Auf der Suche nach Thors Werkzeugen und dem Vermächtnis ihres Vaters begleiten wir die Archäologin um die ganze Welt.
Als Lara-Fan hat man schon so manche Höhen und Tiefen mit der Vorzeigearchäologin durchgemacht. Von der Geburtstunde eines fast schon eigenen Genres, bis hin zu dem Moment als man diesen Umstand bis zum geht nicht mehr ausnutzte und wiederholte. Doch rechtzeitig bevor man sie komplett den Bach runter gehen lies, gab man das Projekt in die Hände von Crystal Dynamix, die uns bewiesen, dass Lara immer noch zur ersten Garnitur der Videospielheldinnen gehört. Trotzdem wünschte man sich als Fan eine Symbiose der letzten beiden Tomb Raider Spiele, also all die Neuerungen die sich die Entwickler in "Legend" einfallen haben lassen kombiniert mit den grenzgenialen Rätseln aus "Anniversary". Ob ihnen das gelungen ist könnt ihr in folgendem Review lesen.
Hat man auch nur den geringsten Bezug zu Lara, und das sollte man als Tomb Raider-Spieler schon haben, wird man gleich zu Beginn des Spiels geschockt. Croft Manor steht in Flammen, das uns durch alle bisherigen Tomb Raiders begleitete, dort wo alles begann und endete wütet nun ein Flammeninferno. Doch nicht nur das, auch die treuen Freunde scheinen sich gegen uns zu wenden, Laras Leben ist bedroht, etwas Schreckliches muss geschehen sein. Was? Das erfahren wir später, erst gibt's eine Rückblende.
Tomb Raider: Underworld
Die Sonne brennt auf Laras gestählten Körper während die Yacht auf den Wellen schaukelt. Gewohnt cool läuft die Konversation mit ihrem Team per Notebook ab, woraufhin wir uns in die Fluten stürzen und uns aufmachen das erste Rätsel unter Wasser zu lösen. Natürlich wird es uns anfangs recht leicht gemacht, doch taugt das erste Kapitel schon recht gut um uns die neues Funktionen im Spiel zu demonstrieren. Sehr praktisch, dass Lara über eine richtige Tauchausrüstung verfügt, wir also nicht alle paar Sekunden nach Luft schnappen müssen, sondern uns auch unter Wasser völlig frei bewegen können. Mehr noch sogar, Lara beherrscht ab sofort das Schwimmen wie ein Delphin, was sicher sehr kraftraubend ist, sie aber deutlich flotter macht. Ebenfalls noch unter Wasser stellen wir fest, während die Haie um uns kreisen, dass man nun auch zwei Gegner gleichzeitig anvisieren kann, wozu hat man schließlich zwei Waffen in der Hand? Etwas später dann, wenn wir aus dem Wasser gestiegen und zu klettern und forschen beginnen, erfahren wir die volle Tragweite dieser neuen Funktion. Lara kann praktisch von jeder Stelle aus ihre Waffe benutzen, also an Vorsprüngen oder Seilen hängend ebenso wie auf Pfosten stehend oder auf Stangen balancierend. Doch auch das Getier hat dazugelernt, wie die großen Echsen, die uns kletternder Weise verfolgen und angreifen.
Tomb Raider: Underworld
Der bekannte Wurfhaken reifte in "Underworld" endlich zum vollwertigen Werkzeug, insofern, als dass nun auch das Seil selbst über die physikalischen Eigenschaften verfügt die ein Seil nun mal bietet. Wir können es beispielsweise um Ecken ziehen und es trotzdem noch einholen, oder gleich irgendetwas damit herunterräumen, worauf es manche Rätsel sogar anlegen. Aber selbst so bekannte Dinge wie die Stangen in Wänden, zum Schwingen oder Balancieren gedacht, haben sich weiter entwickelt. Zugegeben, nicht alle, aber es gibt nun Löcher in Wänden, herumliegende Stangen sowie welche die wir aus ihrer ursprünglichen Position entfernen können. Das kommt richtig gut, wenn sie sich quasi ihre eigene Leiter baut. Wobei mir persönlich am besten gefiel, dass sie nun nicht mehr nur auf Vorsprünge und Kanten angewiesen ist und auch einzelne Steine und Erhebungen greifen kann. Das befreit das Spiel von dem Eindruck, dass alles aus getarnten Würfeln gebaut sei und lässt es realer wirken. Vielleicht nicht mehr ganz so real, aber dem Gameplay durchaus zuträglich, dass Laras Lampe nun über unendliche Energieressourcen verfügt. Wenn wir sie einschalten, dann bleibt sie auch an und wir stehen nicht periodisch im Finstern.
