Die genialen Ideen in Sachen Inventar und Physik-Spielereien sind auf der Plastation 2 etwas magerer ausgefallen.
Schon in der Preview Version, in der wir und andere Magazine weltweit einen ersten Blick in das neue Alone in the Dark, das nun schon den fünften Teil der Serie darstellt, werfen durften, kristallisierte sich heraus, dass AitD das Survival-Horror Genre verlässt und in Richtung Action-Adventure oder Horror-Shooter abdriftet. Dies bestätigt sich nun und könnte bei Fans der Serie und insbesondere des Horror-Genres blankes Entsetzen hervorrufen. Doch uns interessierte neben der Historik der Serie vor allem, ob das Spiel auch für Neueinsteiger geeignet ist, die bisher nichts mit Alone in the Dark anfangen konnten.
Die Story des Horror-Shooters kann schon von Anfang an nicht mit Exklusivität oder gar Einfallsreichtum überzeugen: Es beginnt alles mit nichts... Klingt poetisch, ist es leider nur nicht. Denn der Protagonist, Edward Carnby, verliert, wie das so oft im Shooter-Gewerbe passiert, sein Gedächtnis und startet völlig ohne Erinnerungen ins Spiel.
Blinzeln für die Freiheit!
Alone in the Dark
Den Einstieg ins Spielgeschehen sehen wir anfangs nur verschwommen: Edward erwacht aus der Bewusstlosigkeit und muss per Klick auf den rechten Stick mit seinen Augen blinzeln, um die Welt um ihn herum klarer wahrnehmen zu können. Endlich verstehen wir auch etwas von den Leuten, die mit Edward in diesem, so scheint es, Hotelzimmer sind. Doch allzu sehr ins Herz schließen wir diese bewaffneten Anzugträger nicht, denn schon ein paar Momente nach der ersten, bewussten Wahrnehmung und Kontaktaufnahme beschließen die Brutalos mich auf dem Dach zu erschießen. Nicht die feine, englische Art, aber wir sind ja in Amerika. Einer der Kerle schubst Edward schließlich durch die Flure des Gebäudes, doch immer noch geschwächt kann er sich kaum wehren. Der Tod ist tatsächlich nahe!
Doch Alone in the Dark wäre nicht Alone in the Dark, wenn man schon im Vorspann sterben würde. Unser Peiniger wird urplötzlich von einer schwarzen Masse im Boden verschluckt, ein riesigies Monster schlängelt sich durch die Häuserwand und reißt förmlich das Hotel auseinander, überall Risse, Feuer und panische Hotelgäste. Beste Vorraussetzungen also, um endlich abzuhauen...
Apokalypse, aber sofort!
Alone in the Dark
Doch das Abhauen erweist sich als Problem, denn um aus dem Hotel auszubüchsen müssen wir uns erst mal an dem Wände aufreißendem Monster vorbei ins Erdgeschoss des Hauses verfrachten. Mittlerweile brennt es fast überall, um zu entkommen hangeln wir uns, zusammen mit einer anderen Eingeschlossenen teils an Stromkabeln von einem Fenstervorsprung zum anderen oder löschen uns den Weg durch die Flammen mit Feuerlöschern. Überall gilt es, Gefahren zu umgehen, Monster und Zombies zurück ins Jenseits zu befördern, wo sie allen Anschein nach herkommen, und einfach zu überleben. Dabei fühlt man sich jedoch größtenteils wie in einem Jump&Run mit viel Action und Showeinlagen, den Gedanken an einen Horror-Titel vergisst man schon nach wenigen Momenten Spielzeit. Die Story reißt einen leider so gar nicht vom Hocker, Monster und Zombies gab es mit phantasievolleren Hintergründen schon in Dutzenden anderen Spielen. Zugegebenermaßen entsteht zwar ein wenig Atmosphäre, wenn plötzlich das Licht ausgeht und eine komplette Hotellobby nur noch vom Flackern des Feuers und dem Kegel meiner Taschenlampe erleuchtet wird, von Gruselstimmung ist das Spiel aber noch weit entfernt.
