Black Widow: Marvel muss mit den unpassenden Pop-Songs aufhören

Special Christian Fussy
Black Widow: Marvel muss mit den unpassenden Pop-Songs aufhören
Quelle: Marvel Studios

Seit Guardians of the Galaxy setzen die Marvel Studios für die musikalische Untermalung ihrer aktuellen Blockbuster-Filme wieder vermehrt auf bekannte Rock- und Pop-Songs. Was in einigen Fällen hervorragend funktioniert, wirkt anderswo aber komplett deplatziert. So auch in Black Widow. Was muss sich ändern?

Die erste Kameraeinstellung hält auf einer Straße mitten in Afghanistan. Dann sehen wir Militärfahrzeuge durch die Pampa brettern. Zu den Klängen von AC/DC werfen wir einen Blick ins Innere eines dieser Fahrzeuge. Auf dem Rücksitz befindet sich Tony Stark. So beginnt der allererste MCU-Film "Iron Man" aus dem Jahr 2008. Populäre Songs waren also bereits in der Frühphase ein wichtiger Bestandteil des Franchise. Nachdem es bei "Iron Man 2" sogar ein eigenes Tie-In Album der australischen Hard-Rock-Institution gab, verschwand die Musik jedoch nach und nach aus dem Marvel-Kosmos. Erst mit den "Guardians of the Galaxy"-Filmen und "Thor: Ragnarok" kehrte der Trend zurück. Mit gemischten Resultaten.

Wo der Einsatz von Rockklassikern in "Guardians" 1 und 2 hervorragend zum Space-Opera-Tonfall der Filme passt und sogar in Peter Quills Vergangenheit verankert ist, werden die Popsongs in anderen Marvel-Filmen augenscheinlich ohne Fingerspitzengefühl und aus rein oberflächlichen Gründen eingestreut. Zwar erreicht man damit immer noch nicht das Level der Konkurrenz von Warner Bros., die es geschafft hat, für "Suicide Squad" gefühlt den halben Inhalt von Spotify zu lizenzieren, nur um dann absolut nichts Erinnerungswürdiges damit zu veranstalten. Guardians of the Galaxy Quelle: Disney Guardians of the Galaxy Trotzdem hat die Firma bei ihren letzten Filmen ein paar wirklich sonderbare Entscheidungen hinsichtlich der Musik getroffen. Vor allem "Captain Marvel" litt unter der unpassenden Untermalung von Szenen. Da der Film in den 90er Jahren spielt, wurde beim Soundtrack logischerweise auf Hits der Dekade zurückgegriffen. Das macht die Szene, in der sich die Titelheldin zu "Just A Girl" von No Doubt mit Aliens kloppt, aber nicht weniger peinlich. Am Schlimmsten ist aber wohl der Einsatz von Nirvanas "Come As You Are", das in einer Dialogszene zwischen Carol Danvers und der Schurkin Supreme Intelligence im Hintergrund läuft und dabei vollkommen deplatziert wirkt.

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Traurige Cover-Versionen

Bei "Black Widow" (Filmkritik) hat sich Marvel nun erneut an den Grunge-Rockern vergangen. Über den Vorspann erklingt eine müde Cover-Version von "Smells Like Teen Spirit", die wohl den düsteren und dramatischen Tonfall des Films unterstreichen soll. Mit den dadaistischen Lyrics von Kurt Cobain sorgt das von vornherein für eine gewisse Dissonanz, vor allem aber langweilt der Song, weil er sich lediglich in die nervige Tradition einreiht, nostalgische Hits in gespenstisches Gedudel zu verwandeln. Es ist auch nicht das erste Mal, dass der Track in letzter Zeit eingesetzt wurde. Bereits für den Trailer des faden und höchst vergessenswerten Horror-Streifens "The Gallows" wurde ein Cover des Songs derselben Künstlerin verwendet.

