WarioWare Gold: Die Microgame-Sammlung für 3DS im Test

Test Lukas Schmid
WarioWare Gold: Die Microgame-Sammlung für 3DS im Test
Quelle: Nintendo

Warioware Gold im Test: Die goldene Ära des Nintendo 3Ds mag vorbei sein, das heißt aber, nicht, dass keine neuen, hochwertigen Spiele mehr für das Gerät erscheinen. Warioware Gold vereint das Beste aus der Reihe mit neuen Microgames und lädt erneut zur Highscore-Jagd ein. Macht das nach wie vor Spaß oder ist die Ludt aus dem bizarren Unfug-Spielprinzip raus? Das verrät unser Review zu Warioware Gold!

Der 3DS ist nicht totzukriegen - nach wie vor erscheinen regelmäßig neue Spiele für den Handheld und stehlen Nintendos Neuer, der Switch, dabei sogar manchmal die Schau.

Allerdings, ein Trend zeichnet sich ab: Inzwischen sind es vor allem Remakes und Best-ofs, welche von First-Party-­Seite auf das betagte Gerät wandern, siehe Metroid: Samus Returns, Luigi's Mansion oder Mario & Luigi: Abenteuer Bowser + Bowser Jr.s Reise. Von billigen Ports sind all diese Abenteuer aber weit entfernt - und auch Wario­ware Gold ist alles andere als ein billiger Abklatsch der Reihe. Deutlich über 300 der durch die Serie etablierten, sogenannten Microgames sind darin enthalten, neben allerlei Exemplaren aus den unterschiedlichen Vorgängern auch eine stattliche Menge neue Herausforderungen. Die Retro-Mikrospiele stellen wieder einmal das eindeutige Highlight des Spiels dar. The Legend of Zelda, Super Mario und Co. erwecken jede Menge nostalgische Gefühle. Quelle: PC Games Die Retro-Mikrospiele stellen wieder einmal das eindeutige Highlight des Spiels dar. The Legend of Zelda, Super Mario und Co. erwecken jede Menge nostalgische Gefühle. Unterschieden zwischen bekannten und neu hinzugekommenen Spielen wird nicht, erneut sind sie aber in verschiedene Pakete unterteilt, umrahmt von ebenso simplen wie abgefahrenen Geschichten und getragen vom bunten Cast der Reihe plus einigen Neuzugängen. Beeindruckend: Ausgerechnet in einem Spiel, das es wirklich nicht nötig hätte, lässt Nintendo in Sachen Präsentation nichts anbrennen und hat den knapp 40 Minuten an Zwischensequenzen eine mehr als akzeptable deutsche Sprachausgabe gegönnt, die wirkt, als wäre sie einem Samstagmorgen-Cartoon entsprungen.

Microgame-Manie

Das Spiel unterscheidet nicht zwischen neu aufgelegten und völlig neuen Microgames. Manche bekannte Exemplare wurden steuerungstechnisch aber leicht angepasst. Quelle: PC Games Das Spiel unterscheidet nicht zwischen neu aufgelegten und völlig neuen Microgames. Manche bekannte Exemplare wurden steuerungstechnisch aber leicht angepasst. Wie gesagt, die erzählten Mini-­Storys sowie die alles umfassende Gesamthandlung sind völlig banane und egal. Wario will Geld verdienen, indem er die verschiedenen Figuren wie Mona, 8-Bit oder Dr. Crygor in einem Wettbewerb antreten lässt - oder so. Der Humor ist hit-and-miss, aber die Atmosphäre ist wie gewohnt locker-flockig und passt zum skurrilen Gameplay. Dabei werden die knapp drei- bis fünfsekündigen Microgames in zufälliger Reihenfolge aneinandergekettet. Es gilt stets, eine sumpersimple Reaktions-Aufgabe zu erfüllen, die in eine komplett willkürliche Situation eingebunden ist. Machen wir einen Fehler, verlieren wir eines unserer vier Leben.

Alle paar Mikrospiele wird das Tempo erhöht, nach einer vorgegebenen Anzahl an Herausforderungen erwartet uns ein Bosslevel, ein etwas komplexeres und zumeist nicht zeitlich begrenztes Minispiel. Schließen wir dieses erfolgreich ab, so können wir ein 1-up zurückgewinnen, anschließend erwarten uns aber schwerere Versionen der Microgames. Theoretisch kann man also endlos lang spielen - faktisch wird's aber irgendwann so knifflig und gleichzeitig so schnell, dass Fehler fast unvermeidbar werden. So kennt man das aus den Vorgängern und so ist es auch diesmal wieder.

