Watch Dogs Legion: Ubisofts Open-World-Action im Test - Ist London noch zu retten?
Test 53,99 €
Der neueste Teil von Ubisofts Watch-Dogs-Reihe bricht mit alten Traditionen und versetzt den Spieler diesmal in die britische Millionenstadt London mitsamt ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Wir haben viel Zeit mit dem umfangreichen Open-World-Action-Spiel verbracht und verraten euch, was uns an Watch Dogs: Legion gut gefallen hat und was weniger!
London in naher Zukunft: Dem Hackerkollektiv Dedsec wird ein verheerender Terroranschlag in die Schuhe geschoben. Und als ob das alles noch nicht genug wäre, werden praktisch über Nacht fast alle Dedsec-Mitglieder aus dem Verkehr gezogen. Die Regierung engagiert nach den verheerenden Anschlägen eine private Sicherheitsfirma, die in der britischen Metropole für Ordnung sorgen soll und dafür die Bevölkerung unterdrückt. Das ist die trostlose Ausgangssituation in Watch Dogs: Legion, dem dritten Spiel der Open-World-Action-Serie von Ubisoft. Nachdem man in den ersten beiden Teilen Chicago und San Francisco erkunden durfte, wagen die Entwickler mit Legion jetzt den Sprung über den großen Teich. In unserem umfangreichen Test lest ihr, wie gut uns London als Schauplatz gefällt und ob der neue Gameplay-Ansatz, bei dem ihr nicht einen Helden spielt, sondern an eine ganze Truppe von Hackern, funktioniert.
Ein Hoch auf das Kollektiv!
Die Lage für Dedsec ist nach den Anschlägen ernst: Nur ihr und die Londoner Dedsec-Anführerin Sabine sind vom Hackerkollektiv noch übrig. Die Identität eures ersten Charakters dürft ihr euch selbst aussuchen. Zur Wahl stehen 15 Agenten, die alle über zumindest eine Besonderheit verfügen. Auch die anfängliche Auswahl variiert von Spiel zu Spiel.
Quelle: Ubisoft
Wer keine Lust aufs Schleichen hat, kann die Missionen auch mit Waffengewalt angehen.
Im Prinzip ist es egal, wen ihr euch zu Beginn wählt, denn eine der ersten Aufgaben ist es, weitere Rekruten zu finden, um Dedsec in London wieder Leben einzuhauchen. Beim ersten Spielstart haben wir uns für einen Geldfälscher entschieden, hätten aber auch eine Hausfrau mit Alkoholproblem wählen können, die im Nahkampf besonders viel einstecken kann.
Ubisofts Ansatz, nicht einen einzelnen Helden, sondern eine Gruppe von Aktivisten in den Mittelpunkt von Watch Dogs: Legion (jetzt kaufen 59,99 € / 53,99 € ) zu stellen, ist erfrischend anders und ergibt im Rahmen der Story auch Sinn. Aber will ich wirklich mit einer geschiedenen, verbitterten Sanitäterin oder einem Opa, der früher englische Literatur gelehrt hat und jederzeit an Altersschwäche sterben kann, London erforschen und Missionen erledigen? Uns hat das im Rahmen des Tests nicht wirklich gestört, denn die Integration dieser beliebigen Helden in die Story und Zwischensequenzen funktioniert erstaunlich gut. Ihr dürft euren Helden auch nach Belieben mit Gadgets und (nicht-tödlichen) Waffen ausrüsten, sofern ihr diese schon freigeschaltet habt.
Quelle: Ubisoft
Sobald ihr einen Agenten in euren Reihen habt, dürft ihr mit einem an 007 erinnernden Auto Raketen verschießen.
