Kann der kleine Bruder an die Erfolge der PS3-Ableger anknüpfen und uns eine der letzten Perlen der PSP-Ära bescheren?
Die Quests holt man sich im Kommandowaggon bei Cassius ab, der die Anfragen diverser hilfsbedürftiger Personen und Städte aufnimmt und verwaltet sowie eigene Ideen verwirklicht. Schließlich muss man das Grenzgebiet auch auskundschaften und zuvor entsprechend das Kartenmaterial auffrischen, um im Kampf gegen die Mächte des Bösen zumindest einen strategischen Plan ausarbeiten zu können. Bisweilen gibt es Aufgaben, die ihr getrost links liegen lassen können, manch andere treiben aber die leider kaum vorhandene Story voran und darüber hinaus sorgt jeder Kämpfer an Bord des Zuges für so genannte Team-Quests, charakterbezogene Aufgaben, welche euch Ansehen unter den Mitgliedern verschaffen und so manch spezielle Angriffstechnik lehrt.
Mit Pauken und Trompeten muss es nicht sein
White Knight Chronicles: Origins
Denn ähnlich der große Ableger wird der Held durch Erfahrung mit neuen Techniken und Zaubern ausgebildet, welche man sich auf Aktionsslots legen und im Kampf alsdann nutzen kann. Affinitäten zwischen den Kollegen sorgen dafür, dass mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen und liefern euch ein wahrlich tiefgründiges System für die Charakterentwicklung. Selbst die Art der Waffe hat wieder einen entscheidenden Einfluss. Wer Angriffe für die Axt gelernt hat, sollte nicht mit dem Breitschwert in einen Schlagabtausch geraten, da er Erlerntes nicht wirklich einsetzen kann. Das ist schon ärgerlich, möchte man sich auf tolle und mächtige Angriffe verlassen, hat aber die falsche Ausrüstung im Gepäck!
Das Kampfsystem ist eingängig und erinnert an das der Playstation 3 Ableger, verwirft aber das Konzept mit der Wartezeit für einen neuen Angriff, sprich den auf Runden basierenden Kern des Originals. Stattdessen dauern die Attacken eine Weile, bisweilen mit etwas hölzernen Animationen auf dem kleinen Bildschirm präsentiert und sofort darauffolgend kann die nächste Aktion gestartet werden. Dazu dienen die zuvor gefüllten Slots, welche mit dem Steuerkreuz in der Hektik des Schlagabtausches durchforstet werden. Nach einigen Stunden Spielzeit stellt man sich aber dennoch die Frage, was das ganze denn wirklich soll! Denn der Schwierigkeitsgrad lässt gewaltig zu Wünschen übrig und wirkt nur selten wirklich herausfordernd. Eine gut sortierte Truppe ackert und schwitzt, wird aber nie dem Tod ins Auge schauen. Dafür sorgen allein schon die Kollegen, die beständig die Lebensenergie am oberen Limit halten.
White Knight Chronicles: Origins
Nur selten kommt man wirklich ins Schwitzen, meist dann, wenn einer der mächtigen Bosse den Bildschirm erzittern lassen und sich so gar nicht auf das stupide Dauergemetzel einlassen will. Während das allgemeine Fußvolk allein mit den Standardattacken (wildes Buttonhämmern mit nur einer einzigen Auswahl als Angriff) schon klein beigibt, zeigen größere Brocken, die bisweilen wieder den Bildschirm sprengen und hünenhaft furchterregend auftrumpfen, wesentlich mehr Resistenzen gegen eure physikalische oder magische Attacken. Hier ist etwas mehr Durchschlagskraft in Form von Optimus-Angriffen gefragt. Der neue Held kann sich nicht in den White Knight verwanden, immerhin dienen die mächtigen Rüstungen in dieser prähistorischen Geschichte dem Feind als letzten Schlag gegen die Menschheit, aber ihr seid in der Lage den Optimus hervorzuholen. Zusammen mit den Teamkammeraden kann man so den mächtigeren Feinden ebenfalls trotzen und einen Sieg erringen, dank zusätzlicher Attacken und Kombinationsangriffen.
Nicht nur die Story ist betagt
Das größte Problem von Origins ist aber nicht das auf Dauer stupide und langweilige Kampfsystem aufgrund des eher mäßigen Schwierigkeitsgrades, sondern der allgemeine Spielaufbau. Der Zug dient als Zentrale, deren Wege logischerweise deshalb in die Länge gezogen sind und ein Marsch vom Questgeber Cassius zum Gildenwaggon auf Dauer sehr ätzend sein kann. Diese Strapazen soll man auf sich nehmen, nur um die Ausrüstung aufzufrischen und dem Recken eine bessere Überlebenschance zu verpassen? Zu Beginn kümmert man sich als RPG-Fan natürlich noch darum, alsbald ertappt man sich aber dabei, dass nach jeder Quest sofort die nächste Aufgabe erledigt wird, ohne sich vorher Gedanken über Mitstreiter oder dem eigenen Rucksack gemacht zu haben.
White Knight Chronicles: Origins
Die Story hätte Potenzial zur epischen Größe, anfängliche überschwängliche Erzählweisen verpuffen aber in der Monotonie der Missionen. Es gilt nicht ein feindliches Heer zu infiltrieren oder dort Geheimnisse zum Vorteil der Söldnertruppe aufzudecken, es wird völlig typische und altbackene Genre-Standardkost serviert: Zieht aus, um eine bestimmte Anzahl vorbestimmter Monster über den Jordan zu schicken, ein paar sinnlose Gegenstände einzusammeln oder einen mächtigen Obermotz zur Strecke zu bringen. Garniert mit den mäßig interessanten weiteren Aufgaben wie das Kartographieren der Ebenen wirkt das ganze wie aus der Steinzeit und verliert nach nur wenigen Stunden jeglichen Reiz, aber vor allem auch Bezug zur eigentlichen Handlung.
Ein weitere Manko zeigt sich im allgemeinen Aufbau, da jegliches Areal zwar optisch vielfältig daher kommt und uns den Eindruck von üppigen Wiesen und Steppen bis hin zu klaustrophobisch anmutenden Kerkern vermitteln möchte, optisch dies aber auf ein bescheidenes Mittelmaß beschränkt bleibt. Es mangelt aber nicht nur an Details, die Schlauchlevels eingeteilt in winzige Räume zerstörten jegliche Illusion einer frei begehbaren Fantasy-Welt. Episch sind dabei vor allem die extrem langen und vor allem nach fast jeder Minute auftretenden Ladepause. Selbst in der Kommandozentrale, dem Zug, dürft ihr etliche Sekunden die Däumchen drehen, nur um von einem Bildschirm in den nächsten zu wandern. Wenn nicht das Gameplay den Spielspaß vermiesen kann, denn immerhin macht das Kampfsystem und der Drang nach neuen Items immer wieder Laune, dann sind es definitiv die unverständlichen Ladezeiten!
