Eine Hexe mit zwei Gesichtern wie Tag und Nacht. Die dominante Schnetzel-Dame Bayonetta endlich im PAL-Vergleich.
Bayonetta
Vorrausschauendes Denken und die Hexenzeit stellen letztendlich den Schlüssel zum Erfolg, vor allem bei den zahllosen beeindruckenden Bossgegnern. Diese Kolosse tauchen durchaus auch mal unerwartet auf und verwandeln gern komplette Gebäude in Schutt und Asche. Es entfacht ein kombinierter und intensiver Kampf aus Actionsequenzen und gekonnten Angriffen, Quick-Time-Events und spektakulär in Szene gesetzte Schnetzeleinlagen - wobei die eigentliche Schwachstelle des Obermuftis oftmals erst gefunden werden muss. Und da die Action allein den Entwicklern noch nicht famos genug war, werden die Fights oft atemberaubend inszeniert und offerieren Gefechte, die einen nicht selten zu Schwindelgefühlen verhelfen! Da kann man durchaus mal den Kopf verlieren, sofern unser Gegenüber dies nicht schon voraus nimmt! Wirklich erstaunlich an Bayonetta ist aber die Tatsache, dass Platinum Games von Beginn an ein extremes Feuerwerk verballert, welches gefühlsmäßig jederzeit zu bersten droht und somit unweigerlich die süchtig machende Illusion zerstören würde. Dank spontaner und stets perfekt getimter geschichtlicher Einlagen, stets neu auftauchender Feinde, deren man meist nur mit bisher nicht genutzten Taktiken Herr wird und der unglaublichen Steigerung an pompösen Bildern flacht das Niveau aber nahezu nie ab!
Zurück zu den harten Wurzeln
Bayonetta
Unter dem wohltuenden Klang des Blei- und Klingengewitters, welches uns verträumt in den Sessel katapultiert, verschmelzen mehrere kleine Abschnitte auch genannt "Verse" zu einem kompletten Kapitel, dessen Endwertung vor allem für Rekordjäger interessant ist. Denn je nach Können und gezeigter Leistung werden entsprechende Orden verliehen. Sofern man aber nun nicht auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad durch die Gegend wandelt, welcher mit nur einer Schlagtaste das unglaublich gelungene Kampfsystem nahezu völlig außer Kraft setzt, wird man sich ordentlich die Zähne ausbeißen! Jeder neue Feind stellt eine Herausforderung dar und diese will studiert sein. Frust, Leid sowie aufkeimendes Selbstbewusstsein gehen einander her mit Freudentänzen und Glücksgefühlen! Denn zahlreiches Ableben der Hexe ist vorprogrammiert und doch gelingt es mit Übung und Mut, eine knackige Situation zu bezwingen. Sobald man den Abspann hinter sich gebracht hat, sorgen höhere Schwierigkeitsgrade, zusätzliche Herausforderungen mit speziellen Aufgaben und die Suche nach verloren gegangenen Kapitel für einen zusätzlichen Adrenalinkick. Innerhalb eines Kapitels verbergen sich nämlich oftmals zahlreiche Bereiche, welche man nur mit viel Glück und Geduld zu Gesicht bekommt. Darüber hinaus gibt es schier unendlich viele Dinge zum Freischalten, wofür man aber ein wachsames Auge habe und Durchhaltevermögen zeigen musst. Schnell wird aus einem normalen Storydurchlauf von etwa 7-10 Stunden ein "Lebenswerk" was dank mehrmaliger Durchgänge weit mehr als 40 Stunden in Anspruch nehmen kann. Einfach klasse auch dabei die Tatsache, dass Bayonetta das erspielte Repertoire an Moves und die zahlreichen Waffen aus der Unterwelt beim nächsten Ausflug wieder mit dabei hat. Offenkundig wird mehrmaliges Durchspielen befürwortet und sorgt dafür, dass auch unerfahrene Spieler mit der Zeit die Herausforderung meistern. Dennoch richtet sich das Spiel sowohl von seiner Art, als auch vom Schwierigkeitsgrad her ganz klar an erfahrene Gamer, die nicht sofort aus Frust den Controller gegen die Wand schmettern und eine gehörige Portion Geduld aufbringen können!
Bayonetta
Und trotz aller Lobeshymnen, die meinen Fingern bisher entsprungen sind, will ich auch die Kritikpunkte nicht ganz außer acht lassen. Denn nicht alles was schmeichelhaft glänzt und das Auge verwöhnt, ist zugleich Gold wert! Für Risse in der pompösen Fassade sorgt unter anderem die streng lineare Levelarchetektonik, deren Schlauchverhalten unter Umständen selbst für die Umbrahexe unsichtbare Mauern und unvermeidlich Kampfarenen beinhaltet. Mit Schmackes müssen etliche Gegner über den Jordan gepfeffert werden, bevor sich der Pfad in die Zukunft offenbart und die Geschichte wieder voranschreitet. Hommagen an selige SEGA Zeiten zollen zwar ihren Tribut an Klassikern wie Outrun, doch die zur Abwechslung ersonnene Abschnitte wurden, im Gegensatz zum restlichen Design, geradezu lieblos umgesetzt. Auf dem Motorrad wirkt die gute Frau fast gar unbeholfen und verliert völlig ihren Glanz, dank unsachgemäßer Verarbeitung der Steuerung und dem Spielverhalten. Darüber hinaus überschreitet der Soundtrack durchaus auch mal geschmackliche Grenzen - dieser unterstreicht dank verrückter japanischer Mucke aber wiederum die abgedrehten Szenarien auf dem Bildschirm und passt - groteskerweise - wie die Faust aufs Auge! Dennoch wird Bayonetta neben zahlreichen Freunden auch viele Kritiker finden, die einfach nichts mit ihrer Art anfangen können - es wird ein kontroverses Spiel der Extraklasse für ein ausgewähltes Publikum bleiben!
