Sportart in zwei bis drei Minuten Filmmaterial gepackt werden kann. Abgerundet wird der Einspieler dann mit einem markigen Schlusssatz vor einem eigens kreierten Matchcard-Hintergrund - ein Traum!
Sucht durch Selbstbedienung
Wer einmal Smackdown vs. Raw als Laie nur kurz in die Hand genommen hat, wird zum Einen schnell überfordert gewesen sein und zum Anderen wenig Spaß beim Spielen empfunden haben. Selbstverständlich, denn mit einer teilweise extrem komplexen Steuerung inklusive Doppelbelegung gleich mehrerer Buttons entsteht ein forderndes und realitätsnahes Spielerlebnis, eine Simulation eben. Doch davon will WWE All Stars bei weitem nichts wissen. Hier geht es eher wie in Street Fighter oder Tekken zu. Zwei Wurftasten, zwei Schlagtasten, eine Block- bzw. Kontertaste und eine Aktionstaste reichen aus um alle Aktionen auszuführen. Der in Smackdown vs. Raw noch vehement benötigte rechte Analogstick wird mit Verlaub links liegen gelassen. Und so gehen die Moves schon nach wenigen Minuten blind von der Hand und selbst der größte Sportmuffel vollführt Manöver, die den Gegner nicht mehr zu Atem kommen lassen. Spezialaktionen wie Signature Moves oder einen Finisher verdient ihr euch durch erfolgreich durchgeführte Würfe oder Schläge. Habt ihr einen Spieler im Lock-Up, also in griffbereiter Position, könnt ihr jeden der vier Facebuttons nutzen um ihm zuzusetzen. Allerdings solltet ihr stets mit einem Konter rechnen, denn jeder Wurf hat einen kurzen Moment im Bewegungsablauf, der einen Gegenschlag zulässt. In diesem Moment wird unter der Anzeige des Spielers die RB-Taste eingeblendet. Mit ein bisschen Timing auf beiden Seiten können so auch ganze Konter-Stafetten entstehen bis eine gelungene Aktion vollführt werden kann. Je nach Veranlagung kann sogar ein Superwurf oder Superschläge verteilt werden. Hierfür müsst ihr lediglich den jeweils starken Knopf der Kategorie halten und dann auf eine goldene Färbung der oberen Extremitäten achten. Doch Vorsicht: Dieser Angriff macht euch aufgrund seiner langen Vorbereitungszeit offen für gegnerische Manöver. Generell verträgt jeder Wrestler was die Energieleiste hergibt. Diese ist anfangs noch grün, geht dann aber in gelb, orange, und schließlich rot über. Nach jeder verbrauchten Leiste liegt ihr etwas länger als normal am Boden und bekommt einen roten Schimmer-Effekt , ein Signal für euch und auch den Gegner nun eventuell einen Finisher, wenn denn vorhanden, an den Mann zu bringen. Gut: die rote Leiste füllt sich nach kompletter Entleerung wieder auf, wenn ihr keinem Finisher oder Pin zum Opfer gefallen seid. Finisher und Signature Moves lassen sich auch in WWE All Stars auch speichern. Für die Signature Moves stehen euch drei Kammern zur Verfügung, für den Finisher nur eine Leiste. Für den Finisher bedeutet das Wort "speichern", dass bei fehlgeschlagener Vollstreckung die Leiste nicht wieder am Nullpunkt anfängt, sondern es nur eines weiteren Signature Moves bedarf um eine weitere Chance zu bekommen. Cool: Setzt ihr einen Pin an könnt ihr den sich füllenden Zylinder durch Drehen des linken Sticks nach oben schrauben um es eurem Opfer schwerer zu machen aus dem Cover herauszukommen.
Luft, wir brauchen Luft!
WWE All Stars
Wenig Realismus lies THQ auch beim Charakterdesign walten. Denn wohlproportionierte Polygonkörper waren gestern, es lebe die Überproportionierung. Makellos und glänzend präsentiert sich das Roster in einer Form wie es wohl noch in keinem WWE-Spiel zu sehen war. Die Spielfiguren sind in einem stark überzeichneten und völlig übertriebenen Stil designt und durch das deutlichste Merkmal des Wrestlers karikiert. Dabei sind die Körper samt Muskeln und Extremitäten so stark aufgepumpt, dass man meinen könnte sie dürften auf keinen spitzen Gegenstand fallen, da sie sonst mit einem anstößigen Geräusch durch die gesamte Halle fliegen würden. Dieser selbstironische Look des Spiels zeugt davon, dass die Überzeichnung, welche in anderen Sportspielen wie Fifa Street bereits Einzug erhielt, nun auch das Sports Entertainment erreicht hat. Auf die Spitze treiben es jedoch die Signature Moves und Finisher. Hierbei fliegen die Protagonisten extrem dynamisch und meterhoch durch die Luft und krachen, eine Druckwelle erzeugend, auf den Ringboden, sodass unter Berücksichtigung der physikalischen Grundgesetze die ersten sechs Reihen komplett entleert würden. Begleitet wird dieser Bewegungsablauf durch das altbewährte Abdunkeln der Halle und farbige Nachzieher der Bewegungen von Armen und Beinen. Einziger Wehrmutstropfen ist, dass der Einmarsch nur etwa 30 Sekunden dauert und so viel atmosphärische Stimmung verschenkt wird. Das Publikum wird aufgrund von offensichtlichen Schwächen durch einen Verwisch-Effekt vernebelt und wird so eher eine nicht näher definierbare Masse aus mehreren Grautönen und dem Rest der Farbpalette. In puncto Sound bietet WWE All Stars den aus Smackdown vs. Raw gewohnten Standard. In den Hintergrund rückt dabei jedoch das Kommentatoren-Duo Jim Ross und Jerry "The King" Lawler. Musikalische Wechsel werden nur dann vollzogen wenn sich ein Wrestler in einem Aufgabegriff befindet um seine beklemmend, schmerzhafte Situation zu vermitteln.
