XIII Remake: Verschwendetes Potenzial des Comic Cel-Shading Klassikers - Test
Test
Das Remake von XIII könnte theoretisch wunderbar sein, denn es bietet eine interessante Story mit vielen Wendungen. Jedoch ist es ungenießbar. Der Grund sind unzählige Bugs im Gameplay und sogar in den Cutscenes. Außerdem wurden die Mechaniken nicht überarbeitet, obwohl das dringend notwendig gewesen wäre. Kurz gesagt: Verschwendetes Potenzial eines Klassikers.
17 Jahre nach dem Original erhielt XIII nun ein Remake. Das Original, eine Spiel-Umsetzung des gleichnamigen, belgischen Comics, wird von Fans bis heute gefeiert. Die Geschichte des First-Person-Story-Shooters dreht sich um den titelgebenden Protagonisten XIII, der sein Gedächtnis verlor und scheinbar die Schuld an der Ermordung des Präsidenten trägt. Da er sich aber nicht daran erinnern kann, versucht XIII seine Unschuld zu beweisen und nimmt uns mit auf eine Reise voller Action und fliegender Kugeln.
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Schön, aber hässlich
XIII setzt alles daran, wissen zu lassen, dass ihr in einem Comic Spiel seid. So sind fast alle Cutscenes in Bilder aufgeteilt, genau so wie in einem Comic Heft. Dazu ist alles sehr stark durch Cel-Shading stilisiert, der den Comic Look weiter hervorhebt. Dieses Stilmittel ist jedoch aus unerfindlichen Gründen im Remake ein wenig zurückgeschraubt worden, was es weniger wie einen Comic wirken lässt.
Quelle: PC Games
Comic-Strip Einblendung während des Gameplays - mit Blue Screen statt Hintergrund.
Bevor ihr, klassischerweise ohne Gedächtnis, an einem Strand aufwacht, bekommt ihr eine Sequenz präsentiert, die euch zeigt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten erschossen wurde. Und scheinbar tragt ihr die Schuld daran. Leider tritt hier schon der erste Bug auf, denn Tonspur und Video sind komplett zeitversetzt. Das stoppt die Immersion leider prompt und lässt euch eher über die Asynchronität der Szene schmunzeln. Bugs ziehen sich durch das gesamte Spiel hindurch: Manchmal kommt der Ton zu spät, manchmal zu früh und hin und wieder ist er gar nicht existent oder es ruckelt einfach immens. Obwohl die Geschichte wirklich interessant geschrieben, schön durch den Comic Stil präsentiert ist und dazu mit einigen unerwarteten Wendungen bis zum Schluss hin daherkommt, kann man sie kaum ernst nehmen, denn die vielen verschiedenen Bugs reißen euch immer wieder raus. So war beispielsweise bei einer der wichtigsten Sequenzen im Spiel schlichtweg gar nichts hören.
Durch Comic-Strip-Einblendungen hat XIII einen einzigartigen Stil, die Story zu transportieren. Ihr fühlt euch durchgehend wie in einem amerikanischen Agenten-Film. Schade, dass selbst die Einblendungen nicht immer korrekt funktionieren, denn einige Male könnt ihr in den Ausschnitten nur Charaktere sehen, während der Hintergrund nicht lädt. Das hat den Charme von einem Green-Screen, nur ohne anschließende Bearbeitung.
Alles muss, nix kann
Das Gameplay besteht aus actionreichen Passagen voller Ballerei und Stealth-Abschnitten. Und Fehlern. Jeder. Menge. Fehlern. Bevor irgendetwas erklärt wird, sei gesagt, selbst wenn nichts passiert und ihr euch einfach nur umschaut, gibt es Frame-Rate-Einbrüche. Der Titel des Spiels ist hierfür wohl sehr passend, denn sobald mehr als ein simpler Weg in das Bild geladen ist, werdet ihr nicht mehr als eine "XIII"-FPS-Diashow sehen. Wie das Ganze im Kampf aussieht könnt ihr euch selbst ausmalen.