Optionaler Permadeath-Modus
Wird einer der Helden bei einer Mission verwundet oder verhaftet, dauert es eine Weile, bis ihr wieder auf ihn zugreifen könnt. Sofern ihr keine Sanitäterin oder Arzt in eurem Team habt, der Verletzungen behandelt. Wenn ihr jemanden früher aus dem Knast boxen wollt, dann empfiehlt sich ein Kautionsexperte oder Rechtsanwalt. Richtig kritisch sind Ausfälle von Team-Mitgliedern eh nur im optionalen Perma-Death-Modus, in dem es sein kann, dass ihr Agenten dauerhaft verliert und dann passenden Ersatz beschaffen müsst. Wenn ihr einen neuen Dedsec-Helfer rekrutieren wollt, gibt es dafür mehrere Möglichkeiten. Im Rahmen der Story kommen immer wieder neue Charaktere dazu und für Bezirke von London, die ihr zum Aufbegehren bringt, erhaltet ihr ebenfalls neue Mitstreiter. Darüber hinaus identifiziert die hilfreiche Dedsec-KI Bagley bei euren Streifzügen durch London immer wieder passende Kandidaten.
Quelle: Ubisoft
Die Sehenswürdigkeiten Londons, hier Piccadilly Circus wurden mit viel Liebe zum Detail umgesetzt.
Oder ihr lauft einfach durch die Straßen, scannt die Bewohner Londons und sucht euch einen neuen, passenden Mitstreiter aus. Jeder kann bei Dedsec mitmachen und seinen Teil beitragen. Wer es auf die harte Tour will, kann auch Leute zu Dedsec holen, die dem Hacker-Kollektiv nicht neutral oder positiv gegenüberstehen. Dafür braucht ihr die Fähigkeiten "Tiefenprofil", mit der ihr deutlich mehr über einen möglichen Rekruten erfahrt, als normalerweise üblich. Dieses Wissen könnt ihr nutzen, um ihn zumindest davon zu überzeugen, Dedsec eine Chance zu geben, was stets in eine oder mehrere Missionen mündet, die ihr bestehen müsst. Wenn ihr das geschafft habt, dann ist der Kandidat ein wertvolles neues Mitglied von Dedsec.
Schleich dich!
Die Hauptstory dreht sich um den Wiederaufbau Dedsecs in London und die Aufklärung des verheerenden Terroranschlags, der dafür gesorgt hat, dass die englische Hauptstadt kurz vor dem endgültigen Untergang steht. Ihr tretet gegen die Schurken von London an und versucht herauszufinden, wer hinter der mysteriösen Hackergruppe Zero Day steckt und wie die langfristigen Pläne der privaten Sicherheitsfirma Albion aussehen. Dabei müsst ihr stets vorsichtig vorgehen, denn Albion und Polizisten haben euch gleichermaßen auf dem Kieker.
Im Rahmen der Missionen schleicht ihr euch dank eurer Hacker-Skills oft in Hochsicherheitsbereiche, wo ihr mit Spinnendrohnen durch Lüftungsschächte kriecht und Geschicklichkeitsaufgaben erledigt, um zu einem gut versteckten Server zu gelangen, wo ihr dann Daten klaut, löscht oder verändert. Was man als Hacker halt so macht. Um Zugang zu gut gesicherten Bereichen zu erlangen, löst ihr zudem unterhaltsame Logikrätsel. Wer aufs Schleichen keine Lust hat, der wählt einfach den direkteren Weg zum Ziel. Dieser Weg beinhaltet dann saftige Prügeleien und actionreiche Schusswechsel. Oft läuft es aber auf einen Mittelweg aus beiden Ansätzen hinaus. Wenn die Zahl der Gegner zu groß wird, dann bleibt euch manchmal nur die Flucht.
Quelle: Ubisoft
Nahkämpfe in Watch Dogs: Legion sind einfach gestrickt, aber kurzweilig. Hier vermöbeln wir einen königlichen Gardisten vor dem Buckingham Palace.
London muss befreit werden!
Quelle: Ubisoft
Habt ihr einen der acht Bezirke Londons befreit, erhalt ihr dafür einen erfahrenen Agenten und sorgt nebenbei dafür, dass die Bevölkerung wieder Hoffnung schöpft.
