Wargroove: So gut ist die pixelige Rundenstrategie
Test
Anfang Februar erschien Wargroove für PC, Switch und Xbox One und weckte Erinerungen an vergangene Advance-Wars-Zeiten. Wir haben die Indie-Taktik vom Entwicklerstudio Chucklefish ausführlich getestet und wurden daran erinnert, wie viel Spaß das etwas in die Jahre gekommene Spielprinzip noch machen kann.
Vor 17 Jahren erschien mit Advance Wars ein einzigartiges Strategiespiel für den GBA, dass zwar keine großen Verkaufserfolge feierte, sich aber eine treue Fanbase schuf.
Vor allem die liebevoll gestaltete Welt und die Charaktere überzeugten damals. Kombiniert mit einem übersichtlichen aber komplexen Kampfsystem, das auf das Schere-Stein-Papier-Prinzip setzt, entstand ein durchaus ambitioniertes Projekt. Doch Spiele dieser Art sind rar und erst Anfang 2017 gab es einen Hoffnungsschimmer für Fans: Das Indie-Entwicklerstudio Chucklefish, das unter anderem Starbound kreierte, kündigte Wargroove (jetzt kaufen 18,98 € ) an. Schon bei den ersten gezeigten Screenshots wurden die Parallelen zum Game-Boy-Titel deutlich. Wie das Vorbild beinhaltet Wargroove etwa eine schachbrettartige Karte, vier Fraktionen, verschiedene Einheiten und Terrains, unterschiedliche Gebäude zur Rekrutierung neuer Streitkräfte - alles im gezeichneten 2D-Retrolook. Am 01. Februar erschien Wargroove und wir testen, was euch erwartet.
Inhaltsverzeichnis
Was ist in dem Paket?
Inhaltlich hat Wargroove einiges zu bieten. Genretypisch gibt es eine Kampagne, die 32 abwechslungsreiche Story- und Nebenmissionen umfasst. Die Story ist kein Meisterwerk aber solide und vor allem die oft witzigen und kurzen Dialoge halten euch zwischen den Levels bei Laune. Die insgesamt zwölf kampfeslustigen Kommandanten aus den vier Fraktionen Kirschenstein, Höllheim, Himmelsang und den Floranern lassen keine Möglichkeit aus, einen Disput auszutragen. Zudem schaltet ihr zwei weitere Modi im Laufe der Kampagne frei.
Da wäre der knifflige Puzzle-Modus, der insgesamt 25 Aufgaben bietet und perfekt für unterwegs oder eine kurze Spielsession zwischendurch geeignet ist. Einheiten sind hier vorab platziert und ihr müsst innerhalb eines Zuges den gegnerischen Kommandanten oder dessen Basis zerstören. Hier lernt ihr schnell die Stärken eurer Einheiten zu nutzen und die Lösungen sind komplex genug, um eure grauen Gehirnzellen zu trainieren.
Im Arcade-Modus stehen hingegen die Kommandanten im Vordergrund. Mit einem ausgewählten Helden sucht ihr euch einen von drei Schwierigkeitsgraden aus und kämpft gegen fünf aufeinanderfolgende Herausforderer um eine geheimnisvolle Waffe. Wird ein Kampf verloren oder aufgegeben, startet ihr allerdings wieder beim ersten Gegner.
Zusätzlich zu den drei Einzelspielermodi, enthält Wargroove einen umfangreichen Editor und einen Mehrspielermodus. Neben der obligatorischen Eigengestaltung von Karten, dürft ihr im Editor zusätzlich eigene Kampagnen und Puzzles schreiben. Es ist sogar möglich, Zwischensequenzen, Dialoge und Events zu gestalten und sämtliche Kreationen mit anderen Spielern zu teilen. Allerdings müsst ihr euch die Funktionen des Editors selbst erarbeiten, es wird nämlich nichts erklärt. Im Online-Mehrspielermodus treten bis zu vier Spieler gleichzeitig gegeneinander an - auf Switch, PC und Xbox One sogar über Plattformgrenzen hinweg. Lokal dürft ihr zudem mit bis zu drei Freunden um die Vorherschafft kämpfen.
Quelle: PC Games
Ein klassisches Gefecht: An der Front im Norden kämpfen wir um das letzte freie Dorf, während wir im Süden ein Ablenkungsmanöver starten.
Du ziehst in den Krieg, nicht in den Sieg!
