Xbox Game Pass: Wie verändern Abodienste die Spielelandschaft?
Special
Es ist die Kampfansage von Microsoft! Mit dem Xbox Game Pass will man nichts weniger, als den gesamten Spielemarkt aufrollen und schlägt damit anderen Weg zum Ziel ein, als es Konkurrenten, wie Sony oder Nintendo tun. Wir haben uns mit dem Siegeszug der Abodienste auseinandergesetzt und auch mit Spielepublishern gesprochen, um zu klären, welche Vorteil und Nachteile uns die Abos bringen und wie sich das eigentlich überhaupt finanziert.
Microsoft macht mobil!
Nachdem die Xbox One fast das Ende ihrer eigentlich erfolgreichen Gamingsparte besiegelt hatte, stehen sie eine Generation später so stark da, wie nie zuvor. Mit dem Kauf von Bethesda und Activision Blizzard greift Microsoft tief in die Kriegskasse und Xbox Series X/S verkaufen sich besser als alle Xboxen zuvor. Das eigentliche Zugpferd ist jedoch der Xbox Game Pass. Microsofts Gamingabo will nichts weniger, als das Netflix für Spiele werden. Wir haben nachgeforscht und mit Spielepublishern gesprochen und klären, wie sich der Siegeszug der Spieleabos bereits jetzt auf die gesamte Spielewelt auswirkt und welche Folgen er noch nach sich ziehen kann.
Xbox am Ende
2013 war Xbox am Ende. Nachdem man es geschafft hatte, mit der Xbox-360-Generation dem großen Konkurrenten Sony Paroli zu bieten, riss man mit dem Start der Xbox One alles ein, was man über viele Jahre aufgebaut hatte. Eher Medienzentrale, denn Spielekonsole, Always-On-Zwang, Kinect-Zwang, die Beschränkung des Gebrauchtmarktes und ein teurerer Preis als bei der Konkurrenz. Das alles wollte Microsoft den Käufern unterjubeln.
In diesem Artikel
Doch der Schuss ging nach hinten los, denn damit verschreckten sie ihre wichtigste Käuferschicht: die Spieler. Gaming rückte mit der Vision der Xbox
Quelle: Microsoft
Die Xbox One begrub beinahe die gesamte Xbox-Sparte
One in den Hintergrund. Die berühmte "TV TV TV" - Präsentation wurde in Rekordzeit zum Meme. Das gipfelte in einem legendären Interview mit DonMattrick, dem damaligen Xbox-Chef. In dem wies er die Spieler abfällig darauf hin, einfach die alte Xbox 360 zu kaufen, wenn sie die Neuerungen so sehr nerven würden. Der Shitstorm war gigantisch und gilt heute als Todesstoß für die One - noch bevor sie überhaupt erschienen ist. Das war er dann auch fast. Zwar ruderte man innerhalb weniger Wochen komplett zurück und Don Mattrick entschloss sich, das Unternehmen zu verlassen, doch der Schaden war angerichtet.
Konnte man zur 360-Generation noch Sonys PlayStation 3 teilweise überflügeln, war man mit der One von Anfang an abgehängt. Wo man Sony die PS4 aus den Händen riss, hatte Microsoft Mühe, überhaupt Konsolen zu verkaufen. Die Spieler liefen in Scharen zur Konkurrenz über und Microsoft war kurz davor, das Kapitel Xbox komplett zu beenden.
Phönix aus der Asche
Mit knapper Not entscheidet sich der Windows-Konzern aber, das Projekt weiterlaufen zu lassen. Die Sparte wird umstrukturiert und bekommt mit Phil Spencer einen neuen Kopf. Unter seiner Leitung werden die "Verbrechen" der One-Generation aufgehoben. Kinect fällt weg, der Fokus wird zurück auf Spiele gelegt und mit der One X setzt man sich hardwaretechnisch an die Spitze. Das eindeutige Statement: "Wir haben Scheiße gebaut, wir haben es verstanden."
Die wohl prägendste Neuerung erfolgt jedoch am 01. Juni 2017. Ganz unscheinbar startet Xbox einen Abodienst, der über 100 Spiele im Angebot hat. Der Xbox Game Pass ist ein Experiment seitens Microsoft. Der Erste seiner Art ist das Abo dabei nicht. EA Play startete bereits drei Jahre früher und das Humble Bundle gibt es schon seit 2010. Von Spotifys und Netflix' Siegeszug ganz zu schweigen.
Doch verzeichnet der Dienst erste Erfolge und der Konzern erkennt das Potenzial. Ein halbes Jahr nach Start im Januar 2018 folgt die Initialzündung für Xbox neues Baby: Alle Spiele der Microsoft Studios kommen Day One in den Game Pass. Damit da auch mehr kommt, als nur Forza, Halo und Gears, richtet man die Sparte schrittweise auf das Abo aus.
Quelle: Microsoft / Power On Dokumentation
Phil Spencer sollte die Marke Xbox retten
Nachdem man zum Start der One dem Irrglauben verfallen war, man könne sich bei den Spielen fast komplett auf Drittanbieter verlassen, zog Sony mit seinen überragenden First-Party-Titeln davon. Das spöttische Vorurteil "Xbox hat keine Spiele" etablierte sich über eine gesamte Generation und war pures Gift für einen neuen Abodienst, der richtige gute Spiele anpreist. Microsoft setzt also zum Sprint an und zückt die Geldbörse: Man hat keine Zeit, langwierig neue Studios aufzubauen, denn man muss jetzt mit Sony mithalten.
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