Xbox One X: Attraktive Hardware sucht nach neuen Spielen - Test der neuen Konsole

Special Andreas Szedlak
Xbox One X: Attraktive Hardware sucht nach neuen Spielen - Test der neuen Konsole
Quelle: Microsoft

Mit ganzen sechs Teraflops will Microsoft den Kampf der aktuellen Konsolengeneration anheizen. Wir konnten noch vor dem Release am 7. November die wohl leistungsstärkste Spiele-Hardware auf Herzen und Nieren überprüfen. Im Test sagen wir euch, wie zufrieden wir mit der Xbox One X sind.

PC-Spieler kennen das vielleicht: Man stellt sich einen neuen ­Highend-Rechner zusammen und muss dann beim Zocken damit leben, dass die Powermaschine tönt wie ein Düsenjäger. Kein Vergleich zur Xbox One X (jetzt kaufen ): Die leistungsstärkste Konsole der Welt läuft so flüsterleise, man mag kaum glauben, dass die Hardware im Inneren stolze sechs Teraflops erzeugt und damit selbst die PS4 Pro (4,2 Teraflops) in den Schatten stellt. Microsofts eingesetzte Vapor Chamber verrichtet in Kombination mit dem Zentrifugalventilator wirklich tolle Arbeit!

Lesetipp - Xbox One X: Daten übertragen - So funktioniert der Datentransfer

Xbox One X im Test: Auf ein Podest gestellt

Fakten
Die wichtigsten Facts zur Xbox One X im Überblick.

Preis    • 499 Euro

Grafikleistung     • 6 Teraflops

Speicher   •  12 GB (9 GB für Spiele), 326 GB/s

Festplatte     • 1 Terabyte

Laufwerk     • 4K UHD Blu-ray

HDMI-Auflösung, Bildrate und HDR     • 2160p mit 60 Hz und HDR 10

Audio     • Dolby Digital 5.1, DTS 5.1, Dolby Atmos

Anschlüsse   •  3x USB 3.0, 1x HDMI 2.0b, Wifi IEEE802.11ac 

Das mattschwarze Gehäuse beansprucht sogar weniger Platz im Regal als das einer Xbox One S. Dafür liegt das Gewicht der Xbox One X mit 3,8 Kilogramm über dem der klobigen Ur-Xbox-One (3,5 kg, inklusive externem Netzteil). In der jüngsten Xbox One sitzt das Kraftwerk wie in der One S innerhalb des Gehäuses. Ich finde es richtig, dass sich Microsoft beim Design der neuen Konsole am Podest-Look der Xbox One S orientiert hat - wenngleich der Effekt bei einem komplett schwarzen Plastikkleid weniger zur Geltung kommt als bei einem kontrastreichen Gehäuse. Ich könnte mir vorstellen, dass es irgendwann weitere Modellvarianten gibt, in denen sich Unter und- Oberseite farblich unterscheiden. Der mitgelieferte Wireless-Controller ist identisch mit dem aktuellen Xbox-One-Modell, besitzt also anders als die Day-One-Variante aus dem Jahre 2013 geriffelte Griffe für besseren Halt. Wer die Xbox One X an einen 4K-Fernseher anschließt, sollte am besten das mitgelieferte High-Speed-HDMI-Kabel verwenden, um auch alle grafischen Vorzüge ausreizen zu können:

