What Remains of Edith Finch im Test: Ein kurzes, aufwühlendes Spielvergnügen - jetzt mit Video
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What Remains of Edith Finch, das zweite Spiel aus dem Hause Giant Sparrow, spielt in der Gegenwart und schickt euch in der Rolle der 17-jährigen Edith zurück zu deren verlassenem Elternhaus. Gelingt es dem junge Mädchen in der Interactive Novel dem angeblichen Fluch und den tragischen Todesfällen in der Familie Finch auf den Grund zu gehen? Das klären wir im Test.
Ediths Reise durch die Vergangenheit ihrer Familie führt euch in Ego-Perspektive mit der Fähre nach Orcas Island, einer kleinen Insel vor der Küste Washingtons. Von Beginn fungiert das junge Mädchen als Erzählerin der Geschichte. Sie kommentiert alles, was sie auf dem Weg zum schiefen, ungewöhnlichen Haus der Finchs bemerkt. Das alte Herrenhaus der Familie Finch erinnert etwas an den Fuchsbau der Weasleys in den Harry-Potter-Filmen, jedoch ohne dessen Wärme und Geborgenheit auszustrahlen. Die wunderbare (englische) Vertonung gewährt euch direkten Zugang zu Ediths Gedankenwelt, als sie versucht, Erinnerungen und ihre Gefühle in Einklang zu bringen. Die äußerst gelungene Vertonung sorgt im Zusammenhang mit der stets zur Situation passenden Musikuntermalung und der ordentlichen, aber sehr stimmigen Grafikumsetzung für eine geniale Atmosphäre.
What Remains of Edith Finch im Test: Erfoschen des Unbekannten
Das Unbekannte, das euch im Haus erwartet, ist ein essentieller Bestandteil von What Remains of Edith Finch. Es geht darum, dieses Unbekannte zu erforschen und mit der Protagonistin Edith auf einer Ebene zu sein. Obwohl die Heldin weiß, dass vier Generationen der Finchs allesamt in diesem Haus gelebt haben und auf tragische Weise ums Leben gekommen sind, weiß sie nicht, kennt sie nicht die Umstände dieser Todesfälle und weiß nicht, ob der Familienfluch wirklich existiert. Also sucht sie in dem mehrere Jahrzehnte alten Haus nach Antworten. Und
Quelle: PC Games
Das Haus der Finches ist ein mächtiges Bauwerk, welches es zu erkunden gibt. Wer sich jetzt in den Weasley-Fuchsbau zurückversetzt fühlt, der hat ein gutes Auge.
diese sind nur in den Räumen der Familienmitglieder zu finden. Weil diese Zimmer von Ediths Mutter versiegelt wurden, nachdem die Bewohner gestorben waren, müsst ihr euch andere Wege hinein suchen - oft durch Geheimgänge oder versteckte Passagen. Die Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung sind bei dieser Erkundungstour durchs Haus auf ein Minimum reduziert. Ihr könnt gehen, etwas benutzen, Gegenstände kommentieren oder Nachrichten lesen. Alles mit nur einer Taste und welche Aktion gerade gefragt ist, entscheidet zudem das Spiel für euch. Diese Kombination aus Präsentation und Interaktion sorgt für eine besonders einfache, intuitive Steuerung, die euch nicht vom wesentlichen abhält: Herauszufinden, was zur Hölle in diesem unheimlichen Gemäuer vor sich geht.
Jeder Finch ist einzigartig - auch in der Spielweise
Quelle: PC Games
Der Stammbaum der Familie Finch in Ediths Notizbuch ist zugleich das Spielmenü und somit wirklich gut in die Spieldiegese eingewoben.
Im Haus der Finchs gibt einiges zu entdecken. Da Edith und ihre Mutter das Haus fluchtartig verlassen haben, ist alles so geblieben, wie es zu diesem Zeitpunkt war. Langsam schreitet ihr durch die Flure - Rennen ist im Spiel keine Option, aber durch das wenig actionreiche Gameplay auch nicht nötig -, während ihr versucht, euch einen Reim darauf zu machen, was ihr hier erlebt. Halb gepackte Umzugskartons sind im ganzen Haus verteilt und die Zimmer der Finch-Familie sind noch mit allen Habseligkeiten bestückt. Zudem liegt über allem eine unheimliche Stille. Dieses Haus ist mehr als eine Kulisse für das Spiel, es ist wie ein zweiter Hauptcharakter, der an Skurrilität und Charakter seinesgleichen sucht.