Watch Dogs: Legion bietet zusätzlich zu den Hauptmissionen zahlreiche Nebenaufträge, für die ihr manchmal neue Klamotten und stets Geld bekommt. Richtig unterhaltsam ist dabei vor allem die Bare-Knuckle-Liga. Ein illegaler Fight-Club mit mehreren Arenen, in dem ihr nach drei Vorkämpfen gegen einen Champion mit besonderen Fähigkeiten antretet, den ihr danach auch für Dedsec rekrutieren könnt. Diese Kämpfe bieten euch auch die Gelegenheit eure Nahkampffähigkeiten etwas zu trainieren. Ein weiteres Ziel in Watch Dogs: Legion ist es, die Bevölkerung zu animieren, gegen die verheerenden Zustände in London zu demonstrieren. Dies erreicht ihr in dem in jedem der acht Bezirke der Großstadt kleine Missionen erledigt. In diesen Aufträgen sabotiert ihr Albion-Stützpunkte, entfernt gefährliche Propaganda, eliminiert feindliche VIPs oder rettet Freiheitskämpfer. Habt ihr alle Mini-Aufgaben in einem Bezirk erledigt, bekommt ihr eine aufmerksamkeitsstarke Abschlussmission, deren Erledigung den Menschen Londons wieder Hoffnung gibt. Und was viel wichtiger ist: ihr schaltet so einen erfahrenen Agenten mit besonderer Ausrüstung und nützlichen Fähigkeiten frei!
Quelle: Ubisoft
Der nützliche Spinnenroboter hilft euch oft, für Menschen unzugängliche Orte zu erforschen.
Fortschritt durch Technik(punkte)
Quelle: Ubisoft
Mit Technikpunkten schaltet ihr coole Technikspielereien und nützliche Gadgets frei.
In Watch Dogs: Legion gibt es keinerlei Rollenspiel-Unterbau. Ihr sammelt also weder Erfahrungspunkte, noch schaltet ihr in Fähigkeitsbäumen sukzessive neue Skills frei, deren Nutzung dank einer durchdachten Steuerung immer leicht von der Hand geht. Das bedeutet aber nicht, dass es nichts zum Freischalten gäbe: Mit Hilfe von Technikpunkten könnt ihr euch neue nützliche Gadgets und Fertigkeiten kaufen, die euer Hacking-Arsenal sinnvoll erweitern. Genügend Technikpunkte vorausgesetzt, könnt ihr Gegner schmerzhafte Stromstöße verpassen, neue Waffen freischalten oder jede beliebige Drohne im Spiel kapern. Technikpunkte erhaltet ihr manchmal für das Abschließen von Missionen. In der Regel sind damit aber kleine Rätsel oder Aufgaben verbunden, für deren Lösung ihr nicht selten einen Spinnenroboter oder eine fliegende Drohne und etwas Gehirnschmalz braucht.
Flüssiges Gameplay ohne größere Macken
Manchmal sind diese Technikpunkte an öffentlichen Plätzen versteckt, in der Regel aber an gut geschützten Stellen in Hochsicherheitsbereichen, in die man nicht einfach so reinspazieren kann. Die Suche nach offen zugänglichen Orten mit Technikpunkten hat uns durch ganz London geführt und damit natürlich auch zu den zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Millionenstadt, Piccadilly Circus, darunter Big Ben, das London Eye, Westminster Abbey und auch der Buckingham Palace. Was uns gut gefallen hat, ist die riesige Detaildichte des Spiels, die sich in vielen Aspekten zeigt: Bei der Gestaltung Londons, den Hintergrundgeschichten seiner Bewohner und bei den Personalisierungsmöglichkeiten für eure Helden. Ubisoft ist es gelungen, eine glaubwürdiges London zu erschaffen, das - unabhängig von der Plattform - gut aussieht und zum Erforschen einlädt. Wir haben einen Großteil unserer Zeit mit Watch Dogs: Legion auf einer PS4 Pro verbracht und hatten nur wenig mit technischen Problemen und Framerate-Einbrüche zu kämpfen. Lediglich die Ladezeiten der Konsolenversionen sind etwas nervig, auf einem PC mit SSD lädt das Spiel viel schneller. Geladen wird aber nur, wenn ihr das Gebäude verlasst oder sie betretet, was nicht so oft vorkommt, dass es speziell nerven würde.
Shopping, Darts und ein wenig Kicken
Quelle: Ubisoft
Ein Aspekt des Spiels, in den ganz offensichtlich viel Entwicklungszeit geflossen ist, sind die zahlreichen Individualisierungsmöglichkeiten für eure Agenten. Die Fashion-Metropole London ist voll mit Shops, in denen unterschiedlichen Accessoires und Klamotten angeboten werden.