Quelle: PC Games
Ein Gegner, der euch sieht, jedoch nicht zu euch schaut.
Die Action-Abschnitte könnten eigentlich sehr spaßig sein. Jedoch merkt ihr schnell, dass das "I" in KI hier nicht ganz passt. Feinde verhalten sich so unlogisch und dämlich, dass ihr nicht das Gefühl habt, gegen Menschen, sondern gegen Schießbudenfiguren mit scharfen Waffen zu kämpfen. Die Bosse toppen das Ganze noch. Die meisten Big Bads versuchen nämlich einen Großteil der Zeit wegzurennen, um euch aus der Ferne aufs Korn zu nehmen. Solange ihr also schlicht und einfach hinterherrennt, könnt ihr ihnen gelassen so viele Ladungen Blei ins Gesicht (oder eher den Hinterkopf) jagen, wie ihr wollt - komplett ohne Gegenwehr. Und auch die K"I" der restlichen Spießgesellen lässt sich in der Regel schnell und einfach austricksen.
Außerdem ist das Gunplay eine einzige Katastrophe. Animationen beim Nachladen oder Feuern erinnern an Shooter aus den frühen 90ern. Trefferfeedback ist lediglich in Form eines Schriftzuges über den Gegnern vorhanden. Letzteres benötigt ihr auch dringend, denn die Widersacher fallen erst eine gute Sekunde nach dem finalen Treffer um. Der Ablauf ist dabei immer der Gleiche: Der Feind schreit "ARGH!", danach fliegt die Waffe auf magische Weise aus seinen Händen und er fällt wie eine steife Holzfigur um. Damit die Sache richtig spaßig wird, setzt auch während der Kämpfe regelmäßig der Ton aus. Das eine Mal schweigen die Waffen, das andere Mal bleibt die Umgebung still und teilweise fehlt der komplette Ton.
Die Stealth-Aktionen sind halbwegs abwechslungsreich und teilweise kreativ gestaltet. So schleicht ihr hinter Gegnern her und müsst diese lautlos ausschalten, oder könnt euch mithilfe eines Greifhakens durch Sicherheitssysteme oder über Abgründe hangeln. Doch auch hier liegen wieder technische Probleme vor. Die Physik des Hakens ist aus dem letzten Jahrzehnt und erinnert eher an Worms, denn an Action-Shooter. Mit ein wenig Geschick könnt ihr eine unfassbare Geschwindigkeit erreichen und über die halbe Karte fliegen, was natürlich zu unschönen Glitches führt. Sonderlich spannend sind die Spionageaufgaben aber trotz ihrer Kreativität nicht. Sie stellen höchstens eine nette Abwechslung zu den Feuergefechten dar. Auch Dinge wie das klassische "durch Lüftungsschächte krabbeln", sind beim ersten Mal vielleicht noch spannend, spätestens beim fünften Einsatz aber nur noch langweilig und zeitraubend.
Quelle: PC Games
Eine Leiche in XIII, die die Reaktion beim Spielen gut zusammenfasst.
Geht es darum, Gegenspieler heimlich auszuschalten, könnt ihr euch von hinten an sie heranschleichen, um sie mit einem Schlag in die Bewusstlosigkeit zu befördern. Oder ihr macht es euch einfach und schießt ihnen eine Kugel in den Kopf. Die zweite Option ist dabei eher zu empfehlen. Denn durch die ständigen Ruckler gehen eure Attacken gerne mal ins Leere. Feinde, die auf eure Angriffe reagieren, bevor ihr sie überhaupt berührt habt, sind keine Seltenheit.