Die Einzigartigkeit der verschiedenen Familienmitglieder spiegelt sich in deren Zimmern wieder. In jedem findet ihr einen Hinweis, der Ediths Fantasie anregt und es ihr ermöglicht, die letzten Momente ihrer Verwandten im Geiste nachzuspielen. Diese Erinnerungen, die an Kurzgeschichten erinnern, unterscheiden sich sehr von voneinander, sie verwenden aber alle dieselbe simple Steuerung. Ihr lasst mit den Analogsticks Drachen steigen, kontrolliert eure Beine beim Schaukeln oder öffnet in einem sich ständig wiederholenden, routinierten Tagesablauf Pfirsichdosen. Zurück in der Gegenwart skizziert Edith ein kleines Bild des betreffenden Verwandten in ihr Notizbuch und setzt so langsam den Stammbaum und damit auch die Geschichte ihrer Familie zusammen.
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Tagebücher, handgeschriebene Notizen, Fotografien oder Gedichte: Die von den Familienmitgliedern hinterlassenen letzten Worte führen euch zurück zu ihrem letzten Tag.
Das tragische Ende der Molly Finch
Molly Finchs Zimmer ist das erste, das ihr betretet und sofort ist offensichtlich, dass sich an diesem Ort nichts verändert hat, seit das 10-jährige Mädchen 1947 starb. Ihr entdeckt das alte Tagebuch von Molly und beginnt den letzten Eintrag zu lesen, den sie an ihrem Todestag verfasst hat. Der Text bildet die Verbindung zwischen der Gegenwart und Ediths Vorstellung von Mollys letzter Nacht. Im Traum oder Fieberwahn verwandelt ihr euch
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Die einzelnen Kurzgeschichten zu den Familienmitgliedern sind perfekt auf deren Charakter gemünzt und vermitteln ein Gefühl dafür, wer die Menschen hinter den Notizen waren.
in der Rolle von Molly nach der Reihe in eine Katze, die einen Vogel fressen möchte, eine Eule, einen Hai und schließlich in ein Seemonster.
Die Tiere werden zwar auch über die schon bekannten Knöpfe gesteuert, doch ein anderes Gefühl kommt dabei auf: die Art und Weise wie ihr euch als Tiere bewegt ist animalischer, reduzierter im Gegensatz zu den Menschen und spiegelt das Wilde und Hungrige wieder. Denn das ist es, was Molly und die Tiere verbindet. Sie sind allesamt von Hunger getrieben. Die Geschichte von Molly ist eine der längsten, aber es gibt auch andere, die viel kürzer ausfallen und beispielsweise nur ein flüchtiges Daumenkino zeigen. Das Faszinierende an den Kurzgeschichten über die Finchs ist, dass keine der anderen gleicht, so wie sich auch die Persönlichkeiten unterscheiden. Doch gemeinsam haben sie alle, dass sie mit dem Ende eines Familienmitglieds enden, was den Tod zu einem ständigen Begleiter der Familie macht.
What Remains of Edith Finch hinterlässt ein lachendes und ein weinendes Auge
What Remains of Edith Finch schafft es perfekt die Balance zwischen Tragödie und Komödie zu halten. Obwohl euch das Schicksal der Familie zumeist mit Trauer erfüllen wird, bietet das Adventure auch fröhliche Momente. Wenn dann nach drei bis vier Stunden das Spielende erreicht ist, werdet ihr vielleicht wie wir einige Tränen verdrückt haben, aber trotzdem froh über Ediths Schicksal sein und möglicherweise auch etwas über euch selbst gelernt haben. Wer Spiele wie Firewatch, Dear Esther oder The Vanishing of Ethan Carter mag, der wird sich der toll erzählten, hübsch gestalteten und erstklassig präsentierten Geschichte nicht entziehen können. Da stört es sich, dass der Titel keinen großen Wiederspielwert bietet.