Die Anschlüsse sind identisch zur Xbox One S. Auffällig: Der Port für die Kinect-Kamera fehlt. Quelle: PC Games Hardware Die Anschlüsse sind identisch zur Xbox One S. Auffällig: Der Port für die Kinect-Kamera fehlt. Die Xbox One X protzt mit 4K-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixel), HDR-Bildern, einer breiteren Farbskala und - was Besitzer von Full-HD-Fernsehern interessieren dürfte - einem Super­sampling-Feature. Das bedeutet: Ein "Optimiert für Xbox One X"-Spiel wird in voller Grafikpracht auf der neuen Konsole berechnet und dann auf 1.080p-Auflösung herunterskaliert. Microsoft verspricht, dass die Grafik dadurch besser aussieht als bei nativer Full-HD-Zuspielung. Unser Test kann dies bestätigen: Bei Halo 5: Guardians wirkt das Bild so knackscharf und sind die Kanten derart perfekt geglättet, dass wir selbst auf einer zehn Jahre alten Full-HD-Glotze aus dem Staunen kaum herauskamen. Natürlich profitiert auch die Frame­rate von der Leistung der Xbox One X. Gears of War 4 spielt sich mit 60 Bildern pro Sekunde spürbar besser als bei halber Bildrate auf einer Standard-One - PC-Zocker dagegen sind 60 fps ohnehin gewohnt. Sofern vom Spiel unterstützt, ertönt der Sound in Dolby Atmos oder DTS:X - so wie seit Sommer dieses Jahres bereits bei den restlichen Xbox-One-Modellen. Rechtzeitig zum Launch der Xbox One X hat Microsoft das Herbst-Update ausgespielt, das viele Verbesserungen an der Benutzeroberfläche bietet. Microsoft hat den Guide mächtig aufgemotzt, in den man wie gewohnt durch Betätigen des Xbox-Knopfes gelangt. Am oberen Menürand befinden sich nun sieben Registerkarten, durch die man per Schultertasten navigiert. Darunter finden sich alle wichtigen Menüpunkte, wie Freundesliste, Einstellungen, App/Spiele oder Pins. Bis zu 40 Spiele oder Apps lassen sich anpinnen. Die Einträge erscheinen auch im nun übersichtlicher gestalteten Home-Menü, das überdies frei konfigurierbar ist - die Möglichkeit zur Personalisierung war einer der größten Community-Wünsche. Habt ihr eine Xbox One X bestellt, dürft ihr den One-X-Enhanced Patch vorab auf eure Xbox One (S) herunterladen und mittels externer Festplatte oder per LAN-Kabel auf die neue Konsole übertragen, um sofort loslegen zu können.

Xbox One X im Test: Breite 4K-Gieskanne

Bis zum Release der Xbox One X am 7. November wollte Microsoft rund 70 Patches bereitstellen, um Spiele auf der Xbox One X mit speziellen Verbesserungen auszustatten - da unser Redaktionsschluss einige Tage vorher war, konnte ich dieses Versprechen nicht in der Gesamtheit überprüfen. In den meisten Fällen wird die One-X-Optik per Patch auf 4K-Auflösung und 60 Bilder pro Sekunde hochgeschraubt. Titel wie Gears of War 4 bieten zudem zwei Grafikmodi an: Beim Kettensägen­Spektakel lassen sich im Perfor­mance-Modus Horde und Kampagne in 60 Bildern pro Sekunde zocken. Wer sich mit 30 fps begnügt, erlebt im Grafik-Modus dynamische Schatten, verbesserte Lichteffekte, optimierte Reflexionen und eine erhöhte ­Weitsicht.
Ein Mann fliegt auf einem Feuer speienden Drachen. Fünf Orks am Boden stehen in Flammen. Quelle: Warner Brothers Auch Dritthersteller bringen spezielle für die Xbox One X optimierte Versionen ihrer Spiele heraus. Hier im Bild: Mittelerde - Schatten des Krieges.

Die Wahl aus superflüssiger Frame­rate und phänomenaler ­Optik wünsche ich mir bei allen AAA-­Titeln. Ob die Spieleentwickler diese Arbeit jedoch investieren, bleibt abzuwarten und hängt nicht zuletzt von der ­Akzeptanz der Xbox One X ab - sprich: von den Verkaufszahlen. Und vielleicht auch von Microsofts Bereitwilligkeit, die Dollar-Schatulle aufzumachen und Entwickler zu dieser Mehrarbeit zu 'überreden'.

