Der Aufstieg und Niedergang von Blizzard Entertainment - Das Buch von Jason Schreier liefert faszinierende Einblicke

Special Matthias Dammes
Der Aufstieg und Niedergang von Blizzard Entertainment - Das Buch von Jason Schreier liefert faszinierende Einblicke
Quelle: Hachette Book Group / PC Games

Matthias hat sich das neue Buch von Jason Schreier über die Geschichte von Blizzard Entertainment zu Gemüte geführt und kann es euch nur empfehlen.

Ich habe mal wieder etwas gelesen. Deshalb willkommen zurück zu einer neuen Ausgabe der Gamer-Lektüre, wo ich euch interessante Bücher zu Videospielen vorstelle. Diesmal geht es nicht um einen Begleitroman oder -Comic zu einem der vielen Universen der Videospielwelt. Stattdessen habe ich mir in den vergangenen Wochen das neueste Werk des US-amerikanischen Journalisten Jason Schreier zu Gemüte geführt.

Der Autor hat sich einen Namen als investigativer Reporter gemacht, der mit seinen Berichten, zunächst bei Kotaku und seit einigen Jahren bei Bloomberg, regelmäßig in die innersten Vorgänge der Industrie eindringt. Dabei beleuchtet er die Vorgänge in Studios und bei Publishern, deckt Missstände auf und liefert Gründe für ansonsten kaum zu verstehende Geschehnisse im Hintergrund.

In seinem neuesten Buch "Play Nice: The Rise, Fall and Future of Blizzard Entertainment" widmet er sich ausführlich der bewegten Geschichte eines der berühmtesten Videospiel-Studios aller Zeiten.

Der Aufstieg von Blizzard Entertainment

Dass es gerade bei Blizzard viel zu erzählen gibt, überrascht mich nicht. Schließlich hat das Studio in seiner über 30-jährigen Geschichte massenweise Hits produziert, aber auch öffentlichkeitswirksam negativ von sich Reden gemacht. Entsprechend reist Jason Schreier in seinem Buch auf über 350 Seiten einmal quer durch die bewegte Historie des Studios. Ein Unternehmen, das von Nerds aufgebaut wurde, dem sein eigener Erfolg zuweilen über den Kopf wuchs und das immer wieder einen erbitterten Kampf gegen den Einfluss diverser Muttergesellschaften führte.

Die ersten Kapitel des Buches sind dabei noch sehr unbeschwert zu lesen. Ich mag diese Geschichten von jungen Träumern, die ihren eigenen Weg gehen wollen. Nun beginnt die Story von Blizzard nicht zwingend in einer der typischen Garagen, aber die Situation ist die gleiche. Die Träumer waren in diesem Fall die drei Studienabsolventen Allen Adham, Mike Morhaime und Frank Pearce. Sehr spannend fand ich zu lesen, wie chaotisch die Zustände in der zunächst Silicon & Synapse genannten Firma waren. So bezeichneten es die Beteiligten selbst auch als "Management by Chaos".

Bild des ersten Warcraft. Quelle: Moby Games  Schreier beschreibt sehr eindrücklich Zustände, die man sich heute kaum noch so vorstellen kann. Und trotzdem entstanden dabei einige der wichtigsten Videospiel-Marken, die es bis heute gibt. Warcraft, Starcraft und Diablo haben meine Kindheit genauso wie die vieler anderer heute erwachsener Gamer geprägt. Zu lesen, wie diese Marken aus den verrückten Ideen eines Haufens von Nerds entstanden und unter welchen Umständen die Spiele zusammengeschustert wurden, war sehr faszinierend.

So befasst sich der erste Abschnitt des Buches mit genau diesen Entstehungsgeschichten. Wie es zu Warcraft kam, wie ein zunächst externes Team, das schließlich als Blizzard North integriert wurde, mit Diablo ein Genre revolutionierte und wie die Besessenheit der Blizzard-Entwickler mit Everquest zu World of Warcraft führte. Das als "Der Aufstieg" betitelte erste Drittel des Buches endet mit der Übernahme und Verschmelzung durch und mit Activision zum neuen Megakonzern Activision Blizzard.

Die Kotick-Dämmerung? Was der Activision-Blizzard CEO über die Vorwürfe wusste Quelle: Activision Blizzard

Der Fall von Blizzard Entertainment

Dieser einschneidende Vorgang im Jahr 2008 stellte eine Zäsur für Blizzard dar, sie konnten zu dem Zeitpunkt nur noch nicht erkennen, wie sehr. Ausgezeichnet hat mir dabei gefallen, dass Jason Schreier sich die Zeit nimmt, auch ausführlich auf die Geschichte von Activision und dessen CEO Bobby Kotick einzugehen. Schließlich sind für die nächsten 15 Jahre viele Dinge, die bei Blizzard passieren, auch eng mit Bobby Kotick verknüpft.

Der Mittelteil des Buches mit dem Titel "Der Absturz" ist ein Wechselbad der Gefühle. Blizzard hat in dieser Zeit durchaus noch immer große Erfolge. World of Warcraft eilt von einem Nutzerrekord zum nächsten, Overwatch wird zum Megaphänomen und mit Hearthstone führt das Studio sogar ein Sammelkartenspiel zu ungeahntem Erfolg. Es gibt aber auch immer mehr Rückschläge. Der größte davon ist das Scheitern von Projekt Titan, mit dem man aus dem eigenen Haus einen Killer für World of Warcraft erschaffen wollte.

Jason Schreiber beschreibt dabei interessante Hintergründe, die häufig, vor allem in dieser Deutlichkeit, bisher nicht in der Öffentlichkeit bekannt waren. So konnte ich mir auch sehr gut ein Bild davon machen, wie über die Jahre der Einfluss von Activision bei Blizzard immer mehr stieg und welche Rolle die vermehrten Rückschläge dabei spielten. Sehr spannend fand ich in diesem Zusammenhang auch die vielen direkt zitierten Aussagen von Zeitzeugen. Das gilt für das gesamte Buch.

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