Aliens: Colonial Marines im Gamezone-Test - Der Beweis ist erbracht, auch Aliens leiden an Altersgicht
TestFünf Jahre sind seit der Ankündigung von Aliens: Colonial Marines vergangen, in der Videospielbranche fast ein biblischer Zeitraum, derweil hat der Film auf dem der Titel basiert sogar schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel. Umso gespannter warteten die Fans auf den Titel aus dem Hause Gearbox, bietet doch die Filmvorlage alles was man für ein gutes Videospiel braucht. Mit H.R. Gigers Alien hat man die bedrohlichste Form außerirdischen Lebens überhaupt zu Verfügung, die Colonial Marines darf man ungestraft als die härteste Truppe der Galaxie bezeichnen und mit LV-426 gibt es eine Spielwiese die abstoßend und faszinierend zugleich ist. Doch ist es den Entwicklern gelungen aus diesen hervorragenden Zutaten ein ebensolches Spiel zu machen? Lest es in unserem Test.
Kurz vor dem Release von Aliens: Colonial Marines veröffentlichten Gearbox und SEGA eine Reihe wirklich fantastischer Clips, allen voran der Contact-Trailer, der uns fantastische Zeitlupenstudien des Kampfes der Marines gegen die Aliens an Bord der USS Sulaco zeigt, unterlegt mit dem Main Theme aus dem Film Moon. Der hat zwar mit den Aliens überhaupt nichts gemein, doch die Stimmung passt und als Alien- und Giger-Fan konnte man sich so richtig auf das Spiel einstimmen.
Siebzehn Wochen nach dem Film
Quelle: PC Games Hardware
Aliens: Colonial Marines (7)
Doch der erste Eindruck, nachdem man Aliens: Colonial Marines ins Laufwerk gelegt hat, ist niederschmetternd. Statt ein Intro geboten zu bekommen, welches den Aufhänger für die kommende Geschichte bietet und an die Qualität der vorab veröffentlichten Trailers heranreichen würde, gibt es eine vor Tearing nur so zitternde Ingame-Sequenz, in der wir erfahren, dass wir der erhoffte Nachschub für die auf LV-426 gestrandeten Marines sind. Siebzehn Wochen nach deren Hilferuf treffen wir ein und sollen die Jungs, falls noch jemand überlebt hat, aus der Bredouille befreien. Ab sofort hören wir auf den Namen Winter und müssen erst einmal checken, was da auf der Sulaco eigentlich abgeht. Was dann folgt und sich bis ans Ende des Spiels durchzieht, sind aneinandergereihte Schlauchlevel, in denen wir es öfter mit den Söldnern von Weyland-Yutani zu tun bekommen, als mit den Aliens. Das für sich alleine wäre ja nicht schlimm, würde die Inszenierung stimmen und käme wenigstens bisschen der erhofften Stimmung auf, die man von einem Aliens-Spiel erwartet. Ich meine, bei den Aliens handelt es sich, um sich der Worte ihres Schöpfer zu bedienen, um "augenlose und instinkgeleitete Tötungsmaschinen". Eine Begegnung mit den Viechern ist schlimmer als nackt vor einem Grizzlybär zu stehen. Wenn so ein biomechanisches Monster zum Schlag ansetzt oder sein Maul öffnet, geht es ums pure Überleben. Die diskutieren und taktieren nicht, die töten schnell und effektiv. Genau diese Angstkulisse ist es, die das Alien schon immer von allen anderen Filmmonstern abhob.
Technik von gestern
Davon aber ist im Spiel weit und breit nichts zu spüren. Das fängt schon damit an, dass sich die Aliens mitunter bewegen, als hätten sie einen Hüftschaden oder würden an Altersgicht leiden. Wie sehr aber die Inszenierung der Aliens daneben ging, bemerken wir immer dann, wenn wir – was oft passiert – in einen Kampf zwischen den Aliens und den Söldnern hineingezogen werden. Dann nämlich sind nicht etwa die Alienhorden die größte Gefahr für uns, es sind die Söldner. Die können nämlich schießen und uns mit ihren Waffen richtig gefährlich werden, wohingegen die Aliens zum bloßen Kanonenfutter degradiert wurden.
