Wasteland 3: Wenn's dich plötzlich doch packt - gamescom-Preview

Special Susanne Braun
Wasteland 3: Wenn's dich plötzlich doch packt - gamescom-Preview
Quelle: InXile

Auf der gamescom 2019 schickt der Patriarch von Colorado unsere Ranger los, um seinen abtrünnigen Sohn zurück zu Papa zu bringen - wir haben eine Mission des Taktik-Rollenspiels im frostigen Colorado angespielt.

Taktik-Rollenspiele sind nie mein Ding gewesen. Die sehen zwar schick aus, aber das Austüfteln der besten Strategie im Kampf hat mich niemals gepackt... bis zur gamescom 2019. Mit keiner Ahnung, was mich erwartet und Wasteland-Fanboy Wolfgang Fischer im Gepäck gehe ich zum vereinbarten Termin mit den Entwicklern von InXile, die uns ohne lang zu fackeln freudig gespannt vor die PC-Bildschirme lotsen, über die bereits ein Schneesturm tobt. Nach einer kurzen Einführung zur grundlegenden Steuerung lehnen sie sich zurück, zücken ihren Papierblock und warten ab, was wir tun. Denn nicht nur, dass die Macher von Wasteland 3 (jetzt kaufen 17,00 € ) uns das taktische Rollenspiel präsentieren wollen, sie notieren auch fleißig jede Art von Feedback und Problem, damit sie daheim in ihrem Studio gleich nach der Rückkehr Köln an der Verbesserung arbeiten können. Und laut eigenen Aussagen haben die Macher des Rollenspiels schon einige Seiten voller Notizen gesammelt. Gut, dass sie noch bis Frühjahr 2020 Zeit haben, Wasteland 3 zu perfektionieren.

Atmosphäre pur

Brumm! In Wasteland 3 tuckert ihr mit einem Vehikel durch das postapokalyptische Wasteland von Colorado. Quelle: InXile Brumm! In Wasteland 3 tuckert ihr mit einem Vehikel durch das postapokalyptische Wasteland von Colorado. Wir starten unser kleines Abenteuer mit einem neuen Helden in unserem schlagkräftigen Team: einem Fahrzeug, das wir durch den Schneesturm schicken. Im Hintergrund dudelt ein bisschen Musik, während wir den enorm gepanzerten, aber dennoch etwas heruntergekommenen Truck durch die Nacht steuern - das geht übrigens ganz einfach via Rechtsklick. Keine Sorge also, Wasteland 3 verkommt trotz ausbaufähiger und steuerbarer Vehikel nicht zu einem Mini-Rennspiel. Dafür wäre das Monstrum von einem Fahrzeug auch ein bisschen zu langsam und die eisglatten Pfade durch den nuklearen Winter eignen sich eh nicht zum Rasen.

Während ich mich also gemütlich zurücklehne und die bildhübsche Szenerie bewundere, ist Kollege Fischer bereits zum Ort des Geschehens getuckert. Zugegeben, auf der Strecke gibt's auch keine Besonderheiten zu sehen; ich weide meine Augen einfach an dieser tollen Winterlandschaft und lausche einigen Audiofiles, die abgespielt werden. Da ich aber natürlich nicht ins Hintertreffen geraten und meine komplette Unwissenheit zur Schau stellen will, rechtsklicke ich meinen Truck nun doch einmal zu dem Stützpunkt, in dem mich die eigentliche Mission erwartet. Nach einem kurzen Ladebildschirm bin ich schon mittendrin im Geschehen.

Taktik mit Schmackes

Natürlich bin ich dem Genre der Taktik-RPGs nicht fremd. Ich wähle meine ganze Gruppe aus, bestehend aus dem notorischen Trinker Scotchmo, dem Scharfschützen Banshee, dem Brawler Shellshock und dem Sani Doc Nails, und schicke sie gleich hinein in ihr Verderben. Logischerweise sind in dem Camp, das das Team gerade betreten hat, lauter Bösewichte unterwegs. Allerdings haben sie mich noch nicht entdeckt, weswegen ich mich gleich nach Dächern und Erhöhungen umschaue, die mir taktische Vorteile bringen. In der Hinsicht klappt's also schon einmal.

Nachdem ich meine Mannen verteilt habe, lasse ich Scotchmo einen Schuss abgeben und das Spiel wechselt automatisch in den taktischen Kampfmodus. Genrekonform wird mir mit blau markierten Feldern angezeigt, ob sich ein Charakter an einen Ort bewegen und von dort aus noch andere Aktionen ausführen kann. Orangene Felder bedeuten mir, dass ich einen Typen zwar an den gewünschten Ort scheuchen darf, dann aber seine Aktionspunkte verbraucht sind und er deswegen in dieser Runde nicht mehr angreifen kann.

