Mit Capcoms Dead Rising 3 hat Microsoft einen äußerst attraktiven Titel für die neue Xbox One im Programm und präsentiert diesen daher auch auf der Gamescom 2013 sowohl der Presse, als auch im Entertainment Bereich. Wir haben uns bereits einen neuen Ausschnitt des Zombie-Massakers zu Gemüte geführt und sind positiv überrascht, dass uns hier tatsächlich wahrhaftiges Dead Rising geboten wird.
Ganz ehrlich, die E3 Präsentation von Dead Rising 3 bei der Pressekonferenz war spektakulär und berauschend. Der Titel machte Lust auf mehr, doch irgendwann sackte das Gesehene und das Hirn (wir haben ja noch eins) schaltete sich langsam wieder ein. Viel Action, massig Zombies und eine riesige Stadt nun als Spielwelt ohne Ladezeiten, das kann begeistern. Doch irgendwie fehlte dem Titel das ursprüngliche Flair, dazu wirkt Dead Rising 3 einfach viel zu düster und ernst. Auch die Berichterstattung der Kollegen konnte dieses mulmige Gefühl nicht mehr aus der Welt schaffen. Ist dies wirklich noch ein Dead Rising?
Quelle: Capcom
Dead Rising 3 (9)
Nach einer, leider sehr kurzen, aber durchaus knackigen Präsentation auf der Gamescom konnten einige Bedenken bezüglich der Wandlung von Dead Rising zerschmettert werden. Sobald man Nick Ramos live über die Schulter schaut, wie er sich durch das Gewusel an schlurfenden Hirnlosen ackert und sein Mechanikerwissen im Bau attraktiver und effektiver Waffen anwendet, fühlt man sich fast schon wieder heimisch. Der neue Held, welcher in der fiktiven Metropole Los Perdidos um sein Überleben kämpft, klettert und rennt wie gewohnt durch die Straßen, aber auch innerhalb Häuser und Geschäfte geht die Post ab und das wirkt irgendwie bekannt. Spätestens wenn die Regale durchwühlt werden und man den üppigen Kleiderschrank ausprobiert, zaubert Dead Rising 3 ein kleines Lächeln auf unser Gesicht. Hier kommt der typische Humor auf, der sich auch ich vielen Eastereggs spiegeln soll, aber sonst doch etwas im Hintergrund steht.
Letztendlich sieht das dennoch nach den Vorgänger aus und spielt sich auch so! Dabei scheint man auch nicht auf die, für zahlreiche Spieler leider auch nervigen, Einschränkungen verzichten zu müssen. Die Entwickler versprechen einen Nightmare Modus, in welchem uns die Zeit bei den Missionen abermals im Nacken sitzt und wir dank manueller Speicherfunktion doch ab und an ziemlich schwitzige Hände bekommen. Reicht die Zeit noch und komme ich überhaupt lebend am Speicherpunkt an? Nicht desto trotz gibt es Veränderungen, die so mancher eher positiv, andere wiederum negativ sehen werden. Waffen lassen sich im so genannten Save House für die Zukunft verwahren, man muss also nicht mehr extra an spezielle Orte rennen und auch die Werkbank gibt es nicht mehr. Nick ist Mechaniker und macht einen auf MacGyver. Er bastelt einfach alles aus der Hosentasche heraus zusammen. Das vereinfacht das Spiel ungemein, ob sich das alles letztendlich aber auch negativ auf den Spannungsbogen auswirkt, muss sich erst noch zeigen.
Quelle: Capcom
Dead Rising 3 (6)
Abermals wurde betont, dass die Zombiehorden nicht nur dichter sind, sondern intelligenter agieren. Dem Feuerwehrmann sollte man zum Beispiel nicht über den Weg laufen, wenn er mit seinem durchtrainierten Arm ausholt und die Axt dem Protagonisten entgegen wirft. Das Beispiel Fahrzeug wurde ebenfalls wieder aufgegriffen: Die Hirnnager klammern sich an die Rostlaube, versuchen durch die Scheiben einzudringen, an das Frischfleisch zu kommen und beeinflussen zudem ganz extrem die Fahrphysik. Die Biester würden auch auf Licht und Geräusche reagieren, man kann zum Beispiel über Kinect mit Gebrüll die Horden ablenken. Wenn im kooperativen Multiplayer der Kollege umzingelt ist, einfach schreien, die Zombies werden sich umdrehen und geben dem bedrengten Parter Luft zum atmen.
Die weitere Präsentation lässt all dies aber zur Farce werden. Wir stiegen in einen mächtig gepanzerten Wagen ein, welcher alles platz wälzt und dazu eine Art Raketenwerfer auf dem Dach montiert hatte. Mittels diesem konnten ganze Horden wandelnder Toter in Fetzen gerissen werden, nur seltsam, dass die restliche Meute teilnahmslos herum stand und nicht einmal auf den mächtigen Rums reagierte, der donnernd und dröhnend aus den Boxen schallte. Wenn man schon derartige Features anpreist, sollte man evtl. nicht kurz darauf eine derartige Szene dem Zuschauer präsentieren.
Quelle: Capcom
Dead Rising 3 (3)
Neben der Armeeunterstützung über das Tablet präsentierte man uns auch ein weiteres (in der Umsetzung aber optionales) Feature. Hinweise und Infos wird man wie in den Vorgängern wieder per Funk mitbekommen, nur dass man nun evtl. den Anruf auch tatsächlich am Smartphone entgegen nehmen muss, um die Details zu erfahren. Eine sicherlich ganz witzige Idee die Nintendo unter anderem seinerzeit auf der Wii bereits für Aufträge in einem Koop-Shooter ähnlich umgesetzt hatte, indem die Lautsprecher der Remotes genutzt wurden. Uns stellt sich nur die Frage, wie man zum Smartphone greifen soll, wenn man bereits von hunderten Zombies umzingelt ist? Könnte eine schwierige, wenn nicht gar unlösbare Aufgabe werden!
Darüber hinaus hat man an der allgemeinen Charakterentwicklung gefeilt. Diese ist nun weniger linear und der Spieler hat auch wesentlich mehr Einfluss. Ihr könnt Attributspunkte verteilen und spezielle Fähigkeiten für den Bau von Waffen freischalten. Letzteres ist wieder sehr gefragt. Auch in Dead Rising 3 kann alles zu einer Waffe umfunktioniert werden und mit dem nötigen Geschickt lassen sich aus harmlosen Gegenständen schwergewichtige Argumentationsverstärker bauen. Das Motorrad gepaart mit der Teerwalze und einem Flammenwerfer aus dem kürzlich veröffentlichten Video hat man uns präsentiert, aber auch die Möglichkeit mit Flüssigkeiten zu spielen. Zum Beispiel wurden entflammbare Flüssigkeiten gemixt und quasi als Shot eingenommen, anschließend auf Gegner gespuckt, nur um diese dann in Flammen aufgehen zu sehen.
Der Gewaltgrad ist wie in den hierzulande indizierten bzw. beschlagnahmten Vorgängern extrem hoch. Es spritzt das Blut, die Biester verlieren ihre Gliedmaßen und gehen gewaltsam im Feuer unter. Dennoch peilt man bei Capcom einen Release in Deutschland an, ohne das Spielerlebnis in irgend einer Weise verändern zu müssen. Aus unserer Sicht ein schwieriges Unterfangen und wir hoffen, dass man nur für den hiesigen Markt nicht wirklich irgendwelche Kompromisse eingeht. Aber das wird sich wohl noch zeigen.
