Die langerwartete Battlefield 4 Erweiterung Naval Strike erschien diesen Dienstag für Premiumkunden auf Xbox One und Playstation 4. Wir haben uns die vier Karten, den neuen Spielmodus und das Hovercraft genauer angesehen und überprüft, ob nach einem zusätzlichen Patch die Netcode-Probleme weniger wurden.
Meine ersten Schritte in Naval Strike beginne ich in einem U-Boot-Dock. Die zwei Teams stehen sich in der riesigen Bunkeranlage gegenüber. Überall Mündungsfeuer, Explosionen, Rauch. Ich springe über die Brüstung eines knallgelben Geländers, komme auf dem Boden auf. Vor mir steht ein Gegner, aber als ich ihn sehe, höre ich irgendwo neben mir auch einen Knall. Egal, denke ich mir. Wird wohl nur eine Granate sein, die nicht getroffen hat. Ich hebe mein Gewehr an, ziele… Und werde plötzlich vom U-Boot überrollt. Toll, in meinen ersten Sekunden im neuen Addon habe ich direkt einen der Levolution-Effekte gesehen und mich davon killen lassen…
Quelle: DICE
Makaber: Das Flugzeug auf "Verlorene Inseln" erinnert an die Flugzeug-Trägodie der malaiischen MH370.
Vier neue Karten bietet Naval Strike, sie alle erinnern an die klassische inselkarte "Paracel Storm". Viel Wasser, viele Inseln, viele Boote – das sind die Zutaten aus denen das Addon besteht. Dem Namen Naval Strike macht DICE damit alle Ehre. So lassen sich fast alle Flaggenpunkte aus dem Wasser angreifen. Die Karten konzentrieren sich zumeist auf ein zentrales Massiv, häufig ein Hügel oder eine zusammenhängende Insel und viele Ausläufer. Nur für die Flaggen in der Mitte muss man aus dem Boot aussteigen. Besonders gelungen ist Operation Mörser. Darauf befindet sich eine mittelalterliche Burgruine, die man zentrale durch einige düster beleuchtete Steintreppenaufgänge erreicht. Das erinnert fast an Dark Souls. Oben stehen uralte Kanonen, wie man sie aus Piratenfilmen kennt. Der Bulletdrop ist immens, die Reichweite und Zielgenauigkeit entsprechend gering. Aber solche Momente, die irgendwie aus der Zeit gefallen scheinen, machen Naval Strike zu etwas Besonderem. Die Verlorenen Inseln kommen vielleicht zum falschen Zeitpunkt. Im Zentrum der Karte liegt ein zerschelltes Flugzeug – der Malaysia-Flug MH370 weckt dunkle Erinnerungen. Das Bild passt makabrer Weise wie die Faust aufs Auge… Aber wo Schatten ist, gibt es auch Licht: Ein Flaggenpunkt liegt versteckt hinter einem Wasserfall. Selten sah es so toll aus, Punkte fürs Team einzunehmen!
Titan-Modus light
Quelle: DICE/EA
Battlefield 4: Naval Strike im Test. (6)
Der neue Spielmodus Trägerangriff ist ein Remake des Klassikers "Titan" aus Battlefield 2142. Damals musste man übermächtige Mutterschiffe vom Himmel holen, heute sind es Flugzeugträger. Eine Runde beginnt klassisch als Eroberungsspiel. Zwei Teams kämpfen um die Vorherrschaft beim Flaggeneinnehmen. An die Basen sind Raketenabschussstationen angeschlossen. Nimmt man sie ein, feuert die Basis automatisch Raketen auf den feindlichen Dampfer ab. Ist die Hülle kaputt, muss man das feindliche Schiff stürmen und MCOMs ausschalten, wie in Rush. Es sind jedoch nur zwei Stationen, dann ist der Träger hinüber. Meist geht das binnen weniger Minuten und artet, im Zweifel für beide Seiten, in einem ziemlich unlustigen Chaos aus. Zu viele Spieler, zu wenig Platz – das Problem kennt man aus den Close-Quarter-Schießereien auf Operation Spind.
Deshalb ist es ganz cool, dass man auch gewinnen kann, indem man weiter einen Großteil der Flaggen hält. Denn der Raketenschuss geht unbekümmert weiter. Siegen kann am Ende entweder wer beide MCOMs im Schiff nacheinander zerstört, oder wer die Hülle komplett zu Schutt und Asche schießt. Dass es überhaupt eine Alternative gibt, hilft in vielen Situationen.