Schick, wenn auch taktisch nicht besonders klug: Wasteland 3 ist eine Augenweide. Quelle: InXile Schick, wenn auch taktisch nicht besonders klug: Wasteland 3 ist eine Augenweide. Freilich sorge ich dafür, dass meine Mannen sich sowohl in eine Deckung bewegen als auch noch feuern dürfen. Besonders erfreulich ist's, wenn zufällige Spezialfähigkeiten der Kämpfer auslösen, etwa ein reichlich mächtiger Scharfschuss von Banshee. Löse ich den aus, dann kann ich im folgenden Bildschirm auswählen, welchen Körperteil des Feindes ich anvisieren will und für welche Effekte das sorgt. Ein Schuss aufs Bein etwa sorgt dafür, dass der Kontrahent in seiner Bewegung eingeschränkt ist.

Oh, ach, oh nein! Während ich mich mit vier Gegnern im unteren Teil der Map auseinandersetze, bemerke ich gar nicht, dass von oben auch noch Fieslinge in den Kampf eingreifen wollen - silly me. "Kein Problem", sagt mir einer der Entwickler, "guck mal, dein Fahrzeug kann auch feuern. Oder die Leute einfach überfahren. Was dir lieber ist." Ich fackel natürlich nicht lange, sondern überrolle die ballerfreudigen Breather mit meinem Wagen. Und kichere dabei hämisch in mich hinein. Nachdem ich die Auseinandersetzung erfolgreich absolviert habe und mit meinen Mannen weiter das Camp erkunde, lehne ich mich zu Wolfgang. "Und?", frage ich, "was ist anders?" "Der Kampf spielt sich flüssiger", erwidert der Kollege während er von einem Gefecht zum nächsten hastet. Der Herr Fischer hat sichtlich Spaß!

Erkundung wird belohnt

"Und der hat's ja ganz schön eilig", denke ich mir wiederum und schaue mich weiter in dem Camp um, hacke Stromgeneratoren, um Brücken in Bewegung zu bringen und finde gar ein Geheimversteck, in dem ich mir die herumstehenden, explosiven Fässer zu Nutze mache, um den mechanischen Spinnengegnern ein bisschen einzuheizen. Praktisch finde ich an der ganzen Sache, dass ich einfach meine gesamte Gruppe auswählen kann, um Schlösser zu knacken oder um Gerätschaften zu hacken. Warum das praktisch ist? Ich muss nicht herumsuchen, welcher Held jetzt über besondere Skills verfügt. Stattdessen bewegt sich beispielsweise einfach der Kamerad vorwärts, dessen Fähigkeit zum Schlossknacken am höchsten ausgebildet ist. Das ist zwar kein Mörder-Feature und das gab's auch schon in Wasteland 2, ich find's trotzdem ungemein praktisch. Nebenbei erbeute ich eine für die gamescom-Demo entworfene Superrüstung für Scotchmo und freue mich darüber wie der sprichwörtliche Schneekönig.

Die große Freiheit

Langsam wird es aber dann doch Zeit, dass ich mein Team zum eigentlich wichtigen Handlungsspielplatz bewege - und zwar zum Sohn des Patriarchen, der mir mit irrem Blick und lilafarbenen Haaren erzählt, dass es doch eigentlich gar keinen Grund gibt, ihn einzukassieren. "Nimm' mich doch viel lieber in deine Gruppe auf", sagt der junge Kerl und bekräftigt mir. dass wir eine dufte Zeit voller Anarchie haben könnten.

Wasteland-typisch kann das seine Vor- und seine Nachteile haben, weil manche Charaktere, denen wir begegnen, dem durchgedrehten Maniac gegenüber nicht sonderlich wohlwollend gesinnt sind. Das kann uns in der postapokalyptischen Zukunft natürlich einiges verbauen - aber das macht auch den Reiz an einem Rollenspiel wie Wasteland 3 aus, nicht wahr?

Während Kollege Fischer dem jungen Patriarchen-Sohn eine Kugel zwischen die Augen drückt, entscheide ich mich ganz diplomatisch und konform dafür, dem Typen Handschellen anzulegen und ihn bei Papa abzuliefern. Die gamescom-Demo ist an der Stelle vorbei. Aber es juckt mich in den Fingern, im Frühjahr 2020 herauszufinden, wie sich meine Entscheidung auswirkt - dann erscheint Wasteland 3 nämlich für den PC, die Playstation 4 und die Xbox One.

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