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Doch muss man zugeben, dass der Titel durchaus auch seine Stärken hat. Dazu zählt definitiv die Soundkulisse und die Musikuntermalung. Die originalen Stücke aus dem Film wurden hervorragend ins Spiel eingeflochten und sorgen in Verbindung mit den einmaligen Waffengeräuschen durchaus für Stimmung. Besonders zum Ende des Spiels hin, wenn wir es endlich mal so richtig mit den Xenomorphen zu tun bekommen, werden wir für die Qual in der ersten Hälfte belohnt. Dann stecken wir auch weg, dass der Motion Tracker eigentlich komplett sinnlos ist, da es meist eh nur einen Weg zu beschreiten gibt, der glasklar vor uns liegt. In den wenigen Abschnitten, wo wir drei Schalter drücken oder drei Irgendwas deaktivieren müssen, liegen diese auch so nah beieinander, dass man auch ohne den Tracker gut zurecht käme. Trotzdem verwendet man das Ding gerne, einfach weil es so coole Sounds macht. Es gibt sie also durchaus, die Momente, in denen das Fan-Herz bedient wird.
Deutsche Synchro zum weglaufen
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Wenn da nur nicht die absolut miese deutsche Synchro wäre. Ich gehöre wirklich nicht zu denen, die jede deutsche Synchro für schlecht halten, einfach nur weil sie deutsch ist. Aber was SEGA da verbrochen hat, gehört definitiv zu den miesesten Synchros seit Jahren. Jeder gesprochene Satz wirkt, als wäre er emotionslos vom Blatt abgelesen. Dabei reiht sich eine falsche Betonung an die andere. Da wird der Tot der Kameraden kommentiert, als reiche man seinen Tischnachbarn einen geschmierten Toast, um dann wieder einzelne Charaktere in einem stillen Gespräch völlig unmotiviert laut schreien zu lassen, um den folgenden Satz wieder zu flüstern.
Somit kann man es eigentlich recht einfach auf den Punkt bringen. Aliens: Colonial Marines leidet durch die Bank an der mehr als veralteten Technik und einer leider total in die Hose gegangenen Inszenierung. Es geht heutzutage einfach nicht mehr, dass Charaktere direkt vor einen hingebeamt werden, wenn man einmal etwas schneller war, man permanent abgehackte Bewegungen präsentiert bekommt, weil schlicht die Zwischenanimationen fehlen oder die Charaktere nur deswegen unsterblich sind, weil sie permanent ins eigene Feuer laufen und keine Deckung suchen. Würde dies alles funktionieren, könnte man auch über die meist erst relativ spät nachladenden Texturen und Details hinwegsehen, in der Summe aber ergibt das alles ein leider schauderhaftes Bild.
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Derweil könnte man dem Titel das veraltete Gameplay, mit den Health Packs und den zu sammelnden Rüstungen durchaus verzeihen, denn oldschool bedeutet ja nicht gleich schlecht, wenn sich das Ganze aber mit Technik die schon vor fünf Jahren veraltet war paart, wird's halt übel. Lediglich in den letzten Kapiteln, der mit geschätzten sieben Stunden recht kurz ausgefallenen Kampagne, kommt tatsächlich etwas Stimmung auf, nur um dann im Endkampf wieder komplett begraben zu werden. Ich werde an dieser Stelle nicht spoilern wie der Endkampf ausfällt, aber ich bin mir absolut sicher, dass damit niemand zufrieden sein kann. Schlussendlich fragt man sich nur noch, weshalb die Entwicklung dieses Titels fünf Jahre gebraucht hat?
