Wächter von Mittelerde im Test: Battle Arena Games wie League of Legends kommen nun auch auf die Konsole
TestMOBA-Games (Multiplayer Online Battle Arena) gehören derzeit zu einem der beliebtesten Online-Genres am PC. Die zwei bekanntesten Sprösslinge: League of Legends und DotA. Warner und Monolith wollen das Spielprinzip nun auf die Konsole bringen - und bemühen dafür die beliebte Herr-der-Ringe-IP. Wir haben Wächter von Mittelerde getestet.
Man stelle sich vor: Gandalf der Graue kämpft gegen eine Horde riesiger Spinnen und zieht den Kürzeren. Obwohl er schon gut aufgelevelt ist und einen Haufen Skills drauf hat, überrumpeln ihn die Achtfüßer. Die Lebensleiste ist schon auf unter ein Viertel gesunken, in ein oder zwei Sekunden ist der ganze Spuk vorbei. Plötzlich springt Sauron aus dem Gebüsch, verteilt ein paar kräftige Hiebe und die Viecher sind tot. "Cool, danke!" schreit jemand ins Headset und gemeinsam, Hand in Hand, gehen Gandalf und Sauron dem Sonnenuntergang entgegen…
Quelle: Warner
Wächter von Mittelerde im Test (3)
Klingt absurd, ist in Wächter von Mittelerde aber möglich! Egal ob gut oder böse, das Spiel unterscheidet nicht nach Fraktionen bei der Teamaufstellung. Sauron kann an der Seite von Legolas und Gandalf kämpfen, Bilbo zusammen mit dem fetten Goblinkönig. Beinharte Mittelerde-Fans werden da sicherlich dran zu schlucken haben, denn in einen geschichtlichen Kanon passen die Wächter von Mittelerde nicht. Auch deshalb, weil einige Charaktere Hunderte oder Tausende Jahre trennen. Als Purist muss man also jegliches Arda-Wissen über Bord werfen, nur wer das kann, wird das MOBA-Spiel genießen können.
Ich habe mich darauf eingelassen; die Zeiten, in denen ich versucht habe, Leuten den Unterschied zwischen Orks und Uruks beizubringen, sind eh vorbei. Zugunsten des Balancings verzichtet das Monolith-Spiel auch auf gängige Stärke-Werte. So kann Mittelerde-Bezwinger Sauron von einem Hobbit dahingerafft werden. Was zählt, ist flottes Leveling und koordiniertes Team-Verhalten. Denn zu Beginn jeder Runde starten alle Charaktere mit Level eins und nur drei Skills. Wer schon viel Erfahrungspunkte gesammelt hat und im Profil aufsteigt, kann zwar permanente Charakter-Boni einkaufen, etwa +X% Gesundheit, aber jeder Spieler muss bei Matchbeginn mit seiner Skillung von vorn beginnen. Das erleichtert das Spiel auch für viele Neulinge.
5 gegen 5, das Ziel: Basis zerstören
Quelle: Warner
Wächter von Mittelerde im Test (4)
Herr der Ringe: Die Wächter von Mittelerde wird in fünf gegen fünf Matches gespielt. In einigen Spielmodi gibt es eine Zeitbeschränkung und Bots, falls nicht zehn Spieler zusammenfinden, in anderen nicht. Das Ziel: So schnell wie möglich den eigenen Charakter hochleveln, fremde Türme einreißen und die feindliche Basis zerstören. Hierfür gibt es aktuell leider nur zwei Karten. Eine mit drei Verbindungswegen zwischen den Basen und eine mit nur einem Verbindungsweg. Gefechte auf Letzterer dauern für gewöhnlich nicht so lange, weil Spieler nicht die Chance haben, auf weniger volle "Lanes" auszuweichen.
Alle paar Sekunden spawnen in den Basen der zwei Fraktionen ein paar hohle KI-Soldaten, die in Richtung der Feindbasis gehen und automatisch angreifen. Die Wege werden von mehreren Türmen verteidigt, weshalb die ersten Gefechte meist auf der Kartenmitte stattfinden. Wer klug ist, setzt zuerst ein paar KIs außer Gefecht und sammelt dadurch Erfahrungspunkte, mit denen man nach dem Levelaufstieg neue Skills freischalten oder bestehende verbessern kann. Erst so macht es Sinn, Helden aus dem feindlichen Team gegenüberzutreten. Alternativ lohnt es sich, in einer Gruppe unterwegs zu sein, um Feinde einzukesseln und mit gemeinsamen Mitteln platt zu machen. Hier brilliert Wächter von Mittelerde wirklich. Wer gut im Team zusammenspielt, hat deutlich bessere Karten als ein einsamer Wolf. Das macht Spaß und die Koordination muss immer neu evaluiert werden – je nachdem, wie gut das andere Team zusammenhält. Gleichzeitig heißt das aber: Wer nicht mit Headset spielt, hat eigentlich schon verloren. Denn Befehle kann man in dem Spiel nicht geben, die Tastenbelegung der kleinen Konsolencontroller geben nicht noch mehr Befehle her.
Quelle: Warner
Wächter von Mittelerde im Test (2)
Gesteuert werden die Charaktere mit dem linken Stick, auf dem Boden um sie herum wird kreisrund die Reichweite eines Angriffs markiert. In welche Richtung man schlägt, muss man mit dem rechten Stick manuell einstellen. Das ist nicht immer präzise und gerade in unübersichtlichen Situationen verliert man schnell den Überblick und weiß nicht mehr, wohin man schlägt. Vor allem, wenn viele Nahkämpfer aufeinandertreffen, über deren Köpfen eine HP-Leiste angezeigt wird, kann man die auf dem Boden eingeblendete Schlagrichtung nicht mehr richtig ablesen.
Der Langzeit-Spielspaß von Wächter von Mittelerde ergibt sich vor allem aus der hohen Anzahl von unterschiedlichen Charakteren und anspruchsvollen Online-Matches. Diese dauern zwar oft ziemlich lang, sind aber, weil es gar keinen geschichtlichen Hintergrund gibt, auch ein Happen für "zwischendurch". Konsole an, schnell in ein Gefecht springen und loskämpfen – Vorbereitung braucht man, hat man sein Profil mal ausgerüstet, kaum noch und neue Spielfiguren kommen nur mit der Zeit als DLC hinzu. Wer nicht den Wettbewerb mit anderen Spielern sucht, braucht übrigens nicht zugreifen. Einen Singleplayer-Modus gibt es nicht und am PC ist man mit free-to-play Ablegern desselben Genres sicherlich besser bedient. Auch auf der Konsole gibt es (Comic-)Konkurrenz: Auch Awesomenauts ist ein Arena-Kampfspiel, hier in gezeichnetem Sci-Fi-Setting. Vorteil Awesomenauts: Ein Splitscreen-Modus lässt Spieler auch an einer Konsole gegeneinander antreten. In Wächter von Mittelerde gibt es das nicht.
Fehlerquelle: Matchmaking
Bei Onlinespielen ist es eigentlich möglich, das Matchmaking an seine Bedürfnisse anzupassen. Für gewöhnlich kann man den Spielmodus verändern oder gegen Gegner seiner Stufe/seines Levels antreten oder wenigstens auswählen, in welcher Region man spielt. Wächter von Mittelerde bricht mit dieser Tradition und schmeißt Spieler aus Asien, Amerika und Europa einfach alle in einen Topf. Anpassungen über den Spielmodus hinaus, gibt es nicht, sodass es bei unserem Test häufiger zu Verbindungsabbrüchen kam, weil weit entfernte Spieler einen Lag verursachten.