So richtig will sich das Feeling des Titan-Modus nicht wieder einstellen. Dafür läuft Trägerangriff viel zu chaotisch und ungeordnet ab. Vor allem der letzte Teil im Schiff ist eine Plackerei und hat nichts von den intensiven aber fairen Kämpfen in den riesigen Raumschiffen von Battlefield 2142. Spielrunden enden dadurch viel zu schnell. Ein durchschnittliches Match dauert nur etwa zehn Minuten, Ausreißer nach unten dauern sogar nur fünf bis sieben. In so kurzer Zeit entfacht Battlefield einfach nicht seinen strategischen Aspekt. Wenn man doch nur endlich eigene Server mieten könnte, auf denen sich die Ticketzahl anpassen ließe… Ist das Wunschdenken, DICE?
Das Design brillant, die Technik brisant
Quelle: DICE
Battlefield 4: Naval Strike im Test. (1)
Vom Design her verdienen die Karten einen Ehrenpreis. Sie werden schon bald mit Leichtigkeit zu den Standards der Battlefield Map-Rotation gehören. So richtig überzeugt Naval Strike aber immer noch nicht. Hauptgrund dafür ist die Technik. So richtig gut lief Battlefield 4 ja noch nie. Aber das neue Addon setzt dem Shooter noch den Hut der Dreistigkeit auf. Der fiese Rubberband-Effekt tritt viel häufiger als auf den traditionellen Karten auf, Glitches sind an der Tagesordnung. An mehreren Stellen finden wir schon am Releasetag Feinde, die unter dem Boden sitzen und von dort Flaggen beschützen. Selbst ich bin einmal unabsichtlich zwischen zwei Felsen durchgefallen und fand mich plötzlich unter den Füßen meiner Feinde wieder.
Ich will es nicht quantifizieren, aber gefühlt ist Naval Strike noch stärker verbuggt als seine Vorgänger und das Hauptspiel. Zeitgleich zum Addon veröffentlichte DICE immerhin einen weiteren 1,3 GB großen Patch, der an allgemeinen Bugs und dem Netcode feilen sollte. Gebracht hat es nichts, die Performance ist genauso mies wie früher, wenn nicht sogar noch schlechter. In der Pressemitteilung schreibt DICE das Wort sogar in Anführungszeichen. "Netcode", als gäbe es das Ding gar nicht. Vielleicht sind diese Bugs auch der Grund, weshalb die PC-Version in letzter Minute offiziell verschoben wurde und die Xbox-One-Version einfach nicht erschienen ist. Als Playstation-Spieler kommt man sich jedenfalls vor wie das Testkaninchen, während die anderen Spieler wegen Benachteiligung rummaulen. Das Geschrei ist groß – zurecht.
Quelle: DICE
Battlefield 4: Naval Strike im Test. (2)
Das neue Fahrzeug, ein Hovercraft-Boot, überzeugt von seinen Grundfähigkeiten. Man kann es vielseitig verwenden und damit auch über die kleinen Atolle und Inseln abhauen, wo einem das große Kampfboot nicht folgen kann. Eine unhandliche Steuerung macht aber viele dieser Vorteile wieder wett. Präzises ansteuern ist schwierig, der Wendekreis lang. Effektiv ist man damit auf offener Fläche also aufgeschmissen.
Neben einigen Waffen bietet Naval Strike vor allem auch coole neue Gadgets. Das M320 3GL ist beispielsweise eine Modifikation des M320 Granatwerfers, der nun drei kleine Granaten verschießt. Sie machen zwar weniger Schaden, gerade in engen Situationen, etwa in den Kartenmitten oder im Schiffsrumpf, ist das nützlich. Die Anti-Air Mine ist ein mobiles Luftabwehrgeschütz, das man platziert wie einen Mörser. Schade, dass ausgerechnet der Engineer die Wumme trägt, der schon IGLAs und Stingerraketen trägt. Eine solche Waffe wäre besser beim Supporter aufgehoben – wenn es sie denn überhaupt gebraucht hätte. Piloten sind eh schon genervt, dass ihre Warnsysteme fast ununterbrochen Alarm schlagen und Reparateure auf den Flügeln mittlerweile langsamer vorankommen als früher.
