Wario Ware: Move It! im Test: Tropenurlaub mit Wario

Test Tobias Meyer
WarioWare: Move It!
Quelle: PC Games

Wenn TikTok ein Videospiel wäre, dann würde wohl WarioWare dabei herauskommen. Wie viel Party-Potenzial in der Microgame-Compilation steckt, erfahrt ihr im Test.

Zieht eure Latzhosen an, stutzt den Schnauzbart und macht euch bereit für ein neues Abenteuer mit ... Wario! Während sich zuletzt die ganze Nintendo-Welt auf den Klempner in Rot gestürzt hat, sind wir mit dem dicklichen Feierbiest auf die tropischen Pati-Pati-Inseln geflogen und haben uns im neuen Wario Ware: Move It! durch zahlreiche, chaotische Mikrospiele gekämpft. Die Wario Ware-Reihe feiert in diesem Jahr 20. Jubiläum. Passend dazu gewinnt der Unternehmer in Jeansweste einen Urlaub für 20 Bekannte ins Pati-Pati-Paradies. Das schreit nach einem Geschäftsausflug! Also geht es mit all den bekannten Gesichtern wie Mona, Jimmy T und Doktor Crygor in den Urlaub.

Natürlich wäre es kein Wario-Ware-Abenteuer, wenn dem Grobian nicht irgendein Missgeschick passieren würde. Zur Begrüßung auf der Insel bekommen wir erst einmal zwei edle Haltungssteine. Sozusagen die Vorfahren der Joy-Cons. Wario ist darüber nicht allzu erfreut, wirft sie weg und wird schnurstracks von einem Elefanten in den tropischen Wald geschleudert. In bester Indiana-Jones-Manier darf er nun die Flucht vor den Ureinwohnern ergreifen.

Er kann reden!

Was direkt auffällt: Die kleinen Intros für die jeweiligen Figuren sind wieder mit sehr viel Liebe und Humor gestaltet. Jede Person und Gruppe, erlebt eine eigene Geschichte auf der Insel. Von giftigen Beeren über ein spontanes Boot-Rennen ist einiges los. Etwas aus der Fassung hat uns aber die neue Stimme von Wario gebracht. In Move It! hat Wario jetzt nämlich mehr zu sagen als nur ein kurzes "yes" oder "HAHA". Der Zackenbart-Träger spricht inzwischen vollständige Sätze. Ähnlich wie wir es schon von seinen Mitarbeitern gewohnt waren. Ein wenig rauer hätten wir uns die aber vorgestellt, seine Stimme. Der cholerische Kollege im Knoblauch-Hemd klingt eher wie ein halbherziger Sportfan, der uns von der Seitenlinie motivieren möchte. Zumal wir Wario ziemlich häufig hören, weil die Spielfiguren nach jedem Mikrospiel einen Kommentar abgeben. Trotzdem machen alle Sprecher im Spiel einen guten Job.

Haltung bewahren!

Wie wir es bereits aus Vorgängern der Reihe gewohnt sind, gibt es zu jeder Geschichte der Charaktere eigene Haltungen, die wir für die einzelnen Mikrospiele lernen dürfen. In der Story warten zunächst elf kleine Geschichten auf uns. Haben wir die Geschichten einmal gespielt, können wir sie immer wiederholen. Je weiter wir kommen, ohne unsere vier Leben zu verlieren, desto schneller und kniffliger werden die Herausforderungen. Verlieren wir doch einmal alle Leben, können wir mit einem Wiederbelebungs-Ritual zurückkehren. Das funktioniert jedoch nur beim ersten Durchlauf. Damit wird jedem Spieler die Chance gegeben, die Grundlagen zu schaffen. Um die Spiele zu meistern, gibt es keinen zweiten Boden. Die Idee gefällt uns sehr, auch wenn das Ritual oft an der fehlerhaften Erkennung unserer Bewegungen scheiterte.

Die Haltungen, die wir im Verlauf der Geschichte lernen, sind die Grundlagen für die Mikrospiele. Vor jedem Spiel wird uns für einen kurzen Moment gezeigt, welche Haltung eingenommen werden muss und schon startet das High-Speed-Mikrospiel. Von einfach bis absurd ist da eine ganze Menge dabei. Zu unseren Favoriten zählt wohl "Kikeriki", bei dem man die Joy-Cons vor die Nase und an das Gesäß halten muss, um auszusehen wie ein Hahn.

Das Wunder der Haltungssteine

Ziemlich beeindruckend sind "Ablegen" und "Hand im Blick". Beide Haltungen spielen mit den Features der Joy-Cons. Bei Ersterem legen wir unsere Joy-Cons flach auf den Boden und müssen sie zu einem bestimmten Zeitpunkt aufheben oder sie wie an einem DJ-Pult drehen. "Hand im Blick" nutzt die Infrarot-Kamera des rechten Joy-Cons und scannt, was wir mit unserer Hand machen. So müssen wir Positionen mit der Hand nachäffen oder Bewegungen darstellen. Leider hat das jedoch nicht immer funktioniert. Mit umgebundener Handgelenksschlaufe kann das aber manchmal ziemlich fummelig bis unmöglich werden.