Die 1-Terabyte-Festplatte der Xbox One X halten wir für etwas zu klein dimensioniert. Zum Testen der neuen Konsole haben wir eine Handvoll Spiele installiert und mussten dazu zig Gigabyte große 4K-Patches herunterladen, um die Titel mit 4K-Texturen und anderen Grafik­elementen auszustatten. Da ist die Festplatte schneller voll, als einem lieb sein kann. Auch eine schnelle ­Hybrid-Festplatte würde der Xbox One X gut zu Gesicht stehen, denn die Ladezeiten profitieren von der erhöhten Speicherbandbreite kaum.

Xbox One X im Test: Optimiert für Microsofts neue Konsole

Über 70 Spiele werden für die Xbox One X optimiert und mit 4K-Auflösung und HDR-Effekten ausgestattet. Im Menü "Meine Spiele und Apps" dürft ihr nach "Xbox One X Enhanced"-Titeln ­filtern. Spiele, die dort aufgeführt werden, haben das Enhanced-Update erhalten. Wenn ihr in den Einstellungen die automatischen Updates aktiviert, werden Enhanced-Inhalte bei Verfügbarkeit sofort auf die Konsole geladen. Mit 4K-Grafik und HDR-Effekten ausgestattet wurden (Stand: 3. November) Titel wie Gears of War 4, Halo 5: Guardians, Quantum Break, Assassin's Creed: Origins, Call of Duty: WWII, Forza Motorsport 7 und Mittelerde: Schatten des Krieges. Dank Supersampling profitiert ihr auch an Full-HD-TVs von grafischen Verbesserungen. Den Status zur 4K-Enhanced-Verfügbarkeit der einzelnen Titel findet ihr auf dieser täglich aktualisierten Website: http://www.xbox.com/de-DE/games/xbox-one/xbox-one-x-enhanced-list

Hochglanzpoliert: Gears of War 4 gehört zu den Vorzeigetiteln der Xbox One X. Besonders freuen wir uns über den Performance-Modus, der eine Framerate von 60 FPS bietet. Quelle: Microsoft Hochglanzpoliert: Gears of War 4 gehört zu den Vorzeigetiteln der Xbox One X. Besonders freuen wir uns über den Performance-Modus, der eine Framerate von 60 FPS bietet.

Xbox One X im Test: Prima Ersteindruck

Betrachtet man das recht kleine, aber feine Stück Hardware, scheint Microsoft - abgesehen von der Festplatte - alles richtig gemacht zu haben: Massig Leistung, geringe Lautstärke, ordentliche Wärmeentwicklung, UHD-Blu-ray-Player. Das Problem, mit dem Microsoft fertig werden muss, bleibt aber nach wie vor die geringe Auswahl an Plattform-exklusiven Systemsellern. Denn ­vermutlich werden sich die wenigsten PS4-Pro-Besitzer eine Xbox One X kaufen, nur um Assassin's Creed: Origins oder Call of Duty: WWII statt in hochgerechnetem Checkerboard-4K in nativer 4K-Auflösung zocken zu können. Der eine oder andere herausragende Exklusivtitel wäre da ein deutlich größerer Anreiz. Doch bis auf Forza Motorsport 7 kam in den letzten Monaten von Microsoft kein Top-Titel heraus. Und Forza 7 ist zu alledem auch auf der Standard-­­Xbox-One sowie dem PC ein grandioses Spiel. Daher schätze ich, dass anfangs vor allem Hard­core-Xbox-Fans bereit sein werden, 499 Euro in die neue Microsoft-Konsole zu inves­tieren.

Microsoft hat jedoch alle Chancen, die Attraktivität der Xbox One X durch neue Spiele-Ankündigungen weiter zu erhöhen. Man sollte sich damit allerdings nicht zu viel Zeit lassen, denn Microsoft ringt nicht nur mit dem ewigen Konkurrenten Sony um die Gunst der Zocker, sondern inzwischen auch mit dem wiedererstarkten Switch-Hersteller Nintendo. Wir sind gespannt auf die Launch-Wochen der Xbox One X . Unser aktuelles Fazit: An der Hardware-Front hat Microsoft so gut wie alles richtig gemacht. Jetzt müssen tolle Top-Spiele folgen!

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