Ein Aspekt des Spiels, in den ganz offensichtlich viel Entwicklungszeit geflossen ist, sind die zahlreichen Individualisierungsmöglichkeiten für eure Agenten. Die Fashion-Metropole London ist voll mit Shops, in denen unterschiedlichen Accessoires und Klamotten angeboten werden. Ihr findet dort Masken, Hosen, Jacken, Schuhe, Taschen und vieles mehr, um den Look von Charakteren anzupassen. Der Atmosphäre hätte es durchaus gutgetan, wenn Ubisoft sich entschieden hätte, diese Läden auch begehbar zu machen. Natürlich sind die Gegenstände in den Shops nicht ganz billig, aber wofür sollte man sonst die Kohle ausgeben, die man im Laufe des Spiels scheffelt? Und als ob all das, was wir euch bereits gezeigt haben, nicht genug wäre, bietet Watch Dogs: Legion auch noch Mini-Spiele, mit denen euch etwas Geld dazu verdienen könnt. Denn wer den Großteil seiner Zeit damit verbringt, London aufzuwiegeln, der muss auch mal ausspannen, oder nicht? Ihr könnt in Parks ein wenig mit einem Fußball jonglieren, euch als Paketausfahrer verdingen oder in Pubs Darts spielen. All diese Tätigkeiten sind kurzfristig unterhaltsam, vor allem, wenn sich dazu ein paar virtuelle Drinks genehmigt. Was richtig gut wäre, wenn man dafür mehr bekommen würde, als ein paar Kröten, die man eh nur in neue Klamotten investieren kann. Alles in allem sind diese Aktivitäten also kaum mehr als Füllwerk für eine Welt, die ansonsten vielleicht zu leer wirken könnte.
Quelle: Ubisoft
In der ersten Mission sucht ihr im Westminster Palace nach Sprengsätzen.
Aidan Pearce ist zurück - im ersten DLC!
Wie bei Ubisofts-Spielen mittlerweile üblich, könnt ihr natürlich auch im Shop reales Geld ausgeben, um euch richtig ausgefallene Klamotten, Skins, außergewöhnliche Agenten und diverse Booster zu kaufen, die euch das Vorankommen im Spiel erleichtern. All das ist natürlich komplett optional, ihr verpasst als keine relevanten Spielinhalte, wenn ihr kein Echtgeld investiert. Etwas anders sieht das natürlich mit den angekündigten DLCs aus: Schon im ersten feiert der Held aus dem ersten Watch Dogs-Spiel, Aidan Pearce, seine Rückkehr. Wenn ihr erleben wollt, wie dessen Geschichte weitergeht, müsst ihr euch wohl oder übel den kompletten Season Pass für knapp 40 Euro holen. Wenn ihr euch wundert, warum wir euch noch nichts über den Mehrspielermodus von Watch Dogs: Legion verraten haben, dann hat das einen einfachen Grund. Diesen liefert Ubisoft erst im Dezember nach.
Quelle: Ubisoft
Ihr könnt jeden Bewohner Londons jederzeit scannen und mehr über ihn erfahren.
Im Auftrag ihrer Majestät
Abseits der Story gibt es eine Sache, die in Watch Dogs: Legion unheimlich unterhaltsam sein kann. Weil das Spiel ja in einer komplett vernetzten Welt spielen, könnt ihr mit eurem Handy jede Menge Unfug anrichten. Stellt euch dazu nur auf eine belebte Kreuzung oder noch besser: schwingt euch auf eine Frachtdrohne und lasst einfach mal ein paar Fahrzeuge ineinander krachen. Das ruft natürlich die Ordnungskräfte auf den Plan. Wer aus sicherer Entfernung manipuliert, hat aber eine gute Chance nicht zu sehr aufzufallen. Sobald ihr einen Geheimagenten in eurem Team habt, erhaltet ihr Zugriff auf ein ganz besonderes Fahrzeug, das ganz James Bond-like Raketen verschießt. Natürlich ruft das Polizei und Albion-Streitkräfte auf dem Plan, was unweigerlich in einer wilden Schießerei mit vielen Explosionen und zerstörten Fahrzeugen endet. Das wird euch zwar in der Story nicht voranbringen, macht aber einen Heidenspaß.