Mit wenigen Ausnahmen, habt ihr zwei Möglichkeiten eine Schlacht für euch zu entscheiden: Besiegt den gegnerischen Kommandanten oder zerstört dessen Basis. Insgesamt 20 verschiedene Einheiten stehen hierzu zur Verfügung und bieten euch reichlich taktische Möglichkeiten. Die stärkste und wichtigste ist der Kommandant. Diesen wählt ihr vor Beginn der Schlacht und er besitzt eine einzigartige Spezialfähigkeit, den sogenannten Groove, der durch Kämpfe aufgeladen wird. Alle weiteren Streitkräfte werden mit Gold in Kasernen, Türmen oder Häfen rekrutiert, wobei die Menge an erhaltenem Gold durch Anzahl und Gesundheit der kontrollierten Gebäude bestimmt wird.
Bildergalerie
Runde um Runde zieht ihr eure Einheiten über die Karte und versucht, dem Ziel näher zu kommen. Strategisch wichtige Punkte müssen gesichert werden und schnell entstehen mehrere Fronten, an denen ihr auf euren Gegner trefft. Die Kämpfe sind prinzipiell leicht zu verstehen, bieten aber gleichzeitig genug Spieltiefe. Jede Einheit verfügt über eine Lebensanzeige, die gleichzeitig deren Kampfkraft darst
Quelle: PC Games
Der Drache ist die teuerste Flugeinheit und trifft kritisch, wenn sich das Ziel auf einer Straße befindet.
ellt. Je weniger Leben ein Trupp übrig hat, desto weniger Schaden teilt er aus und sinkt die Anzeige gar auf Null, segnet die Streitkraft das Zeitliche. Komplex werden die Kämpfe durch kritische Treffer und Terrain. Letzteres bietet euren Einheiten einen festgelegten Verteidigungswert, der erhaltenen Schaden reduziert. Auf hohen Bergen oder im Wald seid ihr besser geschützt als auf freiem Feld oder der Straße. Mit kritischen Treffern steigert ihr den Schaden eurer Einheiten, die Voraussetzungen unterscheiden sich allerdings. Bei Bogenschützen klappt das, wenn sie sich vor dem Angriff nicht bewegen, im Gegensatz dazu müssen eure Reiter mindestens sechs Felder vor einer Attacke zurücklegen, um den Schadensbonus zu bekommen. Nutzt ihr das Wissen zu eurem Vorteil, plant voraus und verwendet die unterschiedlichen Spezialfähigkeiten mit Bedacht, steht eurem Sieg nichts mehr im Weg.
Das ist Wargroove!
Wargroove macht vieles richtig und bietet wenig Ansatz für Kritik. Die taktischen Schlachten sind das Herzstück des Titels und die verschiedenen Karten sind abwechslungsreich gestaltet. Lediglich auf großen Maps ist es teilweise schwer, die Übersicht zu behalten, vor allem im Handheld-Modus der Nintendo Switch. Etwas mehr Komfort hätten wir uns auch gewünscht. Zum Beispiel fehlt die Möglichkeit, per Tastendruck die Reichweite aller gegnerischen Truppen zu sehen oder die Option, Puzzles direkt neu zu starten. Die Steuerung bei d
Quelle: PC Games
Emeric ist einer der Kommandanten und sein Groove lässt ein Kristallschild erscheinen, dass Verbündete in der Nähe schützt.
er PC-Version funtoniert sowohl mit Tastatur und Maus, als auch mit einem Controller problemlos. Strategisch habt ihr die unterschiedlichsten Möglichkeiten, egal ob ihr mit einer großen Armee den Gegner zermürbt oder diegegnerische Streitkraft im Stil von 300 an einer Engstelle aufhaltet, um mit euren Flugeinheiten die ungeschützte Basis zu zerstören. Die KI ist fair und gut nachvollziehbar, nur manchmal scheint ihr Kommandant auf einer Selbstmordmission zu sein. Der Schwierigkeitsgrad der Kampagne ist ausbalanciert und zudem könnt ihr ihn sogar mit drei Reglern genau auf eure Bedürfnisse einstellen. Außerdem sind Missionen, in denen ihr keine neuen Einheiten rekrutieren könnt und mit einer festgelegten Armee eine Übermacht an gegnerischen Truppen besiegen müsst, ein Highlight für Strategen.
Auch wenn die Geschichte rund um Mercia, Herrscherin von Kirschstein, das Rad nicht neu erfindet, überzeugen die Charaktere auf ganzer Linie. Egal ob die jähzornige, aber tollpatschige Ragna aus Höllheim, oder der hinterhältige Floraner Sedge, in jeder Figur spiegelt sich die Arbeit und Detailverliebtheit der Entwickler wider. Chucklefish hat mit Wargroove ein top Rundenstrategiespiel geschaffen und belebt den Geist von Advance Wars wieder.