Steuerungs-Dreifaltigkeit

' Die interessantesten Collectibles stellen definitiv die Minispiele dar. Wie bei den anderen Sammelgegenständen schwanken Qualität und Gameplay-Anspruch aber stark. Quelle: PC Games ' Die interessantesten Collectibles stellen definitiv die Minispiele dar. Wie bei den anderen Sammelgegenständen schwanken Qualität und Gameplay-Anspruch aber stark. Neu ist, wie viele unterschiedliche Steuerungsvarianten uns zur Verfügung stehen. Bisher war es so, dass die diversen Vorgänger je nach Konsole stets auf eine spezifische Input-Methode wie Knöpfe, Bewegungskontrolle oder Touchscreen gesetzt haben. Passend zum Best-of-Gedanken ist diesmal jede erdenkliche Steuerungsoption mit an Bord. Je nach gewähltem Paket wird dann entweder exklusiv eine Kontrollmethode genutzt oder aber alle auf einmal und man muss blitzschnell zwischen Stylus, Knöpfen und Gyro-Sensor (der übrigens sehr kompetent die Bewegungssteuerung der Wii imitiert) wechseln. Der Abwechslungsreichtum ist dadurch größer als je zuvor! Worauf wir hätten verzichten können, sind die ebenfalls enthaltenen Puste-Minispiele.

Davon gibt es nur eine Handvoll, sie verlangen aber nicht mehr, als dass wir ins Mikro des 3DS pusten. Na ja. Den größten Spaß hatten wir beim Testen übrigens mit den Touch-Minispielen, da sie die meisten unterschiedlichen Optionen erlauben. Die Gyroskop-Microgames fühlten sich hingegen meist etwas zu ähnlich an. Übrigens: Dankenswerterweise haben die Entwickler verhältnismäßig viele Retro-Mikrospiele inkludiert, also solche, die thematisch auf mehr oder minder alten Nintendo-Titeln wie The Legend of Zelda: Ocarina of Time, Ice Climbers, Pullblox, Super Metroid, Donkey Kong Country und Co. basieren. Spielerisch unterscheiden sich diese nicht von den anderen Exemplaren, der Nostal­gie-Faktor inklusive originaler Grafiken und Musikstücke ist für alteingesessene Nintendo-Hasen aber natürlich ein sehr positives, sympathisches Element. Wie für Warioware üblich, haben es aber wieder einmal nicht nur die verschiedenen Microgame-Sammlungen ins Spiel geschafft.

Kapsel-Kalamitäten

Überraschung: Die gezeichneten Zwischensequenzen sind nicht nur relativ hochwertig gemacht, sie wurden auch vollständig vertont – und zwar in deutscher Sprache! Quelle: PC Games Überraschung: Die gezeichneten Zwischensequenzen sind nicht nur relativ hochwertig gemacht, sie wurden auch vollständig vertont – und zwar in deutscher Sprache! Daneben erwartet uns nämlich ein wahres Füllhorn an Zusatzinhalten, allen voran mehrere Minispiele mit jeweils eigenen High­score-Listen und sogar der einen oder anderen Mehrspieleroption. Allerdings, die Multiplayer-Minigames sind sehr simpel gestaltet und reichen nicht an die Spielspaß-Klassiker aus den Warioware-­Ablegern für den Game­cube und die Nintendo Wii heran. Zusätzlich gibt's noch viele andere Collectibles, die serientypisch großteils völlig bescheuert sind, etwa Zwischensequenzen, die man selbst neu vertonen kann, Sammelkarten mit völlig willkürlichen Charakterwerten der Figuren aus dem Spiel, virtuelles altes Nintendo-Spielzeug und mehr. Etwas schwach: die Codes, die man in ein virtuelles Telefon eingeben kann und dann in quälend langsamem Scrolltempo eher unlustige Monologe zu lesen bekommt.