Abgesehen von den kleinen Problemen bei der Eingabe, funktioniert die Erkennung verschiedener Bewegungen wunderbar. Natürlich liegt es immer am Spieler selbst, wie intensiv die Aufgaben ausgeführt werden. Aber je intensiver die Bewegungen, desto größer ist auch der Spaß. Nicht nur deshalb sollte auch immer die Handschlaufe der Joy-Cons angelegt sein. Obendrauf gibt es einige Mikrospiele, in denen die Joy-Cons fallen gelassen werden sollen. Das kann natürlich auch umgangen werden, in dem man eben nur so tut als ob. Spaß macht das dann aber natürlich nicht.

Wario Ware: Move It! im Test: Tropenurlaub mit Wario Quelle: PC Games Wunderbar wurden auch die vielen Knöpfe der Joy-Cons eingebunden. Da gilt es dann, bei manchen Spielen die Konzentration hochzuhalten, wenn zuerst die Haltung und dann das Knopf-Symbol eingeblendet wird. Von Text tippen auf einer Tastatur, bis zum Zünden einer Sprengladung ist einiges dabei. Aber wie immer gilt: schnell denken und noch schneller handeln! Die Zeit ist knapp.

Ist die Geschichte erst einmal durchgespielt, kann der Spaß richtig losgehen. Auf dem Spielfeld der Story ploppt ein neuer Bereich auf, der uns Single- und Multiplayer-Action verspricht. Alle Mikrospiele, die wir bisher gespielt haben, können im Museum wiederholt werden. Wer eine Tüte voller verschiedener Spiele haben möchte, kann aber auch die "bunte Mischung" wählen.

Für kleine Workouts gibt es das "Muskeltraining". Hier warten 20 Mikrospiele, die ohne große Pausen nacheinander abgespielt werden. Als wäre das nicht schon anstrengend genug, gibt es einige extra lange Spiele, wie Skifahren, die von uns auch das letzte Quäntchen Energie abverlangen. Eingangs belächelt, mussten wir flott feststellen, dass wir ziemlich schnell ins Schwitzen kamen.

Gegeneinander oder miteinander - Hauptsache zusammen!

Am meisten Spaß macht Wario Ware aber natürlich im Multiplayer. In "Perfekte Harmonie" treten wir im Team gegen die Mikrospiele an. Dabei spielen wir aber nicht per se die gleichen Spiele wie im Singleplayer. Manche Mikrospiele bieten unterschiedliche Aufgaben. So muss Spieler 1 beim Baseball-Stand einen Ball werfen und Spieler 2 darf ihn in Richtung Horizont schlagen.

Wer lieber gegeneinander antreten möchte, kann sich auch im "Duell" gegenüberstehen. Hier wird unterschieden zwischen einem Ausdauer-Modus, in dem derjenige verliert, der zuerst all seine Leben los ist. Wenn es etwas schneller gehen soll, gibt es die Möglichkeit, die Siege nach Schnelligkeit zu vergeben.

Und wer immer noch nicht genug vom Muskeltraining hat, kann in "Wechselspannung" richtig Gas geben. Hier übernimmt ein Spieler die Mikrospiele und der andere darf sich mit verschiedenen Übungen von seiner sportlichen Seite zeigen. Mit Pumpen, Zappeln und anderen Bewegungen, die der Körper so hergibt, wird das Mikrospiel sichtbar gehalten. Lassen die Bewegungen nach, wird eine Blende über das Mikrospiel gelegt und der Mitspieler kann nicht mehr weiterspielen.

Bildergalerie

Mario macht Party, Wario hat die Moves!

Unser absoluter Höhepunkt ist die Party. Mit bis zu vier Spielern kann hier eine dicke Fete gefeiert werden. Zunächst darf jeder einen Charakter wählen und dann geht es in einem von fünf Spielen zur Sache. So wird sich in einem Box-Ring gegeneinander mittels Mikrospielen gemessen, wir müssen beim Arzt vorsprechen und die Spiele so ausführen, wie sie verschrieben werden oder es geht auf einem ganz klassischen Brettspiel-Abenteuer zur Sache. Der Name ist Programm. Dieser Modus steht für absolutes Party-Feeling.

Wario Ware: Move It! macht endlich da weiter, wo die Reihe 2018 auf dem Nintendo 3DS aufgehört hat. Es lässt seinen Switch-Vorgänger "Get It Together" von 2021 auf der Strecke und zieht mit der gewohnten Wario-Ware-Formel vorbei. Warios Abenteuer ist chaotisch wie eh und je. Die Mikrospiele sind mit viel Herz zum Detail gestaltet und wunderschön anzusehen. Dank über 200 Spielen und zig Posen, die es freizuschalten gilt, macht Wario Ware auch im Singleplayer Spaß. Sein volles Potenzial entfaltet das Spiel aber zusammen mit Freunden.

Wertung zu WarioWare: Move It! (NSW)

Wertung:

9.0 /10
Fazit

Wario Ware ist wohl das TikTok unter den Videospielen. Mit Move It! hat es Nintendo endlich wieder geschafft, ein Bewegungsspiel mit Party-Faktor par excellence zu zaubern. Lediglich einige Probleme mit der Steuerung sorgten für kleine Frust-Momente. Doch darüber können wir gerne hinwegsehen.

Leider macht die Steuerung dem Spaß vereinzelt einen kleinen Strich durch die Rechnung. Bewegungen werden nicht richtig erkannt oder der Sensor nimmt unsere Handzeichen nicht korrekt wahr. Darüber können wir aber hinwegsehen. Denn dem Frust folgt wieder der nächste Dopamin-Schub. Und davon gibt es in diesem Spiel mehr als genug.

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