Batman: Arkham Origins im Test: Ein würdiges Prequel
Während die Film-Trilogie des dunklen Ritters Batman unter der Regie der Gebrüder Nolan bereits letztes Jahr einen würdigen Abschluss fand, ist es nun an der Zeit, dass Bruce Waynes alter ego auch auf dem Videospielmarkt gleichzieht. Doch anders als im Film widmen sich Rocksteady, die kreativen Köpfe hinter dem Überraschungshit Batman: Arkham Asylum und der grandiosen Fortsetzung Batman: Arkham City, bereits anderen Projekten und lassen nun für Batman: Arkham Origins WB Games Montreal ans Steuer. Ob das Niveau gehalten werden kann, erfahrt ihr in unserem Test.Fröhliche Waynenachten
Batman: Arkham Origins versteht sich als Prequel und spielt an einem Heiligabend viele Jahre vor den Geschehnissen der beiden Vorgänger. Bruce Wayne ist gerade dabei in die Rolle des dunklen Ritters hineinzuwachsen und dementsprechend noch voller Impulsivität und Übermut, jedoch ohne jene Erfahrung späterer Abenteuer. Dadurch erleben wir Bruce Wayne ganz ungewohnt als kleinen Hitzkopf, der auch gerne etwas rabiater an wichtige Informationen gelangt. Als Gothams Straßen von einem heftigen Schneesturm eingenommen werden beginnt für Wayne die erste und für uns die mittlerweile dritte unvergessliche Nacht in der fiktiven Stadt des schwarzen Rächers. Den Startpunkt für die Nachtschicht setzt Roman Sionis, alias Black Mask, mit seinem Ausbruch aus dem Blackgate Hochsicherheitsgefängnis. Doch damit nicht genug, hält Sionis auch noch passend zum Feiertag ganze acht Geschenke für Batman bereit. Dem Lockruf der unglaublichen Summe von 50 Millionen US-Dollar für Batmans Kopf folgten der ehemalige Pyrotechniker Firefly, Auftragsmörder und ehemaliger Vietnamveteran Slade Wilson alias Deathstroke, Assassinen-Dame Sandra Wu-San alias Shiva, Muskeltonne Bane, Krokodil-Mensch Killer Croc, sowie Meisterschütze Deadshot, der Electrocutioner und eine weibliche Umsetzung von Copperhead.
Das Studio aus Montreal schafft es, nach etwas zögerlichem Beginn, die auf dem Papier versprochene Dynamik, resultierend aus acht tödlichen Widersachern, abwechslungs- und vor allem überraschend wendungsreich in eine Geschichte zu packen, die euch über die volle Spielzeit von rund 15 Stunden reiner Hauptstory vollkommen vereinnahmt. Besonders auffallend sind einmal mehr die aufwendigen Zwischensequenzen. Was hier in Sachen Inszenierung und Stimmung erzeugt wird ist den beiden Vorgängern mindestens ebenbürtig. Wenn wir in einem lodernden Flammenmeer auf einer zerstörten Brücke Firefly ins Visier nehmen und vom schieren Bombast der einleitenden Videosequenz angepeitscht in den Kampf ziehen, ist das schon verdammt großes Kino.
Gotham, Alfred, Bathöhle
Quelle: Warner Bros.
Batman: Arkham Origins (3)
Mit der Bathöhle bringt Arkham Origins auch zum ersten Mal einen fixen Ausgangspunkt für unsere Missionen ins Spiel. Hier nehmen wir Trainingsübungen und diverse Auswertungen vor und kommen auch endlich mal persönlich mit Alfred ins Gespräch. Dabei erleben wir eine ungewohnt andere Seite im positiven Sinne am Effektfeuerwerk der Batman-Reihe. Wagen wir uns aus der Bathöhle heraus steht uns Gotham erstmalig frei zur Verfügung. Anders als noch in den Vorgängern beschränkt sich die Spielwelt nicht nur auf einen kleinen Teilbereich der Stadt. Das im Vergleich zu Arkham City etwa doppelt so große Gotham ist in verschiedene Gebiete, wie beispielsweise die Amüsiermeile, eingeteilt. Entdecken wir einen neuen Abschnitt, steht es uns frei wahlweise selbst durch die kalte Winternacht zu gleiten, oder mit dem Bat-Wing automatisch, schnell und bequem von A nach B zu reisen. Ans Steuer dürfen wir dabei jedoch nicht, was nicht weiter ins Gewicht fällt, wenn man sich in Gotham erst einmal umgesehen hat. Im Hinblick auf Stimmung, Beleuchtung und Design ist Arkham Origins' Vorstellung der Stadt dem Vorbild des Gefängnisareals Arkham City nachempfunden und weiß zu gefallen. Zwar wirkt Gotham architektonisch leicht überladen, was gerade den präzisen Einsatz des Enterhakens etwas diffiziler macht, jedoch wird man mit jedem Segelflug über die Skyline für die kleinen Komplikationen entlohnt. Schaurig-schöne Schattenmalereien, gepaart mit filigran eingesetzter Beleuchtung, kombiniert mit dem unschuldigen Weiß von frisch gefallenem Schnee, malen ein eindrucksvolles Stadtbild für Genießer.
Der Gameplay-Alltag
Quelle: Warner Bros.
Batman: Arkham Origins (1)
Am Freeflow-Kampfsystem der Rocksteady-Jungs wurde allenfalls im Detail geschraubt. Noch immer kombinieren wir flott die Face-Buttons zu Kontern, Würfen und derben Attacken aller verfügbaren Gliedmaßen. Einzig am Timing sowie der Präzision für die Richtungseingabe bei Kontern wurde nachgearbeitet, was gerade in Auseinandersetzungen mit hohem Gegneraufkommen oder mit diversen Zwischengegnern für mehr Anspruch in Sachen Bedienung sorgt. Natürlich darf im gleichen Atemzug das Pendant zum Frontalangriff nicht vergessen werden. Wieder müssen wir uns in offenen sowie geschlossenen Arealen möglichst Geschickt des Fußvolkes erwehren, welche in Sachen KI noch immer voll auf der Höhe sind. Dabei bleibt das Manöver-Portfolio der Vorgänger erhalten. Immer noch eine Erwähnung wert sind die hübschen Charaktermodelle und die butterweich animierten Bewegungsabläufe auf beiden Seiten.
In den Reihen unserer möglichen Opfer dürfen wir in Arkham Origins auch wieder neue Charaktermodelle freudig mit einem Schlag ins Gesicht begrüßen. Haben wir uns unserer Widersacher entledigt, werden wir beurteilt, wie gut wir die jeweilige Situation lösen konnten. Gemessen an Geschicklichkeit, Gegneraufkommen und Vorgehensweise werden uns Erfahrungspunkte zugewiesen. Diese investieren wir entweder in unsere Panzerung oder beispielsweise unsere Schleichfähigkeiten um aus uns den ultimativen Rächer zu machen. Natürlich können wir auch wieder auf nützliche Gadgets zurückgreifen. Neben alten Bekannten wie dem Sprenggel, der Batclaw, die Batarangs, bekommen wir unsere Finger an neue Spielereien wie die Fernlenkkralle. Diese bietet zwar nichts bahnbrechend neues, ein nettes Feature ist sie aber allemal.