Eine Hexe mit zwei Gesichtern wie Tag und Nacht. Die dominante Schnetzel-Dame Bayonetta endlich im PAL-Vergleich.
Quelle: Platinum Games
Bayonetta
Das Repertoire für den Schlagabtausch ist auch ohne der möglichen Waffenwahl - einerseits stehen schicke Todbringer direkt aus der Hölle käuflich und anschließend permanent zur Verfügung, andererseits können die schicken Äxte, Schwerter und Trompeten der Feinde zumindest kurzzeitig für Angst und Schrecken sorgen - extrem umfangreich ausgefallen und als Spieler neigt man schnell dazu, übereilte Kicks, Bleiargumente und Ohrfeigen gewissermaßen unkontrolliert auszuteilen. Es dauert aber nur wenige Minuten, bis gewiefte Kombinationen entstehen und sich effektive Aktionen ins Hinterstübchen einbrennen. Jedoch verhält sich jede Waffe etwas anders, so dass mit jeglicher neuen Klinge oder Bleispritze ein routinierter Bewegungsablauf nahezu überflüssig wird und neue Techniken zu erlernen sind - was übrigens auch für neue Gegner gilt! Ganz geschickt werden die Ladepausen zwischen den unterschiedlichen Kapiteln als Übungsplatz genutzt, während der strategisch verteilte oder zwischen den Abschnitten erreichbare Höllenshop das vorhandene Repertoire mit zusätzlichen Spezialangriffen erweitert. Für einen geringen Gegenwert an Ringen - Hausmaskottchen Sonic lässt herzlich grüßen - können diese Techniken und Moves wie z. B. ein bleihaltiger und optisch reizvoller Breakedance, der Ausweichmöglichkeit auch im Sprung, zusätzlicher Wurftechniken und ähnliches erworben werden. Sehr gelungen ist die Möglichkeit, derartige Investitionen durch handfeste Proberunden gegen willenlose Gegner ausgiebig unter die Lupe zu nehmen und die Effektivität praxisnah testen zu können. Somit wird nie die Katze im Sack gekauft!
Streng und mit Köpfchen
Bayonetta
Das der weißhaarige Dante recht cool und lässig war, ist gar keine Frage und auch sein kämpferisches Talent ist unbestritten einzigartig, doch was die extrem flinke Hexe zelebriert, ist die perfekte Mischung aus eindrucksvollen Szenen und einer unglaublich gelungenen Spielbarkeit. Beim bloßen Zuschauen erschleicht sich dem Betrachter unweigerlich das Gefühl des Chaos, doch die Kunst des Spielers ist die Beherrschung eben dieses chaotischen aber extrem bildgewaltigen Szenarios. Kaum Hand angelegt, gehen die Griffe erstaunlicherweise einfach von der Hand und man fetzt die Klingen den Feinden über die Rübe bzw. argumentiert mit den knallenden Projektilspritzen. Sexy Bayonetta steuert sich dabei wesentlich flotter als der Konkurrent, dennoch gekonnter durch die Horden und gibt dabei eine superbe Figur ab - und das nicht nur aufgrund ihres Charmes und der exzessiv präsentierten weiblichen Reize. Dank niedlicher Brille und strengem Blick versprüht die gute Frau zudem unglaubliche Intelligenz und erinnert nicht zu unrecht an eine Lehrerin (und auch ein wenig an Sarah Palin), weiß den Eindruck aber auch gekonnt unter Beweis zu stellen! Selbst wenn die zahlreichen Videos aus dem Spiel eine wilde Buttonorgie vermuten lassen, so ist, bzw. sollte jeder Handgriff durchdacht sein!
Bayonetta
Wie gewieft diese Frau tatsächlich ist, verrät allein der Blick in die tiefschwarzen, alles durchdringenden Augen. Doch abseits des Massenschlachtens werden die grauen Hirnzellen nur recht partiell in Anspruch genommen. Die Rätselkost beschränkt sich auf einige kleine Schalterprobleme, geschichtliche Phänomene und einige Timingaufgaben, welche gekonnt mit den Hexenmöglichkeiten vermischt wurden und dadurch eine angenehme Kost ergeben. Wirklich herausfordernd oder gar knackig wird es aber zu keiner Zeit, wodurch sich die adrette Dame von "Devil May Cry" wiederum unterscheidet. Bayonetta will ein flottes, einzig durch schicke Videosequenzen unterbrochenes Actionabenteuer mit Superlativen, überschwänglicher Grafikpracht und nahezu völlig übertriebenen Aktionen darstellen, ohne dabei in irgend einer Form die Spaßbremse zu ziehen. Dies ist den Entwickler auch nahezu gelungen! Das spaßige Kampfsystem birgt nur marginale Mängel, wie zum Beispiel der Zwang auf maximal gleichzeitig nutzbare Waffen und die leckeren Lollies sind umständlich über das Steuerkreuz zu erreichen. Doch nicht nur deshalb müsst ihr vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden geradezu taktisch vorgehen, denn grundsätzlich steckt in der Defensive der eigentliche Sieg, obwohl die Gute nicht einmal Angriffe physikalisch blocken kann! Daher gilt nach langen Tastencombos stets einen Schritt zurückweichen oder den Feind umtänzeln, um dessen Gegenschläge auszuweichen. Korrekt durchgeführt, sobald ein Gegner mit der Pranke oder Waffe Bayonetta erwischen würde, wechselt das Spiel in die Hexenzeit (Witch-Time) und der Bildschirm verfärbt sich lila. Alles verläuft wie in Zeitlupe, nur eure Aktionen nicht, die wesentlich effektiver ausfallen.