Tomb Raider: Underworld
Womit wir uns langsam den Rätseln selbst nähern, die auf ganz typische Manier gelöst werden wollen. So steht am Anfang jedes neu betretenen Areals erst einmal die Erkundung. Dabei begegnen wir meist schon irgendwelchem Getier sowie den Schätzen die es als Bonus einzusammeln gibt. Was früher noch kleine Drachen waren, sind heute seltsame Vielecke, die Lara wohl aus Scham über deren Bedeutungslosigkeit ganz schnell im Rucksack versteckt, nachdem wir sie aus den tönernen Vasen befreiten. Man muss es keinem Lara-Fan erklären, die Schätze sowie das eine Artefakt, welches es in jedem Level gibt, nehmen erst beim zweiten Durchspielen, wenn man alles auf 100% schaffen möchte, eine wichtige Rolle ein. Beim ersten Durchgang wird sie wohl keiner komplett einsammeln, da stehen die Rätselstellungen selbst im Vordergrund.
Tomb Raider: Underworld
Was mir an den Mechanikrätseln sehr gut gefallen hat, ist, dass sie allesamt von all den neuen Fähigkeiten Laras gebrauch machen, und, dass sie sich grundsätzlich über mehrere Örtlichkeiten hinziehen. So werden uns viele unterschiedliche Umgebungen geboten die allesamt eine ganz eigene Atmosphäre aufzubauen verstehen. Gerade befanden wir uns noch unter sengender Sonne an der Oberfläche, schon befinden wir uns in unterirdischen und muffigen Katakomben um kurz darauf unsere Expedition in strömendem Regen fortzusetzen. Dabei wird uns eine Geschichte erzählt voller nordischen Mythen, Familienbanden und kriminellen Machenschaften. Wenn man sich darauf einlässt, ein herrlich mythisches Abenteuer, über das man sich aber genauso echauffieren kann wie über den Wahrheitsgehalt eines Indiana Jones und seiner Geschichte, wenn man das unbedingt will. Mir jedenfalls hat es sehr gefallen, dass die Ansätze aus "Legend" hier konsequent fortgeführt wurden und wir mit Lara um die Halbe Welt reisen, auf der Suche nach der Wahrheit. Denn auch wenn ich von der Geschichte nicht zuviel verraten möchte, soviel darf man sich erlauben: Laras Einstellung hat sich gewandelt, ich traue mich behaupten, dass sie noch nie so egoistisch agierte wie in "Underworld", zumindest was ihre Motive betrifft. Erstmals seit ihrer Geburt scheint sie rein aus persönlichem Interesse zu agieren, und nicht einfach um zum x-ten Mal die Welt zu retten. Das steht ihr gar nicht schlecht zu Gesicht ...
Tomb Raider: Underworld
Trotz der großen Mechanikrätsel die auch wirklich alle Fähigkeiten von Lara abverlangen, muss man als langjähriger Fan doch sagen, dass sie ruhig etwas knackiger ausfallen hätten dürfen. Wenigstens ein oder zwei so richtig anspruchsvolle Rätsel hätte ich mir schon gewünscht, stattdessen jedoch wollte man wohl verhindern, dass weniger erfahrene Spieler irgendwo hängen bleiben und die Lust am Spiel verlieren. Derweil wäre das gar nicht nötig gewesen, wie ich meine, denn schon beim zweiten Durchgang fällt einem auf, dass es manche Stelle im Spiel gibt die mehrere Lösungswege zulässt. Da macht man sich als Spieler der ersten Stunde oft selbst das Leben schwer, weil man noch in den alten Gedankenmustern fest hängt, statt sich einfach mal auf Laras neue Fähigkeiten zu verlassen.