Alone in the Dark
Doch weiter in der Geschichte: Nach langem Hin und Her, ewigen Klettertouren und Rätseleinlagen a la "Finde den Stromschalter und schließe ihn kurz um die Tür zu öffnen" sind wir in der Tiefgarage der Hotelanlage, mit von der Partie ist eine junge Frau, die wir aus einem Lift gerettet haben, und einer der Anzugträger, die mich vorhin noch töten wollten. Schwer verwundet liegt er dort, um uns alle da rauszubringen gilt es nun also, ein Auto zu suchen. Mit der abgründigen Fahrphysik, die das Prädikat "richtiger Müll" wahrlich verdienen würde, heizen wir nun durch die Stadt, immer noch auf der Flucht vor den mysteriösen Rissen und Spalten, die plötzlich überall auftauchen. Nicht nur, dass das Hotelgebäude davon betroffen ist, plötzlich scheint auch der Boden im Rest New Yorks aufzureißen und das Stadtbild verschlingen zu wollen. Während das Autofahren auf der Xbox360 und dem PC noch, bis auf die Reaktionen bei Berührungen, einigermaßen realistisch einherkam, wundert es uns schon, wie man diese Sequenz auf der PS2 so verhunzen konnte. Bei kleinsten Berühungen mit Autos bleiben wir abrupt stehen, weiteres rangieren ist unmöglich, was gleichbedeutend mit "Game Over - try again" ist.
Vom tristen Spielalltag wollen in der PS-Fassung vor allem Quick-Time Events ablenken und uns vor dem Einschlafen bewahren. Diese stehen einem meist kurz vor dem Ableben bevor, dann kann man sich teilweise durch gut getimtes Klicken einer Taste wieder erretten, aufstehen und den Bösewichten mal zeigen, was passiert wenn man sich mit Gamern anlegt, die von Kamera und Story angepisst sind. Doch dazu später mehr...
Physik ist überall
Alone in the Dark
Während das Spiel in den Next-Gen Varianten mit der fast vollständigen Abwesenheit von Schockmomenten und einer "Themaverfehlung des Horror-Genres" nicht so recht überzeugen konnte, überrascht die technisch und qualitativ schlechtere PS2-Version. Dadurch, dass es hier eben keine HD-Optik und Licht-, Schatten- und Überblendeffekte gibt, erschrickt man bei Zombiesichtung manchmal sogar, da diese urplötzlich vor einem auftauchen. Grafisch ist Alone in the Dark, wenn man es wirklich sehr positiv ausdrücken will, im oberen Mittelfeld angesiedelt. Viel zu oft sehen wir jedoch ewig gleiche Räume vor uns, matschige Bodentexturen und immerwährend ähnlichaussehende, blutverschmierte Gänge. Im vergleich zu den Next-Gen Varianten fällt aber vor allem auf, dass der Einsatz von Feuer extrem reduziert wurde. Was weiterhin enttäuscht, sind schwere Clippingfehler beim Einsatz des Feuerlöschers und an vielen Schlüsselmomenten des Spieles. Weiterhin hat man, Konsolentypisch, mit leichten Framerate-Einbrüchen zu kämpfen.
Alone in the Dark
Nette Idee zum Protagonisten: Schwere Verletzungen übersteht der von Amnesie geplagte Kerl nicht lange, ohne verbunden oder mit dem Erste-Hilfe-Spray verarztet zu werden. Dies geschieht in einer eigenen "First-Aid-Perspektive", in der man die unterschiedlichen Regionen des Körpers individuell und auf die Verletzung abgestimmt behandeln kann. Bei kleinen Schnittwunden reicht da schon das Pflasterspray, bei größeren muss man schon mal einen Verband anlegen. Auch schweres Gerät in Form von Feuerlöschern oder Schrotflinten kann Edward mitschleppen und benutzen, muss sie jedoch nach der Benutzung immer wieder ablegen, denn sprinten, hüpfen oder andere Manöver bestreiten kann er so schwer bepackt nicht. Ein weiterer Lichtblick ist das Inventar. Auf Knopfdruck wechselt die Perspektive, man blickt nun von oben herab auf seine geöffnete Jacke. Verstauen können wir darin nur eine vorher bestimmte Anzahl an Gegenständen, die Idee des "reellen Inventars" hat Atari sehr gut umsetzen können.