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Bei Trailermusik läuft dieser Trend bereits seit fast 10 Jahren. So finden sich langsame Versionen von Popsongs u.a. in den Vorschauen zu "The Social Network" ("Creep"), "Zero Dark Thirty" ("Nothing Else Matters"), "Suicide Squad" ("I Started A Joke"), "Fifty Shades of Grey" ("Crazy In Love") und "A Walk Among The Tombstones" ("Black Hole Sun"). Auch vor ikonischen Filmscores wird dabei nicht Halt gemacht. So geschehen z.B bei den Trailern zu "Jurassic World" und "Ghostbusters". Das ist an sich auch nicht schlecht. Die Version von "Creep" aus dem obig erwähnten "Social Network"-Trailer passt hervorragend. Hier ist vielmehr die Fülle entscheidend. Und die damit einhergehende Frage, ob es denn wirklich nötig ist, überall auf dieselbe Methode der Musikuntermalung zurückzugreifen. Vor allem, wenn die ursprünglichen Songs eine so einzigartige Wirkung erzielen, während die Cover immer in dieselbe Kerbe schlagen.

Die 90er in 3 Songs

"Black Widow" spielt teilweise in den 1990er Jahren. Dass sich auf dem Soundtrack ein Hit aus der Zeit befindet, ist also alles andere als abwegig. Selbst die Entscheidung, auf ein modernes Cover zurückzugreifen, um den im Vorspann gezeigten Lauf der Zeit zu verdeutlichen, ist eine logische. Von der cleveren Verwendung der Musik in "Guardians" ist "Black Widow" aber dennoch weit entfernt. Man merkt an der Auswahl der Songs, dass James Gunn bei der Zusammenstellung der Soundtracks sehr minutiös vorgeht und eben nicht nur Welthits aus den 70ern und 80ern in seine Filme einbaut, sondern Lieder, die ganz besonders zur Situation passen oder dem Musikgeschmack von Star Lords Mutter entsprechen. Natürlich ist es absolut denkbar, dass Natasha in ihrer Kindheit begeistert Nirvana gehört hat, aber durch die Verzerrung der Musik und den fehlenden Kontext entsteht dieser Bezug beim Publikum nicht. Der einzige Effekt, der einsetzt ist die Erinnerung daran, dass wir ein berühmtes Lied aus den 90ern hören.

Scarlett Johansson und Florence Pugh in Black Widow. Quelle: Marvel Studios Yelena (Florence Pugh) und Natasha (Scarlett Johansson) Auch der Song "American Pie" von Don McLean befindet sich im Film. Er ist allerdings nicht nur auf dem Soundtrack zu hören, sondern sogar diegetisch im Film. Es handelt sich um Yelenas Lieblingslied aus ihrer Kindheit. Allein durch diese emotionale Verbindung ist der wiederholte Einsatz der Musik gerechtfertigt und erzielt die gewünschte Wirkung. Das bedeutet natürlich nicht, dass jede Marvel-Figur einen speziellen Song braucht, mit dem sie ihre Kindheit verbindet. Die Musik sollte nur passen. Und dabei wäre es ja eigentlich leicht, einfach eine Künstlerin zu engagieren und mit ihr einen neuen Song zu produzieren.

Neue Musik für das Blockbusterkino

Wahrscheinlich hätte für den Vorspann ein komplett origineller Song sogar besser gepasst. Bei "Black Widow" handelt es sich ja nicht nur um einen Nostalgietrip, sondern auch um einen Spionagefilm. Dementsprechend haben die Credits einen distinktiven "James Bond"-Vibe. Auch damit ist ja bereits Nostalgie verbunden. Insbesondere die Bond-Filme aus den 1990er Jahren handeln ja vom Ende des Kalten Krieges und den Veränderungen, die damit einhergehen. Ein Motiv, das "Black Widow" zwar nicht direkt aufgreift, aber zumindest anschneidet. Einen frischen "Bond-haften" Song zu hören, wäre sicherlich eine positive Überraschung gewesen.

Ab und an kommt es ja schon vor, dass Marvel aktuelle oder extra für den Film geschriebene Lieder in den Credits unterbringt, so etwa in "Guardians of the Galaxy Vol. 2", wo David Hasselhoff eine neue Nummer zum Besten geben kann. Und in der Serie "WandaVision" liegt der Fokus ebenfalls auf neuen Kompositionen, die zum jeweiligen Stil der Episode passen. Wie immer wäre ein gesunder Mittelweg wahrscheinlich die beste Strategie. Sodass wir nicht auf die Klänge von Led Zeppelin und Marvin Gaye verzichten müssen, aber dennoch ab und an auch wieder ein bisschen neue Musik auf die Ohren bekommen.

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Was meint ihr? Ist euch die Musik in "Black Widow" besonders positiv oder negativ im Gedächtnis geblieben?

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