Die genialen Ideen in Sachen Inventar und Physik-Spielereien stehen dem komplett fehlenden Gruselfaktor gegenüber.
Schon in der Preview Version, in der wir und andere Magazine weltweit einen ersten Blick in das neue Alone in the Dark, das nun schon den fünften Teil der Serie darstellt, werfen durften, kristallisierte sich heraus, dass AitD das Survival-Horror Genre verlässt und in Richtung Action-Adventure oder Horror-Shooter abdriftet. Dies bestätigt sich nun und könnte bei Fans der Serie und insbesondere des Horror-Genres blankes Entsetzen hervorrufen. Doch uns interessierte neben der Historik der Serie vor allem, ob das Spiel auch für Neueinsteiger geeignet ist, die bisher nichts mit Alone in the Dark anfangen konnten. Unterschiede zwischen PC und Xbox360 waren kaum zu finden, man erlebt auf Konsole oder PC fast 1:1 das selbe Spiel.
Die Story des Horror-Shooters kann schon von Anfang an nicht mit Exklusivität oder gar Einfallsreichtum überzeugen: Es beginnt alles mit nichts... Klingt poetisch, ist es leider nur nicht. Denn der Protagonist, Edward Carnby, verliert, wie das so oft im Shooter-Gewerbe passiert, sein Gedächtnis und startet völlig ohne Erinnerungen ins Spiel.
Blinzeln für die Freiheit!
Alone in the Dark
Den Einstieg ins Spielgeschehen sehen wir anfangs nur verschwommen: Edward erwacht aus der Bewusstlosigkeit und muss per Klick auf den rechten Stick mit seinen Augen blinzeln, um die Welt um ihn herum klarer wahrnehmen zu können. Endlich verstehen wir auch etwas von den Leuten, die mit Edward in diesem, so scheint es, Hotelzimmer sind. Doch allzu sehr ins Herz schließen wir diese bewaffneten Anzugträger nicht, denn schon ein paar Momente nach der ersten, bewussten Wahrnehmung und Kontaktaufnahme beschließen die Brutalos mich auf dem Dach zu erschießen. Nicht die feine, englische Art, aber wir sind ja in Amerika. Einer der Kerle schubst Edward schließlich durch die Flure des Gebäudes, doch immer noch geschwächt kann er sich kaum wehren. Der Tod ist tatsächlich nahe!
Doch Alone in the Dark wäre nicht Alone in the Dark, wenn man schon im Vorspann sterben würde. Unser Peiniger wird urplötzlich von einer schwarzen Masse im Boden verschluckt, ein riesigies Monster schlängelt sich durch die Häuserwand und reißt förmlich das Hotel auseinander, überall Risse, Feuer und panische Hotelgäste. Beste Vorraussetzungen also, um endlich abzuhauen...
Apokalypse, aber sofort!
Alone in the Dark
Doch das Abhauen erweist sich als Problem, denn um aus dem Hotel auszubüchsen müssen wir uns erst mal an dem Wände aufreißendem Monster vorbei ins Erdgeschoss des Hauses verfrachten. Mittlerweile brennt es fast überall, um zu entkommen hangeln wir uns, zusammen mit einer anderen Eingeschlossenen teils an Stromkabeln von einem Fenstervorsprung zum anderen oder löschen uns den Weg durch die Flammen mit Feuerlöschern. Überall gilt es, Gefahren zu umgehen, Monster und Zombies zurück ins Jenseits zu befördern, wo sie allen Anschein nach herkommen, und einfach zu überleben. Dabei fühlt man sich jedoch größtenteils wie in einem Jump&Run mit viel Action und Showeinlagen, den Gedanken an einen Horror-Titel vergisst man schon nach wenigen Momenten Spielzeit. Die Story reißt einen leider so gar nicht vom Hocker, Monster und Zombies gab es mit phantasievolleren Hintergründen schon in Dutzenden anderen Spielen. Zugegebenermaßen entsteht zwar ein wenig Atmosphäre, wenn plötzlich das Licht ausgeht und eine komplette Hotellobby nur noch vom Flackern des Feuers und dem Kegel meiner Taschenlampe erleuchtet wird, von Gruselstimmung ist das Spiel aber noch weit entfernt.
Alone in the Dark
Doch weiter in der Geschichte: Nach langem Hin und Her, ewigen Klettertouren und Rätseleinlagen a la "Finde den Stromschalter und schließe ihn kurz um die Tür zu öffnen" sind wir in der Tiefgarage der Hotelanlage, mit von der Partie ist eine junge Frau, die wir aus einem Lift gerettet haben, und einer der Anzugträger, die mich vorhin noch töten wollten. Schwer verwundet liegt er dort, um uns alle da rauszubringen gilt es nun also, ein Auto zu suchen. Nachdem man endlich eines findet, wechselt die Spielperspektive in eines der vielen, unterhaltsamen Mini-Games: Wir müssen das Auto kurzschließen. Drähte also richtig positioniert et voila: Es fährt! Mit der rudimentären Fahrphysik, die das Prädikat "Müll" wahrlich verdienen würde, heizen wir nun durch die Stadt, immer noch auf der Flucht vor den mysteriösen Rissen und Spalten, die plötzlich überall auftauchen. Nicht nur, dass das Hotelgebäude davon betroffen ist, plötzlich scheint auch der Boden im Rest New Yorks aufzureißen und das Stadtbild verschlingen zu wollen. Wir retten uns jedoch erst mal, auf Anraten des alten, verwundeten Mannes im Auto, in den Central Park, sozusagen dem Epizentrum des Ganzen. Doch gerettet sind wir noch lange nicht, schließlich geht es hier erst los...
Alone in the Dark
Spaßig sind dabei die häufigen Mini-Games und Quick-Time Events, mit denen wir beispielsweise unser Auto kurzschließen, die schöne aber unnütze Kollegin wiederbleben und in viele weitere Schlüsselmomente mit einbezogen werden. Quick-Time Events stehen einem meist kurz vor dem Ableben bevor, dann kann man sich teilweise durch gut getimtes Klicken einer Taste wieder erretten, aufstehen und den Bösewichten mal zeigen, was passiert wenn man sich mit Gamern anlegt, die von Kamera und Story angepisst sind. Doch dazu später mehr...
