Mit Battlefield Hardline arbeitet erstmals nicht DICE an einem Major Release der Battlefield-Serie. Eine actiongeladene Polizeiaction im TV-Serienformat sollte es werden, mit spannender Story, guten Dialogen, Hollywood-Feeling. Heraus kam Alarm für Cobra 11 für Arme.
Auf dieser Seite
Nichts Halbes, nichts Ganzes
Quelle: Electronic Arts
Immerhin gibt es bereits zu Beginn Nachtkarten in Battlefield Hardline.
Meine größten Hoffnungen lagen bekanntlich im Singleplayer - doch nach der Kampagne war klar: Nun muss es der Mehrspieler wieder rausreißen. Doch wie soll das gehen? Immerhin ist Hardline verschrien als ein Produkt, das genauso gut als Battlefield 4 Add-On funktioniert hätte. Die Unterschiede zum direkten Vorgänger von DICE sind wirklich gering - aber es gibt sie! Dinge, die ich mir schon früher gewünscht hätte, wie eine Anzeige, wie lange man eine am Boden liegende Leiche noch wiederbeleben kann. Einen präzisen Umkreis um Flaggen herum, in denen man den Punkt einnimmt. Und vor allem das akustische Markieren. Wenn ich in Hardline einen Gegner markiere, ruft meine Figur anderen Spielern zu, wo sie stehen. Selbst ohne Blick auf die Minimap weiß ich, dass Feinde am "Stelzenhaus" oder "auf der Plaza" stehen. Das ist gelungen.
Aber dann sind da die Nachteile. Hardline hat nur wenige Fahrzeuge, die ohne großen Wumms daherkommen. Keine Panzer, keine Flugzeuge, keine Kanonenboote. Das höchste der Gefühle ist ein gepanzerter Wagen mit MG auf dem Dach und ein Beobachtungshelikopter. Hardline entfernt Battlefields Key-Feature: Die gigantischen Fahrzeugschlachten! Aber nicht komplett. Autos, Motorräder und Transport-Helikopter gibt es noch. Und ein paar der Karten sind ausufernd groß. Ganz los kommt Visceral nicht vom Kern der Serie.
Die Frage ist: Für wen ist das gemacht worden? Der typische Battlefield-Fan will doch genau das. Fahrzeuggefechte, große Explosionen, Getummel auf verschiedenen Ebenen. Zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Neue Spieler wird Hardline vermutlich nicht ansprechen, denn Fahrzeuge gibt es ja noch immer. Die großen Karten spielen sich auch sehr taktisch. Für intensive Close Combat Momente sorgen zwar ein paar enge Karten, doch die meisten sind weitläufig. Da hat es Visceral geschafft, an beiden Zielgruppen vorbei zu programmieren.
Neue Spielmodi
Quelle: Visceral Games
Neue Wettkampf-Modi werden sich nicht durchsetzen: Gut für Livestream, Clan-Kampf und Pro Gaming, aber nicht für den Massenmarkt.
Wer einen Taktikshooter wie Payday erwartet hat, oder Geiselbefreiungsszenarien wie in Rainbow Six, wird enttäuscht. Battlefield Hardline findet, wie jeder andere Serienteil, vor allem im Eroberungsmodus statt. Ein paar Flaggen, gleiche Chancen für alle. Etwas spannender wird's in Heist und Blood Money. Darin müssen Teams von einem zentralen Punkt aus Geld klauen und heim in eine Mainbase tragen. Blood Money, die synchrone Variante davon (beide Teams versuchen Geld zu stehlen vs. Ein Team versucht zu stehlen, das andere das zu verhindern) macht sogar richtig Laune - ein bisschen Frustresistenz gehört aber bei diesem Modus dazu.
Völlig daneben hingegen ist Hotwire. Darin muss man statt Flaggenpunkten Autos einnehmen. Sobald man auf Höchstgeschwindigkeit beschleunigt, bekommt man Punkte gutgeschrieben. Aber nur solange bis man bremst. Das Spielprinzip sorgt dafür, dass schon bald alle nur noch im Kreis fahren. Wenn man nicht einer der wenigen Glücklichen ist, der ein Vehikel abbekommen hat, kann man fast nur zugucken, wie der Spielspaß um einen herumfährt. Das ödet schnell an, auch wenn der Modus super geeignet ist, um Erfahrungspunkte zu farmen.
Quelle: Visceral Games
Hotwire wirkt wie ein irrer Fahrzeug-Zirkus.