Unter den Gyroskop-Minispielen finden sich auch solche, die aus Warioware: Smooth Moves für die Wii stammen. Die Bewegungssteuerung wird gut emuliert. Quelle: PC Games Unter den Gyroskop-Minispielen finden sich auch solche, die aus Warioware: Smooth Moves für die Wii stammen. Die Bewegungssteuerung wird gut emuliert. Wenn, dann hätte man sich an den Zwischensequenzen ein Beispiel nehmen und die Dinger vertonen sollen! Vor allem sorgt der umständliche und nervige Freischaltungsprozess aller Collectibles dafür, dass man viel zu oft derartige uninteressante Sammelgegenstände vorgesetzt bekommt. Für die meisten Aktionen im Spiel gibt's nämlich Münzen, die wir an einer virtuellen Kapselmaschine investieren können, woraufhin ein zufällig ausgewähltes Collectible herauskullert. Da es vergleichsweise wenige Münzen für Aufgaben und viele, viele Sammelgegenstände gibt, artet der Freischaltungsprozess sehr schnell in nerviges Grinding aus. Das hätte man eleganter lösen können.

Zusatz-Wahnsinn

Nach jedem bezwungenen Boss in den Story-Modi dürfen wir in einer Spezialstage zeitlich begrenzt Münzen für die Kapselmaschine sammeln.& Quelle: PC Games Nach jedem bezwungenen Boss in den Story-Modi dürfen wir in einer Spezialstage zeitlich begrenzt Münzen für die Kapselmaschine sammeln.& Weniger stressig freizuschalten sind die schlicht als Aufgaben bezeichneten Zusatz-Spielmodi, welche auf die Microgames setzen, jedoch verlangen, dass wir sie unter speziellen Voraussetzungen spielen. Da steht uns dann etwa nur ein Leben zur Verfügung, Wario verdeckt mit Hindernissen den Bildschirm oder wir müssen rechtzeitig die Schultertasten drücken, sobald Mama ins Zimmer guckt, damit sie uns nicht beim Spielen unter der Bettdecke entdeckt. Sehr nett!

Ebenfalls zur Langzeitmotivation tragen die Missionen bei, bei denen es sich de facto um Archievements handelt, wie man sie von PS4 und Xbox One kennt. Wenn wir bestimmte Punktezahlen erhalten oder andersartige Vorgaben erfüllen, gibt's Münzen sowie ein befriedigendes Abgehakt-Symbol in der Liste. Man sieht schon: Es steckt jede Menge drin in Warioware Gold, vermutlich mehr als in jedem der Vorgänger! Da kann man auch die relativ zahlreichen Stinker unter den Collectibles verkraften. Bloß die Kapselmaschine ist ein etwas drastischerer Kritikpunkt, der dafür sorgt, dass das Spielen irgendwann unweigerlich in Fleißarbeit ausartet. Doch etwas schade!

Noch ein 3DS-Abschiedsgruß

Nicht nur Klassiker, sondern auch etwas neuere und nischigere Nintendo-Titel kommen in den Mikrospielen zu Ehren. Mallo aus der Pullbox-Serie ist auch mit dabei! Quelle: PC Games Nicht nur Klassiker, sondern auch etwas neuere und nischigere Nintendo-Titel kommen in den Mikrospielen zu Ehren. Mallo aus der Pullbox-Serie ist auch mit dabei! Wer dem Nintendo 3DS noch imemr treu ist, der sollte sich von diesem Mangel aber trotzdem nicht abhalten lassen und kann sich auf ein weiteres kleines Highlight freuen, das Switch-Besitzern (zumindest vorerst) noch vorenthalten bleibt. Das Warioware-­Spielprinzip ist zwar inzwischen schon fast ein alter Hut, macht aber immer noch jede Menge Laune und wer gewillt ist, zu grinden, kann mit der Microgame-­Sammlung mehr Zeit verschwenden als mit so manchem Rollenspiel.

Meinung

Wertung zu WarioWare Gold (3DS)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Großer UmfangHochwertige PräsentationViele SteuerungsvariantenHoher AbwechslungsreichtumBizarrer, gelungener HumorZahlreiche Collectibles …
… viele aber ziemlich lahmNerviger FreischaltungsprozessKeine Linkshänder-OptionTechnisch naturgemäß simpel
Fazit

„Nicht der beste, aber ein gelungener Warioware-­Ableger, der alte und neue Ideen vereint.“

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