Dazu könnt ihr euch nie sicher sein, wann ihr gesehen werdet. Manchmal könnt ihr fünf Meter vor jemandem stehen, ohne dass er alarmiert wird. An anderen Stellen werdet ihr über 20 Meter Abstand und mehrere Meter Höhenunterschied gesichtet. Wahlweise auch mal durch mehrere Wände hindurch. Deswegen: Einfach schießen! Selbst wenn Gruppen von Soldaten vor euch lauern, könnt ihr in der Regel einen nach dem anderen ausschalten. Stirbt einer von ihnen, bleiben die anderen stehen und schauen sich überrascht um, fast schon als wollten sie die folgenden Kopfschüsse erhalten.
Glücklicherweise gibt es dank dem Remake aber regelmäßige Speicherpunkte, die es damals nicht gab. Zwar hängt das Spiel an jedem dieser Punkte kurz, jedoch wäre es schlimmer, ein ganzes Level noch einmal spielen zu müssen.
Genial daneben
Was in XIII (jetzt kaufen 14,99 € ) funktioniert, ist der Soundtrack. Dieser hat sich zum Original zwar nicht geändert, kann sich aber sehen, oder eher hören lassen. Egal ob ihr jemanden belauscht, in eine Basis eindringt oder euch in einer Schießerei befindet, der Soundtrack untermalt immer perfekt die Stimmung, die gerade herrscht.
Was an der Soundkulisse jedoch nicht stimmt, ist die Abmischung. Manchmal hört ihr Charaktere, die 30 Meter weit entfernt sind, klar und deutlich. Andere Male hören sich Charaktere, die direkt vor euch stehen, an, als wären sie hinter zwei Wänden versteckt. Oder ihr hört starken Regen, der gar nicht vorhanden ist und des Öfteren passiert es, dass Soundeffekte oder Musik wichtige Dialoge komplett übertönen.
Dazu ist die Sprachausgabe sehr inkonsequent. Manche Charaktere sind top vertont, während andere kaum unpassender klingen könnten. Gegnerische Einheiten haben bis zum Ende des Spiels allesamt die gleichen Stimmen und lediglich zwei bis drei verschiedene Ausrufe. Wie oft der Schrei "ALARM!" zu hören ist, auf den ohnehin meistens niemand reagiert, lässt sich kaum mehr zählen.
Quelle: PC Games
Gegner, der regungslos in einer Kiste feststeckt.
Ein Mittelfinger an Fans
Das Remake von XIII ist eine Beleidigung gegenüber Fans des Originals. Die eigentlich schöne Story der Comicvorlage wird durch konstante Bugs in Gameplay und sogar Story-Sequenzen gestört. Dazu sind Mechaniken, die in einem Remake angepasst gehören, wie die KI oder die Physik des Greifhakens, unverändert geblieben. Zudem sind die Animationen unglaublich steif und Ladezeiten von einer halben Minute und mehr keine Seltenheit. Übrigens, die aufgezählten Bugs waren noch lange nicht alle, die uns begegnet sind. Dieses "Remake" ist ein Downgrade im Vergleich zu dem Original! Dort gab es weder konstanten Framerate-Einbrüche, noch falsche Tonspuren. Falls ihr euch also für das Spiel interessieren solltet, seid ihr besser damit beholfen, das Original für 6€ auf Steam zu kaufen.
Im besten Fall wäre der Titel "Remastered" für XIII Remake angebracht. Denn von einem Remake erwartet man eigentlich eine Überarbeitung in größerem Stile, momentan zu sehen bei Demon's Souls. Jedoch wäre auch das Wort "Remastered" eine krasse Übertreibung.
Für alle, die sich auf das Remake gefreut haben, soll es in Zukunft Besserung geben. Entwickler Microids hat sich bereits für das fehlerhafte Spiel entschuldigt und verspricht Besserung. Das ist jedoch abzuwarten, denn wie ihr seht, gäbe es einiges zu beheben. Ob ihr eine solche Frechheit unterstützen wollt, müsst ihr selbst wissen. Sollten mit kommenden Patches aber erhebliche Verbesserungen kommen, dann werfen wir vielleicht noch mal einen Blick hinein.
Verfügbar ist das Remake von XII auf PC, Playstation 4 (von uns gespielt), Xbox One und Switch (erst 2021).