Gelungen sind Visceral die kompetitiven Turniermodi. In Rescue müssen 5v5-Teams Geiseln retten - wie in Counter-Strike. Die Karten dafür sind relativ klein und jeder hat nur ein Leben - das sorgt für Nervenkitzel. In Crosshair (Fadenkreuz) übernimmt ein Spieler des angreifenden Teams einen VIP, der nur eine goldene Desert Eagle mit sich trägt. Der muss zu zwei Extraktionspunkten gebracht werden, ohne dass die Verteidiger ihn erwischen. Das ist unterhaltsam, vor allem weil die verkleinerten Karten wie gemacht sind für solche 5v5-Matches. Aber ich mache mir nichts vor: Diese Spielmodi werden im Livebetrieb völlig untergehen. Ähnlich wie Obliteration gibt es dafür einfach keinen breiten Massenmarkt. Diese Modi eignen sich eher für den Turnierbetrieb oder Clan-Kriege.
Neues Gun-Handling und Raketen-Spam
Quelle: Electronic Arts
Wenig Zerstörung kommt nicht gut an.
Womit ich im Multiplayer am meisten zu kämpfen habe, ist das völlig veränderte Gun-Handling. Keine der Waffen, auch die, die man aus Vorgängern kennt, fühlt sich vertraut an. Die Entwickler haben die Stats der Knarren von Grund auf umgekrempelt. Die meisten Waffen haben nun weniger Bumms, einige wenige (etwa die Sniper-Gewehre) sind dafür gefühlt stärker als zuvor. Im Singleplayer kann ich das verstehen. Die Macher wollten Pistolen als Arbeitswerkzeug Nummer eins unterstreichen. Doch auch die fühlen sich im Multiplayer komisch an.
Außerdem stimmt etwas mit dem Trefferfeedback nicht. Manchmal gibt es keinen Hitmarker und oft kommt und geht selbst das Fadenkreuz wie es will. Im Singleplayer hat Hardline damit genervt, ständig die Waffe zu wechseln. Hatte ich eben vor dem Takedown-Move noch das schallgedämpfte Gewehr in der Hand, trage ich danach plötzlich die Pistole. Solche Details können einem Schleichmissionen zunichtemachen!
Gefallen hat mir hingegen eine Neuerung, die vielen altgedienten Fans sauer aufstößt: Großkaliber und Raketen gibt es in Hardline nicht mehr per Default. Spieler können nicht mit RPG-Raketen, Stinger oder schweren MGs starten. Diese Waffen liegen stattdessen als Battle Pickup auf den Karten verteilt. Super! Raketenspam ade! Nicht nur, dass damit der häufige Raketenbeschuss ausgemerzt wird, das Spiel konzentriert seine Fights in bestimmten Karten dadurch auf die wenigen Pickup-Stationen. Das sorgt für mehr Spannung im Gefecht.
Grafik & Technik
Quelle: Electronic Arts
Innen sind die MP-Karten deutlich detaillierter.
Grafisch ist Battlefield Hardline auf Konsolen kein Augenöffner. Die PS4 kommt nativ auf 900p, die Xbox One gar nur auf 720p. Das merkt man beiden Versionen deutlich an. Vor allem die Xbox One wird geplagt von Kantenflimmern und Treppchenbildung. In beiden Versionen kommt es außerdem zu Tearing an solchen Kanten, sodass diffuse Lichter wie Mündungsfeuer aussehen. Wow, kann das nervig sein, wenn man in hohem Tempo über eine Karte rennt und andauernd denkt, beschossen zu werden!
Allgemein sind die Karten zwar sehr detailliert und innenarchitektonisch hübscher ausgestattet, als in Battlefield 4. Aber gleichzeitig muss man in Hardline auf viel Zerstörung verzichten. Die Levolution-Effekte sind zum Großteil ein Witz. Hier ein Regensturm, da ein Sandsturm... Alles schon gesehen und für lahm abgestempelt. Das erste Mal richtige Panik kriege ich, als auf einer dicht bebauten Map die Erde bebt und plötzlich das Haus auseinanderbricht, in dem ich gerade stehe.
Der Sound gefällt mir im Multiplayer richtig gut. Vor allem die Waffengeräusche hat Visceral gut eingefangen. Sie klingen nicht mehr ganz so wuchtig wie im Vorgänger und mehr mechanisch. Im Singleplayer gewohnt düsteres Bild: Die deutsche Synchro ist eher unterdurchschnittlich. Ton und Bild in Dialogen sind zum Teil mehrere Sekunden verschoben. Das schadet dem professionellen Serienbild des Titels. Absoluter Tiefpunkt: Rapper Kollegah übernahm auch ein paar Sprechzeilen. In Szenen, in denen er mir gezwungen-cool "Schnappt euch die Bastarde" entgegenbrüllt, will ich nur noch den Controller weglegen und mit der flachen Hand auf den Schädel einschlagen. Vielleicht hört das dann auch alles schneller auf...
