inFamous: First Light: inFamous: First Light im Test: Fetch bekommt ein eigenes Kapitel
Test
Sucker Punch spendiert seinem Open-World-Abenteuer inFamous einen Story-DLC: Im Prequel First Light erfahren wir mehr über Fetchs Vergangenheit und ihren Weg in ein böses, dunkles Kapitel. Die Moralfrage aus dem Hauptspiel fällt sogar komplett weg.
Delsin Rowes Geschichte ist fertig. Er hat Seattle von der Tyrannei des Department of Unified Protection befreit. Neben ihm stach vor allem ein Nebencharakter heraus: Die schöne Aussteigerin Fetch. Sie bekam schon im Hauptspiel mehr Aufmerksamkeit als jeder andere Nebencharakter, vermutlich weil Sucker Punch, das Studio hinter inFamous, schon damals Großes mit ihr vorhatte. Mit First Light bekommt sie ein eigenes Kapitel spendiert.
Fetch, beziehungsweise Abigail Walker, wie sie in Wirklichkeit heißt, muss allein mit ihrem Bruder auf den Straßen Seattles aufwachsen. Ihre Eltern haben die beiden Aussätzigen verlassen, nachdem sie Fetchs Mutation bemerkt haben. Das düsterste Kapitel aber lässt First Light aus: Als die zwei sich durch Seattle boxen, sind sie abhängig und kriminell. Alles Geld, das sie von ihren Raubzügen mitnehmen, investieren sie in Drogen. Anstatt einen kurzen Einblick in diese Zeit zu geben, erzählt Sucker Punch von diesen Szenen nur in Rückblicken.
Generell ist die Erzählung Fetchs immer auch ein Rückblick. Zum Zeitpunkt der Handlung steckt sie im Conduit-Gefängnis von Brooke Augustine. Doch weil Fetch nicht denselben moralischen Kompass wie Delsin Rowe besitzt, wirkt die faschistoide Bösewichtin eigentlich ganz zahm. Sie redet auf Fetch ein, beruhigt sie und will ihr zu ihrem Seelenheil verhelfen, während Fetch in ihren Erzählungen davon berichtet, wie sie zur Mörderin wurde.
Plumpe Rache-Geschichte
Quelle: Sony
Schnell wird aus der spannenden Aussteiger-Geschichte eine plumpe Rache-Story.
An etwas Neues haben sich die Macher mit dem Stand-Alone-Addon jedoch nicht getraut. Fetchs Geschichte, die im Hauptspiel als emotionales Feuerwerkwerk angedeutet wurde, ist in Wirklichkeit eine relativ flache Rachegeschichte. Ein Gangster nimmt Fetchs Bruder gefangen und zwingt sie, mit ihr zu kooperieren. Spätestens ab der Hälfte des Spiels erahnt man, worauf das hinausläuft. Inhaltliche Wendungen braucht man kaum erwarten.
Dafür bettet sich das Addon, das ein Prequel darstellt, ganz hübsch in die Geschichte des Hauptspiels ein. Der Beginn von Delsins Geschichte knüpft direkt an das Ende der relativ kurzen First-Light-Kampagne an. Hier gibt es jedoch Versionsunterschiede: Wer sich das Addon als Download kauft, kann nach Abschluss der Geschichte auch Delsin Rowe als Charakter in der Battle-Arena auswählen. Schade ist, dass sich das Spielgebiet nicht verändert hat. Bis auf ein paar Szenen im Conduit-Knast, einer Kampfarena, spielt First Light komplett in einem Stadtbezirk aus dem Hauptspiel. Der ist zwar von Anfang an komplett begehbar, weil das DUP noch nicht die Kontrolle über Seattle übernommen hat. Aber neue Umgebungen fallen daher flach. Und Fetch kann als Einzelcharakter keine neuen Kräfte erlernen. Sie bleibt von Anfang bis Ende der Neonkraft treu.
Um das spannend zu halten, haben die Entwickler zu Beginn der Geschichte eine riesige Neonexplosion inszeniert. Die Neonteilchen dieser Explosion dienen als Sammelobjekte, mit denen man neue Fähigkeiten lernt. Außerdem sind nun über die ganze karte Beschleuniger-Ringe verstreut. Rennt Fetch mit ihrer Leuchtkraft durch die Ringe, wird sie auf ein noch schnelleres Tempo beschleunigt. Cool, um schnell weite Strecken zurückzulegen oder besonders hoch zu springen.
Überflüssige Arenen
Quelle: Sony
Andere Kräfte als Neon beherrscht Fetch nicht.
In der Kampagne nutzt Sucker Punch Arena-Kämpfe, um Fetchs neue Kräfte zu erklären. Sie rückt im Verhör mit der DUP-Tante nur langsam mit Informationen raus, redet sich dann aber so sehr in Rage, dass sie immer mehr Kräfte enthüllt. Hinter den kurzen Story-Brocken in der Gegenwart steckt aber eigentlich nicht mehr als ein Hordemodus, den man gegen die Zeit spielt. Hat man eine Arena geschafft, kann man sie jederzeit wieder besuchen, um gegen die Uhr anzutreten und den Highscore ins Netz hochzuladen. Das Feature ist aber so unnötig und auch als Online-Modus unbefriedigend, dass es auch gleich hätte fehlen können. Die seltenen Andeutungen auf das Hauptspiel, etwa als es um Nerd-Engel geht, verpuffen in dem Meer der übrigen, schlecht geschriebenen Dialoge innerhalb dieser Arena-Missionen.
Quelle: Sony
Nur die halbe Spielwelt: Fetch ist nur im Norden Seattles unterwegs.
Nur grafisch ist infamous: First Light wieder ein Hit. Gerade die Neonkraft war ja eine optisch sehr anregende. Durch das helle Leuchten gibt es in den Abendstunden wunderschöne Lichtspiele. Und Fetch zieht durch die ganze Stadt einen kleinen Neonnebel hinter sich her. Wenn sie durch einen Beschleunigungsring rennt, dann verschwimmt die Stadt um sie herum richtig – das sieht super aus! Doch leider erbt das Addon die Kinderkrankheiten des Hauptspiels. Die Kletter-Steuerung an Gebäuden ist noch immer lachhaft, wer präzise Sprünge machen will, fällt gerne mal daneben. Und bei so vielen Details ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass viele Objekte erst viel zu spät im Bild aufpoppen.
Schön wäre es zumindest gewesen, wenn First Light das ganze Stadtgebiet umfassen würde. Aber das Addon umfasst nur den Norden Seattles. Das kleinere Gebiet bietet ungefähr vier Stunden Spielzeit – mit der Option, danach noch die dämlichen Nebenmissionen (Graffiti sprayen, Drohnen abschießen, Licht sammeln) abzuschließen.
